Herzwurmkrankheit beim Hund
Herzwürmer sind gefährliche Parasiten, die durch Mückenstiche übertragen werden und unbehandelt zum Tod führen. In Risikogebieten wie dem Mittelmeerraum ist eine medikamentöse Prophylaxe unverzichtbar.
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Was sind Herzwürmer beim Hund genau?
Herzwürmer – lateinisch Dirofilaria immitis – sind Fadenwürmer, die ausschliesslich durch den Stich infizierter Mücken übertragen werden. Kein Wasser, kein Futter, kein direkter Kontakt. Nur die Mücke. Die winzigen Larven landen beim Stich in der Blutbahn deines Hundes und wachsen dort über rund sechs Monate zu bis zu 30 Zentimeter langen Würmern heran – die sich dann im Herzen und in den Lungengefässen einnisten.
Ein verbreiteter Irrglaube: Viele Halter denken, der Hund könnte sich irgendwie anders anstecken. Kann er nicht. Die Larven brauchen zwingend den Zwischenwirt Mücke, konkret Culex- oder Aedes-Arten, um überhaupt infektiös zu werden. Ohne Mücke kein Herzwurm.
In welchen Gebieten besteht Herzwurmrisiko?
Hauptrisikozone in Europa ist der Mittelmeerraum. Spanische und italienische Küsten, Südfrankreich, Griechenland, Portugal – dort ist Herzwurm kein Randthema. In manchen Regionen Italiens sind bis zu 60 % der ungeschützten Hunde befallen, im Schnitt bewegt sich die Prävalenz zwischen 15 und 60 %, je nach Gegend.
Deutschland, Österreich und die Schweiz gelten dagegen als herzwurmfrei. Vereinzelte Fälle hierzulande betreffen fast immer Hunde, die aus Südeuropa importiert wurden oder dort Urlaub gemacht haben. Einheimische Mücken können die Larven unter unseren klimatischen Bedingungen schlicht nicht heranreifen lassen.
Die entscheidende Schwelle: Mindestens 30 Tage in Folge mit einer Durchschnittstemperatur über 18 °C – erst dann können sich die Larven in der Mücke entwickeln und gefährlich werden.
Wie erkenne ich Herzwürmer bei meinem Hund?
Das Tückische: Zwischen Infektion und ersten Anzeichen vergehen mindestens 6, oft sogar 12 Monate. Bis die Symptome auftauchen, können die Würmer längst ausgewachsen sein und das Herz-Kreislauf-System still und leise schädigen. Frühe Zeichen sind unspezifisch – du merkst vielleicht, dass dein Hund schneller schlapp macht oder nach dem Spaziergang trocken hustet. Das fällt leicht durch.
In fortgeschrittenen Stadien wird es deutlicher:
- Husten mit blutigem Auswurf
- Schwere Atemnot schon bei geringer Belastung
- Gewichtsverlust trotz normalem Appetit
- Aufgeblähter Bauch durch eingelagerte Flüssigkeit
- Kollaps bei Anstrengung
Viele Hunde zeigen über Monate keine oder kaum Symptome – während die Würmer im Verborgenen irreversible Schäden anrichten. Das macht Herzwurm so gefährlich.
Wie wird eine Herzwurmerkrankung diagnostiziert?
Der erste Schritt ist ein Bluttest auf Herzwurm-Antigene. Der Haken: Zuverlässig ist er erst ab etwa sechs Monaten nach der Infektion – vorher sind die Würmer noch nicht geschlechtsreif und produzieren keine nachweisbaren Eiweisse. Wer seinen Hund direkt nach dem Urlaub testen lässt, bekommt also unter Umständen ein falsches negatives Ergebnis.
Daneben sucht der Tierarzt mikroskopisch nach Mikrofilarien – das sind die Larven – im Blut. Röntgenaufnahmen zeigen, ob die Lungengefässe bereits charakteristisch verändert sind oder sich das Herz vergrössert hat. Bei schwerem Befall kann ein Herzultraschall sogar die lebenden Würmer direkt im Herzen sichtbar machen.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Behandlung ist aufwendig – zeitlich wie finanziell. Das Arsenmedikament Melarsomin (Handelsname Immiticide) tötet die erwachsenen Würmer ab. Die Therapie zieht sich über 3 bis 4 Monate, die Kosten liegen je nach Schweregrad zwischen 800 und 2000 Euro.
Und dann gibt es noch das Problem mit den sterbenden Würmern: Sie können Lungenembolien auslösen. Deshalb gilt während der gesamten Behandlung strikte Leinenpflicht, kein Toben, kein Sport – absolut. Dein Hund muss in dieser Zeit körperlich wirklich zur Ruhe kommen, was bei einem gesunden, aktiven Tier leichter gesagt als getan ist.
Bei sehr schwerem Befall oder geschwächten Hunden ist manchmal nur noch eine symptomatische Behandlung möglich, weil das Risiko der eigentlichen Therapie zu hoch wäre.
Wie hoch sind die Überlebenschancen?
Bei früher Diagnose und fachgerechter Behandlung überleben über 90 % der betroffenen Hunde. Was am Ende den Unterschied macht, ist das Ausmass der Herzschäden, die bereits entstanden sind. Hunde mit mildem Befall und rechtzeitiger Behandlung können danach ein völlig normales Leben führen.
Ohne Behandlung sieht es düster aus: Eine unbehandelte Herzwurminfektion führt innerhalb von 2 bis 5 Jahren zum Tod durch Herzversagen. Je mehr Würmer sich im Herzen angesiedelt haben, desto schneller geht es bergab.
Wie schütze ich meinen Hund vor Herzwürmern?
Wer mit dem Hund in den Mittelmeerraum fährt, kommt an einer medikamentösen Prophylaxe nicht vorbei. Bewährte Wirkstoffe sind Milbemycinoxim (z. B. Milbemax), Moxidectin (z. B. Advocate Spot-on) oder Ivermectin-haltige Tabletten – welches davon passt, klärt ihr kurz mit dem Tierarzt.
Wichtig: Die Prophylaxe beginnt spätestens einen Monat vor der Abreise und läuft bis einen Monat nach der Rückkehr – monatlich, ohne Ausnahme. Eine einzige vergessene Gabe kann für eine Infektion reichen.
Zusätzlich lohnt sich konkreter Mückenschutz: Repellent-Halsbänder wie Scalibor, Spot-on-Präparate mit Permethrin oder Moskitonetze für die Schlafräume. Mücken sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv – das sollte man beim Spaziergang im Hinterkopf behalten.
Brauchen Hunde in Deutschland eine Herzwurm-Prophylaxe?
Nein. In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist eine routinemässige Prophylaxe nicht nötig. Unsere Mücken können die Herzwurmlarven unter den hiesigen klimatischen Bedingungen nicht zur Infektionsreife entwickeln – das Risiko ist de facto nicht vorhanden, solange du nicht reist.
Können sich Menschen mit Herzwürmern anstecken?
Theoretisch ja – praktisch ist es eine absolute Rarität. Menschen sind sogenannte Fehlwirte: Die Würmer können sich in unserem Körper nicht vollständig entwickeln und sterben meist ab. Weltweit sind weniger als 100 dokumentierte Fälle bekannt.
Wie lange dauert es von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen?
Mindestens sechs Monate. So lange brauchen die Larven, um zu geschlechtsreifen Würmern heranzuwachsen. Erste Symptome zeigen sich oft erst nach 12 bis 18 Monaten – also zu einem Zeitpunkt, an dem bereits irreversible Herzschäden entstanden sein können.
Kann ein einmal behandelter Hund erneut erkranken?
Ja. Eine überstandene Herzwurminfektion hinterlässt keine Immunität – weder eine vollständige noch eine teilweise. Bei weiteren Reisen in Risikogebiete ist die Prophylaxe genauso wichtig wie beim allerersten Mal. Dazu kommt: Manche Hunde tragen nach einer durchgemachten Infektion Herzschäden davon, die sie empfindlicher für Komplikationen machen.
Was kostet die Prophylaxe für eine Mittelmeerreise?
Für einen Hund mit 25 kg und dreiwöchigem Aufenthalt etwa 25 bis 40 Euro, je nach Präparat. Verglichen mit Behandlungskosten von über 1000 Euro – oder dem Verlust des Hundes – ist das keine echte Abwägung. Die meisten Prophylaxe-Präparate wirken nebenbei auch gegen andere Parasiten, also doppelter Nutzen für wenig Geld.