Tierschutz

Hund abgeben: Ein neues Zuhause für den Vierbeiner finden

Einen Hund verantwortungsvoll abzugeben bedeutet: seriöse neue Halter finden, schriftlichen Vertrag aufsetzen und alle behördlichen Schritte beachten.

4 Min Lesezeit
Hund abgeben: Ein neues Zuhause für den Vierbeiner finden
Inhalt
  1. Welche Fragen solltest du potenziellen neuen Haltern stellen?
  2. Ist das Tierheim wirklich die beste Option?
  3. Wie erkennst du unseriöse Interessenten?
  4. Was gehört in den Abgabevertrag?
  5. Welche Papiere müssen mit?
  6. An welche Behördengänge musst du denken?
  7. Kann ich meinen Hund an Freunde geben?

Du stehst vor einer schwierigen Entscheidung: Dein Hund muss weg. Vielleicht ist ein Baby unterwegs und dein Hund zeigt Aggressionsverhalten. Oder du ziehst ins Ausland und die Quarantäne wäre eine Qual für ihn. Die Gründe sind so individuell wie schmerzhaft.

Hunde aussetzen ist eine Straftat mit bis zu 25.000 Euro Bussgeld. Aber wie findest du tatsächlich verantwortungsvolle neue Halter? Hier ein Leitfaden.

Welche Fragen solltest du potenziellen neuen Haltern stellen?

Diese fünf Fragen trennen ernst gemeinte Interessenten von spontanen Mitleidskäufen:

„Wie viel Zeit haben Sie täglich für den Hund?“ – Wenn die Antwort unter zwei Stunden liegt oder vage bleibt („Ach, das passt schon“), ist das ein Ausschlusskriterium.

„Welche Erfahrung haben Sie mit Hunden dieser Grösse/Rasse?“ – Ein 60-Kilo-Schäferhund als Erstlingsausstattung? Nein.

„Was passiert, wenn der Hund krank wird?“ – Die Antwort sollte konkret sein: „Wir haben bereits einen Tierarzt in der Nähe.“

„Dürfen wir vorbeikommen und uns ansehen, wo der Hund leben würde?“ – Wer das verweigert, hat etwas zu verbergen.

„Können Sie eine Selbstauskunft über Ihr Einkommen vorlegen?“ – Hunde kosten Geld. Monatlich mindestens 100-150 Euro, im Krankheitsfall deutlich mehr.

Ist das Tierheim wirklich die beste Option?

Tierheime prüfen neue Halter gründlicher als du es alleine könntest. Sie verlangen eine Abgabegebühr (meist 150-300 Euro), dafür übernehmen sie die medizinische Versorgung und Weitervermittlung.

Der Nachteil: Dein Hund erlebt einen doppelten Stress. Erst die Trennung von dir, dann das Tierheim, dann wieder eine neue Familie. Manche Hunde entwickeln dabei Verhaltensstörungen.

Besser: Ruf beim örtlichen Tierheim an und frage nach Pflegestellen. Dort lebt dein Hund in einer Familie, wird aber trotzdem professionell vermittelt.

Wie erkennst du unseriöse Interessenten?

Diese Warnsignale solltest du ernst nehmen:

Sie wollen den Hund sofort mitnehmen, ohne ihn kennenzulernen. Oder sie stellen keine einzige Rückfrage zu seinem Charakter, seinen Gewohnheiten, seiner Gesundheit.

Sie bieten deutlich mehr Geld als du verlangst. Das deutet auf Hundehändler hin, die Tiere weiterverkaufen.

Sie wollen sich nicht ausweisen oder geben nur eine Handynummer an. Seriöse Halter haben nichts zu verbergen.

Sie verharmlosen offensichtliche Probleme: „Ach, das mit den Kindern kriegen wir schon hin“ – obwohl dein Hund Kinder nicht mag.

Was gehört in den Abgabevertrag?

Ein mündliches Versprechen reicht nicht. Du brauchst einen schriftlichen Vertrag mit diesen Punkten:

Die Personalien des neuen Halters (Ausweis kopieren). Die genaue Beschreibung des Hundes inklusive Chip-Nummer. Die Vereinbarung, dass der Hund nicht weiterverkauft werden darf ohne deine Zustimmung.

Ein Rückgaberecht für den Fall, dass es nicht funktioniert. Und die Verpflichtung, dich zu informieren, falls der Hund schwer erkrankt oder stirbt.

Lass dir ausserdem eine Telefonnummer und E-Mail-Adresse geben, unter der du die neuen Halter erreichen kannst.

Welche Papiere müssen mit?

Diese Dokumente gehören zum Hund:

Der Impfpass mit allen aktuellen Impfungen. Bei Reisehunden der EU-Heimtierausweis. Alle Tierarztrechnungen der letzten zwei Jahre – sie zeigen, welche Behandlungen nötig waren.

Eine schriftliche Zusammenfassung seiner Eigenarten: Was mag er, was nicht? Wie reagiert er auf andere Hunde, auf Kinder, auf Fremde? Welches Futter bekommt er?

Seine gewohnten Gegenstände: Körbchen, Lieblingsspielzeug, Decke. Der Geruch hilft ihm bei der Eingewöhnung.

An welche Behördengänge musst du denken?

Diese Schritte darfst du nicht vergessen:

Die Hundesteuer bei deiner Gemeinde abmelden. Das geht meist online oder per Brief. Die Chip-Registrierung auf den neuen Halter übertragen (bei Tasso oder anderen Haustierregistern).

Deine Hundehalterhaftpflicht kündigen – aber erst, wenn der neue Halter seine eigene abgeschlossen hat. Die Hundekrankenversicherung kündigen, falls vorhanden.

Bei Listenhunden zusätzlich: Die Behörde informieren, die den Sachkundenachweis ausgestellt hat.

Kann ich meinen Hund an Freunde geben?

Das funktioniert nur unter einer Bedingung: Die Freunde wollen den Hund wirklich – nicht nur dir einen Gefallen tun.

Sprich offen aus, dass sie jederzeit Nein sagen können. Und prüfe ehrlich: Passt dein Hund in ihren Alltag? Ein lebhafter Junghund zu einem Rentnerehepaar? Ein ängstlicher Hund in eine Familie mit Kleinkindern?

Auch hier gilt: schriftlicher Vertrag, klare Absprachen. Freundschaft hin oder her.

Was kostet die Hundehaltung pro Monat?

Mindestens 100 Euro monatlich für einen mittelgrossen Hund. Darin enthalten: Futter (30-50 Euro), Tierarztkosten (20-30 Euro Rücklage), Hundesteuer (5-15 Euro), Haftpflichtversicherung (5-10 Euro).

Wie lange dauert die Eingewöhnung beim neuen Halter?

Mindestens vier Wochen. Manche Hunde brauchen sechs Monate, bis sie wirklich angekommen sind. In den ersten Tagen zeigen viele Hunde Stressverhalten: Sie fressen wenig, sind unruhig oder ziehen sich zurück.

Darf ich nach der Abgabe noch Kontakt haben?

Das hängt von der Vereinbarung mit den neuen Haltern ab. Manche freuen sich über gelegentliche Updates. Andere möchten einen klaren Schnitt – auch das ist verständlich und solltest du respektieren.

Was passiert, wenn die neuen Halter den Hund nicht behalten können?

Darum gehört ein Rückgaberecht in jeden Abgabevertrag. Der Hund soll zu dir zurückkommen, nicht ins nächstbeste Tierheim oder an unbekannte Dritte weitergegeben werden.

Tags: