Seniorhund: die Veränderungen, an die du dich gewöhnst

Etwa ab dem siebten bis zehnten Lebensjahr verändert sich, was dein Hund braucht. Weniger Bewegung, mehr Beobachtung, andere Prioritäten beim Tierarzt. Diese Phase begleiten wir bewusst, kein Drama, aber auch kein So-tun-als-ob.

Seniorhund, die Zeit, in der jede Routine zählt
Inhalt
  1. Was jetzt wirklich passiert
  2. Sieben Sätze, die fast jeder sagt
  3. Was dahinterstecken kann
  4. Was du steuern kannst
  5. Was jetzt zählt
  6. Und für dich als Halter
  7. Warum wir diese Phase so ernst nehmen
  8. Häufige Fragen zum Seniorhund
  9. Wo du jetzt weiterliest
  10. Ratgeber für diese Phase
  11. Begriffe und Definitionen

Das Alter kommt in kleinen Schritten, und für jeden einzelnen hast du eine Erklärung.

Du merkst es zuerst beim Aufstehen. Er braucht zwei Anläufe, schüttelt sich später als sonst, geht die ersten Schritte vorsichtig. Auf der Treppe zögert er kurz. Vor dem Sprung ins Auto wartet er, bis du ihm hilfst.

Für jede dieser Beobachtungen hast du eine plausible Erklärung. Er hat gestern viel gemacht. Der Boden ist glatt. Er ist halt älter geworden.

Genau das macht diese Phase schwierig. Dein Hund altert nicht an einem Donnerstag im Mai, sondern in Mikroschritten über Monate, und du bist bei jedem einzelnen dabei. Wer täglich zusieht, sieht Veränderung am schlechtesten.

Vieles von dem, was einem Seniorhund die Lebensqualität nimmt, ist behandelbar. Es muss nur jemand bemerken.

Zwei bis drei Prozent.

So viele Hunde bekommen pro Jahr eine Arthrose-Diagnose.

Im Röntgenbild zeigen bis zu 57 Prozent der über Achtjährigen mit Gelenkbeschwerden Veränderungen.

Quellen: VetCompass (455’557 Hunde) · Roitner et al., The Veterinary Journal 2024

Was jetzt wirklich passiert

Wann ein Hund Senior wird, hängt vor allem an seiner Grösse, und die Spanne ist gross.

  • Kleine Rassen bis zehn Kilogramm sind ab acht bis zehn Jahren Senioren und werden oft 14 bis 16 Jahre alt.
  • Mittelgrosse Hunde ab sieben bis acht Jahren.
  • Grosse Rassen wie Schäferhund oder Golden Retriever ab sechs bis sieben Jahren.
  • Riesenrassen über 45 Kilogramm bereits ab fünf bis sechs Jahren, bei einer Lebenserwartung von acht bis zehn Jahren.

Die American Animal Hospital Association definiert es in ihren Canine Life Stage Guidelines (2019) so: Senior ist ein Hund, sobald er rund 75 Prozent seiner geschätzten Lebenserwartung erreicht hat, also im letzten Viertel seines Lebens.

Warum du es zuletzt bemerkst

Beim Welpen ist jede Woche sichtbar, weil sich alles verändert. Beim alten Hund verändert sich pro Woche fast nichts und über ein Jahr sehr viel.

Dazu kommt eine Eigenschaft, die Hunde von Menschen unterscheidet: Sie gleichen Schmerz über Bewegungsmuster aus, statt ihn zu zeigen. Ein Hund mit Arthrose jault selten. Er geht kürzere Runden, nimmt die Treppe langsamer, steht seltener auf. Wer auf ein deutliches Signal wartet, wartet Monate.

So wird Schmerz zur normalen Steifheit, weniger Appetit zum weniger gefressen heute, weniger Aktivität zum ist halt älter geworden.

Kurz nachschlagen

Die drei Begriffe, um die sich diese Phase dreht, stehen im Wiki knapp und ohne Fachsprache: Arthrose · Demenz · Schmerztherapie

Alt ist nicht krank

Viele Hunde bleiben bis ins hohe Alter neugierig und lernbereit. Dein Ziel in dieser Phase ist nicht, das Altern zu bremsen, das geht nicht. Es geht darum, Schmerz früh zu erkennen, vermeidbare Belastungen wegzunehmen und die Lebensqualität regelmässig bewusst zu prüfen, statt sie zu schätzen.

Sieben Sätze, die fast jeder sagt

Keiner dieser Sätze ist dumm. Alle sind plausibel, alle stimmen manchmal, und fast jeder Halter hat mindestens drei davon schon gesagt. Sie sind nur selten die ganze Erklärung.

1 «Er ist morgens etwas steif, das gibt sich nach ein paar Schritten.»

  1. Steifheit, die sich beim Laufen bessert, ist das Lehrbuchzeichen für Arthrose. Dass es besser wird, gehört zum Befund und spricht nicht dagegen.

  2. «Treppen mag er nicht mehr, er ist halt vorsichtiger geworden.»

    Vermiedene Treppen und Sprünge sind meist keine Charakterfrage, sondern eine Schmerzvermeidung, die er selbst organisiert.

  3. «Er trinkt viel, es ist ja warm.»

    Vermehrter Durst gehört zu den frühen Zeichen von Niereninsuffizienz, Diabetes und Schilddrüsenproblemen. Über Wochen hinweg ist er ein Grund für ein Blutbild.

  4. «Er hustet nur kurz, wenn er aufsteht.»

    Husten beim Aufstehen ist ein klassischer früher Hinweis auf eine Herzklappenerkrankung, besonders bei kleinen Rassen wie Cavalier, Dackel oder Yorkshire Terrier.

  5. «Nachts läuft er herum, er wird wohl langsam dement.»

    Kann sein. Kann aber auch Schmerz sein, denn Arthrose macht sich nachts stärker bemerkbar, wenn er lange in einer Position liegt. Beides sieht gleich aus und wird völlig verschieden behandelt.

  6. «Er hört nicht mehr so gut, aber er ist ja alt.»

    Wahrscheinlich richtig. Wichtig ist die Konsequenz: Sichtzeichen statt Lautstärke, und ihn nur ansprechen, wenn er dich sehen kann. Ein Hund, der überrascht wird, erschrickt.

  7. «Er ist ruhiger geworden, das ist normal im Alter.»

    Manchmal. Ein Rückgang der Aktivität ist aber auch der häufigste Weg, auf dem chronischer Schmerz unbemerkt bleibt, weil der Hund seine Belastung selbst herunterfährt.

Was in allen sieben Fällen hilft, ist dasselbe: nicht raten, sondern messen. Filme deinen Hund alle drei Monate beim Aufstehen, immer an derselben Stelle, und vergleiche die Aufnahmen. Veränderungen, die im Alltag verschwimmen, sind auf zwei Videos nebeneinander unübersehbar, und deine Tierärztin bekommt damit einen Befund statt einer Erinnerung.

Was dahinterstecken kann

Arthrose

Die häufigste chronische Erkrankung des alternden Hundes, und die am zuverlässigsten übersehene. Wie viele Hunde betroffen sind, hängt davon ab, wie gemessen wird: Diagnostiziert wird sie bei rund 2,5 Prozent aller Hunde pro Jahr. Im Röntgenbild zeigen bei über Achtjährigen mit Gelenkbeschwerden je nach Gelenk 36 bis 57 Prozent Veränderungen.

Zwischen diesen beiden Zahlen liegen all die Hunde, deren Arthrose nie erkannt wird.

Heilbar ist sie nicht, gut behandelbar schon. Was zusammen wirkt: Schmerzmedikation, Physiotherapie, Gewichtskontrolle, orthopädische Liegeplätze, rutschfeste Böden und regelmässige kurze Bewegungseinheiten. Einzelne Wundermittel ersetzen keinen tierärztlichen Plan.

  • Quellen: VetCompass (455’557 Hunde) · Roitner et al., The Veterinary Journal 2024

Herz, Nieren, Schilddrüse

Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für Herzklappenerkrankungen, chronische Niereninsuffizienz und Schilddrüsenunterfunktion. Sichtbare Symptome kommen spät: Husten beim Aufstehen, vermehrter Durst, struppiges Fell, Gewichtszunahme bei unveränderter Ration.

Eine halbjährliche Blut- und Urinuntersuchung erkennt diese Erkrankungen meist Monate vor den ersten Beschwerden, also in der Phase, in der Behandlung am meisten bewirkt.

Demenz

Canine Cognitive Dysfunction betrifft etwa ein Drittel der Hunde ab zwölf Jahren; unter den Fünfzehnjährigen ist nach klinischen Studien rund jeder zweite betroffen. Typisch sind Desorientierung in der eigenen Wohnung, verändertes Sozialverhalten, Starren ins Leere, gestörter Schlaf-Wach-Rhythmus und der Verlust erlernter Routinen bis hin zur Stubenreinheit.

Eine frühe Diagnose verlangsamt den Verlauf, über Medikamente, kognitives Training, angepasste Ernährung und eine stabile Umgebung.

Wichtig ist die Reihenfolge der Abklärung. Lass bei jeder Verhaltensänderung im Alter zuerst Schmerz und Stoffwechsel ausschliessen, bevor Demenz als Erklärung stehen bleibt. Nächtliche Unruhe sieht bei Arthrose und bei Demenz gleich aus, und häufig liegt beides gleichzeitig vor.

Sehen, Hören, Riechen

Sinnesleistungen bauen ab. Die Linsentrübung des alten Hundes, Nukleärsklerose, ist normal und beeinträchtigt das Sehen kaum, anders als der graue Star. Hörverlust entwickelt sich oft so schleichend, dass er erst auffällt, wenn der Hund nicht mehr auf seinen Namen reagiert.

Was du steuern kannst

Ernährung

Senioren haben einen niedrigeren Energiebedarf bei gleichem oder leicht erhöhtem Proteinbedarf. Eine pauschale Seniordiät gibt es nicht, denn bei eingeschränkter Nierenfunktion gelten andere Regeln als bei Arthrose mit Übergewicht.

Die wichtigste Stellschraube ist die Kalorienmenge. Viele alte Hunde werden zu schwer, weil die Ration mitläuft, während die Bewegung nachlässt. Reduziere die Ration moderat, kontrolliere alle drei Wochen das Gewicht und passe weiter an.

Bei chronischen Erkrankungen lohnt sich eine futtermedizinische Beratung. Eine angepasste Ration kann den Verlauf von Niereninsuffizienz, Herzerkrankung oder Diabetes spürbar verlangsamen, was pauschale Seniortrockenfutter selten leisten.

Bewegung anpassen statt streichen

Auch ein arthrotischer Hund braucht Bewegung. Mehrere kurze Runden von 15 bis 30 Minuten wirken besser als eine lange. Vermeide harte Stossbelastungen wie Sprünge aus dem Auto, Fahrradbegleitung oder ruckhafte Spielsequenzen. Auf weichem Untergrund läuft er entspannter als auf Asphalt. Schwimmen gehört zu den besten Bewegungsformen für gelenkkranke Hunde, sofern das Wasser warm genug ist und er freiwillig hineingeht.

Der häufigste gut gemeinte Fehler ist die Gegenrichtung. Aus Sorge um die Gelenke werden Spaziergänge gestrichen, der Hund liegt mehr, verliert Muskulatur, wird steifer und läuft noch weniger. Konstante sanfte Belastung hält Muskulatur und Gelenkstabilität deutlich besser als Schonung.

Halbjährliche Vorsorge

Ab dem Seniorenalter lohnt der Wechsel von der jährlichen auf die halbjährliche Vorsorgeuntersuchung. Dazu gehören Allgemeinuntersuchung, Blutbild, Blutchemie, Urinuntersuchung, Blutdruckmessung und eine gezielte Schmerzeinschätzung, ab etwa zehn Jahren zusätzlich ein geriatrisches Profil mit Herzultraschall bei Risikorassen.

In diesem Rhythmus werden Alterserkrankungen in der Phase gefunden, in der eine medikamentöse oder diätetische Intervention den Verlauf noch wirksam verändert.

Drei Faustregeln

Schmerz kostet Zeit. Eine wirksame Schmerztherapie zeigt sich meist innerhalb von zehn bis 14 Tagen. Wer wartet, verschenkt Monate.

Gewicht ist die Stellschraube mit der grössten Wirkung. Jedes Kilo weniger entlastet die Gelenke bei jedem Schritt. Wie schnell abgenommen wird und womit, gehört tierärztlich begleitet.

Zwei Videos schlagen jede Erinnerung. Aufstehen filmen, alle drei Monate, immer an derselben Stelle.

Was jetzt zählt

In den anderen Lebensphasen zahlt sich Aufmerksamkeit langfristig aus. Beim Welpen lernst du für die nächsten zwölf Jahre, beim Junghund arbeitest du am erwachsenen Hund. Hier ist der Zeitraum kürzer und der Effekt schneller sichtbar.

Ein Hund, dessen Arthrose erkannt und behandelt wird, läuft zwei Wochen später anders. Einer, dessen Schilddrüse eingestellt ist, wird innerhalb von Wochen wieder wach. Einer, dessen Demenz früh erkannt wird, behält seine Routinen länger.

Deshalb hat die Seniorphase auf rundum.dog eine eigene Seite bekommen. Hier verändert jede Beobachtung besonders schnell etwas.

Der Weg in die Gegenrichtung ist genauso kurz.

Ein unbehandelter Schmerz kostet nicht nur Bewegung. Er macht reizbar, stört den Schlaf, senkt den Appetit und lässt einen Hund vorsichtig werden, der es nie war. Was dann wie Alterung aussieht, ist zu grossen Teilen behandelbar.

Deshalb steht am Anfang jeder Verhaltensänderung im Alter die gleiche Frage: Könnte das weh tun?

Und für dich als Halter

Über diesen Teil wird selten geschrieben. Die Pflege eines alten Hundes verändert deinen Alltag mehr, als man vorher denkt, und sie tut es leise.

Du planst Termine um Medikamentenzeiten. Du schläfst schlechter, weil er nachts unruhig wird. Du rechnest Tierarztkosten und schämst dich dafür, dass du rechnest. Du beobachtest ihn ständig und weisst nie sicher, ob du zu viel oder zu wenig hineinliest.

Diese Belastung ist untersucht, und sie hat eine klare Ursache. Nicht das Alter deines Hundes belastet dich, sondern die Pflege einer Erkrankung. Eine Untersuchung an der LMU München verglich 67 Halter von Hunden mit chronischer Lähmung mit 90 Haltern gesunder Hunde: Die Pflegenden erreichten deutlich höhere Belastungswerte bei zugleich geringerer Lebensqualität. Eine Befragung von 516 Hundehaltern in Slowenien nahm ausdrücklich Halter gesunder alter Hunde als Vergleichsgruppe, und deutlich erhöht war die Belastung dort bei Demenz und bei Krebserkrankungen.

  • Quellen: Pryjmak et al., LMU München, Frontiers in Veterinary Science 2026 · Pavlin et al., The Veterinary Journal 2026

    Zum Zusammenhang mit Angst- und Depressionssymptomen: Spitznagel et al., Veterinary Record 2017, erhoben an zwei US-Tierkliniken mit 238 Hunde- und Katzenhaltern und deshalb nicht eins zu eins übertragbar.

Ein alter Hund allein bringt dich also nicht an die Grenze. Eine Krankheit, die du über Monate begleitest, kann es.

Was dabei hilft

Schreib mit. Ein paar Zeilen pro Woche zu Fressen, Bewegung, Schlaf und guten Tagen. Im Rückblick siehst du damit einen Verlauf statt eines Gefühls.

Entscheide an guten Tagen. Was du im Akutfall regeln musst, entscheidest du schlechter. Notiere in ruhigen Phasen, was dir Lebensqualität für deinen Hund bedeutet.

Hol dir eine Tierärztin, die früh spricht. Eine gute Begleitung redet nicht erst am letzten Tag über Lebensqualität.

Rechnen ist keine Lieblosigkeit. Behandlungskosten gehören zur Entscheidung. Wer sie ausspricht, entscheidet ehrlicher.

Und wenn die Niedergeschlagenheit über Wochen bleibt, du dich zurückziehst oder keine Freude mehr an Dingen hast, die vorher gut waren, dann sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Das ist genauso wenig peinlich wie ein Gespräch mit der Tierärztin über den Hund.

Die letzte Entscheidung

Es gibt keinen objektiv richtigen Zeitpunkt, sondern den Moment, an dem die schlechten Tage die guten klar überwiegen.

Eine Hilfe dafür ist die HHHHHMM-Skala: Hurt, Hunger, Hydration, Hygiene, Happiness, Mobility, More good days than bad. Du bewertest jeden der sieben Punkte von eins bis zehn und führst die Werte über Wochen. Am Ende steht eine Beobachtung statt eines Bauchgefühls, und im schwersten Moment trägt genau das.

Wenn Schmerzlinderung und Medikation keine Verbesserung mehr bringen und die schlechten Tage überwiegen, besprich den Zeitpunkt mit deiner Tierärztin. Diese Entscheidung ist nie leicht. Sie gehört zur Verantwortung, die man mit einem Hund übernimmt, und sie ist eine letzte Form von Fürsorge.

Wann du nicht wartest: wenn sich Verhalten oder Aktivität dauerhaft ändern. Weniger Appetit über mehrere Tage, vermehrter Durst, häufigeres Urinieren oder Wasserlassen in der Wohnung, Husten beim Aufstehen, nächtliche Unruhe, längere Erholung nach Aktivität, Gewichtsverlust ohne Diät. Jedes dieser Zeichen kann eine behandelbare Erkrankung anzeigen.

Warum wir diese Phase so ernst nehmen

Du hast hier keine Werbung gesehen, keinen Shop, keine Futtermarke und keine bezahlten Links. Das ist Absicht.


rundum.dog ist entstanden, um den Welpenhandel zurückzudrängen.

Das klingt weit weg von einem dreizehnjährigen Hund, ist es aber nicht. Wer erlebt, wie viel ein alter Hund noch bekommt, versteht, was ein Hundeleben an Zeit, Geld und Aufmerksamkeit tatsächlich kostet. Genau diese Rechnung wird beim schnellen Welpenkauf nie aufgemacht.

Die Seniorphase ist ausserdem die Zeit, in der Hunde ein zweites Mal abgegeben werden. Alt, teuer, pflegebedürftig. Deshalb steht hier so ausführlich, was behandelbar ist.

Kostenlos, ohne Anmeldung und ohne Verkaufsabsicht.

Häufige Fragen zum Seniorhund

Ab welchem Alter ist mein Hund ein Senior?

Das hängt vor allem von der Grösse ab. Kleine Rassen bis zehn Kilogramm gelten ab acht bis zehn Jahren als Senior, mittelgrosse ab sieben bis acht, grosse Rassen ab sechs bis sieben, Riesenrassen über 45 Kilogramm bereits ab fünf bis sechs Jahren. Die American Animal Hospital Association definiert es in ihren Canine Life Stage Guidelines (2019) so: Senior ist ein Hund, sobald er rund 75 Prozent seiner geschätzten Lebenserwartung erreicht hat, also im letzten Viertel seines Lebens.

Wie erkenne ich, ob mein alter Hund Schmerzen hat?

Hunde zeigen Schmerz selten durch Jaulen, sondern durch Verhalten. Achte auf zögerliches Aufstehen, kürzere Runden, vermiedene Treppen und Sprünge, Hecheln in Ruhe, Reizbarkeit beim Anfassen, vermehrtes Lecken bestimmter Stellen, einen gekrümmten Rücken und Gewichtsverlagerung im Stand. Treffen zwei oder mehr dieser Zeichen länger als zwei Wochen zu, gehört er in eine Schmerzkonsultation. Eine Schmerztherapie zeigt sich meist innerhalb von zwei Wochen sichtbar.

Mein Senior schläft tagsüber sehr viel. Ist das normal?

In Grenzen ja. Alte Hunde brauchen mehr Schlaf als erwachsene, 16 bis 20 Stunden pro Tag sind möglich. Achte auf die Qualität der Wachphasen: Ist er interessiert, frisst er normal, reagiert er auf dich? Dann ist mehr Schlaf altersgemäss. Wirkt er apathisch, steht kaum auf, ist nachts unruhig und schläft tagsüber sehr tief, gehört das abgeklärt. Dahinter können Demenz, Schmerz oder eine Stoffwechselerkrankung stehen.

Soll ich meinen alten Hund noch operieren lassen?

Das hängt nicht am Alter, sondern am Allgemeinzustand. Ein gesunder Dreizehnjähriger verträgt eine Narkose oft besser als ein vorerkrankter Sechsjähriger. Entscheidend sind Herz- und Nierenfunktion, Narkosetauglichkeit und die realistische Nutzen-Risiko-Abwägung im konkreten Fall. Lass dir Risiken und die erwartete Lebensqualität nach dem Eingriff klar erklären, hol bei grösseren Operationen eine zweite Meinung ein und entscheide vom erwarteten Ergebnis her, nicht vom Geburtsdatum.

Braucht mein Seniorhund ein Seniorfutter?

Nicht automatisch. Wichtiger als die Aufschrift ist die Kalorienmenge, denn der Energiebedarf sinkt, während die Ration meistens gleich bleibt. Bei Nierenerkrankung, Herzerkrankung oder Diabetes gelten jeweils eigene Regeln, die ein pauschales Seniorfutter nicht abdeckt. Lass die Ration in solchen Fällen futtermedizinisch anpassen.

Wie oft soll mein alter Hund zur Vorsorge?

Halbjährlich statt jährlich, sobald er im Seniorenalter ist. Sinnvoll sind Allgemeinuntersuchung, Blutbild, Blutchemie, Urinuntersuchung, Blutdruckmessung und eine gezielte Schmerzeinschätzung, ab etwa zehn Jahren zusätzlich ein geriatrisches Profil. In diesem Rhythmus werden Herz-, Nieren- und Schilddrüsenerkrankungen meist Monate vor den ersten sichtbaren Beschwerden gefunden.

Nachts läuft er herum. Ist das Demenz?

Vielleicht, und vielleicht auch nicht. Nächtliche Unruhe gehört zu den typischen Demenzzeichen, sie ist aber genauso typisch für Arthroseschmerz, der sich nachts verstärkt, wenn er lange in einer Position liegt. Lass deshalb zuerst Schmerz und Stoffwechsel abklären. Häufig liegt beides gleichzeitig vor, und behandelt man beides, verbessert sich die Nacht am schnellsten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Einschläferung?

Einen objektiv richtigen gibt es nicht. Es gibt den Moment, an dem die schlechten Tage die guten klar überwiegen. Hilfreich ist die HHHHHMM-Skala mit Hurt, Hunger, Hydration, Hygiene, Happiness, Mobility und More good days than bad, in der du jeden Punkt täglich von eins bis zehn bewertest. Eine offene tierärztliche Begleitung über Wochen hilft, Lebensqualität ehrlich einzuschätzen. Diese Entscheidung gehört zur Verantwortung als Halter und ist eine letzte Form von Fürsorge.

Wo du jetzt weiterliest

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Begriffe und Definitionen

  • Altersinkontinenz

    Altersinkontinenz beschreibt den unwillkürlichen Urinverlust, wenn die Blasenmuskulatur oder der Schließmuskel nachlässt; die häufigste Form hängt nicht am Lebensalter, sondern an der Kastration.

  • Alzheimer

    Alzheimer bezeichnet beim Hund keine direkte Entsprechung zur menschlichen Krankheit, sondern eine verwandte neurodegenerative Erkrankung namens Kognitive Dysfunktion (Canine Cognitive Dysfunction, CCD), bei der …

  • Arthritis

    Arthritis beim Hund ist eine entzündliche Gelenkerkrankung, bei der sich der Knorpel in den Gelenken abbaut und Entzündungsreaktionen im umliegenden Gewebe entstehen.

  • Canine Cognitive Dysfunction Syndrome (CCDS)

    Die kognitive Dysfunktion beim Hund (Canine Cognitive Dysfunction Syndrome, CCDS) ist eine altersbedingte, fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die zu Veränderungen der Orientierung, des Verhaltens, …

  • Canine kognitive Dysfunktion

    Canine kognitive Dysfunktion (CKD) ist eine altersbedingte Verschlechterung der Gehirnfunktion bei Hunden – vergleichbar mit Alzheimer beim Menschen.

  • Degenerationen

    Degeneration beschreibt den fortschreitenden Verfall von Zellen, Geweben oder Organen im Hundekörper.