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Ernährung

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Ernährung
Definition

Ernährung bezeichnet die Gesamtheit aller Prozesse der Nahrungsaufnahme und -verwertung bei Hunden zur Aufrechterhaltung von Wachstum, Gesundheit und Vitalität.

Inhalt
  1. Wie viel Protein braucht mein Hund wirklich?
  2. Welche Fettmenge ist optimal?
  3. Sind Kohlenhydrate für Hunde überflüssig?
  4. Wie berechne ich die richtige Futtermenge?
  5. Wann ist Trockenfutter, wann Nassfutter sinnvoll?
  6. Was unterscheidet BARF von kommerziellem Futter?
  7. Wie erkenne ich Futtermittelallergien?
  8. Was mache ich bei Übergewicht?
  9. Wie füttere ich im Alter richtig?

Ernährung – damit ist die Gesamtheit aller Prozesse gemeint, vom Fressen bis zur Verwertung im Körper, die einen Hund am Wachsen, Gesundbleiben und Vitalsein halten.

Was im Napf landet, entscheidet über die Lebensqualität deines Hundes. Klingt dramatisch, ist es aber nicht. Ein 30 kg schwerer Labrador braucht schlicht andere Nährstoffmengen als ein 3 kg Chihuahua – und beide wieder anders als ein Welpe oder Senior derselben Rasse. Es gibt keine Einheitslösung.

Wie viel Protein braucht mein Hund wirklich?

Erwachsene Hunde brauchen mindestens 18 % Protein in der Trockenmasse ihres Futters. Bei Welpen und säugenden Hündinnen liegt die Latte höher: mindestens 22 %. Diese Zahlen kommen von der AAFCO (Association of American Feed Control Officials) und gelten weltweit als anerkannter Mindeststandard.

Als Grundbedarf für ausgewachsene Hunde gilt etwa ein Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. Arbeits- und Sporthunde können gut das Doppelte vertragen. Interessant: Seniorenhunde ab 7 Jahren profitieren sogar von leicht erhöhtem Protein – irgendwo zwischen 20 und 25 %. Das widerspricht dem hartnäckigen Mythos, alte Hunde könnten Protein nicht vertragen. Können sie. Sie verwerten es nur etwas schlechter, deshalb brauchen sie mehr davon.

Tierisches Protein hat die höchste biologische Wertigkeit für Hunde. Muskelfleisch liefert alle essenziellen Aminosäuren in einem Durchgang. Pflanzliches Protein hingegen ist oft unvollständig – nicht wertlos, aber kein vollständiger Ersatz.

Welche Fettmenge ist optimal?

Mindestens 5,5 % Fett in der Trockenmasse – das ist die Untergrenze. Für aktive Hunde sind 10 bis 15 % ideal, bei gemütlicheren Zeitgenossen reichen 8 bis 10 % gut aus. Übergewichtige Hunde kommen mit 5 bis 8 % durch, ohne zu hungern.

Omega-3-Fettsäuren (konkret: EPA und DHA) wirken entzündungshemmend. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei 20 bis 55 mg EPA und DHA pro Kilogramm Körpergewicht. Zur Orientierung: Das entspricht ungefähr einem Teelöffel Fischöl pro 10 kg Hund.

Sind Kohlenhydrate für Hunde überflüssig?

Einen Mindestbedarf an Kohlenhydraten haben Hunde nicht – das stimmt. Aber sie können Kohlenhydrate sehr gut verwerten. Das Hundegenomprojekt hat gezeigt, dass Hunde deutlich mehr Amylase-Gene besitzen als Wölfe und Stärke entsprechend effizienter verdauen. Jahrtausende der Domestizierung haben Spuren hinterlassen.

Gut aufbereitete Kohlenhydrate wie gekochter Reis werden zu rund 95 % verwertet. Rohes Getreide dagegen nur zu 60 bis 70 % – also lieber kochen. Ballaststoffe im Bereich von 2 bis 4 % des Futters unterstützen die Darmgesundheit und helfen beim Sättigungsgefühl. Kein Hexenwerk, aber wirksam.

Wie berechne ich die richtige Futtermenge?

Die Grundformel: Körpergewicht hoch 0,75, dann multipliziert mit 95 bis 130 – je nach Aktivitätslevel – ergibt den ungefähren Kalorienbedarf pro Tag. Für einen 20 kg Hund bedeutet das etwa 900 bis 1200 kcal täglich.

Kastrierte Hunde brauchen 20 bis 30 % weniger Energie – das wird oft unterschätzt. Und wer einen Welpen einer grossen Rasse (ausgewachsen über 25 kg) aufzieht: Langsames Wachstum ist kein Nachteil. Maximal 3 bis 4 % Körpergewichtszunahme pro Woche verhindert spätere Skelettprobleme.

Die Waage erzählt nur die halbe Geschichte. Entscheidender ist die Körperkondition: Bei optimaler Figur spürst du die Rippen bei leichtem Druck, siehst sie aber nicht. Die Taille ist von oben sichtbar. Das ist der praxistauglichste Check – schnell, kostenlos, immer dabei.

Wann ist Trockenfutter, wann Nassfutter sinnvoll?

Trockenfutter enthält 6 bis 10 % Wasser, Nassfutter 75 bis 85 %. Hunde, die von Natur aus wenig trinken, profitieren deutlich vom feuchten Futter. Die Kaloriendichte ist ein unterschätzter Faktor: Trockenfutter bringt 300 bis 500 kcal pro 100 g, Nassfutter nur 70 bis 120 kcal pro 100 g. Wer das nicht einrechnet, wundert sich über die Kilos.

Und noch ein Mythos, der sich hartnäckig hält: Zahnstein entsteht nicht durch weiches Futter. Die Zahngesundheit hängt stärker von Genetik und Bakterien ab als von der Futterkonsistenz. Wer das glaubt, kann bedenkenlos Nassfutter geben – und trotzdem die Zähne putzen.

Was unterscheidet BARF von kommerziellem Futter?

BARF steht für Biologisch Artgerechtes Rohes Futter und versucht, die Ernährung wildlebender Hunde nachzuahmen. Eine typische Ration sieht so aus: 70 bis 80 % Muskelfleisch und Innereien, 10 bis 20 % fleischige Knochen, 5 bis 10 % Gemüse.

Das Problem liegt im Detail. Eine Studie mit 95 selbst zusammengestellten BARF-Rationen fand bei 60 % der Proben Mängel – am häufigsten zu wenig Kalzium, Vitamin D oder Zink. Das ist keine Seltenheit, sondern die Mehrheit. Ohne fundiertes Wissen oder tierärztliche Begleitung ist BARF riskant.

Rohfleisch kann Salmonellen, E. coli oder Parasiten enthalten. Besondere Vorsicht gilt bei immungeschwächten Hunden, Welpen unter 4 Monaten und in Haushalten mit Kleinkindern.

Wie erkenne ich Futtermittelallergien?

Echte Futterallergien sind seltener als viele denken – nur 1 bis 2 % aller Hunde sind betroffen. Typische Zeichen: ganzjähriger Juckreiz (nicht saisonal!), Durchfall, Erbrechen oder immer wiederkehrende Ohrenentzündungen. Die einzig verlässliche Diagnose ist eine Ausschlussdiät über 8 bis 12 Wochen mit einer Proteinquelle, die der Hund noch nie gefressen hat.

Rindfleisch, Milchprodukte und Weizen lösen die meisten Reaktionen aus. Nicht weil sie grundsätzlich schlechter wären, sondern weil Hunde ihnen am häufigsten und über lange Zeit ausgesetzt waren. Das Immunsystem reagiert auf Bekanntes – eine bittere Ironie.

Was mache ich bei Übergewicht?

Rund 25 % aller Hunde in Deutschland sind übergewichtig. Eine sichere Abnahme liegt bei 1 bis 3 % des Körpergewichts pro Woche – für einen 30 kg Hund sind das 300 bis 900 g weniger in sieben Tagen. Langsam, aber nachhaltig.

Diätfutter mit hohem Proteingehalt (25 bis 30 %) und niedrigem Fettgehalt (5 bis 8 %) hilft, die Muskelmasse zu erhalten, während das Fett schwindet. Ballaststoffe wie Zellulose oder Rübenschnitzel sorgen für Sättigung, ohne die Kalorienbilanz zu sprengen.

Ein unterschätzter Faktor: Leckerlis machen oft 20 bis 30 % der täglichen Kalorien aus – statt der empfohlenen 10 %. Gurke oder Zucchini sind kalorienarme Alternativen, die viele Hunde erstaunlich gerne fressen. Einfach mal ausprobieren.

Wie füttere ich im Alter richtig?

Ab dem 7. Lebensjahr gilt ein Hund als Senior – bei grossen Rassen schon ab dem 5. Der Kalorienbedarf sinkt meist um 10 bis 20 %, der Proteinbedarf steigt leicht an. Der Grund: Ältere Hunde verwerten Protein schlechter, brauchen also mehr davon, um denselben Effekt zu erzielen.

Antioxidantien wie Vitamin E und C können kognitive Funktionen im Alter unterstützen. Omega-3-Fettsäuren wirken entzündungshemmend und können Gelenkbeschwerden lindern. Glucosamin und Chondroitin werden oft empfohlen – die Studienlage zeigt bislang aber gemischte Ergebnisse. Wer es trotzdem versuchen möchte, schadet damit zumindest nicht.