Hintergrund zur Region
Hund in Brandenburg: Was wirklich gilt
Brandenburg liegt wie ein weiter, grüner Ring um Berlin. Kiefern bis zum Horizont, Seenketten, in denen sich das Licht spiegelt, und Wege, auf denen du an einem Sonntagvormittag eine Stunde laufen kannst, ohne jemandem zu begegnen. Für Hunde aus der Hauptstadt ist das die offene Tür nach dem Treppenhaus.
Seit Sommer 2024 hat sich die Spielfläche für Hundehalter geändert. Die alte Rasseliste ist weg, dafür ist jeder Hund anzuzeigen und zu chippen. Und im Wald wartet eine Leinenregel, die viele Berliner Halter regelmäßig unterschätzen, bis sie auf dem Wanderparkplatz im Fläming kontrolliert werden.
Leinenpflicht in Brandenburg: drei Regelebenen, die zusammenspielen
In Brandenburg überlagern sich Landesrecht, kommunale Verordnungen und Schutzgebiets-Auflagen. Wer nur eine Ebene kennt, läuft in die zwei anderen.
Im Wald: ganzjährig an die Leine
Wenn du im Mai durch den Fläming läufst, der Boden federt unter den Pfoten, ein Reh schießt zehn Meter neben dem Weg auf, dann reicht der Sekundenbruchteil, in dem dein Hund nicht angeleint ist, für eine Ordnungswidrigkeit. Nach § 15 Abs. 8 des Waldgesetzes des Landes Brandenburg gilt im Wald Leinenpflicht; ausgenommen sind nur Jagdhunde im Jagdeinsatz und Polizeihunde. Das ist eine strikte Regel, aber keine Brandenburger Besonderheit: Auch Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Thüringen handhaben es ähnlich. Wer aus Sachsen oder Niedersachsen anreist, wo es lockerer zugeht, sollte das auf dem Schirm haben.
In Ortschaften und Mehrfamilienhäusern
Auf Spielplätzen, Liegewiesen und an Badestellen ist der Hund nicht erwünscht. Auf Kinderspielplätzen, ausgewiesenen Liegewiesen, in Badeanstalten und an öffentlichen Badestellen besteht ein generelles Hundeverbot in Brandenburg. In Bussen, Bahnen und Verwaltungsgebäuden gilt Maulkorbzwang. Wer im Mehrfamilienhaus wohnt, muss zusätzlich beachten: Der Leinenzwang in Mehrfamilienhäusern wurde ausgeweitet und gilt zusätzlich zu Treppenhäusern, Gemeinschaftsräumen und Zuwegungen jetzt auch für die zum Haus gehörenden Grundstücke, vor allem die Innenhöfe.
In Naturschutz- und Biosphärenreservaten
Spreewald, Schorfheide-Chorin, Unteres Odertal: In den Kernzonen gelten zusätzliche Auflagen, die vor allem während der Brut- und Setzzeit zwischen März und Juli scharf gezogen werden. Das ist nicht Schikane, das ist Wildtierschutz. Was vor Ort auf dem Schild steht, hat Vorrang vor dem, was du in der App siehst.
Listenhunde in Brandenburg: Rasseliste ist Geschichte
Das ist die größte Änderung der letzten Jahre, und sie räumt mit viel Frust auf. Am 1. Juli 2024 ist die neue Hundehalteverordnung in Brandenburg in Kraft getreten; sie knüpft an die bisherigen Regelungen an und setzt bewusst andere inhaltliche Akzente. Mit der Abschaffung der sogenannten Rasseliste stellt das Land das Verhalten des Hundes in den Vordergrund.
Konkret heißt das: Hunde, die ausschließlich aufgrund ihrer Rassezugehörigkeit als gefährlich galten, gelten mit Inkrafttreten der Verordnung als nicht mehr gefährlich. Rottweiler, Staffordshire Bullterrier, Dobermann, American Pitbull Terrier: alle ohne pauschale Sonderauflagen, solange das Verhalten unauffällig bleibt.
Aber: Sonderauflagen verschwinden nicht. Sie werden anders zugeteilt. Als gefährliche Hunde im Sinne der HundehV gelten Hunde, die durch Ausbildung über das natürliche Maß hinaus Kampfbereitschaft oder Angriffslust zeigen, einen Menschen oder ein Tier ohne Provokation durch Biss geschädigt haben, einen anderen Hund trotz erkennbarer Unterwerfungsgestik gebissen haben, unkontrolliert Wild hetzen oder reißen, oder wiederholt Menschen gefährdet oder in gefahrdrohender Weise angesprungen haben. Wer in diese Kategorie fällt, lebt mit harten Regeln: Leinen- und Maulkorbpflicht sowie das Mitnahmeverbot bleiben bestehen, ebenso die Erlaubnispflicht für das Halten gefährlicher Hunde mit Nachweis von Sachkunde und Zuverlässigkeit. Außerhalb des befriedeten Grundstücks sind sie an einer Leine zu führen, die zwei Meter nicht überschreitet, und müssen einen Maulkorb tragen.
Wichtig: In anderen Bundesländern existieren Rasselisten weiterhin. Wer mit einem Hund aus Brandenburg nach NRW, Bayern oder Hessen fährt, sollte sich nicht in falscher Sicherheit wiegen.
Anzeigepflicht und Chip: das übersehen viele
Die zweite große Neuerung wird oft überlesen, ist aber praktisch wichtiger als die Rasselisten-Reform. Mit der neuen Hundehalteverordnung muss jeder Hund beim Ordnungsamt angemeldet werden, egal welche Rasse, wie groß und wie schwer. Früher galt das nur ab 40 cm Schulterhöhe oder 20 kg. Jetzt: Chihuahua wie Dogge.
Verstöße gegen die Anzeige- und Kennzeichnungspflicht sind seit dem 1. Februar 2025 als Ordnungswidrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro sanktioniert. Der Hund muss ab acht Wochen mit einem ISO-konformen Mikrochip versehen sein. Das ist getrennt von der Hundesteueranmeldung, also doppelt erledigen.
Hundesteuer in Brandenburg
Brandenburg hat keine Landeshundesteuer, jede Kommune entscheidet selbst. Die Spannweite ist groß, von etwa 24 Euro in kleinen Gemeinden bis über 100 Euro in Potsdam.
Die Landeshauptstadt liegt im oberen Mittelfeld. Die Hundesteuer in Potsdam beträgt 108 Euro für den ersten Hund, 144 Euro für den zweiten, 192 Euro für den dritten und jeden weiteren sowie 648 Euro für gefährliche Hunde pro Kalenderjahr. Der erhöhte Satz für gefährliche Hunde greift dabei nach der verhaltensbasierten Einstufung der Ordnungsbehörde, nicht mehr automatisch nach Rasse. Jeder Hundehalter ist verpflichtet, seinen Hund innerhalb von zwei Wochen schriftlich im Bereich Steuern an- oder abzumelden.
Wer aufs Land zieht, profitiert. In vielen ländlichen Gemeinden bewegt sich die Steuer für den ersten Hund zwischen 24 und 50 Euro. Maßgeblich ist immer die aktuelle Satzung der Wohnsitzgemeinde, prüf das vor dem Umzug auf der Webseite des jeweiligen Rathauses.
Die besten Routen in Brandenburg mit korrekter Rechtslage
Spreewald
Ein Labyrinth aus Fließen und Erlenbrüchen, im Sommer schwer von Mücken, im Oktober golden und still. Auf den Radwegen rund um Lübbenau und Burg ist der Hund an der Leine willkommen, im angrenzenden Wald greift die Waldleinenpflicht. Wer Kanu fährt, kann den Hund häufig mitnehmen, die Verleiher in Lübbenau und Lübben haben dafür meist eigene Regeln. Im Kernbereich des Biosphärenreservats wird zwischen März und Juli scharf auf Brutvögel geachtet.
Schorfheide-Chorin
Das größte Biosphärenreservat des Landes, gut eine Stunde nordöstlich von Berlin. Kiefer und Buche, Seen, in denen sich nichts bewegt außer der Wind. Auf den markierten Wegen Leinenpflicht, abseits sowieso Wald. Im Frühjahr Setzzeit: Wer dann seinen Hund auf einer Forststraße aus den Augen verliert, riskiert nicht nur Bußgeld, sondern einen Schuss vom Jagdausübungsberechtigten, falls der Hund Wild stellt.
Märkische Schweiz und Märkisches Seenland
Zwischen Strausberg und Buckow liegen Hügel, die für brandenburgische Verhältnisse fast alpin wirken. Der Schermützelsee bei Buckow ist für schwimmfreudige Hunde ein lohnenswertes Ziel, allerdings nicht an den ausgewiesenen Badestellen. Such dir eine Bucht abseits, dann liegt der Hund nach der Runde nass im Schatten, während du Kaffee trinkst.
Fläming
Kiefernwälder, die kein Ende nehmen, gut markierte Forstwege, kaum Höhenmeter. Ideal für lange, ruhige Runden. Hier wird im Sommer an Wochenenden gerne kontrolliert, gerade auf Parkplätzen wie dem Hagelberg. Leine bleibt Leine, auch wenn weit und breit kein Mensch zu sehen ist.
Was in Brandenburg anders ist als im Rest der D-A-CH-Region
Brandenburg gehört zu den Bundesländern mit der modernsten Hundepolitik. Die verhaltensbasierte Gefährlichkeitseinstufung ist in dieser Klarheit nicht überall verbreitet: Die Gefährlichkeit eines Hundes wird nun auch in Brandenburg anhand seines Verhaltens gemessen, was in einigen Bundesländern Deutschlands schon länger der Fall ist. Bayern und Nordrhein-Westfalen halten dagegen weiter an Rasselisten fest.
Gleichzeitig ist die Anzeigepflicht für alle Hunde ab acht Wochen strenger als in den meisten anderen Bundesländern. Und die ausnahmslose Waldleinenpflicht trifft Berliner Halter regelmäßig kalt, weil im Grunewald praktisch geduldet wird, was im Brandenburger Forst kontrolliert ist.
Häufig gestellte Fragen
Gilt in Brandenburg noch eine Rasseliste?
Nein. Mit der neuen Verordnung schafft das Land Brandenburg die Einstufung von Hunden als unwiderlegbar gefährliche und widerlegbar gefährliche Hunde aufgrund der Rasse ab. Die Einstufung als gefährlich erfolgt seit dem 1. Juli 2024 nur noch verhaltensbasiert durch die örtliche Ordnungsbehörde.
Muss ich meinen Hund in Brandenburg anmelden, auch wenn er klein ist?
Ja. Seit dem 1. Juli 2024 ist jeder Hund ab acht Wochen anzuzeigen, beim Ordnungsamt zu registrieren und mit einem Mikrochip zu kennzeichnen. Verstöße sind seit dem 1. Februar 2025 mit einer Geldbuße bis zu 10.000 Euro sanktioniert.
Darf ich meinen Hund im Spreewald frei laufen lassen?
Im Wald nicht. Im Wald gilt ganzjährige Leinenpflicht nach Landeswaldgesetz. Auf manchen Radwegen außerhalb des Waldes kann es Ausnahmen geben, verbindlich ist die Beschilderung vor Ort. Im Biosphärenreservat während der Brutzeit grundsätzlich Leine.
Wie hoch ist die Hundesteuer in Potsdam?
Die Hundesteuer kostet in Potsdam pro Kalenderjahr 108 Euro für den ersten Hund, 144 Euro für den zweiten, 192 Euro für den dritten und jeden weiteren sowie 648 Euro für gefährliche Hunde. Andere Brandenburger Gemeinden sind deutlich günstiger, in ländlichen Orten oft 30 bis 50 Euro.
Mein Hund ist in einem anderen Bundesland als Listenhund eingestuft, was gilt in Brandenburg?
Wenn die Einstufung im anderen Bundesland ausschließlich auf der Rasse beruht, gilt sie in Brandenburg nicht mehr. Wurde er aufgrund eines konkreten Vorfalls als gefährlich eingestuft, gilt diese Einstufung fort. Für Besuchshunde gelten ab Beginn des Aufenthalts die allgemeinen Regelungen zur Leinen- und Maulkorbpflicht; Besuchshunde sind von der Anzeige- und Kennzeichnungspflicht sowie dem Erlaubnisverfahren befreit, für als gefährlich eingestufte Hunde gelten jedoch die strengeren Regelungen mit Zwei-Meter-Leine und Maulkorb.
Quellen
- Hundehalteverordnung Brandenburg (HundehV) vom 24. Juni 2024, BRAVORS
- Ministerium des Innern und für Kommunales Brandenburg: Neue Hundehalteverordnung
- Landesbetrieb Forst Brandenburg: Betreten des Waldes
- Landeshauptstadt Potsdam: Hundesteuer, Serviceportal
- Stadt Brandenburg an der Havel: Änderung der Hundehalteverordnung

















