Hundevermittlung mal anders: Pfarrer in Brasilien nimmt Streuner in Kirche auf
Ein brasilianischer Pfarrer vermittelt Straßenhunde direkt aus seiner Kirche – und hat damit über 200 Tiere gerettet. Was deutsche Tierschützer von diesem unkonventionellen Ansatz lernen können.
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Warum nimmt ein Pfarrer Straßenhunde in seine Kirche auf?
Pater João Paulo Araújo Gomes steht jeden Sonntag vor der Paróquia de Sant’Ana in Gravatá mit mehreren Straßenhunden zu seinen Füßen. Seine Begründung ist schlicht: Nächstenliebe gilt auch für Tiere. Während seiner Messen stellt er die Hunde seiner Gemeinde vor – nicht als Ablenkung, sondern als potenzielle neue Familienmitglieder.
Das Gotteshaus ist für die Vierbeiner rund um die Uhr geöffnet. Futter und Wasser stehen immer bereit. Was in deutschen Ohren ungewöhnlich klingt, ist in Brasilien eine Notwendigkeit: Das Land hat eines der größten Straßenhundeprobleme weltweit.
Wie groß ist das Straßenhundeproblem in Brasilien wirklich?
Die Zahlen sind erschreckend. Schätzungen gehen von 30 Millionen Straßenhunden in Brasilien aus – das entspricht etwa jedem siebten Hund im Land. Zum Vergleich: In Deutschland leben rund 10 Millionen Hunde, davon geschätzt nur wenige Tausend ohne festen Wohnsitz.
Pater Gomes‘ Ansatz zeigt Wirkung. Seit er 2019 mit seinem Projekt begann, hat er über 200 Hunde vermittelt. Die Spenden seiner Gemeinde finanzieren nicht nur Futter, sondern auch tierärztliche Behandlungen für kranke Streuner.
Was können deutsche Tierschützer von diesem Modell lernen?
Der Erfolg liegt in der direkten Begegnung. Statt Fotos auf Internetseiten sehen potenzielle Halter die Hunde persönlich – und das in einem vertrauensvollen Umfeld. Deutsche Tierheime könnten ähnliche Formate entwickeln: regelmäßige Präsentationen in Gemeindezentren oder bei Veranstaltungen.
Ein weiterer Punkt: Die Gemeinde übernimmt Verantwortung als Gruppe. Wenn Probleme auftreten, helfen Nachbarn mit Rat oder praktischer Unterstützung. Diese soziale Einbindung fehlt vielen Vermittlungen hierzulande.
Welche Hindernisse gibt es bei unkonventionellen Vermittlungsformen?
In Deutschland würden rechtliche Hürden solche Aktionen erschweren. Tierschutzvereine benötigen Genehmigungen nach § 11 Tierschutzgesetz für die gewerbsmäßige Vermittlung. Spontane Übergaben ohne Vorkontrolle sind problematisch.
Dazu kommt: Deutsche Hundehalter erwarten oft ausführliche Informationen über Charakter, Gesundheit und Vorgeschichte. Die emotionale Spontanentscheidung, wie sie in Brasilien funktioniert, passt nicht zur hiesigen Mentalität.
Wie kann ich mich für Straßenhunde engagieren?
Direkthilfe vor Ort ist möglich: Vereine wie „Straßenhunde Rumänien e.V.“ oder „Dogs of Portugal“ vermitteln gezielt Hunde aus Ländern mit Überpopulation nach Deutschland. Die Tiere durchlaufen dabei strenge Gesundheitschecks und Quarantäne.
Lokale Alternative: Werde Pflegestelle für heimische Tierheime. Viele scheue oder kranke Hunde brauchen Ruhephasen außerhalb der Tierheimumgebung, bevor sie vermittelt werden können.
Kann ich einen Straßenhund aus dem Ausland adoptieren?
Ja, aber nur über seriöse Organisationen. Achte auf EU-Heimtierausweis, Tollwutimpfung und Quarantänezeiten. Unseriöse Anbieter bringen oft kranke Tiere oder Welpen unter acht Wochen nach Deutschland.
Wie finde ich seriöse Auslandtierschutz-Vereine?
Seriöse Vereine haben eine Vereinsregisternummer, führen Vorkontrolle durch und bieten lebenslange Rücknahme an. Sie arbeiten mit deutschen Tierärzten zusammen und können Gesundheitszeugnisse vorweisen.
Was kostet die Adoption eines Straßenhundes?
Schutzgebühren liegen meist zwischen 300-500 Euro. Darin enthalten: Kastration, Impfungen, Entwurmung und Transport. Zusätzlich entstehen Kosten für Eingewöhnung und eventuelle Nachbehandlungen.