Fuchsbandwurm
Bild: Wikimedia Commons – Wikimedia Commons · CC BY-SA 3.0 Der Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) lebt als erwachsener Bandwurm im Dünndarm von Füchsen und Hunden. Befallene Hunde sind Endwirt und scheiden sofort ansteckende Eier aus, die beim Menschen die alveoläre Echinokokkose auslösen können.
Inhalt
- Wo ist das Risiko in Deutschland, Österreich und der Schweiz besonders hoch?
- Ist mein Hund Endwirt oder Zwischenwirt?
- Wie steckt sich mein Hund an?
- Welche Symptome zeigen befallene Hunde?
- Wie zuverlässig ist die Diagnose?
- Wie effektiv sind Entwurmungen gegen Fuchsbandwurm?
- Was kann ich konkret tun, um mein Risiko zu senken?
Wo ist das Risiko in Deutschland, Österreich und der Schweiz besonders hoch?
Der Befall der Füchse schwankt stark von Region zu Region. Für das Schweizer Mittelland und den Jura nennt das BLV 30 bis 70 Prozent, für den Alpenraum 1 bis 20 Prozent. In Baden-Württemberg trugen zwischen 2018 und 2020 43,8 Prozent von 240 untersuchten Füchsen den Parasiten, in einzelnen Gebieten gut die Hälfte. In Bayern ist er laut LGL im Schnitt bei jedem dritten bis vierten Fuchs nachweisbar, in Österreich reichen die Werte von 16 Prozent in Salzburg bis 45 Prozent in Vorarlberg. Beim Hund sieht es anders aus: Nur rund 0,3 Prozent sind befallen. Ein befallener Hund kann dafür grosse Mengen ansteckender Eier ausscheiden.
Ist mein Hund Endwirt oder Zwischenwirt?
Dein Hund ist Endwirt. Frisst er eine infizierte Maus, wächst in seinem Dünndarm der erwachsene Bandwurm heran. Nach knapp vier Wochen gibt er Eier mit dem Kot ab, und diese Eier sind sofort ansteckend, für andere Tiere und für dich. Der umgekehrte Weg kommt vor, ist aber selten: Nimmt dein Hund selbst Eier auf, bildet sich über Jahre ein Herd in seiner Leber, wie bei einem Zwischenwirt. Der Mensch wird nie Endwirt, sondern immer Fehlzwischenwirt. Bei ihm wächst der Parasit in der Leber zur alveolären Echinokokkose.
Wie steckt sich mein Hund an?
Fast immer über Beute. Er frisst eine Wühl- oder Feldmaus, die den Parasiten in sich trägt. Jagende Hunde in Risikogebieten sind deshalb am stärksten gefährdet. Nimmt er dagegen Eier auf, beim Schnüffeln an Fuchskot oder über bodennahe Beeren, dann erkrankt er selbst statt Eier auszuscheiden. Dieser Weg ist selten. Die Eier halten sich monatelang im Freien, im Herbst und Winter bis zu 240 Tage. Frost zerstört sie nicht: Bei minus 18 Grad blieben sie in Versuchen ebenso lange ansteckend, und erst minus 80 Grad über mehrere Tage töten sie ab. Ein Haushaltsgefrierschrank reicht dafür nicht.
Welche Symptome zeigen befallene Hunde?
Meist gar keine. Der erwachsene Wurm im Darm macht den Hund nicht krank; das BLV hält dazu knapp fest: Endwirte erkranken nicht. Genau darin liegt das Tückische. Dein Hund wirkt gesund und scheidet trotzdem ansteckende Eier aus. Anders liegt der seltene Fall, in dem ein Hund selbst Eier aufgenommen hat. Dann wächst über Jahre ein Herd in der Leber, Mattigkeit und Gewichtsverlust fallen erst spät auf, und der Verlauf ist laut BLV fortschreitend und meist tödlich.
Wie zuverlässig ist die Diagnose?
Eine einzelne Kotprobe reicht nicht aus. Die Eier gehen nur zeitweise ab, deshalb gehören drei Proben von drei aufeinanderfolgenden Tagen ins Labor. Auch dann bleibt eine Lücke: Unter dem Mikroskop sind Fuchsbandwurm-Eier von anderen Bandwurmeiern nicht zu unterscheiden. Sicherheit bringt erst ein DNA-Test aus dem Kot. Antikörper im Blut helfen hier nicht weiter, sie zeigen nur den seltenen Eigenbefall des Hundes an.
Wie effektiv sind Entwurmungen gegen Fuchsbandwurm?
Praziquantel gilt als Mittel der Wahl gegen adulte Bandwürmer im Darm. Für Hunde, die in Risikogebieten Mäuse jagen, empfiehlt ESCCAP die Behandlung alle vier Wochen, und zwar ganzjährig. Der Abstand ist kein Zufall: Der Wurm braucht knapp vier Wochen bis zu den ersten Eiern. Wer seltener entwurmt, lässt genau dieses Fenster offen. Die Entwurmung wirkt dabei nicht vorbeugend, sie räumt ab, was zum Zeitpunkt der Gabe im Darm sitzt. Welches Präparat passt, entscheidet die Tierärztin.
Was kann ich konkret tun, um mein Risiko zu senken?
In Waldgebieten hilft konsequente Leinenführung dabei, das Jagen und Fressen von Mäusen zu unterbinden. Kot sofort aufsammeln und über den Hausmüll entsorgen. Eier können auch am Fell haften: Bei Füchsen ist das belegt, bei Hunden fand eine Zürcher Untersuchung Bandwurmeier nur in 1,6 Prozent der Fellproben. Nach dem Streicheln eines jagenden Hundes trotzdem die Hände mit warmem Wasser und Seife waschen. Auf das Sammeln von Waldbeeren in Bodennähe verzichten, besonders in bekannten Fuchsgebieten.
Sind Kotproben meines Hundes für mich gefährlich?
Ja. Scheidet dein Hund Eier aus, sind sie sofort ansteckend, ganz ohne Reifezeit im Freien. Beim Kotsammeln immer Handschuhe tragen oder einen Kotbeutel als Barriere nutzen. Danach die Hände mit warmem Wasser und Seife reinigen.
Können sich Katzen auch mit Fuchsbandwurm infizieren?
Auch die Katze ist Endwirt, aber ein schlechter. Sie scheidet selten Eier aus und dann nur wenige, deshalb fällt sie als Ansteckungsquelle kaum ins Gewicht. Ganz ausschliessen lässt sich das Risiko nicht. Bei jagenden Freigängern und in Haushalten mit kleinen Kindern lohnt das Gespräch mit der Tierärztin.
Wie lange dauert es, bis sich Symptome zeigen?
Als Endwirt zeigt dein Hund in aller Regel keine Symptome, Eier gibt er schon nach knapp vier Wochen ab. Erkrankt er dagegen selbst, der seltene Fall, vergehen bis zu den ersten Anzeichen Jahre.
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