Junghund: wenn er ausgerechnet dich nicht mehr hört
Etwa ab dem sechsten Monat ist dein Hund kein Welpe mehr, aber auch noch lange nicht erwachsen. Diese Phase ist anders. Hier kommt zusammen, was du wissen musst.
Inhalt
- Was in diesen Monaten wirklich passiert
- Wie die Phase eskaliert, ohne dass jemand einen Fehler macht
- Die eine Entscheidung, die sich nicht zurücknehmen lässt
- Was davon bleibt
- Und für dich als Halter
- Warum wir diese Phase so ernst nehmen
- Häufige Fragen zur Junghundzeit
- Wo du jetzt weiterliest
- Ratgeber für diese Phase
- Hundesport sucht Nachwuchs – aber bitte nicht zu modern
- Ist mein Hund testosterongetrieben? – Ein verständlicher Ratgeber für Hundehalter
- Sexueller Trieb bei Jungrüden: Ursachen verstehen, sinnvoll handeln
- Die pubertären Phasen des Hundes erkennen & verstehen – und gelassen begleiten
- Fadik-Syndrom beim Hund
- Hunde-Trainingsplan, einfach ein Beispiel
- Pubertät beim Hund: So meisterst du die stürmische Phase deines Vierbeiners
- Ratgeber: Die vorpubertäre Rudelordnungsphase beim Hund
- Begriffe und Definitionen
Die Phase erwischt fast alle. Und sie trifft zuerst die Person, der er am meisten vertraut.
Ein halbes Jahr lang lief es. Der Rückruf sass, die Leine war meistens locker, in der Welpenstunde war er der Vernünftige. Dann steht er an einem Dienstag im Feld, hört deinen Namen, schaut kurz herüber und läuft weiter.
Beim nächsten Mal rufst du fester. Er läuft trotzdem weiter. Und irgendwo zwischen dem dritten und dem zehnten Mal kommt der Gedanke, um den es auf dieser Seite geht: Ich habe in der Welpenzeit etwas übersehen.
Hast du vermutlich nicht. Was du gerade siehst, ist gut untersucht und ziemlich genau datiert. Rund um den achten Lebensmonat überhören Junghunde die Kommandos ihrer eigenen Bezugsperson etwa doppelt so oft wie zuvor, während die Folgsamkeit gegenüber fremden Menschen deutlich höher bleibt.
Sein Gehör ist also in Ordnung. Was sich verändert hat, ist die Beziehung, in der er gerade verhandelt.
Doppelt so oft.
So viel häufiger überhört ein Achtmonatiger seine eigene Bezugsperson als eine fremde Person.
Quelle: Asher et al., Universität Newcastle, Biology Letters 2020
Was in diesen Monaten wirklich passiert
Junghund ist die Strecke zwischen abgeschlossener Welpenzeit und Erwachsenenreife. Sie beginnt um den sechsten Lebensmonat und endet je nach Grösse zwischen 15 und 24 Monaten. Kleine Rassen sind früher durch, grosse deutlich später.
In dieser Zeit laufen drei Umbauten gleichzeitig, von denen jeder einzelne genügen würde: die hormonelle Pubertät, eine Neuverdrahtung im Gehirn und ein Skelett, das noch wächst.
Starker Motor, schwache Bremse
Mit der Pubertät steigen die Sexualhormone, das limbische System wird umgebaut, und ausgerechnet der Bereich für Impulskontrolle reift zuletzt nach. Verhaltensbiologen beschreiben das Ergebnis als starken Motor mit schwacher Bremse.
Dein Hund fühlt in diesen Monaten intensiver, reagiert schneller und verarbeitet langsamer. Geräusche, die ihn nie gestört haben, können kurzzeitig zum Auslöser werden. Diese Angstphasen gehen vorbei, wenn niemand sie mit Druck beantwortet.
Der Unterschied zum Menschen ist die Dauer. Beim Hund vergehen Monate, keine Jahre.
Warum es dich trifft und nicht die Nachbarin
Die Newcastle-Gruppe um Lucy Asher hat 2020 noch etwas gefunden: Die Pubertät setzt früher und stärker ein, wenn die Bindung zur Bezugsperson unsicher ist. Sicherheit dämpft die Phase, Unsicherheit verstärkt sie.
Daraus folgt eine unbequeme Logik. Getestet wird die Beziehung, auf die er sich verlässt. Deshalb bekommst du die schlechteren Zahlen als die Nachbarin, bei der er brav sitzt.
Wer die Phase als Stress-Verstärker liest statt als Erziehungslücke, reagiert anders: mit Beziehungsarbeit statt mit Druck, mit Routine statt mit Lautstärke, mit kurzen Erfolgen statt mit langen Übungseinheiten.
Kurz nachschlagen
Die drei Begriffe, um die sich diese Monate drehen, stehen im Wiki knapp und ohne Fachsprache: Pubertät · Geschlechtsreife · Wachstumsfugen
Der Körper hält nicht mit
Junghunde laufen stundenlang und zeigen Erschöpfung spät. Das täuscht. Bei grossen Rassen schliessen sich die Wachstumsfugen oft erst mit 14 bis 18 Monaten, und bis dahin sind Sprünge aus dem Auto, Fahrradtouren und Bällchen-Marathons Stossbelastungen auf ein offenes Skelett.
Was dabei entsteht, siehst du nicht in dieser Phase. Du siehst es mit sechs oder acht Jahren beim Aufstehen.
Wie die Phase eskaliert, ohne dass jemand einen Fehler macht
Keine der folgenden Szenen ist ein Versagen. Alle sind nachvollziehbar, die meisten kommen aus Sorge, und fast jeder Halter kennt mindestens drei davon. Entscheidend ist weniger, was du tust, als was dein Junghund daraus mitnimmt.
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Er kommt beim Rückruf nicht, du rufst schärfer. Beim dritten Mal klingt sein Name wie eine Ansage.
Er lernt:Wenn ich meinen Namen so höre, wird es unangenehm. Kommen lohnt sich noch weniger.
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Er zieht zu einem anderen Hund, du ruckst an der Leine. Einmal, dann öfter.
Er lernt:Wenn ein Hund auftaucht, tut es weh. Am besten reagiere ich früher und lauter.
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Er pöbelt an der Leine, du machst einen Bogen um jede Begegnung. Der Alltag wird ruhiger.
Er lernt:Meine Einschätzung stimmt. Andere Hunde sind wirklich ein Problem.
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Er hat zu viel Energie, du erhöhst das Programm. Längere Runden, Fahrrad, Ball.
Er lernt:Das Erregungsniveau von heute ist der neue Normalzustand. Seine Gelenke lernen es ebenfalls.
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Er wirkt frech, jemand rät dir zu mehr Strenge. Du setzt dich durch, er duckt sich.
Er lernt:Mein Mensch wird unberechenbar. Ich schaue lieber weniger zu ihm.
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Er ist anstrengend, du meldest ihn in einer Junghund-Gruppe an. Zwölf Halbstarke auf einem Platz.
Er lernt:Unter Hunden geht es hoch her. Wer zuerst hochfährt, hat recht.
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Er hört nicht, also übst du länger. Zwanzig Minuten Sitz, bis es endlich klappt.
Er lernt:Training ist die Zeit, in der ich es meinem Menschen nicht recht machen kann.
Kein einziger dieser Punkte löst sich mit einem Verbot. Sie lösen sich damit, dass du siehst, was dein Hund gerade mitschreibt. Wenn du eine Szene wiedererkennst, ist nichts verloren. In diesem Alter reicht es meistens, ab morgen anders zu antworten.
Vier Faustregeln, die durch diese Phase tragen:
- Training
- drei bis fünf Minuten, mehrmals täglich. Schwierigkeit erst steigern, wenn er in ruhiger Umgebung neun von zehn Mal richtig liegt.
- Rückschritte
- Anforderung für zwei bis vier Wochen bewusst absenken, danach behutsam aufbauen. Mehr Druck verstärkt den Stress, der den Rückschritt ausgelöst hat.
- Bewegung
- abwechslungsreich und moderat, mit vielen Schnüffelphasen. Keine repetitiven Stossbelastungen, solange die Wachstumsfugen offen sind.
- Begegnungen
- dosiert und ausgewählt, am liebsten mit ruhigen erwachsenen Hunden. Grosse Gruppen gleichaltriger Junghunde eskalieren zuverlässig.
Die eine Entscheidung, die sich nicht zurücknehmen lässt
In dieser Phase kommt der Vorschlag fast immer von aussen. Vom Tierarzt, aus dem Hundekurs, von der Familie. Und er kommt meistens mit einem Versprechen: Danach wird er ruhiger.
Dieses Versprechen kann die Kastration nicht halten, weil sie an den Hormonen ansetzt und nicht am Gelernten. Wer einen unsicheren Junghund kastrieren lässt, hat danach mit hoher Wahrscheinlichkeit einen unsicheren kastrierten Hund, gelegentlich einen ängstlicheren, weil das testosteronbedingte Selbstvertrauen wegfällt.
Was die Daten sagen
Eine grosse epidemiologische Untersuchung von Hart et al. an der UC Davis hat 2020 für 35 Rassen ausgewertet, was eine Frühkastration mit den Gelenken macht. Je nach Rasse steigt das Risiko für Hüftdysplasie und Kreuzbandriss deutlich. Das Ergebnis fällt von Rasse zu Rasse verschieden aus, und genau deshalb tragen allgemeine Empfehlungen hier so wenig.
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Quelle: Hart et al., UC Davis, Frontiers in Veterinary Science 2020
Was das Recht sagt
Schweiz.
Die Tierschutzverordnung verbietet operative Eingriffe, die nur die Haltung von Heimtieren erleichtern, und nimmt Eingriffe zur Verhütung der Fortpflanzung davon ausdrücklich aus (Art. 24 Bst. b TSchV). Die Kastration ist damit zulässig und bleibt an die Grundregel gebunden, dass niemand einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen oder seine Würde missachten darf (Art. 4 Abs. 2 TSchG). Weil der Eingriff Schmerzen verursacht, darf ihn nur eine fachkundige Person unter Schmerzausschaltung vornehmen (Art. 16 TSchG). Umgekehrt bist du verpflichtet, zumutbare Massnahmen gegen eine übermässige Vermehrung deiner Tiere zu treffen (Art. 25 Abs. 4 TSchV), und das kann eine Kastration sein, muss es aber nicht.
Deutschland.
Das Tierschutzgesetz verbietet grundsätzlich, Organe oder Gewebe eines Wirbeltiers zu entfernen, und die Kastration fällt darunter (§ 6 Abs. 1 Satz 1 TierSchG). Erlaubt ist sie in drei Fällen: bei tierärztlicher Indikation im Einzelfall, zur Verhinderung unkontrollierter Fortpflanzung, oder wenn sie die weitere Haltung des Tieres erst ermöglicht und keine tierärztlichen Bedenken entgegenstehen (§ 6 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und Nr. 5 TierSchG). Vornehmen darf den Eingriff nur eine Tierärztin oder ein Tierarzt, und nur unter Betäubung (§ 6 Abs. 1 Satz 3, § 5 Abs. 1 TierSchG).
Österreich.
Das Tierschutzgesetz verbietet Eingriffe, die weder therapeutischen noch diagnostischen Zwecken noch der Kennzeichnung dienen, und zählt dazu etwa das Kupieren von Schwanz und Ohren. Die Kastration steht nicht auf dieser Liste (§ 7 Abs. 1 TSchG), und Ausnahmen vom Verbot sind zur Verhütung der Fortpflanzung ausdrücklich gestattet (§ 7 Abs. 2 Z 1 TSchG). Verbindlich geregelt ist dafür das Wie: Eingriffe mit erheblichen Schmerzen sind nur nach wirksamer Betäubung, mit postoperativ wirksamer Schmerzbehandlung und durch eine Tierärztin oder einen Tierarzt zulässig (§ 7 Abs. 3 TSchG).
Rechtsstand 13. August 2026.
Diese Übersicht ersetzt keine Rechtsberatung. Einzelne Landes- und Kantonsgesetze können zusätzliche Regeln enthalten, etwa eine Kastrationspflicht für bestimmte Hunde.
Was die Fachverbände raten
Vorbeugend zu kastrieren, weil dein Hund später Verhaltensprobleme entwickeln könnte, ist kein Selbstläufer. Die Vorbeugung einer möglichen Erkrankung ist für sich genommen keine tierärztliche Indikation, und die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz rät, bei Verhaltensgründen zuerst eine auf Verhalten spezialisierte Tierärztin beizuziehen, weil eine Kastration unerwünschtes Verhalten auch verstärken kann. Zur Frühkastration hält dieselbe Stellungnahme fest, dass sie vor Eintritt der Geschlechtsreife grundsätzlich abzulehnen ist.
Der Zürcher Tierschutz weist darauf hin, dass sich Hunde gut kontrollieren und an der Leine führen lassen und eine Kastration deshalb nicht zwingend erforderlich ist. Er empfiehlt die Abwägung im Einzelfall, gemeinsam mit Fachpersonen aus Tiermedizin und Verhalten.
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Quellen: TVT, Stellungnahme «Kastration von Hündinnen und Rüden», Stand 09/2024 · Zürcher Tierschutz, Infoblatt «Fortpflanzung und Kastration von Hunden»
Es gibt einen dritten Weg
Zwischen Kastrieren und Nichtstun liegt die medikamentöse Unfruchtbarmachung. Sie wirkt zeitlich begrenzt und ist keine Amputation, fällt also nicht unter die Verbote oben. Für einen Junghund, bei dem du unsicher bist, ist das die Möglichkeit, eine Wirkung zu sehen, ohne eine Entscheidung zu treffen, die bleibt. Ob sie in deinem Fall passt, klärt deine Tierärztin.
Wie du entscheidest
Zwei Gespräche, nicht eines. Eines mit deiner Tierärztin zur medizinischen Einordnung, eines mit einer verhaltensbiologisch arbeitenden Trainerin zur Einschätzung der Verhaltenseffekte. Wer beide Seiten gehört hat, entscheidet besser als wer einer Stimme folgt.
Und wenn medizinisch nichts drängt: warte die körperliche Reife ab. Die Studienlage spricht für dieses Warten, und die Entscheidung bleibt dir bis dahin erhalten.
Was davon bleibt
Die Junghundzeit schickt ihre Rechnung mit Verzögerung. Was jetzt entsteht, zeigt sich selten sofort in voller Grösse, sondern dann, wenn der Hund erwachsen aussieht und plötzlich Dinge tut, die niemand kommen sah.
Der Junghund, der an der Leine ein paarmal geruckt bekam, ist mit achtzehn Monaten der, der jede Begegnung ankündigt. Der, dem man mit Strenge begegnete, schaut später weg statt hin. Der, der nur in Junghund-Gruppen sozial war, kann mit erwachsenen Hunden nicht mehr sprechen.
Und diese Altersspanne ist keine beliebige. Eine grosse Untersuchung an zwölf Tierheimen fand, dass abgegebene Hunde typischerweise älter als fünf Monate und jünger als zwei Jahre sind und dass Verhalten der häufigste genannte Abgabegrund ist. Das ist exakt das Fenster, in dem du gerade stehst.
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Quelle: Salman et al., Journal of Applied Animal Welfare Science, Regional Shelter Relinquishment Study
Erhoben in den USA, deshalb nicht eins zu eins auf den D-A-CH-Raum übertragbar. Das betroffene Alter deckt sich mit dem, was Tierheime hier berichten.
Diese Hunde sind nicht schlecht geraten. Bei den meisten hat eine anstrengende Phase auf eine erschöpfte Familie getroffen, und niemand hat gesagt, dass sie vorbeigeht.
Die andere Richtung gilt genauso.
Ein Junghund, dessen Mensch die Anforderung gesenkt statt den Ton erhöht hat, ist mit zwei Jahren der Hund, der im Zweifel zuerst zu dir schaut. Er hat in diesen Monaten die Erfahrung gemacht, dass sich das lohnt.
Diese Phase dauert lange, und sie endet trotzdem. Bei den meisten Hunden ist der Rückruf zwei bis sechs Monate nach dem Einbruch wieder verlässlich da, ohne dass jemand strenger geworden wäre.
Der Rangordnungs-Mythos
Ein Satz begegnet dir in dieser Phase garantiert: Er testet gerade seine Stellung im Rudel aus, jetzt musst du dich durchsetzen.
Die Vorstellung stammt aus Wolfsstudien der 1940er Jahre, durchgeführt an Gehege-Wölfen, die unter künstlichen Bedingungen Aggression zeigten. Frei lebende Wolfsfamilien funktionieren als Eltern-Kind-Verband. David Mech, der den Begriff Alphawolf jahrzehntelang mitgeprägt hat, hat sich selbst öffentlich gegen seine Übertragung auf Haushunde gestellt.
Was wie ein Rangtest aussieht, der überhörte Rückruf, der freche Blick, das langsame Aufstehen vom Sofa, ist fast immer fehlende Impulskontrolle oder Übererregung. Wer darauf mit Härte antwortet, beschädigt die Beziehung, ohne das Verhalten zu ändern.
Und für dich als Halter
Über diesen Teil der Junghundzeit wird wenig geschrieben, obwohl er der anstrengendste ist.
Du hast alles gemacht, was man macht. Welpenstunde, Bücher, ein Kurs. Und jetzt stehst du auf der Hundewiese neben einem Tier, das dich ansieht und weiterläuft, während drei Meter weiter jemand kommentiert, dass du konsequenter sein müsstest.
Diese Phase ist öffentlich. Die Welpenzeit war anstrengend, aber sie fand in deiner Wohnung statt und alle fanden ihn süss. Die Junghundzeit findet draussen statt, vor Publikum, und dein Hund sieht inzwischen erwachsen aus. Niemand rechnet ihm mehr etwas an. Man rechnet es dir an.
Was dabei hilft
Nimm die Zahl ernst. Rund um den achten Monat überhört er dich doppelt so oft wie fremde Menschen. Das gehört zum Verlauf und nicht zu deinem Zeugnis.
Senke die Latte. Zwei bis vier Wochen leichteres Training bringen mehr zurück als vier Wochen härteres.
Such dir Leute, die diese Phase kennen. Halter mit erwachsenen Hunden erinnern sich. Sie erzählen dir, dass es bei ihnen genauso war.
Miss ihn nicht an Videos. Was du dort siehst, sind fünfzehn Sekunden aus Monaten, in denen es genauso ruckelte.
Wann du dir Unterstützung holst: wenn dein Junghund gezielt aggressiv wird, also bedrohlich knurrt, wenn sich jemand Futter, Spielzeug oder Liegeplatz nähert, ohne Vorwarnung schnappt oder beim Hochheben erstarrt. Das gehört fachlich abgeklärt und ist kein Pubertätsthema.
Hol dir ebenfalls jemanden dazu, wenn der Rückruf nach zwei bis drei Monaten konsequentem Training nicht ansatzweise greift, wenn dein Hund draussen dauerhaft erregt oder panisch ist, oder wenn Leinen-Aggression so stark wird, dass du Begegnungen meidest. Eine fundierte Verhaltensberatung mit tierärztlicher Anbindung klärt, ob die Ursache hormonell, gesundheitlich oder im Training liegt.
Warum wir diese Phase so ernst nehmen
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rundum.dog ist entstanden, um den Welpenhandel zurückzudrängen.
Der beginnt beim Kauf und endet dort nicht. Hunde aus schlechten Quellen kommen mit einem Rucksack an, und aufgemacht wird der selten in der Welpenzeit. Er geht in dieser Phase auf, wenn die Hormone dazukommen und die Lücken sichtbar werden, die vorher unter Welpenverhalten lagen.
Für alle anderen gilt: In dieser Altersspanne verlieren die meisten Hunde ihr Zuhause, und der häufigste Grund ist Verhalten. Verhalten aus Monaten, die niemand angekündigt hat, bei Menschen, die alles richtig machen wollten.
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Häufige Fragen zur Junghundzeit
Mein Junghund hört plötzlich nicht mehr. Ist das normal?
Ja. Rund um den achten Lebensmonat überhören Hunde die Kommandos ihrer Bezugsperson deutlich häufiger, eine Forschungsgruppe der Universität Newcastle hat das 2020 gemessen. Gegenüber fremden Menschen bleibt die Folgsamkeit höher, was die Deutung als Ungehorsam schwächt. Reagiere ruhig, senke die Schwierigkeit und halte die Belohnungsdichte hoch. Meist ist das Verhalten nach zwei bis sechs Monaten verlässlich zurück.
Wann ist mein Hund kein Junghund mehr?
Körperlich mit dem Schluss der Wachstumsfugen, sozial mit der Verhaltensreife. Kleine Rassen sind oft mit 12 bis 15 Monaten durch, mittelgrosse mit 15 bis 18, grosse und Riesenrassen erst mit 18 bis 24 Monaten. Die Hormone beruhigen sich meist früher als der Kopf. Ein 14 Monate alter Labrador ist hormonell ein junger Erwachsener und im Verhalten noch ein Halbstarker.
Soll ich meinen Junghund kastrieren lassen?
Eine pauschale Empfehlung ist veterinärmedizinisch nicht haltbar. Die Effekte hängen von Rasse, Geschlecht, Zeitpunkt und Ausgangsverhalten ab. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz lehnt die Kastration vor Eintritt der Geschlechtsreife grundsätzlich ab, und die Studienlage zu den Gelenken stützt das für viele Rassen. Erlaubt ist der Eingriff in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich jeweils unter eigenen Voraussetzungen, immer nur tierärztlich und unter Betäubung. Entscheide individuell und nach der körperlichen Reife, nicht prophylaktisch nach Plan.
Muss ich strenger werden, weil er mich austestet?
Nein. Strenge verschärft den Konflikt, ohne das Verhalten zu ändern. Was hilft, ist berechenbare Konsequenz: gleiche Regel, gleiche Reaktion, jeden Tag. Statt Strafe wirkt der kurze Entzug von Bewegung, Aufmerksamkeit oder Belohnung. Der Rangordnungs-Gedanke aus älteren Hundebüchern ist verhaltensbiologisch überholt.
Darf mein Junghund schon auf längere Wanderungen mit?
Erst wenn die Wachstumsfugen geschlossen sind. Bei kleinen Rassen ist das mit 10 bis 12 Monaten der Fall, bei mittleren mit 14 bis 16, bei grossen oft erst mit 18. Bis dahin sind 30 bis 60 Minuten mit vielen Pausen das Mass. Verzichte auf Fahrradbegleitung, Sprünge aus dem Auto und repetitive Ballspiele, denn wiederkehrende Stossbelastung schädigt ein offenes Skelett schneller als eine lange ruhige Runde.
Er hat plötzlich Angst vor Dingen, die ihn nie gestört haben. Was ist das?
Eine Angstphase. Während der Pubertät verschiebt sich der Reizfilter, und bekannte Geräusche oder Objekte können kurzzeitig zum Auslöser werden. Geh in solchen Situationen auf Abstand, arbeite mit Futter und Ruhe statt mit Konfrontation, und vermeide es, ihn zu zwingen. Die Phase geht vorbei, wenn sie nicht mit Druck beantwortet wird.
Er ist nur mit anderen Junghunden zusammen. Reicht das?
Nein, und es kann schaden. Grosse Gruppen gleichaltriger Junghunde schaukeln sich hoch, weil niemand darin für Ruhe sorgt. Dein Hund braucht in dieser Phase vor allem Begegnungen mit ruhigen, souveränen erwachsenen Hunden. Von denen lernt er, wie ein Gespräch unter Hunden endet, ohne dass jemand hochfährt.
Wo du jetzt weiterliest
Training in einer Phase, in der Wiederholung mehr bringt als Strenge
Der Rückruf ist weg und du willst ihn zurück
Die Kastrationsfrage steht im Raum
Recht, Studienlage und die zwei Gespräche, die vorher gehören
Es geht auf das erwachsene Alter zu
Was aus dieser Phase bleibt, und woran du merkst, dass sie vorbei ist
Ratgeber für diese Phase
Hundesport sucht Nachwuchs – aber bitte nicht zu modern
Ist mein Hund testosterongetrieben? – Ein verständlicher Ratgeber für Hundehalter
Sexueller Trieb bei Jungrüden: Ursachen verstehen, sinnvoll handeln
Die pubertären Phasen des Hundes erkennen & verstehen – und gelassen begleiten
Fadik-Syndrom beim Hund
Hunde-Trainingsplan, einfach ein Beispiel
Pubertät beim Hund: So meisterst du die stürmische Phase deines Vierbeiners
Ratgeber: Die vorpubertäre Rudelordnungsphase beim Hund
Begriffe und Definitionen
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Adoleszenzphase
Die Adoleszenzphase ist die hormonell geprägte Entwicklungsperiode zwischen Welpenalter und Erwachsensein, in der Hunde verstärkt Grenzen testen und ihre soziale Position definieren.
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Ellbogendysplasie
Ellbogendysplasie bezeichnet keine einzelne Erkrankung, sondern mehrere Fehlentwicklungen, die allesamt das Ellbogengelenk betreffen.
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FPC (Fragmentierter Processus Coronoideus)
Der fragmentierte Processus Coronoideus (FPC) ist eine Ellenbogenerkrankung, bei der ein kleiner Knochenvorsprung im Gelenk abbricht oder sich nicht richtig entwickelt.
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Geschlechtsreife
Geschlechtsreife ist der Zeitpunkt, an dem ein Hund körperlich zur Fortpflanzung fähig wird und die Hormonproduktion ihre volle Wirkung entfaltet.
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Junghund
Ein Junghund ist ein Hund zwischen dem Ende der Welpenzeit und der Geschlechtsreife, je nach Rasse zwischen 6 und 24 Monaten.
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Konjunctivitis follicularis
Die Konjunktivitis follicularis ist eine besondere, meist chronisch und immunologisch bedingte Form der Bindehautentzündung beim Hund, die sich durch eine reaktive Vergrösserung der Lymphfollikel …