Leishmaniose
Leishmaniose wird durch Sandmücken (Phlebotomus) übertragen. Der Erreger nistet sich in weissen Blutkörperchen ein und befällt Leber, Milz, Nieren und Lymphknoten. Symptome entwickeln sich oft erst Monate oder Jahre nach Infektion. Frühe Zeichen: Hautveränderungen (Schuppen, Krusten), Gewichtsverlust trotz normaler Nahrungsaufnahme, vergrösserte Lymphknoten. Später: Nierenversagen, Anämie, Tod.
Der Test: Blutuntersuchung mit Antikörper-Nachweis (ELISA oder Western Blot). In den ersten 4–6 Wochen nach Infektion kann der Test negativ sein, der Hund ist aber bereits infiziert. Zwei Tests sind nötig: vor Import und 6–12 Wochen nach Ankunft.
Therapie: Nicht heilbar. Behandlung mit Allopurinol reduziert die Parasitenlast, eliminiert sie aber nicht. Bei schwerem Befall kommt Amphotericin B zum Einsatz (toxisch, teuer, nicht immer erfolgreich). Langzeit-Management: lebenslange Medikation, regelmässige Kontrollen, Überwachung der Nierenfunktion.
Herzwürmer (Dirofilaria immitis)
Herzwürmer werden durch Mücken übertragen. Der Parasit wandert ins Herz, wo er bis zu 30 cm lang wird und dort Entzündungen, Lungenödem, Herzrhythmusstörungen und Herzversagen verursacht. Hunde mit hochgradiger Infektion können plötzlich kollabieren.
Symptome zeigen sich spät: Husten (meist abends oder nach Aktivität), Leistungsschwäche, Kurzatmigkeit, später Wasser in der Lunge. Ein Hund kann wochenlang infiziert sein, bevor Symptome auftreten.
Test: Blutuntersuchung auf Antigen (Antigen-Test) oder Mikrofilarien (Blutausstrich). Nach Infektion braucht es 5–7 Monate, bis Mikrofilarien im Blut nachweisbar sind. Ein Test 3 Monate nach Import kann negativ sein, obwohl der Hund infiziert ist. Empfohlen: Test vor Import, Test nach 6 Wochen, Test nach 3 Monaten.
Therapie: Kompliziert und teuer. Adulte Würmer werden mit Thiacetarsamid (sehr toxisch) oder neueren Mitteln behandelt. Vorher: Stabilisierung des Hundes, oft mit Cortison. Langfristig: Prophylaxe mit Ivermectin oder anderen Antiparasitika. Ein Hund mit Herzwürmern braucht lebenslanges Management.
Brucella canis
Brucella canis ist ein Bakterium, das vor allem die Fortpflanzungsorgane befällt. Hündinnen bekommen Fehlgeburten, infizierte Föten. Rüden entwickeln Hodentzündungen, Unfruchtbarkeit. Viele Hunde sind klinisch unauffällig.
Brucella canis ist zoonotisch. Menschen können sich über Sekrete (Speichel, Urin, Ausfluss) infizieren. Schwangere und Immunsupprimierte sind besonders gefährdet: Sepsis, Herzmuskelentzündung, neurologische Ausfälle sind möglich. Seit 2023 ist Brucella canis in Deutschland meldepflichtig.
Test: Blutuntersuchung mit Brucella-Antikörper-Nachweis. Inkubationszeit bis 4 Wochen. Test vor Import und Test 4 Wochen nach Ankunft sind Minimum.
Therapie: Nicht heilbar. Antibiotika (oft Doxycyclin längerfristig) lindern Symptome, eliminieren den Erreger aber nicht. Ein positiv getesteter Hund braucht: lebenslange Behandlung, keine Zucht, gute Hygiene im Haushalt, Kontakt-Minimierung bei Schwangeren oder Immunsupprimierten.
Papier-Fälschungen erkennen
Ein Hund kann einen offiziell aussehenden EU-Pass haben mit erfundenem Ursprungsort, erfundenem Impfdatum oder gefälschter TRACES-Nummer. So erkennst du Fälschungen: Erstens: TRACES-Nummer bei der EU-Behörde nachschlagen (kostenlos, online). Zweitens: Microchip scannen und Registrierung überprüfen – stimmt der Hund mit dem Pass überein? Drittens: Den im Pass aufgeführten Tierarzt anrufen und nachfragen, ob dieser Hund dort wirklich behandelt wurde.
Eine Organisation, die dir diese Prüfung ermöglicht oder dabei hilft, ist seriös. Eine, die nervös wird, wenn du nachfragst, ist verdächtig.
Weiteres Merkmal: Der Preis. Ein Hund aus dem Ausland mit Tests, Transport, Papieren und Vermittlung kostet mindestens 150–300 Euro. Ein deutlich niedrigerer Preis deutet darauf hin, dass bei Tests oder Dokumentation gespart wurde.
Gesundheit vor der Aufnahme prüfen
Vor der Aufnahme: Verlange schriftlich: 1) TRACES-Nummer und Eintrag, 2) Bluttest auf Leishmaniose und Herzwürmer (mit Datum und Laborname), 3) Bluttest auf Brucella canis (mit Datum und Laborname), 4) Impfpass (Original, nicht Kopie – prüfe Plausibilität: Ist das Datum vor dem Reisedatum?). Rufe den aufgeführten Tierarzt an. Keine Antwort ist ein Warnsignal.
Nach der Ankunft: Innerhalb von 14 Tagen tierärztliche Untersuchung durch deinen eigenen Tierarzt (nicht den des Vermittlers). Der Tierarzt prüft: Zähne, Ohren, Haut, Herz, Lunge, Bauch. Nach 6 Wochen: Bluttest auf Leishmaniose und Brucella canis wiederholen (wegen Inkubationszeit). Nach 3 Monaten: Herzwurm-Test (wegen Inkubationszeit). Diese Tests kosten insgesamt 150–400 Euro.
Während dieser Zeit: Isolation von anderen Hunden (separate Räume, separate Utensilien). Nach negativen Tests kann der Kontakt schrittweise erhöht werden.
Was tun bei positivem Test?
Leishmaniose positiv: Lebenslanges Management nötig. Dein Tierarzt erstellt einen Plan: Welches Medikament? Wie oft kontrollieren? Kann der Hund in Südeuropa-Gebiete (Sandmücken)? Was ist mit anderen Hunden? Frage dich ehrlich: Kannst du mit einem chronisch kranken Hund leben? Wenn nicht, ist Rückgabe an die Vermittlung die ethische Wahl.
Herzwürmer positiv: Therapie ist dringend. Die Behandlung ist teuer (1000–3000 Euro möglich), zeitaufwendig und nicht immer erfolgreich. Die Vermittlungsorganisation sollte anteilig zahlen oder Rückgabe mit Therapie übernehmen. Wenn sie das verweigert, war sie von Anfang an unseriös.
Brucella canis positiv: Dieser Hund braucht isolierte Haltung. Wenn du andere Hunde hast, ist das praktisch unmöglich. Rückgabe ist die ehrliche Wahl, weil dieser Hund einen Single-Haushalt braucht.
Prävention auch bei negativem Test
Selbst nach negativen Tests: Stelle sicher, dass dein Hund geschützt ist. Wenn ihr in südeuropäische Gegenden reist (wo Leishmaniose verbreitet ist), brauchst du Prävention: Repellents (Halsbänder, Spot-on), Mückennetze. Herzwürmer: Wenn ihr in wärmere Gegenden mit Mückenpräsenz reist, brauchst du prophylaktisch Ivermectin monatlich während und nach der Saison.