Pimobendan
Pimobendan gehört zu den sogenannten Inodilatoren und ist ein herzaktiver Wirkstoff, der bei Hunden vor allem zur Behandlung einer Herzinsuffizienz eingesetzt wird. Er verbessert die Kontraktionskraft des Herzmuskels und erweitert gleichzeitig die Blutgefässe.
Inhalt
Pimobendan ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der kardiovaskulären Arzneimittel. Er wird in der Tiermedizin vor allem bei Hunden mit bestimmten Herzerkrankungen eingesetzt. Besonders häufig kommt er bei einer myxomatösen Mitralklappenerkrankung (MMVD) und bei einer dilatativen Kardiomyopathie (DCM) zum Einsatz. Beide Erkrankungen können zu einer kongestiven Herzinsuffizienz führen.
Der Wirkstoff hat zwei wesentliche Wirkmechanismen. Er erhöht zum einen die Empfindlichkeit der Herzmuskelzellen gegenüber Calcium und verbessert dadurch die Kontraktionskraft des Herzens. Zum anderen hemmt Pimobendan das Enzym Phosphodiesterase III (PDE III). Dadurch kommt es unter anderem zu einer Erweiterung der Blutgefässe.
Pimobendan wirkt somit gleichzeitig positiv inotrop, also herzkontraktionssteigernd, und vasodilatierend, also gefässerweiternd. Deshalb wird es auch als Inodilator bezeichnet.
Wann wird Pimobendan beim Hund eingesetzt?
Beim Hund wird Pimobendan vor allem bei Herzerkrankungen eingesetzt, die mit einer verminderten Herzleistung oder einer Volumenbelastung des Herzens verbunden sind.
Zu den wichtigsten Anwendungsgebieten gehören:
- kongestive Herzinsuffizienz infolge einer dilatativen Kardiomyopathie
- kongestive Herzinsuffizienz infolge einer degenerativen Mitralklappenerkrankung
- bestimmte Herzklappeninsuffizienzen
- bestimmte Formen der dilatativen Kardiomyopathie
Die zugelassenen Anwendungsgebiete können je nach Präparat und Land voneinander abweichen. In der Schweiz ist Pimobendan beispielsweise als Wirkstoff in verschiedenen Tierarzneimitteln für Hunde zugelassen. Fachinformationen nennen unter anderem die Behandlung einer Myokardinsuffizienz infolge einer dilatativen Kardiomyopathie oder einer Herzklappeninsuffizienz.
Bei einer bereits bestehenden kongestiven Herzinsuffizienz wird Pimobendan häufig mit weiteren Medikamenten kombiniert. Dazu können beispielsweise Diuretika wie Furosemid oder ACE-Hemmer gehören. Welche Kombination notwendig ist, hängt von der zugrunde liegenden Herzerkrankung und dem individuellen Zustand des Hundes ab.
Pimobendan bei Mitralklappenerkrankungen
Eine häufige Ursache für Herzinsuffizienz beim Hund ist die myxomatöse Mitralklappenerkrankung. Dabei verändert sich die Mitralklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer. Sie schliesst nicht mehr vollständig, sodass Blut während der Herzaktion zurück in den linken Vorhof fliesst.
Pimobendan kann bei betroffenen Hunden sowohl im klinischen Stadium mit bereits vorhandener Herzinsuffizienz als auch bei bestimmten Hunden in einem präklinischen Stadium eingesetzt werden.
Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Hund mit einem Herzgeräusch oder jeder Hund mit einer Mitralklappenerkrankung Pimobendan benötigt. Entscheidend sind unter anderem das Stadium der Erkrankung und die Befunde aus Herzultraschall und weiteren Untersuchungen.
Die Anwendung sollte deshalb durch einen Tierarzt beziehungsweise einen Tierkardiologen festgelegt werden. Die ACVIM-Leitlinie zur myxomatösen Mitralklappenerkrankung berücksichtigt Pimobendan entsprechend dem jeweiligen Krankheitsstadium.
Wie wirkt Pimobendan?
Pimobendan wirkt auf zwei unterschiedliche Arten.
Steigerung der Herzkontraktion: Pimobendan erhöht die Empfindlichkeit des Herzmuskels gegenüber Calcium. Calcium spielt eine zentrale Rolle bei der Kontraktion von Herzmuskelzellen. Durch die erhöhte Calciumempfindlichkeit kann sich der Herzmuskel kräftiger zusammenziehen.
Erweiterung der Blutgefässe: Zusätzlich hemmt Pimobendan die Phosphodiesterase III. Dadurch werden bestimmte Signalwege in den Zellen beeinflusst, was unter anderem eine Erweiterung der Blutgefässe bewirkt.
Für das Herz bedeutet das eine Kombination aus verbesserter Kontraktionsleistung und einer geringeren Belastung durch den Gefässwiderstand.
Welche Dosierung ist üblich?
Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht, dem Krankheitsbild und dem verwendeten Präparat. In Schweizer Fachinformationen für zugelassene Pimobendan-Präparate werden beim Hund beispielsweise 0,2 bis 0,6 mg Pimobendan pro kg Körpergewicht und Tag angegeben. Häufig wird die Tagesdosis auf zwei Gaben verteilt. Die Verabreichung erfolgt in der Regel etwa eine Stunde vor der Fütterung.
Die konkrete Dosierung darf jedoch nicht anhand einer allgemeinen Tabelle selbst festgelegt oder verändert werden. Je nach Präparat gelten unterschiedliche Dosierungsempfehlungen. Auch die Kombination mit anderen Herzmedikamenten muss berücksichtigt werden.
Bei einer kongestiven Herzinsuffizienz ist häufig eine langfristige beziehungsweise lebenslange Behandlung erforderlich.
Was passiert bei einer Überdosierung?
Eine versehentliche Aufnahme einer grösseren Menge Pimobendan kann unter anderem zu einer beschleunigten Herzfrequenz, Kreislaufveränderungen und weiteren Symptomen führen. Vetpharm beschreibt entsprechende Fälle nach (versehentlicher) Aufnahme deutlich über der therapeutischen Dosis.
Wenn ein Hund mehrere Tabletten aufgenommen hat oder eine Überdosierung möglich ist, sollte deshalb sofort eine Tierarztpraxis oder Tierklinik kontaktiert werden. Dabei sollte möglichst angegeben werden, welches Präparat, welche Wirkstoffstärke und ungefähr welche Menge aufgenommen wurde.
Welche Nebenwirkungen kann Pimobendan haben?
Pimobendan wird von vielen Hunden gut vertragen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören unter anderem Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit, Lethargie oder eine erhöhte Herzfrequenz.
In den Fachinformationen werden diese Nebenwirkungen als selten beschrieben. Erbrechen und eine leicht erhöhte Herzfrequenz treten möglicherweise dosisabhängig auf.
Bei einer Behandlung sollte die Herzfunktion regelmässig kontrolliert werden. Bei Hunden mit Diabetes mellitus wird ausserdem eine regelmässige Kontrolle des Blutzuckers empfohlen.
Wann darf Pimobendan nicht angewendet werden?
Pimobendan ist nicht für jede Herzerkrankung geeignet. Bei bestimmten Erkrankungen kann eine Steigerung der Herzleistung sogar unerwünscht sein.
Zu den in Fachinformationen genannten Gegenanzeigen gehören unter anderem eine hypertrophe Kardiomyopathie sowie Erkrankungen, bei denen eine Steigerung des Herzminutenvolumens aus anatomischen oder funktionellen Gründen nicht möglich ist, beispielsweise bestimmte Formen einer Aortenstenose.
Je nach Präparat gelten zudem weitere Gegenanzeigen, etwa bei schwerer Leberinsuffizienz oder bestimmten akuten Kreislaufzuständen.
Deshalb sollte Pimobendan nicht allein aufgrund eines Herzgeräusches verabreicht werden. Vor der Behandlung muss geklärt werden, welche Herzerkrankung tatsächlich vorliegt.
Kann Pimobendan eine Herzerkrankung heilen?
Nein. Pimobendan behandelt nicht die eigentliche Ursache einer degenerativen Herzklappenerkrankung oder einer Kardiomyopathie. Der Wirkstoff unterstützt vielmehr die Herzfunktion und kann bei geeigneten Patienten das Auftreten beziehungsweise Fortschreiten klinischer Folgen der Erkrankung verzögern.
Bei Hunden mit bestimmten Formen der Mitralklappenerkrankung konnte in klinischen Studien gezeigt werden, dass Pimobendan die Zeit bis zum Auftreten einer kongestiven Herzinsuffizienz verlängern kann. Bei bereits bestehender Herzinsuffizienz kann es zudem die klinische Situation und die Überlebenszeit verbessern.
Wie stark ein einzelner Hund von der Behandlung profitiert, hängt jedoch von der Ursache und dem Stadium der Herzerkrankung sowie von weiteren Faktoren ab.
Pimobendan: Das Wichtigste auf einen Blick
Pimobendan ist ein wichtiger Wirkstoff zur Behandlung bestimmter Herzerkrankungen beim Hund. Er verbessert die Kontraktionsfähigkeit des Herzens und erweitert gleichzeitig die Blutgefässe.
Besonders gut untersucht ist sein Einsatz bei Hunden mit dilatativer Kardiomyopathie und degenerativen Mitralklappenerkrankungen.
Bei Hunden, für die eine entsprechende Behandlung infrage kommt, kann Pimobendan sowohl bei bestehender Herzinsuffizienz als auch in bestimmten präklinischen Krankheitsstadien eingesetzt werden.
Die Behandlung muss jedoch zum jeweiligen Krankheitsbild passen. Ein Herzgeräusch allein ist keine ausreichende Grundlage für eine Behandlung mit Pimobendan.
Mehr aus dem Wiki
Alle Wiki-Einträge →Pannikulitis
Pannikulitis bezeichnet eine Entzündung des Unterhautfettgewebes (Subcutis), die verschiedene Ursachen haben kann und sich durch einzelne …
Lautjagd
Lautjagd bezeichnet die Verfolgung von Wild durch einen Hund, der dabei Laut gibt und dem Jäger …
Brackieren
Brackieren ist eine Jagdart, bei der ein spurlauter Hund Wild selbstständig sucht und auf seiner Spur …
Schweissarbeit
Schweissarbeit ist die gezielte Arbeit eines ausgebildeten Jagdhundes auf der Wundfährte eines verletzten Wildtieres.
Bild: Wikimedia Commons –