ACE-Hemmer
ACE-Hemmer sind Medikamente, die das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System beeinflussen und dadurch unter anderem den Blutdruck sowie die Belastung des Herzens senken können.
Inhalt
ACE-Hemmer werden bei Hunden vor allem zur Behandlung von chronischer Herzinsuffizienz und Bluthochdruck eingesetzt. Zu den in der Tiermedizin verwendeten Wirkstoffen gehören unter anderem Enalapril und Benazepril, daneben kommen je nach Erkrankung und Land auch weitere ACE-Hemmer wie Ramipril oder Lisinopril zum Einsatz.
Einsatzgebiete
ACE-Hemmer kommen bei Hunden vor allem dann zum Einsatz, wenn der Blutdruck, die Herzfunktion oder die Regulation von Flüssigkeit und Salz im Körper beeinflusst werden sollen. Je nach Grunderkrankung unterscheiden sich dabei das Behandlungsziel und die Bedeutung der ACE-Hemmung.
Herzinsuffizienz
ACE-Hemmer werden bei Hunden mit chronischer kongestiver Herzinsuffizienz eingesetzt. Sie können dabei helfen, die Belastung des Herzens und die Druckverhältnisse im Kreislauf zu reduzieren.
Bei Hunden mit chronischer Herzinsuffizienz gehören ACE-Hemmer nach den ACVIM-Leitlinien zu den empfohlenen Bestandteilen der Behandlung. Ihre Wirkung wird dabei in der Regel mit anderen Medikamenten kombiniert.
Bei einer Mitralklappenerkrankung können ACE-Hemmer ebenfalls zum Einsatz kommen. Vor dem Auftreten einer Herzinsuffizienz ist ihr Nutzen allerdings weniger eindeutig. Für Hunde mit einer Mitralklappenerkrankung im Stadium B2 bewertet die ACVIM-Leitlinie die Evidenz für ACE-Hemmer als schwach und die Empfehlung ist nicht uneingeschränkt.
Bluthochdruck
ACE-Hemmer können zur Behandlung einer systemischen Hypertonie, also eines dauerhaft erhöhten arteriellen Blutdrucks, eingesetzt werden.
Bei Hunden mit Bluthochdruck gehören ACE-Hemmer zu den häufig eingesetzten Medikamenten.
Bei sehr stark erhöhtem Blutdruck reichen ACE-Hemmer als alleinige Behandlung jedoch unter Umständen nicht aus. Dann können beispielsweise zusätzlich Calciumkanalblocker wie Amlodipin eingesetzt werden.
Nierenerkrankungen und Proteinurie
ACE-Hemmer können bei bestimmten Nierenerkrankungen eingesetzt werden, wenn eine Proteinurie besteht. Dann ist die Verringerung der Eiweissausscheidung dabei ein therapeutisches Ziel.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ACE-Hemmer grundsätzlich bei jeder Nierenerkrankung sinnvoll sind. Gerade bei Hunden mit eingeschränkter Nierenfunktion müssen Nutzen und mögliche Risiken individuell abgewogen und die Nierenwerte kontrolliert werden.
Wirkweise von ACE-Hemmern
ACE steht für Angiotensin-Converting Enzyme, also ein Enzym, das unter anderem an der Bildung von Angiotensin II beteiligt ist.
Angiotensin II ist ein Bestandteil des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS). Dieses Hormonsystem spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Blutdruck, Blutvolumen und Salz- und Wasserhaushalt.
ACE-Hemmer blockieren das ACE-Enzym. Dadurch entsteht weniger Angiotensin II. Das hat mehrere Folgen:
Die Blutgefässe entspannen sich: Angiotensin II verengt normalerweise die Blutgefässe. Wird weniger davon gebildet, nimmt diese Gefässverengung ab. Dadurch kann der Blutdruck sinken.
Weniger Wasser und Natrium werden zurückgehalten: Angiotensin II fördert unter anderem die Ausschüttung von Aldosteron. Wird dieser Signalweg abgeschwächt, werden weniger Natrium und Wasser zurückgehalten.
Das Herz wird entlastet: Durch die Veränderungen im Gefässsystem und beim Flüssigkeitshaushalt können sich die Druckverhältnisse verändern, gegen die das Herz arbeiten muss. Bei Herzinsuffizienz kann dies zur Entlastung des Herzens beitragen.
ACE-Hemmer gehören damit zu den sogenannten Vasodilatatoren. Sie erweitern beziehungsweise entspannen Blutgefässe, wobei ihre gefässerweiternde Wirkung beim Hund vergleichsweise moderat ist. Bei schwerem Bluthochdruck reichen sie deshalb als alleinige Behandlung häufig nicht aus.
Was Hundehalter über ACE-Hemmer wissen sollten
ACE-Hemmer gelten insgesamt als gut verträgliche Medikamente. Trotzdem können Nebenwirkungen auftreten. Bei Einsatz dieser Medikamente ist besonders auf Blutdruck, Nierenfunktion und Kaliumhaushalt zu achten.
Nierenwerte kontrollieren
ACE-Hemmer beeinflussen die Regulation der Nierendurchblutung. Dadurch kann die glomeruläre Filtrationsrate, also die Filterleistung der Nieren, sinken. Bei gesunden Hunden ist dies häufig kein Problem. Bei bestimmten Situationen kann die Veränderung jedoch klinisch relevant werden.
Deshalb sollten Kreatinin, Harnstoff und Elektrolyte vor Beginn der Behandlung und nach dem Start beziehungsweise einer Dosisänderung kontrolliert werden.
Die ACVIM-Leitlinien empfehlen bei Hunden mit Herzinsuffizienz eine Kontrolle von Kreatinin und Elektrolyten innerhalb von 3 bis 14 Tagen nach Beginn eines ACE-Hemmers.
Bei Dehydratation besonders aufmerksam sein
Ist ein Hund stark dehydriert, beispielsweise nach länger anhaltendem Erbrechen oder Durchfall, kann die Kombination aus Flüssigkeitsmangel und ACE-Hemmer die Nieren zusätzlich belasten.
Bei deutlicher Schwäche, wiederholtem Erbrechen, Durchfall, fehlendem Trinken oder anderen Anzeichen einer möglichen Austrocknung sollte deshalb der behandelnde Tierarzt kontaktiert werden.
Ob ein Medikament vorübergehend pausiert werden muss, sollte individuell tierärztlich entschieden werden.
Kombination mit anderen Medikamenten
ACE-Hemmer werden bei Herzerkrankungen häufig zusammen mit anderen Medikamenten eingesetzt. Diese Kombinationen sind nicht grundsätzlich problematisch und gehören bei bestimmten Erkrankungen sogar zur Standardtherapie. Trotzdem können Wechselwirkungen die Wirkung auf Blutdruck, Nierenfunktion oder Kalium beeinflussen.
Besondere Aufmerksamkeit ist beispielsweise bei einer gleichzeitigen Behandlung mit kaliumsparenden Medikamenten wie Spironolacton sowie bei bestimmten Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAR erforderlich. Die Kombination von ACE-Hemmern und NSAR kann das Risiko einer akuten Nierenschädigung erhöhen.
Auch Diuretika wie Furosemid werden häufig gleichzeitig eingesetzt. Diese Kombination ist bei Herzinsuffizienz üblich, erfordert aber eine angemessene Kontrolle von Nierenfunktion und Flüssigkeitshaushalt.
Nicht eigenständig absetzen
ACE-Hemmer werden bei Hunden häufig langfristig eingesetzt. Ob die Dosierung verändert oder das Medikament abgesetzt werden sollte, hängt von der Grunderkrankung, den Blutdruckwerten, der Nierenfunktion und den gleichzeitig verwendeten Medikamenten ab.
Ein ACE-Hemmer sollte deshalb niemals einfach eigenständig abgesetzt oder höher dosiert werden. Das gilt insbesondere bei Hunden mit Herzinsuffizienz, bei denen mehrere Medikamente aufeinander abgestimmt sind.
Mögliche Nebenwirkungen
Mögliche unerwünschte Wirkungen sind unter anderem:
- Appetitlosigkeit
- Erbrechen oder Durchfall
- Schwäche und Mattigkeit
- niedriger Blutdruck
- erhöhte Nierenwerte
- Veränderungen des Kaliumspiegels
- in seltenen Fällen eine Ohnmacht infolge eines zu niedrigen Blutdrucks
Ein trockener Husten, der bei Menschen als typische Nebenwirkung von ACE-Hemmern bekannt ist, gilt beim Hund dagegen nicht als typische Nebenwirkung dieser Medikamentengruppe. Husten bei einem herzkranken Hund sollte deshalb nicht automatisch auf den ACE-Hemmer zurückgeführt werden.
Mehr aus dem Wiki
Alle Wiki-Einträge →Subcutis (Unterhaut)
Die Subcutis, auch Unterhaut genannt, ist die unterste Schicht der Hundehaut und verbindet die darüberliegende Haut …
Dermis (Lederhaut)
Die Dermis, auch Lederhaut genannt, ist die mittlere Schicht der Hundehaut und enthält unter anderem Bindegewebe, …
Ninjadogs
Ninjadogs ist eine von der Hundetrainerin Melanie Fydrich entwickelte Hundesportart, bei der Mensch und Hund gemeinsam …
Apportility
Apportility® ist eine Hundesportart, die Apportierarbeit, Gerätearbeit und Teamarbeit miteinander verbindet.