Mein Hund war versichert. Aber wusste ich wirklich, was ich da abgeschlossen hatte?
Quelle: eigene · Andrea Hemmert Gastbeitrag von Andrea Hemmert
Bis vor wenigen Wochen hätte ich diese Frage wahrscheinlich mit „ja“ beantwortet. Meine Hündin Lilo hatte eine Tierkrankenversicherung. Ich zahlte jeden Monat meinen Beitrag und ging davon aus, dass ich damit auch bei hohen Tierarztkosten einigermaßen gut abgesichert wäre.
Erst als ich die Versicherung wirklich brauchte, merkte ich, wie wenig ich meinen eigenen Vertrag tatsächlich verstanden hatte.
Bei Lilo waren Operationen bis zu 7.500 Euro abgesichert. Das klang für mich zunächst beruhigend. Die entscheidende Schwachstelle lag allerdings an einer anderen Stelle: Für Heilbehandlungen galt eine Höchstgrenze von lediglich 2.000 Euro.
Bei einer schweren Erkrankung kann eine solche Summe erschreckend schnell aufgebraucht sein. Lilos Tierklinikrechnung belief sich am Ende auf 6.881,61 Euro. Die Versicherung übernahm die vertraglich vorgesehenen 2.000 Euro. Fast 4.900 Euro blieben damit zunächst bei mir.
Ich muss dabei auch meinen eigenen Fehler eingestehen: Die Versicherungsunterlagen kamen bei mir an, ich öffnete den Umschlag, aber ich setzte mich nicht hin und las den Vertrag Punkt für Punkt durch. Ich verließ mich darauf, dass das, was mir bei der Beratung als ausreichender Schutz auch bei hohen Tierarztkosten beschrieben worden war, tatsächlich zu meiner Vorstellung von „gut versichert“ passte.
Heute weiß ich: Genau das hätte ich selbst überprüfen müssen. Eine Versicherung kann nur das leisten, was tatsächlich im Vertrag steht, unabhängig davon, was man selbst glaubt abgeschlossen zu haben.
Gleichzeitig würde ich heute auch bei einer Beratung sehr viel genauer nachfragen. Ich würde mir nicht nur sagen lassen, dass mein Tier „gut versichert“ sei, sondern mir die konkreten Summen zeigen lassen: Wie hoch ist der Schutz für Heilbehandlungen? Wie hoch für Operationen? Welche Alternativen gibt es und was würden höhere Leistungsgrenzen tatsächlich mehr kosten?
Denn Lilos Vertrag war nicht meine erste Erfahrung mit einer niedrigen Höchstgrenze. Auch bei meinem Hund Balu lag der OP-Schutz ursprünglich nur bei 2.000 Euro. Später wurde dieser auf 7.500 Euro erhöht. Bei Lilo war der OP-Schutz ebenfalls mit 7.500 Euro vergleichsweise hoch, gleichzeitig blieb die Heilbehandlung auf 2.000 Euro begrenzt.
Dass ich mit solchen Überraschungen offenbar nicht allein bin, merkte ich erst nach Lilos Tod. Eine Freundin von mir nahm meinen Fall zum Anlass, ihre eigenen Versicherungsunterlagen noch einmal herauszusuchen. Ihr Hund ist seit fast zehn Jahren versichert und erst jetzt stellte sie fest, dass auch sein OP-Schutz lediglich auf 2.000 Euro begrenzt ist. Auch dieser Vertrag war damals über eine Versicherungsvermittlerin abgeschlossen worden.
Das hat mich nachdenklich gemacht: Wie viele Tierhalter zahlen seit Jahren ihre Beiträge und wissen trotzdem nicht genau, welche Summe ihre Versicherung im Ernstfall tatsächlich übernimmt?
Und billig war die Absicherung meiner Tiere keineswegs. Zeitweise zahlte ich für die Versicherungen rund um Balu, Lilo und meine beiden Katzen zusammen etwa 2.500 Euro im Jahr. Nach Lilos Tod fällt ihr Beitrag zwar weg, trotzdem werde ich für die verbleibenden Tiere weiterhin ungefähr 1.800 bis 2.000 Euro jährlich zahlen.
Gerade deshalb hatte ich das Gefühl, für den Ernstfall ordentlich vorgesorgt zu haben.
Erst durch Lilos Erkrankung begann ich, auch die anderen Verträge noch einmal wirklich genau anzuschauen. Dabei stellte ich fest, dass auch meine beiden Katzen deutlich begrenzter abgesichert sind, als ich all die Jahre angenommen hatte. Ich hatte mich viel zu sehr auf das beruhigende Gefühl verlassen: Alle meine Tiere sind versichert, also wird es im Ernstfall schon passen.
Noch etwas hatte ich vorher kaum beachtet: Beiträge bleiben über die Jahre nicht zwangsläufig gleich. Bei einigen meiner Verträge gibt es altersabhängige Beitragsstufen. Mit zunehmendem Alter der Tiere steigen die Beiträge weiter an. Dadurch kann eine Versicherung gerade bei älteren Tieren irgendwann erheblich teurer werden, ausgerechnet in dem Lebensabschnitt, in dem Tierarztkosten eher häufiger auftreten können.
Heute würde ich deshalb nicht mehr nur fragen: „Ist mein Tier versichert?“ Sondern: „Was ist tatsächlich versichert und reicht das, wenn es wirklich teuer wird?“
Prüfen würde ich heute vor allem diese Punkte:
- Wie hoch ist die maximale Erstattung?
- Gelten unterschiedliche Grenzen für Operationen und Heilbehandlungen?
- Wie hoch ist die Selbstbeteiligung?
- Welche Erkrankungen oder Behandlungen sind ausgeschlossen?
- Gibt es Wartezeiten oder andere Begrenzungen?
- Steigen die Beiträge mit dem Alter des Tieres?
- Und würde der Vertrag auch bei einer Rechnung über 5.000, 7.000 oder 10.000 Euro noch so helfen, wie ich es heute erwarte?
Auch wenn der Vertrag über einen Versicherungsvermittler abgeschlossen wird, würde ich mich heute nicht mehr ausschließlich auf die Beratung verlassen. Lasst euch die konkreten Leistungsgrenzen zeigen, fragt nach Alternativen und schaut anschließend selbst in eure Unterlagen.
Mein größter Fehler war nicht, dass Lilo versichert war.
Mein größter Fehler war, dass ich glaubte zu wissen, wie sie versichert war.
Wenn dieser Beitrag auch nur einen Tierhalter dazu bringt, seinen Vertrag heute noch einmal aus der Schublade zu holen und genauer hinzusehen, dann hat meine Erfahrung vielleicht wenigstens etwas Gutes bewirkt. Solche Überraschungen sollte man besser erleben, bevor man die Versicherung dringend braucht und nicht erst, wenn bereits eine Tierarztrechnung über mehrere Tausend Euro auf dem Tisch liegt.
Andrea Hemmert
