Warum nicht mit „Sitz“ starten?
„Sitz“ ist das erste Signal, das die meisten Anfänger trainieren, dabei ist es nicht ideal. „Sitz“ ist nämlich ein erzwungenes Verhalten, bei dem du den Hintern des Welpen nach unten drückst oder mit Leckerlis hochführst. Das funktioniert mechanisch, lehrt dem Welpen aber nicht, dass Aufmerksamkeit auf dich sich lohnt. Ein 8-Wochen-Welpe kann sich nur wenige Minuten konzentrieren. Sinnvoller ist es, mit Signalen zu starten, die auf natürlichen Verhaltensweisen aufbauen und dem Welpen zeigen, dass du interessant bist.
Die fünf Signale für Woche 8 bis 12
Signal 1: „Hier“ oder „Komm“
Das wichtigste Signal ist, dass der Welpe zu dir kommt, wenn du ihn rufst. Das baust du spielerisch auf: Welpe spielt, du machst Geräusche (klatschen, lustige Stimme), wenn er zu dir rennt, gibst du Leckerlis und Spielzeug. Über Tage und Wochen wird „Hier“ zum reinen Rufwort.
Dieses Signal darf niemals bestraft werden. Wenn der Welpe auf deinen Ruf kommt, muss etwas Positives folgen (Leckerli, Lob, weiterspielen). Ein Welpe, der bestraft wird, wenn er kommt, lernt nicht zu kommen.
Signal 2: „Ja!“ (Markersignal)
„Ja!“ oder ein Clicker-Klick bedeutet: „Das, was du gerade machst, war richtig. Ein Leckerli folgt.“ Das ist kein Gehorsams-Kommando, sondern ein Werkzeug. Hält dein Welpe zufällig Augenkontakt, sagst du sofort „Ja!“ und gibst ein Leckerli.
So lernt der Welpe: Augenkontakt bringt etwas Gutes. Ein Markersignal lehrt den Welpen ausserdem, auf deine Rückmeldung zu warten, und das ist die Grundlage für alle späteren Trainings.
Signal 3: „Sitz“ (aber sanft)
Nach 3 bis 4 Wochen mit starken Markersignalen und „Hier“-Training kannst du sanft mit „Sitz“ anfangen. Nicht durch Hintern-Drücken, sondern durch Locken: Leckerli vor die Nase, langsam nach oben. Der Welpe folgt mit dem Blick und setzt sich von selbst, dann „Ja!“ plus Leckerli.
Nach zahlreichen Wiederholungen über Wochen kannst du das Wort „Sitz“ hinzufügen, wenn der Welpe zuverlässig sitzt. Zwang ist nicht nötig.
Signal 4: „Platz“
Nach „Sitz“ ist „Platz“ sinnvoll, nicht um Gehorsam zu erzwingen, sondern um dem Welpen zu zeigen, dass Entspannung belohnt wird. Sitzt der Welpe, nimmst du ein Leckerli vor die Nase und führst es langsam zum Boden. Der Welpe folgt und legt sich hin, „Ja!“ plus Leckerli.
Platz wird in jungen Wochen nicht erzwungen. Es ist eine Einladung, kein Befehl.
Signal 5: Lockeres Gehen an der Leine
Das letzte Signal für diese Phase ist nicht „Fuss“ im strengen Sinne, also starre Positionierung, sondern „Lass uns zusammen gehen“. Das trainierst du durch Aufmerksamkeit: Geht dein Welpe an lockerer Leine neben dir, lobst du regelmässig und gibst Leckerlis. Zieht er, bleibst du stehen und wartest, bis die Leine wieder locker ist, dann geht es weiter, mit Lob.
Das ist Training gegen Ziehen, nicht Fussarbeit.
Schritt-für-Schritt-Training in Woche 8 bis 12
Woche 1 bis 2: Markersignal aufbauen
Wähle einen Klang, das Wort „Ja!“ oder einen Clicker, und verbinde ihn mit Leckerlis. Klick oder „Ja!“, sofort Leckerli. Wiederhole das 20 bis 30 Mal über mehrere Einheiten pro Tag. Der Welpe soll verstehen: Dieses Geräusch bedeutet, es kommt etwas Gutes.
Das ist die Basis für alles Weitere. Gehorsams-Kommandos braucht es dafür keine.
Woche 2 bis 3: „Hier“ aufbauen
Nachdem das Markersignal sitzt, trainiere „Hier“. Im Spielraum läuft der Welpe herum, du machst Geräusche und Bewegungen. Wenn der Welpe zu dir kommt, Markersignal („Ja!“) plus besonders gutes Leckerli (Käse, Hühnchen). Wiederhole das täglich, mehrmals.
Die Distanz wächst organisch. Nach 2 bis 3 Wochen sollte der Welpe zuverlässiger kommen.
Woche 3 bis 4: Sanfte Sitz-Vorbereitung
Sitzt „Hier“, nimm ein besonders gutes Leckerli und locke den Welpen ohne Druck in Sitz-Position. Der Welpe folgt dem Leckerli und setzt sich. Markersignal, Leckerli. Mache das 3 bis 5 Mal pro Einheit, 1 bis 2 Einheiten pro Tag.
Ein Wort braucht es noch nicht, das kommt später. Qualität vor Quantität: Ein verstandenes Sitz ist besser als 20 schlecht verstandene.
Woche 4 und später: Wort und Verhalten kombinieren
Nach 3 bis 4 Wochen, wenn der Welpe zuverlässig sitzt, auch ohne Wort, kannst du das Wort „Sitz“ hinzufügen, bevor du das Leckerli vor die Nase hältst. Das ist klassische Konditionierung: Wort, natürliches Verhalten, Markersignal, Belohnung.
Über Tage wird der Welpe verstehen, dass „Sitz“ eine Aufforderung ist. Trainiere gleichzeitig spielerisch „Platz“ und lockeres Gehen.
Trainings-Regeln für diese Phase
Kurz halten: 5 Minuten pro Einheit
Ein 8- bis 12-Wochen-Welpe kann sich nur wenige Minuten konzentrieren. Kurze, häufige Einheiten wirken besser als lange Trainings, 3 bis 5 Minuten, 2 bis 3 Mal täglich ist ideal. Danach braucht der Welpe Freizeit zum Spielen und Erkunden.
Immer mit Erfolg enden
Merkst du, dass der Welpe müde wird oder nicht mehr fokussiert ist, stoppst du das Training mit einem Erfolg. Das letzte Signal, das richtig ausgeführt wird, beendet die Einheit. So geht der Welpe weg mit dem Gefühl: „Das war gut!“
Keine Bestrafung
Es gibt keine „Fehler“ in dieser Phase, nur „noch nicht verstanden“. Sitzt der Welpe bei einem Sitz-Versuch nicht, wiederholst du das einfach später. Niemals schimpfen oder korrigieren, das zerstört das Vertrauen.
Nur positive Verstärkung
Leckerlis, Spielzeug, Lob und Aufmerksamkeit sind die Werkzeuge. Strafe, Schreien und Druck haben in dieser Phase keinen Platz.