
Inhalt
Geprüft am 27. Oktober 2026Redaktionell verantwortlich: Roger Klein
252.000 Hundehaufen pro Tag. So viele Hinterlassenschaften fallen Schätzungen zufolge allein in Berlin an. Zusammen ergeben sie 55 bis 60 Tonnen Hundekot täglich. Ein Teil davon bleibt auf Gehwegen, in Parks und auf Grünflächen liegen. Diese unschöne Begleiterscheinung des Zusammenlebens mit Hunden hat Folgen, die weit über verschmutzte Schuhe hinausgehen.
Hundekot enthält Nährstoffe, die Böden verändern und empfindliche Pflanzen verdrängen. Er kann ausserdem Parasiten und Krankheitserreger verbreiten. Regen verteilt diese Stoffe weiter und trägt sie in die Umgebung. Auch für Nutztiere stellt Hundekot ein Problem dar.
Das Aufsammeln ist deshalb mehr als eine Frage der Rücksichtnahme. Es schützt die Umwelt und hilft, die Verbreitung von Krankheitserregern einzudämmen.
Welche Krankheitserreger im Hundekot stecken
Nicht jeder Hund scheidet Krankheitserreger aus. Dennoch enthalten die Hinterlassenschaften infizierter Tiere mitunter Parasiten, Einzeller und Bakterien, die für andere Tiere oder Menschen gefährlich sind. Einige Erreger gelangen über den Boden oder verunreinigtes Wasser in die Nahrungskette. Andere verbreiten sich über direkten Kontakt mit Kot oder verunreinigten Gegenständen.
Hundespulwurm: Unsichtbare Gefahr im Boden
Der Hundespulwurm (Toxocara canis) gehört zu den bekanntesten Darmparasiten des Hundes. Infizierte Tiere scheiden seine Eier mit dem Kot aus. In der Umwelt entwickeln sich die Eier unter geeigneten Bedingungen innerhalb mehrerer Wochen zu infektiösen Stadien. Anschliessend überstehen sie lange Zeit im Boden.
Menschen nehmen die Eier beispielsweise über verunreinigte Erde, ungewaschene Hände oder belastete Lebensmittel auf. Im Körper schlüpfen die Larven und wandern durch verschiedene Organe. Dabei verursachen sie Entzündungen und Gewebeschäden. Besonders problematisch sind Infektionen, bei denen die Larven das Auge oder das zentrale Nervensystem erreichen. Eine Infektion verläuft allerdings nicht zwangsläufig mit Beschwerden.
Für Hunde gehört der Spulwurm ebenfalls zu den relevanten Parasiten. Nach einer Infektion entwickeln sich die Würmer im Darm und produzieren neue Eier, die der Hund wiederum ausscheidet.
Was das mit liegen gelassenem Kot zu tun hat: Die Eier bleiben auch dann in der Umwelt, wenn der ursprüngliche Haufen längst verschwunden ist. Wind, Regen, Tiere und verschmutzte Gegenstände tragen sie weiter. Wer Hundekot frühzeitig aufsammelt, verhindert, dass diese Eier überhaupt in den Boden gelangen.
Fuchsbandwurm: Bereits frischer Kot infektiös
Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) befällt hauptsächlich Füchse. Auch Hunde können sich infizieren, insbesondere wenn sie infizierte Nagetiere fressen. Die Hunde scheiden anschliessend Bandwurmeier mit dem Kot aus.
Anders als beim Hundespulwurm müssen diese Eier in der Umwelt keine mehrwöchige Entwicklung durchlaufen. Sie sind bereits bei der Ausscheidung infektiös.
Nimmt ein Mensch die Eier auf, kann sich eine alveoläre Echinokokkose entwickeln. Dabei entstehen vor allem in der Leber krankhafte Gewebeveränderungen, die sich ohne Behandlung lebensbedrohlich auswirken können. Die Erkrankung ist selten, erfordert aber eine konsequente medizinische Behandlung.
Das Beispiel zeigt, weshalb man Hundekot unabhängig von seinem Ausscheidungszeitpunkt aufnehmen sollte. Bei manchen Parasiten beginnt das Infektionsrisiko erst nach einer Entwicklungsphase. Bei anderen besteht es bereits unmittelbar nach der Ausscheidung.
Neospora caninum: Ein Risiko für Rinder
Der einzellige Parasit Neospora caninum spielt vor allem in der Rinderhaltung eine wichtige Rolle. Hunde sind seine Endwirte und scheiden nach einer Infektion Übertragungsstadien mit dem Kot aus.
Rinder nehmen diese beispielsweise über verunreinigtes Futter oder Wasser auf. Eine Infektion kann zu Fehlgeburten und Kälberverlusten führen. In der Schweiz zählt Neosporose zu den häufigen infektiösen Ursachen für Aborte bei Rindern.
Besonders problematisch sind Hundehaufen auf Weiden und in der Nähe von Futterlagerplätzen. Sie bringen den Erreger direkt in die Umgebung von Nutztieren.
Bakterien: Salmonellen, Campylobacter und Colibakterien
Neben Parasiten scheiden Hunde mitunter bakterielle Krankheitserreger aus. Dazu zählen Salmonellen, Campylobacter und bestimmte krankmachende Stämme von Escherichia coli, kurz E. coli.
Diese Bakterien verursachen unter anderem Magen-Darm-Erkrankungen. Menschen und Tiere nehmen sie beispielsweise über verunreinigte Hände, Oberflächen oder Lebensmittel auf.
Auch hier gilt: Nicht jeder Hund trägt solche Erreger in sich. Und nicht jeder Kontakt mit Hundekot führt zu einer Infektion. Liegengelassener Kot schafft jedoch zusätzliche Möglichkeiten, Krankheitserreger in der Umgebung zu verteilen.
Giardien und Lungenwürmer: Weitere Parasiten im Überblick
Giardien sind einzellige Darmparasiten. Infizierte Hunde scheiden widerstandsfähige Zysten mit dem Kot aus. Diese gelangen über verunreinigtes Wasser, Gegenstände oder direkten Kontakt in den Verdauungstrakt anderer Tiere. Eine Infektion kann Durchfall und weitere Verdauungsbeschwerden verursachen.
Bei bestimmten Lungenwürmern spielen Schnecken eine wichtige Rolle. Sie nehmen die Larven aus der Umgebung auf und dienen als Zwischenwirte. Hunde infizieren sich, wenn sie infizierte Schnecken oder andere Tiere fressen, die solche Larven aufgenommen haben.
Beide Beispiele verdeutlichen, dass sich die Übertragungswege von Parasiten unterscheiden. Das Aufsammeln von Hundekot beseitigt nicht jedes Infektionsrisiko. Es unterbricht aber einen wichtigen Weg, über den Erreger in die Umwelt gelangen.
Wie häufig Hundekot infektiös ist
Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit von Overgaauw und Nijsse aus dem Jahr 2020 wertete Studien zur Häufigkeit von Toxocara-Infektionen bei Hunden und Katzen in Europa aus. Sie umfasst Daten aus 26 europäischen Ländern. Die Autoren ermittelten für Hunde insgesamt eine durchschnittliche Befallsrate von 14,6 Prozent. Eine neuere Studie aus sieben europäischen Ländern kam bei erwachsenen Hunden auf 3,4 Prozent.
Eine weitere wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2017 verweist auf regionale Unterschiede und nennt für Deutschland eine Befallsrate von vier Prozent. Die Arbeit befasst sich mit zoonotischen Rundwürmern und der Kontamination von Böden in unterschiedlichen Umgebungen.
Diese Zahlen zeigen, weshalb wir das Risiko nicht allein danach beurteilen sollten, wie oft Parasiten vorkommen. Denn auch vergleichsweise kleine Anteile infizierter Hunde tragen zur Belastung der Umwelt bei.
«Ist doch guter Dünger!»: Die häufigsten Ausreden im Check
Viele Hundehalter wissen, dass sie die Hinterlassenschaften ihres Hundes aufsammeln und entsorgen sollten. Trotzdem bleiben Haufen liegen. Häufig steckt dahinter die Vorstellung, ein kleiner Haufen schade doch niemandem oder verschwinde von selbst. Schauen wir uns solche Argumente genauer an.
«Hundekot ist natürlicher Dünger»
Hundekot enthält Stickstoff und Phosphor. Das macht ihn aber nicht zu einem geeigneten Dünger. Gerade auf nährstoffarmen Flächen verändert der zusätzliche Nährstoffeintrag die natürlichen Bodenverhältnisse. Pflanzen, die auf solche Standorte spezialisiert sind, verlieren ihren Vorteil. Nährstoffliebende Arten wie Brennnesseln breiten sich aus und verdrängen die ursprüngliche Vegetation. Damit verändern sich auch die Lebensräume von Insekten und anderen Tieren.
In Städten belastet Hundekot zudem Baumscheiben und Grünflächen, die ohnehin unter Hitze, Trockenheit und verdichteten Böden leiden.
Hundekot ist deshalb kein harmloser Dünger. Seine Nährstoffe können empfindliche Lebensräume aus dem Gleichgewicht bringen.
«Ich möchte keinen Plastikmüll verursachen»
Weniger Plastik zu verbrauchen ist sinnvoll. Den Kot deshalb liegen zu lassen, löst das Problem aber nicht. Wer auf unnötige Einwegprodukte verzichten möchte, kann sich über geeignete Alternativen zur Aufnahme und zum Transport informieren. Mittlerweile gibt es z.B. Hundekotbeutel, die bis zu 100% aus recycelbarem Material bestehen.
Auch der heimische Kompost ist übrigens keine gute Lösung. Die üblichen Bedingungen in einem Gartenkompost reichen nicht aus, um alle Krankheitserreger und widerstandsfähigen Parasiteneier abzutöten. Werden solche Rückstände später im Garten verteilt, gelangen sie erneut auf Pflanzen und Gemüse.
Der bessere Weg: Hundekot aufsammeln und über den Hausmüll oder öffentlich bereitgestellte Abfalleimer (Kehricht/Restmüll) entsorgen.
«Es ist doch nur ein kleiner Haufen»
Ein einzelner Haufen wirkt unbedeutend. In einer Stadt mit vielen Hunden summieren sich die Hinterlassenschaften jedoch zu erheblichen Mengen. Berlin liefert ein anschauliches Beispiel: Schätzungen zufolge fallen dort täglich 55 bis 60 Tonnen Hundekot an.
Ein Teil davon bleibt liegen und verteilt sich auf Gehwegen, in Parks und auf Grünflächen. Nicht jeder Haufen führt unmittelbar zu einem Schaden. Die Summe der Hinterlassenschaften belastet jedoch die Umwelt und schafft Möglichkeiten für die Verbreitung von Krankheitserregern.
Verantwortungsvolles Verhalten beginnt deshalb nicht erst dort, wo ein sichtbares Problem entsteht.
«Der Regen spült das schon weg»
Regen lässt Hundekot mit der Zeit zerfallen. Damit verschwinden aber nicht alle enthaltenen Nährstoffe und Krankheitserreger. Regenwasser trägt Bestandteile des Kots in den Boden, in Abflüsse und in Gewässer. Krankheitserreger gelangen so an Orte, an denen andere Tiere oder Menschen mit ihnen in Kontakt kommen.
Ein verschwundener Haufen ist deshalb nicht gleichbedeutend mit einer beseitigten Verunreinigung. Das Problem verlagert sich lediglich in die Umgebung.
«Mein Hund ist gesund und wird regelmässig entwurmt»
Ein gesund wirkender Hund scheidet nicht zwangsläufig Parasiten aus. Umgekehrt schliesst ein guter Allgemeinzustand einen Parasitenbefall nicht sicher aus. Auch eine regelmässige Entwurmung schützt nicht vor allen Parasiten und Bakterien. Sie ersetzt deshalb weder die tierärztliche Vorsorge noch die korrekte Entsorgung des Kots.
Welche Parasitenprophylaxe sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Alter, der Haltung und den Lebensgewohnheiten des Hundes ab. Tierärztliche Kotuntersuchungen helfen dabei, einen aktuellen Parasitenbefall festzustellen.
Unabhängig davon gilt: Wer den Kot aufnimmt, reduziert die Menge an Hinterlassenschaften, die in die Umwelt gelangt.
Hundekot richtig entsorgen und Mensch, Tier und Umwelt schützen
Hundekot liegen lassen ist mehr als ein Ärgernis für andere Spaziergänger. Die Hinterlassenschaften reichern Böden mit Nährstoffen an, verändern empfindliche Lebensräume und belasten die Umwelt. Sie können ausserdem Parasiten und Krankheitserreger verbreiten, die Menschen, Hunde und andere Tiere gefährden.
Die wichtigste Massnahme ist einfach: Nimm die Hinterlassenschaften deines Hundes auf und entsorge sie im Hausmüll.
Restmüll wird in vielen Regionen verbrannt. Durch die hohen Temperaturen dabei werden die enthaltenen Krankheitserreger abgetötet. Die fachgerechte Entsorgung verhindert ausserdem, dass der Kot auf Grünflächen verbleibt, in Gewässer gelangt oder über Kompost wieder in den Gartenkreislauf zurückkehrt.
Zusätzlich hilft eine bedarfsgerechte Parasitenprophylaxe. Tierärztliche Kotuntersuchungen geben Aufschluss darüber, ob der Hund bestimmte Parasiten ausscheidet. Entwurmungen reduzieren die Ausscheidung von Wurmeiern, ersetzen aber das Aufsammeln von Hundekot nicht. Sie wirken ausserdem nicht gegen alle Bakterien und einzelligen Parasiten.
Wer beides berücksichtigt, schützt also den eigenen Hund und trägt dazu bei, die Belastung der Umwelt zu reduzieren.
Quellen und weiterführende Informationen
- Studzińska, M. B. et al. (2017). Variations in the Rate of Infestations of Dogs with Zoonotic Nematodes and the Contamination of Soil in Different Environments. Journal of Veterinary Research. Die Arbeit untersucht den Parasitenbefall bei Hunden und die Kontamination unterschiedlicher Böden.
- Overgaauw, P. A. M. & Nijsse, R. (2020). Prevalence of patent Toxocara spp. infections in dogs and cats in Europe from 1994 to 2019. Advances in Parasitology.
- ESCCAP Deutschland: Warum man Hundekot aufsammeln sollte. Fachbeitrag von Professorin Anja Joachim und Dr. Maria Unterköfler, August 2026.
- Stiftung Naturschutz Berlin: Ein Haufen Ärger. Warum liegen gelassener Hundekot Berlins Stadtnatur schadet.
- Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV): Neosporose. Fachinformationen zur Erkrankung und zum Schutz von Rinderbeständen.
- Unser eigener Beitrag zum Thema. Neosporose beim Hund: Fakten, Mythen und was wirklich hinter den Fehlgeburten bei Rindern steckt
Mehr zum Thema Haltung & Alltag
Alle Beiträge →
Ratgeber · 6 Min
Hundesteuer 2027 steigt in diesen Städten und Gemeinden
Ratgeber · 9 Min
Hundesteuer Bayern 2027, München und Nürnberg erhöhen auf 144 Euro
Ratgeber · 7 Min
Hundesteuer Hamburg steigt 2027 auf 120 Euro, Tierheimhunde frei
Ratgeber · 7 Min
22’000 Hunde, sechs schwere Bisse, kein einziger Listenhund