Welche Impfungen braucht mein Hund?
Core-Impfungen: Die Basis für jeden Hund
Core-Impfungen schützen vor Krankheiten mit hohem Risiko und Verbreitungspotenzial. Staupe (Canine Distemper), Parvovirose (Canine Parvovirus) und Hepatitis contagiosa canis (CAV-1) sind Viruserkrankungen mit hoher Mortalität, besonders bei Welpen. Diese drei Komponenten muss jeder Hund haben. Die moderne Richtlinie sieht vor, dass die letzte Welpenimpfung frühestens im Alter von 14–16 Wochen erfolgt – zu früher Impfung wird durch mütterliche Antikörper blockiert und schützt nicht. Nach dieser finalen Welpenimpfung haben etwa 98 Prozent der Hunde jahrelangen, oft lebenslangen Schutz. Die nächste Auffrischung erfolgt dann drei Jahre später (nicht eins, wie früher empfohlen), und je nach Impfstoff kann der Abstand danach drei Jahre betragen.
Tollwut: Regionale und rechtliche Unterschiede
Tollwut ist in der Schweiz eine empfohlene Core-Impfung; in Deutschland und Österreich ist die terrestrische Tollwut ausgerottet, daher gilt sie als Non-Core. Tollwut ist jedoch Pflicht für Auslandsreisen und oft für Tiere in Tierschutzeinrichtungen. Die Tollwutimpfung ist bemerkenswert wirksam – eine Einzeldosis schützt bei den meisten inaktivierten Impfstoffen. Nach der ersten Impfung sind Auffrischungen oft alle drei Jahre ausreichend. Wenn Du mit Deinem Hund reist oder in einer Region lebst, in der wildlebende Tollwut-Vektoren (Fledermäuse, Waschbären) auftreten, bespreche mit Deinem Tierarzt eine Tollwutimpfung.
Non-Core-Impfungen: Individuelle Risikobewertung
Leptospirose: Vier Serovare, regionales Risiko
Leptospirose ist eine bakterielle Zoonose, die über Urin infizierter Tiere (besonders Ratten) übertragen wird. Es gibt vier relevante Serovare; der Impfschutz ist nicht vollständig kreuzimmun, weshalb Impfstoffe mit mehreren Serovaren wichtig sind. Hunde mit Zugang zu stehenden Gewässern, Bauernhöfen oder wilder Natur haben ein höheres Risiko. In manchen Regionen ist Leptospirose typischer als in anderen – Dein Tierarzt kennt das lokale Risiko. Wenn Impfung empfohlen wird, ist eine jährliche Auffrischung üblich, da der Schutz kürzer anhält als bei viralen Impfstoffen.
Borreliose: Ein unterschätztes Risiko in Zecken-Gebieten
Borreliose wird durch Zecken übertragen und ist in Europa weit verbreitet. Der Impfschutz ist nicht vollständig (etwa 65–70 Prozent), schützt aber vor schweren Erkrankungen. Die Impfung ist sinnvoll für Hunde, die viel in waldigen oder feuchten Gebieten unterwegs sind, wo Zecken regelmässig sind. Ohne Zeckenexposition ist die Impfung weniger relevant. Nach der Impfung sind Auffrischungen alle 12 Monate ratsam, da der Schutz zeitbegrenzt ist. Unabhängig von der Impfung ist eine konsequente Zeckenprävention (monatliche Antiparasitika) das wichtigere Werkzeug.
Kennel Cough (Zwingerhusten): Nur für Hochrisiko-Hunde
Kennel Cough ist eine ansteckende Atemwegserkrankung, die in Mehrhund-Umgebungen (Hundepensionen, Tierschutzeinrichtungen, Zuchtbetriebe) und Hundeschulen verbreitet ist. Für einen Einzelhund, der nur mit Familie und kontrolliert ausgewählten Hunden in Kontakt kommt, ist die Impfung nicht nötig. Wenn Dein Hund jedoch regelmässig Gruppensituationen ausgesetzt ist oder Du einen Tierheim-Hund adoptierst, kann die Impfung sinnvoll sein. Sie schützt nicht zu 100 Prozent, mildert aber Symptome.
Impfintervalle nach neuem WSAVA-Standard
| Impfstoff | Welpen-Schema | Erstes Recall | Danach |
|---|---|---|---|
| Staupe, Parvo, CAV | 8, 12, 16 Wochen | 3 Jahre später | 3 Jahre (je nach Hersteller 1–3 Jahre) |
| Tollwut (wenn nötig) | 16 Wochen | 1 Jahr später | 3 Jahre (je nach Hersteller) |
| Leptospirose | 8, 12, 16 Wochen | 1 Jahr später | Jährlich |
| Borreliose | Ab 12 Wochen (2 Dosen, 2–4 Wochen Abstand) | 1 Jahr später | Jährlich |
Titer-Tests: Eine Alternative zur routinemässigen Auffrischung
Ein Titer-Test misst die Antikörper-Konzentration Deines Hundes im Blut und zeigt, ob noch Immunschutz vorhanden ist. Für Core-Impfungen (Staupe, Parvo) ist ein positiver Titer ein Beweis für Schutz, und die Impfung kann aufgeschoben oder ausgelassen werden. Titer-Tests kosten 50–100 Euro pro Impfstoff und sind sinnvoll, wenn Du Überimpfung vermeiden willst, aber wissen möchtest, ob Auffrischung nötig ist. Allerdings wird der Test nicht von allen Versicherungen übernommen, und nicht alle Länder erkennen ihn für Auslandsreisen an.
Impfnebenwirkungen und wann Du den Tierarzt aufsuchen solltest
Leichte Lokalreaktionen an der Injektionsstelle (Schwellung, kurze Lahmheit) treten bei etwa 5–10 Prozent der Impfungen auf und klingen in 1–2 Tagen ab. Kurzfristige Systemeffekte wie Müdigkeit oder vorübergehender Appetitverlust sind normal. Ernsthafte Nebenwirkungen wie anaphylaktischer Schock, Krampfanfälle oder Gesichtsschwellungen sind selten (unter 0,1 Prozent) und erfordern sofortige tierärztliche Hilfe. Wenn Dein Hund nach einer Impfung Verhaltensveränderungen, Lahmheit, die länger als 48 Stunden anhält, oder Atemprobleme zeigt, kontaktiere sofort Deinen Tierarzt. Manche Hunde mit Vorgeschichte schwerer Nebenwirkungen können mit Vorbereitung (Antihistaminika vor der Impfung) sicherer geimpft werden.
Überimpfung oder Unterimpfung: Wo liegt das Gleichgewicht?
Überimpfung entsteht durch zu häufige Auffrischungen ohne medizinische Notwendigkeit – das belastet das Immunsystem unnötig und kostet Geld. Unterimpfung entsteht durch zu lange Abstände oder fehlende Non-Core-Impfungen bei hohem Risiko – das setzt Deinen Hund realen Gefahren aus. Die Lösung ist ein individueller Impfplan mit Deinem Tierarzt, der Alter, Lebensstil, lokale Seuchenlage und Reisepläne berücksichtigt. Es gibt kein universelles Schema, das für alle Hunde passt.
FAQ: Impfung und Mythen
Verursachen Impfungen Autismus oder Allergien?
Nein. Diese Vermutung stammt aus widerlegten Studien bei Menschen und hat keine wissenschaftliche Grundlage bei Hunden. Tausende Studien zeigen keine Verursachung von Autismus oder Allergien durch Impfungen.
Kann mein Hund zu oft geimpft werden?
Ja, zu häufige Auffrischungen ohne Bedarf sind medizinisch nicht sinnvoll. Nach aktuellem Standard braucht ein erwachsener Hund mit kompletten Welpenimpfungen nur alle 3 Jahre Core-Auffrischungen, nicht jährlich.
Muss ich meinen älteren Hund (über 10 Jahre) noch impfen?
Das ist individuell. Alte Hunde mit stabiler Impfhistorie und Titer-Nachweis können gerechtfertigt eine Auffrischung auslassen. Allerdings können ältere Hunde mit Immunschwäche von Auffrischung profitieren. Bespreche es mit Deinem Tierarzt.
Ist eine Impfung vor dem Adoption-Tag absolut nötig?
Hunde aus Tierheimen müssen vor Erstkontakt mit anderen Hunden geimpft sein. Wenn Du einen Hund mit fraglicher Krankengeschichte aufnimmst, beginnt ein neues Impfschema – zwei Dosen mit 2–4 Wochen Abstand, gefolgt von einer Auffrischung ein Jahr später.