Atrioventrikularklappen
Die Atrioventrikularklappen sind zwei der vier Herzklappen deines Hundes, die zwischen Vorhöfen und Herzkammern sitzen und wie Einbahnstraßen-Ventile funktionieren.
Inhalt
- Wie erkenne ich Probleme mit den Herzklappen?
- Welche Hunde bekommen häufiger Herzklappenprobleme?
- Was passiert wenn die Klappen nicht richtig schließen?
- Wie wird die Diagnose gestellt?
- Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
- Wie ist die Prognose für meinen Hund?
- Was kann ich im Alltag für meinen herzkranken Hund tun?
- Kann man Herzklappenerkrankungen vorbeugen?
Die Atrioventrikularklappen sind zwei der vier Herzklappen deines Hundes. Sie sitzen zwischen Vorhöfen und Herzkammern und funktionieren wie Einbahnstrassen-Ventile: Sie verhindern, dass Blut in die falsche Richtung fliesst.
Den Atrioventrikularklappen gehören die Mitralklappe links (mit zwei Segeln) und die Trikuspidalklappe rechts (mit drei Segeln) an. Wenn dein Hund schon einmal ein Herzgeräusch diagnostiziert bekommen hat, war wahrscheinlich eine dieser Klappen beteiligt.
Wie erkenne ich Probleme mit den Herzklappen?
Klappenprobleme zeigen sich beim Hund meist zuerst beim Gassigehen. Er bleibt öfter stehen, hechelt stärker als früher oder hustet – besonders nachts oder nach dem Aufstehen.
Zu den typischen Anzeichen zählen:
- Trockener Husten, der wie „Würgen“ klingt
- Blaue Zunge nach Anstrengung
- Unruhiger Schlaf, oft mit hochgelagertem Kopf
- Weniger Ausdauer beim Spazieren
- Dicke Beine oder aufgeblähter Bauch (fortgeschrittenes Stadium)
All das entwickelt sich schleichend. Viele Halter denken anfangs, der Hund werde halt älter – doch das kann ein Fehler sein.
Welche Hunde bekommen häufiger Herzklappenprobleme?
Kleine Hunderassen ab etwa 8 Jahren sind besonders gefährdet. Cavalier King Charles Spaniels können bereits mit 2–3 Jahren betroffen sein – bei dieser Rasse tritt Mitralklappeninsuffizienz sehr häufig auf.
Zu den weiteren Risikorassen gehören:
- Dackel (besonders Langhaardackel)
- Cocker Spaniel
- Yorkshire Terrier
- Chihuahua und Malteser
- Pudel (Toy und Zwergpudel)
Bei grossen Hunden sind Klappenprobleme seltener – dort dominieren andere Herzerkrankungen wie die dilatative Kardiomyopathie.
Was passiert wenn die Klappen nicht richtig schließen?
Bei einer Mitralklappeninsuffizienz – der häufigsten Form – fliesst Blut aus der linken Herzkammer zurück in den Vorhof. Das Herz muss mehr arbeiten, um genug Blut in den Körper zu pumpen.
Anfangs kompensiert das Herz diese Mehrarbeit problemlos. Dein Hund merkt nichts davon. Erst wenn die Kompensation erschöpft ist, zeigen sich Symptome – und dann oft relativ schnell.
Die Trikuspidalklappeninsuffizienz betrifft die rechte Herzseite und führt zu Wassereinlagerungen im Bauch. Du bemerkst einen aufgeblähten Bauch, obwohl dein Hund weniger frisst.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Dein Tierarzt hört zuerst mit dem Stethoskop ab. Ein Herzgeräusch – ein zusätzliches „Rauschen“ zwischen den normalen Herztönen – deutet auf undichte Klappen hin.
Der Herzultraschall (Echokardiographie) ist der Goldstandard. Dabei sieht man die Klappen in Bewegung und kann messen, wieviel Blut zurückfliesst. Die Untersuchung dauert etwa 20 Minuten und tut deinem Hund nicht weh.
Röntgenbilder zeigen, ob das Herz bereits vergrössert ist – ein Zeichen dafür, dass die Erkrankung fortgeschritten ist.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Eine Heilung besteht nicht – aber die Progression lässt sich verlangsamen und die Lebensqualität erhalten.
Medikamentöse Therapie:
- ACE-Hemmer entlasten das Herz (oft Enalapril oder Benazepril)
- Diuretika reduzieren Wassereinlagerungen (meist Furosemid)
- Pimobendan stärkt die Herzkontraktion und erweitert Blutgefässe
Die Medikamente müssen meist lebenslang gegeben werden – täglich, zur gleichen Zeit, idealerweise mit etwas Futter.
In spezialisierten Kliniken sind mittlerweile auch operative Reparaturen der Mitralklappe möglich. Technisch anspruchsvoll und teuer (15.000–25.000 Euro), aber bei jungen Hunden eine Option.
Wie ist die Prognose für meinen Hund?
Das hängt stark vom Stadium bei Diagnosestellung ab. Ein Hund mit leichter Mitralklappeninsuffizienz ohne Symptome kann noch Jahre normal leben. Bei fortgeschrittener Herzinsuffizienz sind es oft nur noch Monate.
Cavalier King Charles Spaniels haben aufgrund der Rasseprädisposition oft eine schlechtere Prognose als andere Rassen. Bei ihnen kann die Erkrankung sehr schnell voranschreiten.
Regelmässige Kontrollen alle 6–12 Monate helfen, den optimalen Therapiezeitpunkt zu finden. Ein früher Behandlungsbeginn kann das Leben deutlich verlängern.
Was kann ich im Alltag für meinen herzkranken Hund tun?
Die körperliche Belastung sollte angepasst werden: Lieber mehrere kurze Spaziergänge statt einer langen Wanderung. Schwimmen ist ideal – falls dein Hund es mag.
Eine salzarme Diät unterstützt die Therapie. Verzichte auf Leckerlis wie Käse, Wurst oder salzige Knabbereien. Spezielle Herzdiäten sind meist nicht nötig, ausser bei fortgeschrittener Erkrankung.
Übergewicht belastet das kranke Herz zusätzlich – jedes überflüssige Gramm zählt bei kleinen Hunden.
Kann man Herzklappenerkrankungen vorbeugen?
Bei den häufigsten Formen – der degenerativen Mitralklappeninsuffizienz – ist Vorbeugung nicht möglich. Es handelt sich um altersbedingte Abnutzung, ähnlich wie Arthrose.
Dennoch sinnvoll:
- Normalgewicht halten
- Regelmässige Vorsorgeuntersuchungen ab dem mittleren Alter
- Bei Risikorassen: Jährliche Herzultraschalle ab 5 Jahren
- Gute Zahnhygiene (verhindert bakterielle Endokarditis)
Eine Endokarditis – bakterielle Entzündung der Herzklappen – lässt sich durch gute Maulhygiene vermeiden. Bakterien aus entzündeten Zahnfleischtaschen können über das Blut die Herzklappen besiedeln.
Mehr aus dem Wiki
Alle Wiki-Einträge →Giftnotruf für Hunde, DACH-Übersicht
Was tun bei Verdacht auf Vergiftung beim Hund: Sofortmaßnahmen, was du nicht tun solltest, Notfall-Nummern für …
Pflege
Wie erkenne ich, ob ein Welpe gesund ist?
Ein gesunder Welpe zeigt spezifische körperliche und verhaltensbasierte Merkmale, die du systematisch überprüfen kannst, bevor ein …