Gesundheit & Pflege

Mittelmeerkrankheiten beim Hund – Nicht mehr nur ein Reiseproblem

4 Min Lesezeit
Mittelmeerkrankheiten beim Hund – Nicht mehr nur ein Reiseproblem
Inhalt
  1. Was steckt hinter dem Begriff „Mittelmeerkrankheiten“?
  2. Reisekrankheit oder hausgemachtes Risiko?
  3. Die vier wichtigsten Erkrankungen
  4. Was europäische Daten zeigen
  5. Schutz: Was wirklich hilft
  6. Häufige Fragen
  7. Quellen (Auswahl)

Lange Zeit galt das Thema Mittelmeerkrankheiten als Problem für Urlaubshunde oder frisch importierte Tiere. Diese Einschätzung ist überholt. Klimawandel, ein dichter werdendes Netz an Hundereisen und eingeschleppte Stechmücken haben dafür gesorgt, dass Infektionen wie Leishmaniose oder Babesiose längst auch in Deutschland ankommen. Was das konkret bedeutet – und wie Halter ihren Hund schützen können – zeigt dieser Beitrag.

Was steckt hinter dem Begriff „Mittelmeerkrankheiten“?

Der Begriff ist ein Sammelname für Infektionen, die Hunde vor allem durch Zecken- oder Mückenstiche aufnehmen. Gemeinsam ist ihnen: Sie bleiben oft monatelang unbemerkt, die Inkubationszeiten sind lang, und wenn Symptome auftauchen, sind manche Organe bereits geschädigt. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Babesiose, Ehrlichiose, Leishmaniose und Dirofilariose. Ohne Behandlung können alle vier lebensbedrohlich verlaufen.

Reisekrankheit oder hausgemachtes Risiko?

Griechenland, Spanien, Italien – wer mit dem Hund dorthin fährt, kennt das Thema vielleicht schon vom Tierarzt. Doch das Risiko endet nicht an der Grenze. Zwei Entwicklungen verschieben die Karte gerade spürbar:

  • Hunde, die aus dem Süden importiert oder über Tierschutzorganisationen vermittelt werden, bringen Erreger mit. Laut Menn et al. 2010 wiesen Tiere, die innerhalb Deutschlands gereist oder importiert worden waren, messbare Antikörper gegen mediterrane Krankheitserreger auf – und das, obwohl sie selbst nie im Ausland waren.
  • Die Klimaerwärmung ermöglicht es Vektoren wie der Auwaldzecke oder bestimmten Sandmücken, sich weiter nach Norden auszubreiten. Babesiose gilt heute als endemisch in Mitteleuropa.

Kurz gesagt: Ob ein Hund je am Mittelmeer war, spielt für das Infektionsrisiko keine entscheidende Rolle mehr.

Die vier wichtigsten Erkrankungen

Leishmaniose

Sandmücken übertragen die Erreger – winzige Einzeller, die sich in Leber, Milz, Knochenmark und Immunzellen einnisten. Das Tückische: Erste Anzeichen können sich erst nach Monaten oder Jahren zeigen. Typische Symptome sind geschwollene Lymphknoten, Veränderungen an Haut und Fell, ungewöhnlich lange Krallen, Gewichtsabnahme und in schweren Fällen Nierenversagen. Heilbar ist die Krankheit nicht, aber mit den richtigen Medikamenten gut kontrollierbar.

Leishmaniose galt früher als Mittelmeer-Phänomen. Inzwischen gibt es Nachweise auch aus kontinentaleren Regionen Europas – die Sandmücken folgen dem wärmer werdenden Klima.

Dirofilariose (Herzwurm)

Mückenstiche übertragen die Larven des Herzwurms, die sich im Herz und den großen Lungengefäßen festsetzen. Bei starkem Befall entstehen Husten, Atemnot, Gewichtsverlust und Organschäden. Die Behandlung ist aufwendig, manchmal chirurgisch – und mit eigenen Risiken verbunden. Hier gilt wirklich: Vorbeugen ist besser als Heilen.

Babesiose (Hundemalaria)

Babesia-Parasiten werden durch Zeckenstiche übertragen und zerstören rote Blutkörperchen. Fieber, Blutarmut, Gelbsucht, dunkler Urin – ein akuter Verlauf kann binnen weniger Tage tödlich enden. Für Hunde in Deutschland ist diese Erkrankung besonders relevant: Die Auwaldzecke, die Babesia überträgt, ist hierzulande weit verbreitet, und Babesiose gilt inzwischen als einheimisch (autochthon).

Ehrlichiose

Die Braune Hundezecke ist der Hauptüberträger. Ehrlichien befallen weiße Blutkörperchen und schwächen das Immunsystem. Typische Zeichen: Fieber, Erbrechen, geschwollene Lymphknoten, Nasenbluten. Mit Antibiotika lässt sich die Erkrankung gut behandeln – vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig erkannt.

Was europäische Daten zeigen

Eine große Datenanalyse aus den Jahren 2016 bis 2020 wertete über 400.000 Hundetests aus ganz Europa aus. Ergebnis: Die Positivraten sind in mehreren Bereichen leicht gesunken – Leishmania von 13,9 auf 9,4 Prozent, Ehrlichia von 4,3 auf 3,4 Prozent, Dirofilaria von 2,7 auf 1,8 Prozent. Das klingt ermutigend, ändert aber nichts daran, dass regionale Risikogebiete weiterhin existieren. Import- und Reisehunde zeigen nach wie vor deutlich höhere Antikörperraten als Hunde ohne Auslandskontakt.

Schutz: Was wirklich hilft

Konsequenter Stichschutz: Spot-On-Präparate gegen Zecken und Repellentien gegen Mücken – beides gehört zum Pflichtprogramm, vor allem in der warmen Jahreszeit und in Risikogebieten.

Screening vor und nach Reisen: Nach einem Aufenthalt im Süden – oder bei einem neu importierten Hund – empfehlen sich Bluttests (PCR und/oder ELISA) auf Leishmania, Dirofilaria, Babesia und Ehrlichia. Manche Tierärzte empfehlen, auch vor der Reise eine Baseline zu erheben.

Regionale Gefahr nicht unterschätzen: Babesiose und Ehrlichiose kommen heute autochthon in Deutschland vor. Stichschutz ist also kein reines Urlaubsthema mehr.

Impfung gegen Leishmaniose: Als einzige der vier Erkrankungen lässt sich Leishmaniose impfen. Der Impfstoff ist verfügbar, ersetzt aber keinen Mückenschutz – er ergänzt ihn.

Häufige Fragen

Kann mein Hund Leishmaniose in Deutschland bekommen?

Ja, das ist möglich. Sowohl der Kontakt zu infizierten Importtieren als auch die schrittweise Ausbreitung von Sandmücken in wärmere Regionen Deutschlands spielt dabei eine Rolle. Wer einen Hund aus dem Ausland übernimmt, sollte das Tier testen lassen.

Was schützt am besten vor Babesiose?

Ein zuverlässiger Zeckenschutz – ob Spot-On oder Halsband – kombiniert mit einer regelmäßigen Kontrolle des Fells nach Spaziergängen im Gras oder Unterholz. Zecken sollten möglichst schnell und vollständig entfernt werden.

Soll ich meinen Hund auf Herzwurm testen lassen?

Nach Reisen in südliche Länder oder bei einem importierten Hund: ja, unbedingt. Ein Bluttest gibt Sicherheit, und wer früh behandelt, hat deutlich bessere Chancen auf eine komplikationsarme Therapie.

Quellen (Auswahl)