Schritt für Schritt zum erfolgreichen Apportieren
Systematischer Aufbau des Apportierens in 4 Phasen: Vom Futterdummy bis zum zuverlässigen Zurückbringen. Mit konkreten Zeitangaben und Lösungen für typische Probleme.
Inhalt
- Warum apportieren manche Hunde von selbst und andere nie?
- Womit startest du das Apportier-Training am besten?
- Wie baust du das Training in 4 Phasen auf?
- Was machst du, wenn dein Hund den Dummy nicht loslässt?
- Wie steigerst du Distanz und Schwierigkeit?
- Welche häufigen Fehler solltest du vermeiden?
- Wann solltest du professionelle Hilfe holen?
Dein Hund rennt zum geworfenen Ball, schnappt ihn sich – und verschwindet damit im Gebüsch? Das Apportieren bringt er dir nur zurück, wenn du Leckerlis in der Hand hältst? Diese Situationen kennst du vermutlich. Das Apportieren lässt sich aber systematisch aufbauen, sodass dein Hund zuverlässig jeden Gegenstand zurückbringt.
Warum apportieren manche Hunde von selbst und andere nie?
Apportieren bedeutet: Gegenstand aufnehmen, zum Menschen tragen, freiwillig abgeben. Klingt simpel – dahinter steckt aber eine Kette aus drei separaten Verhaltensweisen.
Retriever-Rassen wurden jahrhundertelang darauf gezüchtet, geschossenes Wild unbeschädigt zu ihrem Jäger zu bringen. Ein Golden Retriever hat deshalb oft einen natürlichen „Bringtrieb“. Bei einem Husky oder Dackel ist dieser Trieb schwächer ausgeprägt – aber trotzdem trainierbar.
Der Hund muss lernen: Das Aufheben eines Gegenstands führt zur Belohnung, nicht das Behalten oder Zerkauen. Diese Verknüpfung aufzubauen dauert bei den meisten Hunden 2-3 Wochen täglichen Trainings.
Womit startest du das Apportier-Training am besten?
Ein Futterdummy ist der ideale Einstieg. Das ist ein Stoffsäckchen, das du mit Trockenfutter oder Leckerlis füllst. Der Dummy riecht interessant, aber dein Hund kann ihn nicht zerbeissen.
Wichtig: Starte in deiner Wohnung oder einem eingezäunten Garten. Draussen lenken Gerüche und andere Hunde ab. Die ersten Trainingseinheiten sollten nie länger als 5-10 Minuten dauern. Ein überforderter Hund lernt schlechter.
Trainiere nicht unmittelbar nach dem Fressen – dann ist dein Hund träge. Aber auch nicht bei extremem Hunger – dann ist er zu aufgeregt. Der beste Zeitpunkt: 2-3 Stunden nach der letzten Mahlzeit.
Wie baust du das Training in 4 Phasen auf?
Phase 1 (Tag 1-3): Dummy-Interesse wecken
Lege den gefüllten Futterdummy vor dich. Sobald dein Hund ihn anschaut, beschnuppert oder berührt: sofort belohnen. Noch nicht werfen – nur die positive Verknüpfung aufbauen.
Phase 2 (Tag 4-7): Aufheben trainieren
Lege den Dummy 1 Meter entfernt ab. Sage „Hol“ und zeige darauf. Nimmt dein Hund den Dummy ins Maul: loben und mit Leckerli belohnen. Egal ob er ihn wieder fallen lässt – das Aufheben ist der Erfolg.
Phase 3 (Tag 8-14): Zurückkommen üben
Jetzt rufst du deinen Hund zu dir, nachdem er den Dummy aufgenommen hat. Verwende ein fröhliches „Hier“ und hocke dich hin. Kommt er zu dir: belohnen, auch wenn er den Dummy fallen lässt.
Phase 4 (ab Tag 15): Abgabe perfektionieren
Nur noch belohnen, wenn dein Hund den Dummy direkt an dich abgibt. Führe das Kommando „Aus“ ein und tausche den Dummy gegen ein Leckerli.
Was machst du, wenn dein Hund den Dummy nicht loslässt?
Dein Hund hält den Dummy fest wie einen Schatz? Das passiert fast jedem Hund am Anfang. Niemals versuchen, den Dummy wegzureissen – das wird zu einem Zerrspiel.
Stattdessen: Halte ein besonders attraktives Leckerli (Käse, Wurst) direkt vor seine Nase. Die meisten Hunde lassen den Dummy fallen, um das Leckerli zu bekommen. In dem Moment sagst du „Aus“ und belohnst sofort.
Bei hartnäckigen Fällen hilft dieser Trick: Drücke sanft auf die Lefzen über den Eckzähnen. Das ist nicht schmerzhaft, aber unangenehm – die meisten Hunde öffnen reflexartig das Maul.
Wie steigerst du Distanz und Schwierigkeit?
Klappt das Apportieren auf 1 Meter zuverlässig, erhöhst du wöchentlich um 2-3 Meter. Bei 10 Metern Distanz kannst du erstmals ins Freie wechseln. Wähle einen Ort mit wenig Ablenkung – nicht den überfüllten Hundeauslauf.
Nach 4-6 Wochen tauschst du den Futterdummy gegen normale Gegenstände: Tennisball, Holzstöckchen, Spielzeug. Manche Hunde apportieren dann alles, andere zeigen Präferenzen. Ein Hund, der keine Bälle mag, bringt dir vielleicht begeistert Stöckchen.
Welche häufigen Fehler solltest du vermeiden?
Den grössten Fehler machst du, wenn du deinen Hund verfolgst, sobald er mit dem Dummy abhauen will. Für ihn wird daraus ein Fangspiel – und er lernt das Gegenteil von dem, was du willst.
Bleib stehen. Ruf ihn fröhlich zu dir. Kommt er nicht: Training beenden, 30 Minuten Pause, nochmal versuchen.
Zweiter Fehler: Zu früh mit schwierigen Gegenständen anfangen. Ein Tennisball rollt weg, wenn der Hund ihn fallen lässt. Ein Stöckchen ist zu leicht und fliegt beim Werfen unvorhersagbar. Der Futterdummy bleibt liegen und ist immer interessant.
Wann solltest du professionelle Hilfe holen?
Nach 6 Wochen konsequentem Training sollte dein Hund zumindest den Dummy aufheben und ein paar Schritte zu dir kommen. Passiert das nicht, liegt oft ein grundlegenderes Problem vor.
Manche Hunde haben Angst vor Gegenständen im Maul – oft durch schlechte Erfahrungen. Andere sind so verfressen, dass sie nur ans Futter im Dummy denken. In solchen Fällen hilft eine Hundeschule mit Einzeltraining.
Gruppentraining funktioniert erstaunlich gut beim Apportieren. Hunde schauen sich das Verhalten voneinander ab. Ein Hund, der andere apportieren sieht, probiert es oft spontan selbst aus.