Illegaler Welpenhandel: Erkennen und melden
Illegaler Welpenhandel im DACH-Raum: belastbare Zahlen aus VIER PFOTEN- und STS-Berichten, zehn Warnsignale für Online-Inserate, konkrete Meldewege in Deutschland, Österreich und der Schweiz, sowie die rechtlichen Änderungen ab 2025.
Inhalt
- Wie gross ist das Problem in DACH?
- Was ist illegaler Welpenhandel überhaupt?
- Wie funktioniert das Geschäftsmodell?
- Woran erkennst du ein illegales Welpen-Inserat?
- Welche Konsequenzen hat ein Kauf bei einem illegalen Händler?
- Was kannst du tun, wenn du einen Verdacht hast?
- Was ändert sich rechtlich gerade?
- Die Alternative, bevor du kaufst
- Häufige Fragen zum illegalen Welpenhandel
- Quellen und weiterführende Information
Illegaler Welpenhandel ist der Auslöser hinter rundum.dog. Am 9. August 2021 entstand die Plattform aus der Frage, warum gute Information über Hundekauf nicht dort steht, wo Halter sie suchen, und stattdessen Welpenfarmen, Mittelsmänner und gefälschte Inserate die ersten Google-Treffer dominieren. Diese Seite ist der Cluster-Einstieg in das Thema: Wie der illegale Welpenhandel funktioniert, was die belastbaren Zahlen aus DACH sagen, woran du unseriöse Inserate erkennst, und wohin du dich wenden kannst, wenn du einen Verdacht hast.
Wie gross ist das Problem in DACH?
Die Zahlenlage ist in den letzten beiden Jahren deutlich besser geworden, weil Tierschutz-Organisationen systematisch dokumentieren. Drei Belege, die du nachlesen kannst:
VIER PFOTEN Deutschland dokumentierte für 2025 insgesamt 737 sichergestellte Tiere aus illegalem Handel: 631 Hunde und 106 Katzen. 67,6 Prozent der Meldungen bezogen sich auf Inserate auf Online-Plattformen. Bayern war mit 40,7 Prozent der Sicherstellungen der regionale Hotspot. Am häufigsten betroffen waren Pudel und Pudel-Mixe, Pomeranian und Dackel.
Die Herkunftsländer der 2025 sichergestellten Tiere führen Rumänien (83), Moldawien (61) und Polen (59) an.
Der Schweizer Tierschutz STS schätzt, dass etwa 40 Prozent der Welpenimporte in die Schweiz illegaler Natur sind – das entspricht ungefähr 10’000 bis 14’000 Hunden pro Jahr. 2023 wurden knapp 30’000 Hunde in die Schweiz importiert, davon rund 9’600 unter 15 Wochen alt.
Hinter diesen Zahlen steht ein Geschäftsmodell: Welpenfarmen produzieren billig, Mittelsmänner verkaufen über Online-Plattformen teurer weiter, der Käufer zahlt die Differenz und bekommt zu früh entwöhnte, ungeimpfte, oft kranke Welpen. Die Zuchthündinnen leben unter Bedingungen, die in der EU als Tierquälerei gelten würden.
Was ist illegaler Welpenhandel überhaupt?
Der Begriff fasst drei verschiedene Verstösse zusammen:
Erstens: Verstoss gegen Tierschutz-Mindestanforderungen. Welpen werden mit vier oder fünf Wochen abgegeben, die EU-Tierschutzverordnung schreibt mindestens acht Wochen vor, in der Schweiz seit Februar 2025 mindestens 15 Wochen für gewerbsmässige Importe.
Zweitens: Verstoss gegen Veterinär-Vorschriften. Impfpässe sind gefälscht, leer oder von anderen Tieren übernommen. Tollwut-Impfungen, die für den Grenzübertritt vorgeschrieben sind, fehlen oder sind ungültig.
Drittens: Verstoss gegen Steuer- und Gewerberecht. Verkäufer geben sich als private Halter aus, melden weder Gewerbe an noch versteuern sie die Einnahmen.
Eine ausführliche Begriffsklärung findest du im Wiki-Eintrag illegaler Welpenhandel.
Wie funktioniert das Geschäftsmodell?
Welpenfarmen, die Produktion
Auf einer Farm leben 20 bis 50 Zuchthündinnen unter minimalen Bedingungen. Decken alle paar Monate, kein Auslauf, keine Sozialisation, billiges Futter. Welpen werden mit vier bis fünf Wochen von der Mutter getrennt und über Mittelsmänner in den DACH-Raum verkauft. Eine Hündin gilt nach wenigen Würfen als wirtschaftlich unattraktiv, was mit ihr geschieht, ist Teil des Geschäftsmodells.
Mittelsmänner und Online-Inserate
Der typische Pfad: Welpen aus einer rumänischen oder polnischen Farm kommen für 50 bis 150 Euro nach Deutschland oder in die Schweiz. Ein Mittelsmann inseriert sie auf eBay Kleinanzeigen, Facebook-Gruppen oder spezialisierten Welpenbörsen für 800 bis 1’500 Euro. Der Treffpunkt ist ein Parkplatz, eine Privatwohnung oder ein Tierarzt-Vorzimmer. Die Mutter ist «gerade nicht da». Die Papiere wirken auf den ersten Blick echt.
Grenzübergänge und Veterinär-Papiere
An der Grenze prüfen Veterinärbehörden Stichproben. Was nicht aufgegriffen wird, kommt durch – die meisten Welpen kommen durch. Erst beim Kauf zeigt sich, dass Impfungen lückenhaft sind, der Mikrochip nicht zu den Papieren passt oder der Welpe deutlich jünger ist als angegeben. Krankheiten wie Parvovirose, Giardien oder Brucella canis treten oft erst Tage nach dem Kauf auf.
Woran erkennst du ein illegales Welpen-Inserat?
Die Warnsignale sind seit Jahren konsistent. Wenn drei oder mehr zutreffen, ist das Inserat mit hoher Wahrscheinlichkeit illegal:
- Preis deutlich unter Markt. Ein Labrador für 400 Euro statt 1’200, ein Pomeranian für 600 statt 2’000.
- Welpe-Alter zu jung. «Acht Wochen» wird angegeben, der Welpe wirkt aber wie sechs Wochen, oder die Übergabe ist «schon ab fünf Wochen möglich».
- Mutter nicht sichtbar. «Mutter ist gerade weg» oder «beim Tierarzt». Eine seriöse Hündin ist immer beim Welpen.
- Treffpunkt neutral. Parkplatz, Tankstelle, «irgendwo unterwegs» statt der eigene Hof oder die eigene Wohnung.
- Kontakt nur über Messenger. Kein Telefonat, keine Festnetz-Nummer, keine verifizierbare Adresse.
- Mehrere Rassen, mehrere Würfe gleichzeitig. Eine Familie hat keinen Wurf Pomeranian neben einem Wurf Französische Bulldogge.
- Foto-Treffer in der Bildersuche. Die Welpen-Fotos sind aus einer fremden Anzeige geklaut. Google-Bildersuche oder TinEye decken das in Sekunden auf.
- Druck zur schnellen Entscheidung. «Anderer Interessent kommt morgen» ist eine klassische Verkaufstechnik, nicht ein seriöser Züchter.
- Lückenhafte Papiere. Impfpass ohne Namen, ohne Mikrochip-Nummer, ohne Tierarzt-Stempel.
- Keine Rückgabe-Klausel. Seriöse Züchter nehmen einen Hund lebenslang zurück, falls die Haltung nicht mehr möglich ist.
Eine ausführliche Variante mit Inserate-Beispielen liest du im Tiefenartikel Online-Inserate prüfen, die zehn häufigsten Warnsignale.
Welche Konsequenzen hat ein Kauf bei einem illegalen Händler?
Für den Welpen
Zu früh von der Mutter getrennt, oft mit Parasiten, Viren oder Krankheiten infiziert, schlecht oder gar nicht sozialisiert. Verhaltensauffälligkeiten wie Angst, Aggression, Unsauberkeit treten häufig erst nach Wochen auf, dann ist der Welpe längst beim Käufer. Die Sterberate in den ersten Wochen ist hoch.
Für den Käufer
Tierarztrechnungen von 2’000 bis 5’000 Euro für Erstversorgung, Tests und Behandlungen sind keine Seltenheit. Manche Krankheiten – Brucella canis, Leishmaniose, Herzwurm – sind chronisch und teuer zu behandeln. Rechtlich gesehen besteht in Deutschland und Österreich Mängelhaftung nach BGB beziehungsweise ABGB, in der Schweiz nach OR. Die Durchsetzung gegen einen Mittelsmann mit Wegwerf-Identität ist allerdings selten erfolgreich.
Für den Markt
Jeder Kauf finanziert die Welpenfarmen weiter. Solange Käufer den Preis akzeptieren, lohnt sich die Produktion. Der Markt-Hebel, bei dem rundum.dog ansetzt, ist die Aufklärung vor der Kaufentscheidung.
Was kannst du tun, wenn du einen Verdacht hast?
Drei konkrete Wege, alle ohne eigenes Risiko:
Erstens: Beweise sichern. Screenshot vom Inserat, Link, Kontakt-Daten, Fotos. Eine Bildersuche im Browser zeigt oft, dass Fotos aus anderen Inseraten stammen.
Zweitens: Bei der Plattform melden. Kleinanzeigen.de, Facebook, willhaben.at und tutti.ch haben alle eine Melde-Funktion. Auch wenn das einzelne Inserat verschwindet, fliessen die Meldungen in das Plattform-Monitoring ein.
An eine Tierschutz-Meldestelle weitergeben
Diese drei Stellen sammeln und leiten weiter:
- VIER PFOTEN Meldetool, gilt für ganz DACH, hat 2025 über 200 Hinweise erfolgreich an Behörden weitergeleitet.
- Schweizer Tierschutz STS Meldestelle, Verdachtsfälle in der Schweiz und beim Import.
- Deutscher Tierschutzbund, bundesweite Hotline und regionale Tierschutzvereine.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit konkreten Formulierungen für die Meldung findest du im Tiefenartikel Verdacht auf illegalen Welpenhandel, so meldest du richtig.
Was ändert sich rechtlich gerade?
2025 ist ein Übergangsjahr für die Hunde-Importregeln in DACH.
Schweiz, 1. Februar 2025: Verbot der gewerbsmässigen Einfuhr von Welpen unter 15 Wochen. Privat-Importe nur unter strengen Auflagen, persönliche Abholung Pflicht.
EU-Ebene: Die EU arbeitet seit 2024 an strengeren Regeln zur Online-Tierhandel-Plattform-Haftung. Plattformen sollen Verkäufer-Identitäten verifizieren müssen.
Deutschland: Das BMEL arbeitet seit 2024 an einer Heimtierschutz-Verordnung, die Online-Plattformen stärker in die Verantwortung nimmt. Stand April 2026: noch im Verfahren.
Eine ausführliche Übersicht zur Rechtslage in den drei Ländern liest du in unserem Cluster-Artikel zu Welpenhandel in der Schweiz und in der Schweizer Importstatistik.
Die Alternative, bevor du kaufst
Wer einen Hund will, hat drei legale Wege, die alle gut funktionieren:
Seriöser Züchter aus VDH, FCI oder kantonalem Verband: Mutter und Vater sichtbar, gesundheits-getestet, Welpe mindestens acht Wochen, Vertrag, lebenslange Rücknahme.
Tierschutz-Adoption: Schweizer und österreichische Tierheime sind voll, deutsche ebenfalls. Auch viele junge Hunde warten, nicht nur ältere.
Auslandshund über seriöse Tierschutzorganisation: Mit Vor-Ort-Vermittlung, Quarantäne, vollständigen Papieren, Nachkontrolle. Nicht zu verwechseln mit Welpenhandel über Online-Plattformen.
Hilfreiche Wege im rundum.dog-Universum:
- Hunderasse-Profile mit Qualzucht-Hinweis auf 71 betroffenen Rassen
- Züchter-Verzeichnis mit Verbands-Mitgliedschaften und Verifikations-Stufen
- Vermittlungs-Verzeichnis für Tierheim-Hunde aus DACH
Häufige Fragen zum illegalen Welpenhandel
Was ist der Unterschied zwischen illegalem und seriösem Welpenkauf?
Seriöse Züchter sind Mitglied in einem Zuchtverband (VDH, FCI, kantonale Verbände in der Schweiz), zeigen Mutter und Vater, halten sich an gesetzliche Mindestalter, geben gesunde Welpen mit vollständigen Papieren ab und nehmen den Hund lebenslang zurück. Illegale Händler erfüllen mindestens drei dieser Kriterien nicht.
Wie erkenne ich gefälschte Impfpässe?
Ein echter Heimtierausweis ist EU-blau, durchnummeriert, mit Mikrochip-Nummer, Tierarzt-Stempel und unterschriebenen Impfungen. Bei gefälschten Pässen fehlt oft die Mikrochip-Nummer oder sie passt nicht zum Welpen. Tollwut-Impfungen müssen bei Grenzübertritt mindestens 21 Tage zurückliegen, bei einem zu jungen Welpen geht das mathematisch nicht auf.
Was passiert, wenn ich versehentlich einen Hund aus illegalem Handel gekauft habe?
Du hast Mängelhaftungsrechte gegenüber dem Verkäufer (BGB §434 in DE, ABGB §922 in AT, OR Art. 197 in CH). In der Praxis ist die Durchsetzung schwer, weil die Mittelsmänner verschwinden. Wichtig ist erstens: tierärztliche Versorgung sofort. Zweitens: Inserat und Kontakt-Daten an eine Meldestelle weitergeben, damit andere Käufer geschützt werden.
Sind Online-Plattformen verpflichtet, Welpen-Inserate zu prüfen?
Aktuell nur eingeschränkt. Plattformen müssen rechtswidrige Inhalte nach Meldung entfernen, sind aber nicht zur aktiven Vorab-Prüfung verpflichtet. Auf EU-Ebene wird seit 2024 an strengeren Regeln gearbeitet, Stand April 2026 sind sie nicht in Kraft.
Welche Rolle spielt die Schweiz im illegalen Welpenhandel?
Die Schweiz ist Zielland: Etwa 40 Prozent der Welpenimporte gelten laut Schweizer Tierschutz STS als illegal. Seit 1. Februar 2025 ist die gewerbsmässige Einfuhr von Welpen unter 15 Wochen verboten. Privat-Importe bleiben unter Auflagen möglich.
Wo melde ich einen Verdacht in DACH?
In der Schweiz: STS-Meldestelle. In Deutschland und Österreich: VIER PFOTEN Meldetool und Deutscher Tierschutzbund. Auf der jeweiligen Online-Plattform direkt zusätzlich. Beweise sichern, nicht selbst kontaktieren, nicht «undercover» kaufen.
Quellen und weiterführende Information
- VIER PFOTEN: Bilanz zum illegalen Welpenhandel 2025, 737 Tiere entdeckt (Stand 8. Januar 2026)
- VIER PFOTEN: Report zur Milliardenindustrie illegaler Welpenhandel (November 2024)
- Schweizer Tierschutz STS: Meldestelle für Tierhandel
- Schweizer Tierschutz STS: Medienmitteilung revidierte Tierschutzverordnung (Februar 2024, PDF)
- ProTier Schweiz: Revidierte Tierschutzverordnung, neue Importregelung für Welpen ab 2025
- Deutscher Tierschutzbund: Bundesweite Tierschutz-Hotline
- BMEL Deutschland: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Heimtierschutz-Verordnung in Vorbereitung
Dieser Cluster wird laufend aktualisiert. Stand: 27. April 2026. Stösst du auf eine Quelle, die wir aufnehmen sollten, schreib uns an redaktion@rundum.dog.
- VIER PFOTEN Stiftung für Tierschutz (2026): Neuer VIER PFOTEN Report zum illegalen Welpenhandel. vier-pfoten.de, Februar 2026.
- VIER PFOTEN Stiftung für Tierschutz (2026): 737 Tiere aus illegalem Welpenhandel entdeckt. Pressemitteilung, Januar 2026.
- Schweizer Tierschutz STS (2023): Hundeimportland Schweiz – Geschäftemacherei, Profitgier, Kriminalität. STS-Report. tierschutz.com.
- Blick.ch / Identitas Tierstatistik (2024): Welpen-Einfuhr – Schweiz will strengere Importregeln.
- Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimatschutz BMELEH: Welpenhandel – leider oft keine saubere Sache.
- Vetline.de (2023): Die neue Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV). Redaktion Vetline.
- EUR-Lex: Verordnung (EU) Nr. 576/2013 über die Verbringung von Heimtieren zu anderen als Handelszwecken.
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV: Hunde, Katzen, Haustiere – Einfuhr in die Schweiz. admin.ch.
- Bundesgesetzgebung Österreich RIS: ABGB §922 – Gewährleistungspflicht. Rechtsinformationssystem des Bundes.
- Gesetze im Internet (BMJV): BGB §434 – Sachmangel (aktuelle Fassung nach Schuldrechtsreform 2022).
Einordnung
rundum.dog ist aus der Auseinandersetzung mit dem illegalen Welpenhandel entstanden. Wir verkaufen keine Welpen, vermitteln keine Käufer und nehmen keine Provision von Züchtern. Was wir tun: Information sichtbar machen, wo die Kaufentscheidungen fallen — und Halter nicht an den Pranger stellen, die zu spät gemerkt haben, in welche Quelle sie geraten sind.
Wenn dir auf rundum.dog Quellenangaben oder Zahlen fehlen, schreib uns an redaktion@rundum.dog. Wir aktualisieren den Cluster laufend, sobald Tierschutz-Organisationen neue Berichte veröffentlichen.