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Atemwege

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Atemwege
Definition

Die Atemwege des Hundes umfassen alle luftleitenden Strukturen von der Nase bis zu den Lungenbläschen und ermöglichen den lebenswichtigen Gasaustausch zwischen Luft und Blut.

Inhalt
  1. Wie ist das Atmungssystem beim Hund aufgebaut?
  2. Welche Atemwegserkrankungen kommen bei Hunden vor?
  3. Wann solltest du sofort zum Tierarzt?
  4. Was kostet die Behandlung von Atemwegserkrankungen?
  5. Wie hilfst du deinem Hund bei Atemproblemen?
  6. Wie beugst du Atemwegserkrankungen vor?

Die Atemwege des Hundes – von der Nasenspitze bis hinunter in die winzigen Lungenbläschen – sind das System, das den Gasaustausch zwischen Luft und Blut überhaupt erst möglich macht. Ohne funktionierende Atemwege, kein Leben. So schlicht ist das.

Was viele nicht wissen: Hunde atmen fast ausschliesslich durch die Nase. Schon ein einziges verstopftes Nasenloch kann zu echter Atemnot führen – beim Menschen wäre das allenfalls lästig. Dazu kommt die enorme Rassenvielfalt. Ein Mops und ein Greyhound haben anatomisch gesehen kaum etwas gemeinsam. Brachycephale Rassen wie Französische Bulldogge oder eben der Mops kämpfen von Geburt an mit verkürzten oberen Atemwegen. Ihr Körper arbeitet permanent auf Kante.

Wie ist das Atmungssystem beim Hund aufgebaut?

Grob gesagt gibt es zwei Abschnitte – oben und unten. Die Grenze liegt ungefähr auf Höhe des Kehlkopfes.

Die oberen Atemwege starten an den Nasenlöchern und führen über Nasenhöhle und Rachen bis zum Kehlkopf. Hier passiert mehr als nur das Durchleiten von Luft: Sie wird gefiltert, angewärmt, befeuchtet. Die Nasenmuscheln spielen dabei eine unterschätzte Rolle – ihre gefaltete Oberfläche ist riesig. Bei einem Schäferhund stecken rund 130 Quadratmeter Riechschleimhaut in dieser kleinen Nase. Das klingt absurd, stimmt aber.

Die unteren Atemwege umfassen Luftröhre, Bronchien und die Lungen selbst. Der eigentliche Gasaustausch findet in rund 300 Millionen Lungenbläschen statt. Die Trennwand zwischen Luft und Blut ist gerade einmal 0,2 Mikrometer dünn – feiner als jeder Seidenfaden, den du je angefasst hast.

Welche Atemwegserkrankungen kommen bei Hunden vor?

Zwingerhusten kennen die meisten Hundehalter. Schätzungsweise 80 Prozent aller Hunde machen ihn mindestens einmal durch. Ausgelöst wird er häufig durch Bordetella bronchiseptica, und der typische Husten – trocken, bellend – klingt, als hätte der Hund einen Knochen quer im Hals stecken. Wer das einmal gehört hat, vergisst es nicht.

Trachealkollaps trifft vor allem kleine Rassen, meist ab dem mittleren Alter. Die Knorpelringe der Luftröhre werden weich und sacken beim Einatmen ein. Das Resultat ist ein seltsames, gänseartiges Schnattern – besonders wenn der Hund aufgeregt ist oder sich bewegt.

Das Brachycephale Obstruktive Atemwegssyndrom, kurz BOAS, betrifft Rassen mit abgeflachter Schnauze strukturell. Verengte Nasenlöcher, ein zu langes Gaumensegel, kollabierte Kehlkopftaschen – all das verengt den Luftstrom massiv. Kein Einzelproblem, sondern ein Paket.

Lungenentzündungen entstehen oft als Folge anderer Erkrankungen oder wenn der Hund versehentlich etwas einatmet. Ein kleines Spielzeugstück, das in die Lunge gelangt, kann binnen weniger Stunden eine lebensbedrohliche Aspirationspneumonie auslösen.

Wann solltest du sofort zum Tierarzt?

Atemnot ist immer ein Notfall. Kein Abwarten, kein „schauen wir mal bis morgen“. Bläuliche Schleimhäute – an Zahnfleisch oder Zunge – zeigen akuten Sauerstoffmangel an. Dann zählt buchstäblich jede Minute.

Hält Husten länger als drei Tage an, ohne dass es besser wird, ist tierärztliche Hilfe nötig. Ein einzelner Hustenanfall nach dem Trinken? Kommt vor, ist meist harmlos. Stundenlanger Husten mitten in der Nacht? Nicht normal.

Atemgeräusche wie Röcheln, Pfeifen oder Schnarchen in der Ruhephase deuten auf Verengungen hin. Nur bei brachycephalen Rassen gelten leise Atemgeräusche im Schlaf noch als grenzwertig akzeptabel – bei allen anderen Hunden sollte man hinschauen.

Was kostet die Behandlung von Atemwegserkrankungen?

Eine Grunduntersuchung – Abhören, Fieber messen – liegt meist zwischen 30 und 50 Euro. Röntgenaufnahmen der Lunge kommen mit 80 bis 120 Euro dazu.

Zwingerhusten lässt sich mit Antibiotika oft für unter 100 Euro behandeln, die Therapie dauert 7 bis 14 Tage. Beim Trachealkollaps wird es teurer: Chirurgische Eingriffe können 1.500 bis 3.000 Euro kosten.

BOAS-Operationen an Nase und Gaumensegel bewegen sich je nach Schweregrad zwischen 800 und 2.500 Euro. Wichtig zu wissen: Bei jungen Hunden sind die Erfolgschancen deutlich besser als bei Tieren, deren Gewebe durch jahrelange Belastung bereits geschädigt ist. Früh handeln lohnt sich hier wirklich.

Wie hilfst du deinem Hund bei Atemproblemen?

Bei akuter Atemnot: kühle, ruhige Umgebung, sofort. Keine Aufregung, kein Schleppen. Den Hund liegend transportieren, und bitte – zieh niemals an Halsband oder Geschirr. Das verschlimmert es.

Erhöhte Kopflagerung hilft. Ein Kissen, dein Schoss, irgendwas – der Hund soll den Kopf nicht hängenlassen müssen. Frische Luft ist gut, Zugluft ist schlecht. Fenster auf, aber keinen Durchzug.

Vermutest du einen Fremdkörper im Maul, leuchte ruhig mit einer Taschenlampe hinein. Aber fass nichts an, versuch nichts zu entfernen. Du riskierst, den Gegenstand noch tiefer zu schieben.

Ein hustender Hund braucht Ruhe. Kein ausgiebiger Spaziergang, kein Drängen. Kurze Runden direkt vor der Tür reichen völlig, bis der Husten vorbei ist.

Wie beugst du Atemwegserkrankungen vor?

Gewicht halten – das ist beim Thema Atemwege nicht trivial. Jedes überflüssige Kilo belastet nicht nur das Herz, sondern erschwert auch die Atmung direkt. Brachycephale Rassen trifft das besonders hart.

Zigarettenrauch in der Wohnung ist ein echtes Problem. Hunde, die regelmässig Passivrauch ausgesetzt sind, erkranken dreimal so häufig an Bronchitis wie Hunde in rauchfreien Haushalten. Dreimal. Das ist keine Kleinigkeit.

An heissen Tagen: Aktivität runterfahren, Schatten anbieten. Hunde können ihre Körpertemperatur nur über die Zunge regulieren – überhitzen die Atemwege, schwellen sie an und verengen sich. Das passiert schneller, als man denkt.

Impfungen gegen Zwingerhusten lohnen sich, besonders vor Tierheim- oder Pensionsaufenthalten. Die Immunität braucht 10 bis 14 Tage zum Aufbau und hält rund ein Jahr. Einfach rechtzeitig dran denken.