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Hund in Baden-Württemberg: Was wirklich gilt Es gibt diesen Moment im Oktober, irgendwo zwischen Belchen und Feldberg, wenn die Buchen golden stehen und unter den Pfoten deines Hundes…

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Hund in Baden-Württemberg: Was wirklich gilt

Es gibt diesen Moment im Oktober, irgendwo zwischen Belchen und Feldberg, wenn die Buchen golden stehen und unter den Pfoten deines Hundes Laub und Tannenzapfen knirschen. Kein Auto, kein Spaziergänger, nur Nebel, der aus den Tälern zieht. Baden-Württemberg ist für Hundehalter dieser Stoff, aus dem Sonntagvormittage gemacht sind: Schwarzwald, Schwäbische Alb, Bodensee, Kraichgau, Oberrhein. Drei Mittelgebirge, ein See, dazwischen Streuobstwiesen und Wacholderheiden.

Und dann ist da die andere Seite. Baden-Württemberg ist das Bundesland, das seinen Hundehaltern besonders viel Selbststudium abverlangt. Es gibt kein umfassendes Landeshundegesetz wie in Niedersachsen oder NRW. Statt eines klaren Pakets bekommst du eine Polizeiverordnung für gefährliche Hunde, ein Landeswaldgesetz, ein Jagd- und Wildtiermanagementgesetz und rund 1.100 Gemeinden, die ihre Leinen- und Steuerregeln selbst stricken. Wer das ignoriert, lernt es spätestens beim ersten 75-Euro-Zettel vom Ordnungsamt.

Leinenpflicht in Baden-Württemberg: vier Regelebenen, die zusammenspielen

Eine landesweite Leinenpflicht für alle Hunde existiert nicht. Was gilt, ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Polizeiverordnung, Waldgesetz, Jagdgesetz und kommunaler Regelung. Klingt nach Bürokratie, ist im Alltag aber gut zu sortieren.

Wald: keine generelle Leine, aber harte Bedingung

Im Wald entscheidet der Rückruf, nicht die Leine. In den Wäldern Baden-Württembergs gibt es keinen Leinenzwang für Hunde. Entscheidend ist, dass du deinen Hund nur dann frei laufen lässt, wenn du ihn auch ohne Leine sicher unter Kontrolle hast und unverzüglich zu dir rufen kannst. Ist das nicht der Fall, begehst du eine Ordnungswidrigkeit. Das Landeswaldgesetz zieht zusätzlich klare Grenzen: Im Wald oder im Abstand von weniger als 100 Metern vom Wald darf man Hunde nicht im Bereich von Kinderspielplätzen, Spiel- und Liegewiesen sowie Wassertretanlagen frei laufen lassen (§ 83 Abs. 8 LWaldG).

Praxis: Der Pudel, der dir auf 30 Meter zuverlässig kommt, darf laufen. Der Junghund mit Sichtkontakt zu allem Zweibeinigen gehört an die Schleppleine. Vor einem Picknickwiesen-Schild bleibt die Leine dran, auch wenn der Wald frei ist.

Brut- und Setzzeit: keine Pflicht, aber eine sehr ernste Empfehlung

Im März, wenn die ersten Rehkitze gesetzt werden und Bodenbrüter wie die Feldlerche brüten, sieht der Gesetzgeber in BW von einer landesweiten Pflicht ab. Es existiert keine spezifische Leinenpflicht während der Brut- und Setzzeit. Allerdings müssen Hunde in Jagdrevieren ganzjährig faktisch unter Kontrolle geführt werden, bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 5.000 Euro. Nach § 51 JWMG kann die untere Jagdbehörde für bestimmte Gebiete per Allgemeinverfügung anordnen, dass das Recht zum Betreten von Wald und offener Landschaft auf Straßen und Wege beschränkt wird und Hunde dort an der Leine zu führen sind.

Heißt: Es gibt kein landesweites „ab 1. April Leine“. Aber es gibt Kommunen mit eigenen Brutzeit-Regeln. In Heidelberg etwa gilt sie vom 15. März bis 31. August. Wer von Karlsruhe in die Hardt fährt oder von Stuttgart in den Schönbuch, prüft vorher die Allgemeinverfügung der Zielgemeinde. Eine Minute Googlen erspart das Gespräch mit dem Förster.

Kommunale Reglements: der Flickenteppich der Großstädte

Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim, Freiburg, Heidelberg, Ulm: Jede Stadt hat eigene Vorschriften. Baden-Württemberg überlässt die Regelungen zum Leinenzwang den Städten und Kommunen. In Stuttgart greift die Leinenpflicht in öffentlichen Grünanlagen, Fußgängerzonen und bei Menschenansammlungen; dazu kommen Betretungsverbote für Schul- und Kindertagesstätten, Spielplätze, Volksfeste und Arenen. In Mannheim mischt sich gerade eine weitere Ebene dazu: Eine Allgemeinverfügung zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest enthält in Sperrzonen eine Leinenpflicht, die bei neuen Fällen weiter verschärft werden kann.

Konsequenz: Wer aus einem Dorf im Hohenlohischen am Sonntag in die Stuttgarter Innenstadt fährt, schaltet im Auto schon mental um. Was im Heimatort niemanden interessiert, kostet im Stadtkreis Stuttgart ein dreistelliges Bußgeld.

Naturschutzgebiete und Nationalpark Schwarzwald

Im Nationalpark Schwarzwald und in den rund 1.000 Naturschutzgebieten des Landes gilt die jeweilige Schutzgebietsverordnung. Im Klartext: angeleint, auf den Wegen, immer. Wer den Lotharpfad oder den Wildseeblick mit Hund läuft, hält die Leine kurz und den Blick offen für die Schilder. In der Wutachschlucht oder am Mindelsee sieht das nicht anders aus.

Listenhunde in Baden-Württemberg: erlaubnispflichtig, nicht verboten

Hier wird Baden-Württemberg präzise. Drei Hunderassen, American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier, gelten nach der Polizeiverordnung grundsätzlich als besonders gefährlich und aggressiv und damit als „Kampfhunde". Bei neun weiteren Rassen, darunter Bullmastiff, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Bordeaux Dogge, Fila Brasileiro, Mastin Espanol, Mastino Napoletano, Mastiff und Tosa Inu, gilt die Kampfhundeeigenschaft, wenn Anhaltspunkte auf gesteigerte Aggressivität bestätigt und von der Ortspolizeibehörde amtlich festgestellt werden.

Rechtsgrundlage ist die Polizeiverordnung über das Halten gefährlicher Hunde (HuV BW 2000) vom 3. August 2000, zuletzt geändert durch Gesetz vom 3. Februar 2021 (GBl. S. 53, 54). Was das im Alltag heißt:

  • Für mehr als sechs Monate alte Kampfhunde und für sonstige gefährliche Hunde gilt Leinen- und Maulkorbpflicht in der Öffentlichkeit.
  • Wer einen Kampfhund halten will, braucht eine Erlaubnis der Ortspolizeibehörde. Sie kann nur unter engen Voraussetzungen erteilt werden: berechtigtes Interesse, Zuverlässigkeit, Sachkunde, keine Gefahr für Dritte.
  • Pflicht sind außerdem eine unveränderliche Kennzeichnung, eine Haftpflichtversicherung und das ständige Mitführen der Erlaubnis.
  • Kampfhunde dürfen nicht gezüchtet oder gekreuzt werden, jede Vermehrung ist ausgeschlossen, und sie sind dauerhaft unfruchtbar zu machen.

Die Kampfhundeeigenschaft lässt sich durch eine Prüfung („Negativzeugnis") widerlegen, die vor einem im öffentlichen Dienst beschäftigten Tierarzt und einem Polizeihundeführer abzulegen ist. Dazu kommt eine amtliche Feststellung der Ortspolizeibehörde, dass die Kampfhundeeigenschaft widerlegt ist. Wer einen American Staffordshire Terrier mit bestandenem Wesenstest hält, wird trotzdem nicht zum Halter eines „normalen" Hundes, aber der Aufwand sinkt deutlich.

Hundesteuer und Anmeldung

Hundesteuer ist in Baden-Württemberg Sache der Gemeinde. Das ist der Grund, warum derselbe Labrador in Tübingen 108 Euro, in Stuttgart 132 Euro und im Nachbardorf vielleicht 60 Euro kostet. Für eingestufte Kampfhunde greifen fast überall erhöhte Sätze, je nach Gemeinde 600 bis über 1.000 Euro pro Jahr. Anmeldepflicht: meist innerhalb von zwei bis vier Wochen nach Zuzug oder Anschaffung, beim Steueramt der Wohnsitzgemeinde. Blindenführ- und Assistenzhunde sind in den meisten Satzungen befreit, der Nachweis läuft über Schwerbehindertenausweis und Bescheinigung. Wer einen Wesenstest besteht, kann in vielen Gemeinden den erhöhten Steuersatz abwenden, ein Anruf beim Ordnungsamt klärt das schneller als jedes Forum.

Wildernde Hunde und Jagdrecht: das unterschätzte Risiko

Frühjahr, Schönbuch, dein Hund nimmt eine Fährte auf, du rufst, er hört nicht. In den meisten Bundesländern wäre das jetzt der Moment, in dem ein Jagdausübungsberechtigter abwägen darf, ob er schießt. In Baden-Württemberg ist die Hürde höher.

Wildernde, jagende oder hetzende Hunde dürfen nach schriftlicher Genehmigung der Ortspolizeibehörde in Einzelfällen getötet werden, wenn andere Maßnahmen nicht erfolgsversprechend sind (§ 49 JWMG). Der Abschuss in Baden-Württemberg darf also nur mit schriftlicher Genehmigung der örtlichen Polizei erfolgen. Vorher steht in aller Regel ein intensives Gespräch mit den Hundehaltern. Erst wenn keine Einsicht erkennbar ist, kann die Polizei die Genehmigung erteilen.

Das ist deutlich strenger als die spontane Schusserlaubnis nach Bundesjagdgesetz, wie sie in vielen anderen Bundesländern faktisch greift. In BW heißt das: Der Jäger, der deinen wildernden Hund am Waldrand sieht, darf nicht einfach schießen. Er muss dich, dein Tier und seine Mittel erst dokumentieren und einen Antrag stellen. Trotzdem bleibt das Risiko real, vor allem an der Grenze zu Bayern oder dem Elsass, wo andere Regeln gelten. Und die 5.000 Euro Bußgeld für einen freilaufenden Hund im Jagdrevier zahlt man auch ohne Schuss. Wer im April durch den Schwäbischen Wald läuft, hat die Schleppleine dabei. Nicht aus Pflicht, aus Vernunft.

Die besten Routen in Baden-Württemberg – mit korrekter Rechtslage

Nordschwarzwald: Wildsee, Hornisgrinde, Bad Wildbad

Im Oktober riecht der Nordschwarzwald nach nassem Moos und Harz. Der Westweg startet hier, 285 Kilometer bis Basel, in Etappen begehbar, kaum eine Strecke in Deutschland trägt einen Hund so weit ohne Asphalt. Achtung: Der Wildseeblick im Nationalpark Schwarzwald ist Schutzgebiet, Leine Pflicht. Außerhalb der Kernzonen läufst du in den Wäldern um Bad Wildbad und Forbach mit gutem Rückruf frei. Die Sommerberg-Bergbahn nimmt Hunde mit, ein Detail, das im August Goldgewicht hat.

Südschwarzwald: Feldberg, Belchen, Wutachschlucht

Am Feldberg kannst du im Sommer auf 1.493 Meter steigen und merken, wie der Hund plötzlich anders atmet, kühler, langsamer. Schöner ist es im Spätherbst. In der Wutachschlucht selbst: Leine, die Wände sind eng, das Wasser laut, andere Wanderer kommen plötzlich um die Ecke. Auf den Hochlagen rund um den Belchen läuft viel offen, aber Weidezäune und Herdenschutz kommen vor. Das gilt erst recht auf der Alb.

Schwäbische Alb: Biosphärengebiet, Donautal, Lochenstein

Auf der Alb geht der Wind auch im Juni durch die Wolljacke. Wacholderheiden, Trockenwiesen, weite Sicht bis zum Bodensee an klaren Tagen. Im Biosphärengebiet weiden Schafherden mit Pyrenäenberghunden und Kangals. Diese Hunde arbeiten, sie spielen nicht. Sobald du eine Herde siehst, geht dein Hund an die Leine, du machst einen Bogen, du sprichst leise. Das ist keine Höflichkeit, das ist Selbstschutz.

Bodensee: Bodman, Mindelsee, Eriskircher Ried

Der Bodensee ist im Hochsommer für Hunde knifflig. Die meisten Liegewiesen und Hauptbadestellen sind tabu, einige Strandbäder erlauben Hunde gar nicht. Lohnender sind die Ufer um Bodman-Ludwigshafen, das Eriskircher Ried (Naturschutzgebiet, Leine!) und die Wälder hinter Sipplingen. Die Mettnau bei Radolfzell ist Naturschutzgebiet, Wegegebot und Leinenpflicht, das Hochmoor ist die Mühe wert. Im Winter, wenn der Nebel über dem Untersee steht, ist der Bodensee mit Hund am schönsten.

Was Baden-Württemberg anders macht als der Rest der D-A-CH-Region

Drei Dinge stechen heraus. Erstens: Es gibt kein einheitliches Landeshundegesetz. Anders als Niedersachsen, NRW oder Hamburg überlässt BW Leinen- und Anmelderegeln den Kommunen, behält aber die Gefahrenabwehr per Polizeiverordnung in eigener Hand. Zweitens: Im Wald gilt grundsätzlich kein Leinenzwang, nur Kontrollpflicht. Das ist liberaler als Thüringen oder Schleswig-Holstein, wo im Wald ganzjährig Leine gilt. Drittens: Der Abschuss wildernder Hunde steht unter polizeilichem Genehmigungsvorbehalt. Wer aus Bayern, Hessen oder Österreich kommt, sollte das wissen, weil dort andere Schwellen gelten.

Häufig gestellte Fragen

Gibt es in Baden-Württemberg eine allgemeine Leinenpflicht?
Nein. Baden-Württemberg hat kein umfassendes Landeshundegesetz. Für gefährliche Hunde gilt landesweit die Polizeiverordnung HuV BW 2000 mit Leinen- und Maulkorbpflicht in der Öffentlichkeit. Für alle anderen Hunde regeln die Gemeinden eigenständig. Im Wald besteht kein genereller Leinenzwang, aber Pflicht zur jederzeitigen Abrufbarkeit.

Darf ich meinen Hund im Schwarzwald frei laufen lassen?
Außerhalb von Naturschutzgebieten und Nationalpark-Kernzonen ja, sofern du ihn sicher kontrollierst. Im Nationalpark Schwarzwald und in NSGs gilt Leinenpflicht laut Schutzgebietsverordnung. Die Beschilderung vor Ort ist verbindlich.

Darf ein Jäger meinen Hund erschießen?
In Baden-Württemberg nur mit schriftlicher Genehmigung der Ortspolizeibehörde nach § 49 JWMG, wenn andere Maßnahmen nicht erfolgversprechend sind. In der Praxis ist das die strengste Regelung in Deutschland. Trotzdem reicht ein Verstoß gegen die Kontrollpflicht im Jagdrevier für ein Bußgeld bis 5.000 Euro.

Welche Rassen sind in Baden-Württemberg verboten?
Keine. American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier gelten als Kampfhunde nach § 1 Abs. 2 HuV BW, die Haltung ist erlaubnispflichtig, nicht verboten. Mit bestandenem Wesenstest und Negativzeugnis kann die Einstufung widerlegt werden.

Gilt während der Brut- und Setzzeit Leinenpflicht?
Nicht landesweit. Einzelne Kommunen wie Heidelberg ordnen eine eigene Leinenpflicht in dieser Zeit an (in Heidelberg vom 15. März bis 31. August). Die untere Jagdbehörde kann nach § 51 JWMG für einzelne Gebiete eine Allgemeinverfügung erlassen.

Quellen