Apportieren
Apportieren ist das kontrollierte Bringen eines Gegenstandes auf Kommando – eine der wenigen Beschäftigungen, die sowohl den Jagdtrieb des Hundes befriedigt als auch seine Impulskontrolle schult.
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Apportieren ist das kontrollierte Bringen eines Gegenstandes auf Kommando – eine der wenigen Beschäftigungen, die sowohl den Jagdtrieb des Hundes befriedigt als auch seine Impulskontrolle schult. Der Hund lernt dabei, einen Gegenstand aufzunehmen, zu dir zurückzukommen und ihn auf Signal wieder abzugeben.
Warum macht Apportiertraining jeden Hund besser?
Ein Hund, der zuverlässig apportiert, hat gelernt seinen Jagdtrieb zu kanalisieren. Das zeigt sich beim Spaziergang: Statt unkontrolliert Stöckchen zu jagen, wartet er auf dein Signal. Die Kombination aus körperlicher Bewegung und geistiger Konzentration macht selbst einen Border Collie nach 20 Minuten müde.
Meiner Erfahrung nach profitieren besonders hibbelige Hunde vom strukturierten Apportieren. Sie lernen zwischen „jetzt darf ich jagen“ und „jetzt muss ich warten“ zu unterscheiden.
Wie beginne ich mit einem Apportier-Neuling?
Vergiss das klassische Ballwerfen. Beginne stattdessen in der Wohnung mit einem 50 Zentimeter-Wurf. Nimm einen Gegenstand, den dein Hund interessant findet – einen Dummy, ein Seil oder einen weichen Ball. Lass ihn daran schnüffeln, dann wirf ihn kurz weg.
Geht dein Hund hin? Super. Kommt er zurück? Noch besser. Bringt er den Gegenstand mit? Jackpot. Die meisten Hunde schaffen mindestens den ersten Schritt sofort. Falls nicht, machst du den Gegenstand interessanter: rascheln, quietschen, bewegen.
Der häufigste Anfängerfehler: Zu weit werfen. Ein Hund, der 20 Meter wegrennt und dann orientierungslos sucht, hat nichts gelernt. Ein Hund, der 2 Meter läuft, den Ball nimmt und zurückkommt, hat den Grundstein gelegt.
Was mache ich, wenn mein Hund nicht zurückkommt?
Das klassische Szenario: Der Hund schnappt sich den Ball und macht eine Ehrenrunde durch den Garten. Die Lösung ist nicht rufen oder hinterherlaufen. Bleib stehen, dreh dich weg und geh in die entgegengesetzte Richtung.
Klingt paradox – funktioniert aber. Ein Hund, der merkt, dass sein „Beute-Triumph“ ignoriert wird, kommt oft von selbst zurück. Alternativ: Schleppleine verwenden. 10 Meter reichen, um den Hund sanft zu dir zu führen, ohne Stress zu erzeugen.
Bei besonders hartnäckigen Fällen hilft der Tausch-Trick: Zeige einen zweiten, noch interessanteren Gegenstand. Die meisten Hunde lassen den ersten fallen, um den zweiten zu bekommen.
Wie erkenne ich, ob mein Hund Apportiertalent hat?
Manche Hunde sind geborene Apportierer: Sie bringen dir ungefragt Hausschuhe, Socken oder Spielzeug. Andere zeigen null Interesse an Gegenständen. Beides ist normal.
Ein Golden Retriever mit drei Generationen Jagdhund-Genetik wird wahrscheinlich schneller lernen als ein Chihuahua. Aber auch der Chihuahua kann apportieren – er braucht nur einen kleineren Ball und mehr Geduld.
Echte Talentindikatoren: Der Hund trägt gerne Dinge im Maul, er folgt bewegten Objekten mit den Augen und er kommt normalerweise zurück, wenn du ihn rufst. Sind zwei von drei erfüllt, habt ihr gute Chancen.
Welche Gegenstände eignen sich zum Trainieren?
Finger weg von Stöckchen. Sie splittern, können sich im Maul verkanten und landen oft im Magen. Ein guter Apportiergegenstand ist weich genug für die Zähne, groß genug gegen Verschlucken und interessant genug zum Aufheben.
Bewährt haben sich: Canvas-Dummies (gibt es in verschiedenen Größen), Seilspielzeug mit Knoten und spezielle Apportierbälle aus weichem Gummi. Für Anfänger funktionieren oft einfache Stofftiere – allerdings nur solche ohne Quietscher oder lose Teile.
Die Größe? Faustregel: Der Hund kann den Gegenstand bequem tragen, ohne dass seine Sicht blockiert wird. Ein Labrador-Welpe braucht einen anderen Dummy als ein ausgewachsener Schäferhund.
Was tun, wenn der Hund den Gegenstand nicht abgibt?
Das „Aus“-Kommando ist der Knackpunkt beim Apportieren. Ein Hund, der den Ball nicht hergibt, hat meist eines gelernt: „Sobald ich abgebe, ist das Spiel vorbei.“ Ändere diese Verknüpfung.
Konkret: Nimm den Ball nach dem Abgeben nicht weg. Lass ihn 3-5 Sekunden in deiner Hand, dann wirf ihn sofort wieder. Der Hund lernt: „Abgeben bedeutet weiterspielen, nicht Spielende.“
Bei extrem besitzergreifenden Hunden hilft der Leckerli-Tausch. Halte dem Hund ein hochwertiges Leckerli direkt vor die Nase. Die meisten öffnen das Maul automatisch – genau dann sagst du „Aus“ und nimmst den Gegenstand.
Niemals am Gegenstand ziehen oder dem Hund ins Maul greifen. Das macht aus dem Apportieren ein Zerrspiel und frustriert beide Seiten.
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