Zivilisationskrankheit beim Hund: Pankreatikopathie / Bauchspeicheldrüse
Inhalt
- Bauchspeicheldrüsenschwäche beim Hund
- Was macht die Bauchspeicheldrüse eigentlich?
- Wie entsteht eine Bauchspeicheldrüsenschwäche?
- Was passiert im Körper bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche?
- Woran erkenne ich eine Bauchspeicheldrüsenschwäche?
- Wie wird eine Bauchspeicheldrüsenschwäche festgestellt?
- Wie wird eine Bauchspeicheldrüsenschwäche behandelt?
- Wie sollten Enzympräparate angewendet werden?
- Wie füttere ich einen Hund mit Bauchspeicheldrüsenschwäche richtig?
- Prognose bei exokriner Pankreasinsuffizienz
- Live Talk: Pankreatikopathien beim Hund
Bauchspeicheldrüsenschwäche beim Hund
Der Napf ist voll, aber dein Hund magert trotzdem ab und hat gefühlt nie genug gefressen? Das klingt paradox – und ist es auch. Wenn die Bauchspeicheldrüse streikt, nützt das beste Futter herzlich wenig. Was dahintersteckt und wie du deinem Hund wirklich helfen kannst, liest du hier.
Was macht die Bauchspeicheldrüse eigentlich?
Die Bauchspeicheldrüse – medizinisch Pankreas genannt – produziert den sogenannten Pankreassaft und gibt ihn direkt hinter dem Magen in den Dünndarm ab. Schon der Geruch einer Mahlzeit reicht aus: Nicht nur läuft uns dabei das Wasser im Mund zusammen, gleichzeitig beginnt der Pankreassaft im Zwölffingerdarm (Duodenum) zu fliessen. Ein 10 kg schwerer Hund produziert so täglich bis zu einem halben Liter dieses Safts – beim Menschen sind es rund 1,5 Liter.
Der Pankreassaft neutralisiert die Magensäure, sobald der Mageninhalt in den Dünndarm gelangt. Damit sorgt er für die richtigen Bedingungen, damit die Verdauungsenzyme der Bauchspeicheldrüse überhaupt arbeiten können. Diese spalten die Nährstoffe aus dem Futter auf:
- Peptidasen – zuständig für die Verdauung von Eiweissen
- Amylase – zuständig für die Verdauung von Kohlenhydraten
- Lipasen – zuständig für die Verdauung von Fetten
- Nukleasen – zuständig für die Verdauung von DNA und RNA
Erst wenn diese Aufspaltung stattgefunden hat, können die Nährstoffe überhaupt durch die Darmwand ins Blut gelangen und dem Körper als Energie zur Verfügung stehen.
Wie entsteht eine Bauchspeicheldrüsenschwäche?
Es gibt eine erblich bedingte, sogenannte juvenile Form, die Junghunde betrifft. Die meisten werden zwar mit einer funktionierenden Bauchspeicheldrüse geboren – aber das Organ beginnt schon im Welpenalter zu schrumpfen (Pankreasatrophie). Viele Junghunde zeigen daher im Alter zwischen 6 und 18 Monaten erste Anzeichen. Als Ursache dieser Schrumpfung wird eine Autoimmunreaktion vermutet. Besonders häufig betroffen sind grosswüchsige Rassen wie Deutsche Schäferhunde sowie kurzhaarige Collies.
Daneben kann eine Bauchspeicheldrüsenschwäche auch als Folge einer Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) entstehen – nämlich dann, wenn die Entzündung so viel Gewebe zerstört hat, dass schlicht nicht mehr genügend enzymproduzierende Zellen übrig sind. Eine einzelne akute Entzündung führt nur selten dazu. Meistens steckt eine chronische Pankreatitis dahinter, deren Entzündungsschübe sich immer wieder wiederholen – und dabei oft unbemerkt bleiben.
Was passiert im Körper bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche?
Bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche produziert das Pankreas zu wenig Verdauungsenzyme, um die Nahrung ausreichend aufzuschliessen. Dabei ist bemerkenswert: Erste Krankheitszeichen treten meist erst auf, wenn rund 90 % der Bauchspeicheldrüse nicht mehr funktionieren. Der Fachbegriff für diesen Zustand lautet „exokrine Pankreasinsuffizienz“, kurz EPI.
Bei der Pankreasatrophie junger Hunde bleibt der hormonproduzierende (endokrine) Teil der Bauchspeicheldrüse in aller Regel verschont – diese Hunde entwickeln also keinen Diabetes. Anders sieht es aus, wenn eine Entzündung die Ursache ist: Dann werden häufig auch die insulinproduzierenden Zellen beschädigt, und die betroffenen Hunde können an Zuckerkrankheit erkranken.
Woran erkenne ich eine Bauchspeicheldrüsenschwäche?
Das typischste Zeichen ist anhaltender Durchfall, der aus der gestörten Dünndarmverdauung herrührt. Aber auch schleimiger Dickdarmdurchfall kann vorkommen. Der Kot betroffener Hunde fällt meist in sehr grossen Mengen an, ist auffallend hell (lehmfarben), riecht faulig-säuerlich und enthält viel unverdautes Fett (Steatorrhoe). Manchmal sind sogar unverdaute Futterbestandteile sichtbar. Dazu kommen lautes Bauchknurren (Borborygmus) und Blähungen – beides ist bei EPI keine Seltenheit.
Weil der Körper die Nährstoffe kaum aufnehmen kann, nehmen diese Hunde trotz normalem oder sogar gesteigertem Fressen stetig ab. Viele haben regelrecht Heisshunger und fressen buchstäblich alles, was sie finden – auch Kot oder Abfall (Allotriophagie, Pica).
Wer versucht, solche Hunde mit besonders energiereichem Futter aufzupäppeln, riskiert eine Verschlimmerung des Durchfalls: Energiereiche Futtersorten enthalten in der Regel viel Fett – und genau die Fettverdauung ist bei EPI am stärksten beeinträchtigt.
Wie wird eine Bauchspeicheldrüsenschwäche festgestellt?
Krankengeschichte und die typische Kotbeschaffenheit legen den Verdacht auf eine exokrine Pankreasinsuffizienz oft schon nahe. Bestätigen lässt er sich per Blutuntersuchung – meist unkompliziert und zuverlässig. Gemessen wird dabei die sogenannte TLI (trypsin-like immunoreactivity) im Blutserum. Ein Wert unter 2,5 μg/l gilt als diagnostisch für eine Bauchspeicheldrüsenschwäche.
Wie wird eine Bauchspeicheldrüsenschwäche behandelt?
Hunde mit EPI sind lebenslang auf Enzympräparate angewiesen, die den Mangel an Verdauungsenzymen ausgleichen. Gleichzeitig empfiehlt sich eine Umstellung auf ein hochverdauliches tierärztliches Spezialfutter. Nach vorliegenden Studiendaten verbessert das die Prognose spürbar – und es werden dabei deutlich geringere Enzymmengen benötigt als bei herkömmlichem Supermarktfutter.
Zeigt der Hund auf Futterumstellung und Enzyme keine ausreichende Reaktion, kann in den ersten Behandlungswochen ein Antibiotikum sinnvoll sein. Denn viele Hunde mit EPI leiden gleichzeitig unter einer mehr oder weniger ausgeprägten bakteriellen Überwucherung des Dünndarms.
Hat die Blutuntersuchung einen Vitamin-B12-Mangel ergeben, muss Cobalamin zunächst alle 2 bis 4 Wochen gespritzt werden, bis der Wert wieder stimmt. Den B12-Status sollte man lebenslang im Blick behalten. Neuere Studiendaten legen übrigens nahe, dass auch hoch dosiertes B12 in Tablettenform wirksam sein kann.
Wie sollten Enzympräparate angewendet werden?
Enzympräparate für Hunde mit EPI werden üblicherweise aus den Bauchspeicheldrüsen von Schlachttieren hergestellt und sollen die fehlenden körpereigenen Enzyme ersetzen. Die aktuellen Empfehlungen sprechen dafür, die Präparate direkt vor der Mahlzeit unter das Futter zu mischen.
Wie füttere ich einen Hund mit Bauchspeicheldrüsenschwäche richtig?
Fütterungshäufigkeit
Am besten teilst du die Tagesration auf drei bis vier Mahlzeiten auf. Regelmässiges Füttern tut der Verdauung gut. Zwischen den Mahlzeiten sollte dein Hund nichts bekommen – auch keine kleinen Snacks zwischendurch.
Futtermenge
Oft reicht schon der Zusatz von Verdauungsenzymen, damit dein Hund wieder zunimmt. Manchmal ist es aber nötig, 20 oder sogar 40 % mehr zu füttern als einem gesunden Hund. Was in deinem Fall passt, besprichst du am besten direkt mit deinem Tierarzt.
Futterart
Das Wichtigste bei der Futterauswahl: Es muss hochverdaulich sein. Je besser verdaulich das Futter, desto weniger Aufwand für die Bauchspeicheldrüse, desto weniger Enzyme müssen zugesetzt werden – und desto kleiner fällt am Ende auch der Kothaufen aus. Wer selbst kochen möchte, sollte auf besonders hochwertige Eiweissquellen setzen, etwa bindegewebsarmes Muskelfleisch, Ei oder Hüttenkäse. Kohlenhydrate müssen gut aufgeschlossen sein: Kartoffeln, Nudeln oder Reis also wirklich weich kochen. Rohfütterung ist bei ausgeprägter EPI weniger empfehlenswert.
Prognose bei exokriner Pankreasinsuffizienz
Die gute Nachricht: Hunde mit EPI sprechen häufig sehr rasch auf die Behandlung an. Schon in der ersten Woche bessern sich die Verdauungsprobleme oft deutlich. Bei Hunden, die bereits sichtbar abgemagert sind, kann man meist schon nach zwei Wochen beobachten, wie sie merklich zunehmen.
Bleibt der Erfolg aus, sollte man die Dosierung der Pankreasenzyme überprüfen, das Futter oder das Präparat wechseln. Spricht dein Hund trotz Anpassungen schlecht auf die Therapie an, kann ein Vitamin-B12-Mangel oder eine Dünndarmerkrankung dahinterstecken, die dann gezielt diagnostiziert und behandelt werden muss.
Live Talk: Pankreatikopathien beim Hund
Geführt von Futurelink Med.vet. Marie-Anne Kannengiesser und Antje Hinz – Coach und Trainerin aus Deutschland.
Dieser Live Talk ist für dich, wenn:
- du dich für Hundeernährung interessierst
- du gerne über Tierschutz diskutierst und nachdenkst
- du an Hunden und Katzen interessiert bist
- du eine bewusste Mensch-Tier-Beziehung führen möchtest
- du dir ein Haustier anschaffen möchtest