Hundekrankheit Excessive Licking of Surfaces (ELS)
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Wenn der Hund ständig den Boden ableckt – die Fliesen, den Teppich, die Hauswand, was auch immer gerade greifbar ist – denken viele Halter zunächst an eine Marotte. Manchmal steckt tatsächlich nur Langeweile dahinter. Manchmal aber auch mehr: In der Tiermedizin hat sich dafür der Begriff Excessive Licking of Surfaces, kurz ELS, etabliert.
Excessive Licking of Surfaces: Was steckt dahinter?
ELS bezeichnet ein Verhalten, bei dem Hunde exzessiv an Oberflächen lecken – anhaltend, zwanghaft, oft ohne erkennbaren Anlass. Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein: von handfesten Magen-Darm-Problemen bis hin zu Verhaltensstörungen.
Ins Deutsche übersetzt heißt ELS schlicht „übermässiges Lecken von Oberflächen“. Eine eigene deutschsprachige Fachbezeichnung hat sich nicht durchgesetzt – in der deutschen Fachliteratur und im Alltag der Tierarztpraxis ist der englische Begriff längst gängig.
Mögliche Ursachen von ELS
Eines vorweg: ELS ist keine eigenständige Krankheit, sondern ein Symptom. Es lohnt sich also, der Sache auf den Grund zu gehen. Die häufigsten Auslöser:
Probleme im Magen-Darm-Trakt
Gastrointestinale Beschwerden gehören zu den am häufigsten gefundenen Ursachen – das zeigt sich immer wieder in der tierärztlichen Praxis. Hunde, deren Magen oder Darm aus dem Takt geraten ist, lecken oft reflexartig an Oberflächen, vermutlich um Linderung zu finden. Typische Auslöser:
- Gastritis (Magenschleimhautentzündung)
- Reflux (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre)
- Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse)
- Fremdkörper im Magen oder Darm
Für die Abklärung braucht es meistens Bluttests und Bildgebung – Ultraschall etwa gibt oft schnell Aufschluss darüber, was im Bauchraum los ist.
Verhaltensstörungen
Nicht jedes ELS hat eine körperliche Ursache. Stress, Angst und Langeweile sind ebenfalls bekannte Auslöser. Ein Hund, der dauerhaft unter Druck steht – sei es durch einen Umzug, ein neues Baby im Haushalt oder schlicht zu wenig Beschäftigung –, kann zwanghaftes Verhalten entwickeln, und exzessives Lecken ist eine mögliche Ausdrucksform davon.
Die Behandlung läuft hier selten über einen einzelnen Hebel. Verhaltensmodifikation, mehr mentale und körperliche Auslastung und in manchen Fällen die Begleitung durch einen erfahrenen Verhaltenstherapeuten – das alles kann Teil des Wegs sein.
Wann man überhaupt von einer „echten“ Verhaltensstörung sprechen kann, erklären wir ausführlicher in unserem Blogbeitrag zu Problemverhalten vs. Verhaltensproblem.
Neurologische Ursachen
Seltener, aber möglich: ELS kann auch auf neurologische Probleme hinweisen. Tumore, Verletzungen oder bestimmte neurologische Erkrankungen verändern, wie das Gehirn Reize verarbeitet – und können zwanghaftes Verhalten begünstigen. Oft treten dabei noch andere auffällige Verhaltensweisen auf, nicht nur das Lecken.
Für die Diagnose sind spezialisierte Untersuchungen nötig, etwa MRT oder CT. Die Behandlung richtet sich dann nach dem genauen Befund.
Andere medizinische Ursachen
Auch jenseits von Magen-Darm und Neurologie gibt es körperliche Auslöser, die man im Blick behalten sollte:
- Leber- und Nierenprobleme können das Verhalten eines Hundes spürbar verändern – exzessives Lecken eingeschlossen.
- Hormonelle Störungen wie das Cushing-Syndrom oder eine Schilddrüsenunterfunktion gehen häufig mit Verhaltensänderungen einher.
Gezielt Blut- und Urinwerte zu testen bringt hier oft rasch Klarheit.
Manchmal liegt’s am Futter
Ein häufig unterschätzter Faktor: die Ernährung. Futterunverträglichkeiten oder schlecht verträgliche Zutaten können Magen-Darm-Beschwerden verursachen – und die wiederum ELS befeuern.
In solchen Fällen kann eine Futterumstellung helfen: hypoallergenes Futter oder eine Ausschlussdiät, immer abgestimmt mit dem Tierarzt. So lässt sich sicherstellen, dass der Hund weiterhin ausgewogen versorgt wird und keine neuen Unverträglichkeiten entstehen.
Wie wird ELS diagnostiziert und behandelt?
Weil ELS so viele mögliche Ursachen hat, führt kein Weg an einer gründlichen Abklärung vorbei. In der Praxis läuft das meist in mehreren Schritten ab:
- Zuerst steht die körperliche Untersuchung beim Tierarzt – inklusive Blutbild, Urinanalyse und bei Bedarf Röntgen oder Ultraschall, um gastrointestinale, neurologische oder andere organische Ursachen einzugrenzen.
- Reicht das nicht aus, kann eine Endoskopie sinnvoll sein, um den Magen-Darm-Trakt direkt zu beurteilen.
- Findet sich kein körperlicher Befund, kommt eine Verhaltensbewertung durch einen spezialisierten Tierverhaltenstherapeuten ins Spiel. Er kann helfen, Stressfaktoren zu benennen und konkrete Strategien zur Verhaltensmodifikation zu entwickeln.
- Ergänzend können Medikamente verschrieben werden – etwa um Angst oder Zwangsverhalten zu dämpfen.
- Und schliesslich: Fütterungsanpassungen. Hypoallergene Diäten oder veränderte Fütterungsgewohnheiten können die Symptome in manchen Fällen deutlich lindern.
Wer medizinische, verhaltensbezogene und ernährungsbedingte Faktoren gemeinsam in den Blick nimmt, hat gute Chancen, dem ELS wirklich auf die Spur zu kommen – und das Wohlbefinden des Hundes langfristig zu verbessern.