Wie leistest du Erste Hilfe beim Hund?
Schritt 1: Sicherheit prüfen – deine und seine
Bevor du einen verletzten Hund anfasst, prüfe, dass keine weiteren Gefahren vorhanden sind. Fahren noch Autos vorbei? Warte auf Sicherheit. Ist der Hund aggressiv? Fange ihn nicht alleine ab – rufe Hilfe. Selbst ein sanfter Hund kann verängstigt zubeissen, wenn er verletzt ist. Eine schnelle Leine schützt dich besser als spontanes Handeln.
Schritt 2: Tierarzt anrufen – sofort
Bevor du weitere Massnahmen ergreifst, rufe deinen Notfalltierarzt an und kündige den Notfall an. So kann sich die Praxis vorbereiten. Ein klares Ziel gibt dir auch Struktur: «Ich fahre jetzt hin.»
Schritt 3: Atemweg prüfen
Öffne vorsichtig das Maul des Hundes und schaue, ob Fremdkörper, Erbrochenes oder Blut den Weg blockieren. Entferne sichtbare Gegenstände mit dem Finger, aber greife nicht tief hinein. Überstrecke den Kopf leicht nach hinten, um die Atemwege freizumachen.
Schritt 4: Die stabile Seitenlage
Drehe deinen Hund flach auf die rechte Seite. Der Kopf muss mit der Wirbelsäule eine Linie bilden – nicht verdreht. Strecke die Vorder- und Hinterbeine aus. Der Kopf muss der tiefste Punkt sein (der Hals leicht abgesenkt), damit Flüssigkeit aus dem Maul laufen kann. So wird verhindert, dass Erbrochenes in die Lunge gelangt.
Schritt 5: Atmung und Puls prüfen
Schaue auf die Brust – bewegt sie sich? Fühle auf der Innenseite des Oberschenkels nach dem Puls (Femoralarterie). Ein normaler Herzschlag ist schnell – in Ruhe 50–100 Schläge pro Minute, unter Stress schneller. Fehlen Puls und Atmung, ist eine Wiederbelebung nötig.
Schritt 6: Herzdruckmassage (wenn nötig)
Knie dich neben den Hund auf Brusthöhe. Finde den Ellbogen – er liegt etwa auf der Brustkorbmitte. Platziere einen Handballen etwa 5 cm hinter diesem Punkt auf der Brust. Mit gestreckten Armen drückst du die Brust senkrecht nach unten – nicht schräg, nicht hin und her. Drücke mit voller Kraft 30 Mal hintereinander, schnell, etwa 2–3 Mal pro Sekunde. Die Rippen werden sich anfühlen, als gäben sie unter Druck nach – das ist normal und nötig.
Schritt 7: Beatmung (wenn trainiert)
Nach 30 Kompressionen halte die Lefzen des Hundes mit beiden Händen fest und blase sanft Luft in die Nase (Mund-zu-Nase-Beatmung). Zwei volle Atemzüge. Die Brust muss sich leicht heben. Dann weitere 30 Kompressionen, zwei Beatmungen – wiederhole. Wenn du nicht trainiert bist oder dich unwohl fühlst, konzentriere dich nur auf Kompressionen. Der Blutfluss ist wichtiger als die Beatmung.
Schritt 8: Weitermachen bis zum Tierarzt
Mache weiter mit 30:2 (30 Kompressionen, 2 Beatmungen), bis der Hund wieder Puls und Atmung hat oder bis du beim Tierarzt bist. Das ist anstrengend – hole Hilfe, wenn jemand anderes da ist, um abzuwechseln.
Schritt 9: Transport
Wenn dein Hund wieder atmet, halte ihn in stabiler Seitenlage und fahre sofort zum Notfalltierarzt. Wenn nicht, fahre trotzdem und setze die Herzdruckmassage im Auto fort – am besten mit einem Helfer am Steuer. Viele Notfalltiere werden im Auto reanimiert und überleben.
Wundversorgung im Notfall
Blutung stoppen
Bei blutenden Wunden: Sterile oder saubere Tücher auf die Wunde drücken und halten, bis die Blutung nachlässt. Nicht immer wieder nachschauen – das reisst Blutgerinnsel auf. Nach 5–10 Minuten prüfen. Bei starken Blutungen einen Druckverband oder ein elastisches Band oberhalb der Wunde anlegen, wenn möglich – ein Bein am Leben zu erhalten ist besser als ein Tier durch Verblutung zu verlieren.
Wunde reinigen
Mit sauberem Wasser oder steriler Kochsalzlösung spülen. Kein Alkohol oder Jod – beides ist zu aggressiv für die Wundheilung. Mit sauberen Tüchern trocken tupfen. Einen Verband anlegen – nicht zu fest. Der Hund benötigt ausreichend Blutzirkulation.
Fremdkörper
Steckt ein Fremdkörper in der Wunde (Splitter, Glas, Metall), entferne ihn nicht selbst, wenn er tief sitzt. Das kann grössere Blutungen auslösen. Überlasse das dem Tierarzt. Kleine oberflächliche Splitter kannst du mit einer Pinzette entfernen.
Atemwegsbehinderung (Heimlich-Manöver)
Ein Hund, der würgt, erstickt und nicht bellen kann, hat einen blockierten Atemweg. Öffne das Maul und schaue nach Fremdkörpern. Wenn sichtbar und locker, entfernen. Wenn tief oder fest: Positioniere deinen Hund stehend vor dir, Bauch nach oben. Platziere deine Fäuste direkt unterhalb des Brustkorbs und drücke plötzlich und kräftig nach oben und hinten (Richtung Kopf). Wiederhole 3–5 Mal. Danach prüfe das Maul wieder. Kommt der Fremdkörper heraus, gut. Wenn nicht, fahre sofort zum Tierarzt – jede Sekunde zählt.
Erste-Hilfe-Kurse für Hunde in D/AT/CH
Reine Theorie reicht nicht – du benötigst praktisches Training. Hundeschulen, Tierschutzorganisationen und Tierkliniken bieten entsprechende Kurse an. In Deutschland suche nach «Erste-Hilfe-Kurs Hund» bei lokalen Tierschutzverbänden oder Hundeclubs. In Österreich und der Schweiz läuft es ähnlich. Ein Kurs von 3–4 Stunden kostet rund 30–60 Euro und kann deinem Hund das Leben retten.