Kostümierung
Superhelden-Umhang, Sonnenbrille, Bienen-Ganzkörperanzug – was auf Social Media als niedlicher Clip durchgeht, ist längst kein Randphänomen mehr. Kritiker sprechen dabei von einem respektlosen Umgang mit Tieren und von massiver Vermenschlichung. Und sie haben noch mehr Argumente auf ihrer Seite.
Unter einem Kostüm staut sich Wärme – das kann Hautirritationen auslösen und die Wärmeregulation des Tieres negativ beeinflussen. Hunde kühlen sich bekanntlich kaum über die Haut ab, sondern fast ausschließlich durchs Hecheln. Was von innen passiert, lässt sich von außen eben nicht immer ausgleichen.
Tiere reden nicht – aber sie kommunizieren ständig, und zwar über Körperhaltung, Rutenstellung und eine feine, oft blitzschnelle Mimik. Kostüme verdecken genau das. Andere Tiere können ein verkleidetes Tier kaum einschätzen und stufen es mitunter als Bedrohung ein – das kann gefährlich ausgehen.
Sitzt ein Kostüm zu eng, drohen Quetschungen. Selbst wenn es locker sitzt, ist das Gefühl für das Tier ungewohnt: Es verändert Haltung und Bewegung, und daraus können Fehlbelastungen entstehen – im schlimmsten Fall mit langfristigen Folgen wie Arthrosen.
Haustiere nehmen ihre Umwelt über viele Sinneskanäle wahr, unter anderem über die Vibrissen, also die Tasthaare. Sind diese unter Stoff verborgen, ist das gewohnte Orientieren in der Umgebung gestört. Das Ergebnis: ein verängstigtes, eingeschüchtertes oder scheinbar regungsloses Tier.
VORSICHT: Reagiert ein Tier gar nicht mehr, bedeutet das keine Akzeptanz – es ist oft ein Zeichen von massivem Stress.
Hinzu kommt die eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Gerade Katzen fühlen sich durch Kostüme schnell behindert und springen oder klettern dann kaum noch oder nur zögerlich. Die Folge kann sein, dass sie einfach verharren – oder dass sie es doch versuchen und dabei stürzen.