Tierschutznovelle in Österreich – Deine Meinung ist wichtig
Das österreichische Qualzuchtverbot existiert seit 2005, wird aber oft umgangen. Welche Rassen betroffen sind und wie du als Hundehalter verantwortlich handelst.
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Ein Mops, der nach zwanzig Metern Gassi-Gehen schon röchelt. Ein Cavalier King Charles Spaniel, der mit zwei Jahren zum Kardiologen muss. Wer so etwas einmal gesehen hat, vergisst es nicht so schnell. Genau das ist Qualzucht – und in Österreich seit 2005 verboten. Trotzdem leiden weiterhin Tausende Hunde unter Leiden, die gezielt hineingezüchtet wurden.
Was genau verbietet das österreichische Qualzuchtverbot?
Das Tierschutzgesetz untersagt die Zucht von Tieren, die „Organe oder Organsysteme zur Erfüllung ihrer natürlichen Funktionen nicht ausgebildet haben oder nicht verwenden können“. Im Klartext: Hunde mit so verkürzter Nase, dass freies Atmen schlicht nicht mehr funktioniert, oder Rassen mit bekannten genetischen Defekten dürfen nicht für die Zucht eingesetzt werden.
Die Realität schaut leider anders aus. Viele Züchter umgehen das Gesetz geschickt, die Kontrollen greifen zu selten. Eine Französische Bulldogge mit Brachyzephalem Obstruktivem Atemwegssyndrom – kurz BOAS – wird nach wie vor verkauft. Obwohl sie täglich unter chronischer Atemnot leidet.
Welche Hunderassen sind am stärksten betroffen?
Kurznasige Rassen trifft es am härtesten: Mops, Französische Bulldogge, English Bulldog. Nasenöffnungen zu eng, Gaumen zu lang – schon ein normaler Spaziergang wird zur Anstrengung. Was für andere Hunde selbstverständlich ist, kostet diese Tiere echte Kraft.
Cavalier King Charles Spaniels entwickeln oft schon als Welpen Herzklappenerkrankungen. Bei Deutschen Schäferhunden aus bestimmten Linien führt die übertriebene Rückenlinie zu Hüftgelenksdysplasie. Und Dalmatiner kommen zum Teil taub zur Welt – ein direktes Ergebnis der Zucht auf dieses gefleckte Fell, das so vielen Menschen gefällt.
Wie erkenne ich einen seriösen Züchter?
Ein Züchter, der es ernst meint, zeigt dir beide Elterntiere – nicht nur Fotos, sondern die Tiere selbst – und legt Gesundheitszeugnisse vor. Bei kurznasigen Rassen gehört ein Atemtest dazu: Die Hunde müssen eine definierte Strecke ohne Röcheln bewältigen können.
Skepsis ist angebracht, wenn eine „besonders flache Nase“ als Verkaufsargument auftaucht. Oder wenn derselbe Züchter gleich mehrere Rassen anbietet. Seriöse Zucht konzentriert sich in der Regel auf eine einzige Rasse – und darauf, deren Gesundheit langfristig zu verbessern, nicht zu verschlechtern.
Was ändert sich durch Gesetzesnovellen?
Österreich prüft regelmässig, ob das Tierschutzgesetz verschärft werden soll. Diskutiert werden konkretere Zuchtverbote und spürbar härtere Strafen. Bis solche Änderungen tatsächlich greifen – und das dauert –, liegt ein grosser Teil der Verantwortung bei den Käufern.
Jeder Welpe aus Qualzucht, der einen Käufer findet, finanziert die Weiterzucht kranker Tiere. Mit der Kaufentscheidung bestimmt man direkt mit, ob dieses Angebot weiter besteht oder langsam verschwindet.
Warum sind Qualzucht-Hunde trotz Verbot noch so verbreitet?
Das Qualzuchtverbot ist schlicht schwer durchzusetzen. Viele Züchter verkaufen über Online-Plattformen oder importieren Welpen aus anderen EU-Ländern, wo die Kontrollen lockerer sind. Und solange die Nachfrage nach „süssen“ kurznasigen Hunden hoch bleibt, wird es das Angebot auch geben – das ist bittere Marktlogik.
Kann ich meinen Qualzucht-Hund noch gesund halten?
Ja, mit der richtigen Pflege lässt sich einiges herausholen. Kurznasige Hunde brauchen im Sommer kühle, klimatisierte Räume und dürfen keinesfalls überanstrengt werden. Regelmässige Tierarztkontrollen helfen, Probleme früh zu erkennen. Was sie nicht ersetzen können: eine grundsätzlich gesunde Konstitution. Die lässt sich im Nachhinein nicht heranzüchten.
Wo melde ich illegale Qualzucht?
Verdachtsfälle gehören zur örtlichen Bezirksverwaltungsbehörde oder direkt zur Veterinärpolizei. Wer unsicher ist, kann sich auch an Tierschutzorganisationen wie Tierschutz Austria wenden – die nehmen Hinweise entgegen und leiten sie an die zuständigen Stellen weiter.