Gesundheit & Pflege

Haarige Zeiten oder was wir vom Fellwechsel lernen können

Der Fellwechsel verwandelt jeden Haushalt in ein Haarmuseum. Wann der massive Haarausfall normal ist und welche Pflege dein Hund jetzt braucht.

3 Min Lesezeit
Haarige Zeiten oder was wir vom Fellwechsel lernen können
Inhalt
  1. Wie läuft der Fellwechsel bei Hunden ab?
  2. Welche Felltypen brauchen welche Pflege?
  3. Wann ist der Haarausfall bedenklich?
  4. Kann ich den Fellwechsel beschleunigen?

Meine Collie-Hündin verwandelt die Wohnung gerade in ein Fellknäuel-Museum. Büschel sammeln sich in jeder Ecke, obwohl ich täglich bürste. Der Herbst-Fellwechsel läuft bei ihr wie ein Turbo-Programm ab – und das ist völlig normal.

Wie läuft der Fellwechsel bei Hunden ab?

Hunde wechseln ihr Fell normalerweise zweimal im Jahr. Das Sommerfell wird zwischen August und Oktober gegen das dichtere Winterfell getauscht. Ein Prozess, der 6-8 Wochen dauert und hormonell gesteuert abläuft.

Die Tageslichtlänge gibt den Startschuss. Werden die Tage kürzer, produziert der Hundekörper andere Hormone. Diese stoppen das Wachstum der Sommerhaare und aktivieren die Follikel für das Winterfell. Das alte Haar fällt aus – deshalb die Haarbüschel überall.

Bei Wohnungshunden läuft dieser Mechanismus oft durcheinander. Künstliches Licht und konstante 22 Grad verwirren die innere Uhr. Manche Hunde haaren dann das ganze Jahr über moderat, statt zweimal richtig intensiv.

Welche Felltypen brauchen welche Pflege?

Ein Golden Retriever braucht andere Unterstützung als ein Jack Russell. Das Fell bestimmt die Pflegestrategie.

Langhaar mit Unterwolle: Täglich bürsten mit einer Unterfellbürste. Erst die lose Unterwolle entfernen, dann das Deckhaar durchkämmen. Bei meiner Collie verwende ich zusätzlich einen Entfilzungsrechen, wenn sich Knötchen bilden.

Kurzhaar ohne Unterwolle: Dreimal wöchentlich mit einem Gummihandschuh oder einer weichen Bürste. Die Haare sind kürzer, aber fallen trotzdem aus. Ein feuchtes Tuch sammelt die letzten losen Haare auf.

Drahtiges Fell: Diese Hunde trimmen statt bürsten. Das Fell wird gezupft, nicht geschnitten. Lasse das einen erfahrenen Hundefriseur machen – falsches Trimmen ruiniert die Fellstruktur dauerhaft.

Wann ist der Haarausfall bedenklich?

Gleichmäßiger Haarausfall während des Fellwechsels ist normal. Alarm schlagen musst du bei kahlen Stellen, die unregelmäßig entstehen.

Bedenklich wird es, wenn dein Hund sich kratzt bis die Haut rot ist. Oder wenn das Fell stellenweise komplett fehlt – besonders um die Augen, an den Pfoten oder am Bauch. Diese Muster deuten auf Parasiten, Allergien oder Hormonstörungen hin.

Auch der Geruch verrät Probleme. Gesunde Hundehaut riecht neutral. Hefiger oder fischiger Geruch signalisiert oft bakterielle Infektionen oder Pilzbefall.

Kann ich den Fellwechsel beschleunigen?

Den biologischen Prozess kannst du nicht verkürzen – aber die losen Haare schneller entfernen.

Regelmäßiges Bürsten ist der wichtigste Trick. Jeden Tag fünf Minuten bringen mehr als einmal wöchentlich eine Stunde. Die Massage regt zusätzlich die Durchblutung an und fördert das Nachwachsen.

Omega-3-Fettsäuren unterstützen die Fellqualität. Lachsöl ins Futter gemischt macht das neue Fell glänzender und robuster. Ein Teelöffel pro 10 Kilogramm Körpergewicht reicht.

Manche schwören auf spezielle Fellwechsel-Shampoos. Meiner Erfahrung nach bringen die wenig. Zu häufiges Baden trocknet die Haut aus und kann den Fellwechsel sogar verlangsamen.

Verliert mein Welpe auch Fell?

Ja, aber anders. Welpen tauschen zwischen dem 4. und 6. Monat ihr fluffiges Babyfell gegen das Erwachsenenfell. Das passiert unabhängig von der Jahreszeit und nur einmal im Leben.

Warum haart mein Hund auch im Winter?

Künstliche Beleuchtung und Heizung irritieren den natürlichen Rhythmus. Viele Wohnungshunde entwickeln einen kontinuierlichen, milden Haarausfall statt zweier intensiver Phasen.

Helfen Nahrungsergänzungsmittel gegen Haaren?

Biotin und Zink können bei mangelhafter Ernährung helfen. Bei gesunden Hunden mit gutem Futter bewirken sie nichts. Omega-3-Fettsäuren sind sinnvoller als teure Fellwechsel-Pillen.

Soll ich meinen Hund während des Fellwechsels scheren?

Bei den meisten Rassen schadet das mehr als es hilft. Das Fell wächst oft ungleichmäßig nach und verliert seine isolierenden Eigenschaften. Nur bei verfilztem Langhaar ist Scheren manchmal nötig.

Wie lange dauert es, bis das neue Fell komplett da ist?

Das komplette Winterfell ist meist nach 2-3 Monaten voll entwickelt. Die ersten neuen Haare sprießen schon während des Ausfalls, brauchen aber Zeit um die volle Länge und Dichte zu erreichen.