Unbeliebt und doch geliebt: Warum manche Hunderassen polarisieren
Inhalt
Im Juli 2023 hat Petbook etwas gewagt, was zwangsläufig Diskussionen auslöst: eine Umfrage zur nervigsten Hunderasse. Über 25’000 Menschen haben abgestimmt – über 12 Rassen. Und das Ergebnis? Kleine Hunde räumen die Spitzenplätze ab. Ob das fair ist, darüber lässt sich trefflich streiten.
Was macht diese Rassen so polarisierend – und warum hat jede von ihnen trotzdem eine treue Fangemeinde?
Alle Details zur Umfrage direkt bei Petbook: https://www.petbook.de/news/petbook-leser-haben-abgestimmt-die-nervigste-hunderasse-ist
Das Ranking im Überblick
Die Teilnehmer sollten jene Rassen wählen, die sie subjektiv als am nervigsten empfinden. Kein wissenschaftlicher Test, sondern ein Stimmungsbild – und genau das macht es interessant. Wir haben zu jeder Rasse Links zu unseren Rasseportraits ergänzt, falls du tiefer einsteigen möchtest.
Top 1: Chihuahua
- Lautes, selbstbewusstes Auftreten und ausgeprägtes Territorialverhalten bringen ihm den Ruf ein, der ihm vorauseilt
- Seine Fans schätzen genau das: Charakter, Loyalität und eine Persönlichkeit, die kaum zu übersehen ist
- Rasseportrait Chihuahua
Top 2: Mops
- Röchelnde Atmung, Schnarchen, das eigentümliche Gesicht – wer keinen Mops kennt, kann das schon mal irritierend finden
- Wer einen kennt, versteht sofort die Faszination: liebenswürdig, anpassungsfähig, irgendwie unwiderstehlich
- Rasseportrait Mops
Top 3: Zwergspitz (Pomeranian)
- Häufiges Bellen, exzentrisches Auftreten und manchmal überengagierte Besitzer tragen nicht gerade zu einem entspannten Image bei
- Intelligent, verspielt, lebhaft – wer auf diese Kombination steht, ist verloren (im positiven Sinne)
- Rasseportrait Zwergspitz
- Warum diese Rasse so spaltet, beleuchten wir auch im Artikel: Zwergspitz und Pomeranian – Beliebt aber mit Vorsicht zu geniessen!
Top 4: Jack Russell Terrier
- Quirlig, übermütig, immer in Bewegung – manchmal schlicht zu viel des Guten
- Genau diese Energie macht ihn für aktive Menschen zum idealen Begleiter
- Rasseportrait Jack Russell Terrier
Top 5: Yorkshire Terrier
- Bellfreudig, manchmal dominant, gelegentlich zickig – sein Ruf hat er sich hart erarbeitet
- Anhänglich, charmant und handlich: für viele die perfekte Kombination
- Rasseportrait Yorkshire Terrier
Top 6: Deutscher Schäferhund
- Sein Erscheinungsbild, die Dominanz, das Einschüchterungspotenzial – das macht manchen Menschen schlicht Respekt
- Treue, Intelligenz, Arbeitsfreude: kaum eine Rasse ist vielseitiger einsetzbar
- Rasseportrait Deutscher Schäferhund
Top 7: Dackel
- Stur, eigenwillig, mit einem Jagdtrieb, der sich nicht so leicht abschalten lässt – das ist kein Gerücht
- Gleichzeitig lebhaft, charmant und auf eine ganz eigene Art liebenswert
- Rasseportrait Dackel
Top 8: Pekinese
- Selbstbewusst bis distanziert – wer Schmusehunde erwartet, wird hier womöglich enttäuscht
- Sein eigenwilliger Charakter und die stoische Gemütlichkeit haben dennoch viele überzeugt
- Rasseportrait Pekinese
Top 9: Pinscher
- Lebhaft, aufmerksam, gegenüber anderen Hunden durchaus dominant – das kann im Alltag anstrengend sein
- Energie, Intelligenz und eine ausgeprägte Loyalität machen ihn für passende Halter zum Traumhund
- Rasseportrait Pinscher
Im Originalranking von Petbook tauchen ausserdem Labrador Retriever, die Dogge und der Husky auf. Wir haben uns hier bewusst auf die kleineren, besonders polarisierenden Rassen konzentriert – die grossen Kandidaten wären ein eigener Artikel wert.
Warum gelten manche Rassen als unbeliebt?
Chihuahua, Mops, Zwergspitz – sie dominieren dieses Ranking. Und ja, kleine Hunde fallen auf: Sie sind laut, sie sind präsent, manchmal wirken sie schlicht überdreht. Aber hier lohnt sich ein zweiter Blick.
Kleine Hunde sind von Natur aus aufmerksam und wachsam. Sie registrieren jede Bewegung, jedes Geräusch – und melden sich zu Wort. Das ist kein Fehler im System, das ist ihr Job. Problematisch wird es erst, wenn sie falsch behandelt werden: ständig auf dem Arm, vermenschlicht, nie wirklich gefordert. Wer einen Chihuahua wie ein Stofftier behandelt, sollte sich nicht wundern, wenn der Hund sein Stresslevel über die Stimme reguliert.
Jack Russell Terrier, Yorkshire Terrier und ähnliche Rassen brauchen schlicht Auslastung – körperlich und mental. Fehlt beides, entstehen Verhaltensauffälligkeiten, die dann Aussenstehende auf die Nerven gehen. Das liegt aber weniger am Hund als an der Haltung.
Was bleibt: Häufig sind es die Umstände und der Umgang – nicht die Rasse an sich.
Und warum sie trotzdem geliebt werden
«Nervig» ist ein starkes Wort. Die Realität sieht etwas differenzierter aus. 2024 lebten in Deutschland rund 10,5 Millionen Hunde – das entspricht etwa 21 % aller Haushalte. Und die vermeintlich unbeliebten Rassen? Sind bestens vertreten.
In München waren 2022 rund 5’000 Chihuahuas gemeldet (Quelle: stadt.muenchen.de). In Sachsen-Anhalt zählte man 2017 über 7’000 Jack Russells, knapp 5’000 Yorkshires, fast 4’000 Chihuahuas und über 2’200 Möpse (Quelle: lvwa.sachsen-anhalt.de). Diese Zahlen sprechen für sich.
Offenbar wählen viele Menschen diese Rassen sehr bewusst – wegen ihrer Persönlichkeit, ihrer Nähe, ihrer Art, einem den Alltag ein bisschen bunter zu machen. Das Image als «nervig» sagt also mehr über die Wahrnehmung von aussen aus als über die tatsächliche Bindung zwischen Hund und Halter.
Beliebtheit und Unbeliebtheit liegen nah beieinander
Kleine Hunde polarisieren, grosse Hunde beeindrucken, jede Rasse fällt auf ihre eigene Weise auf. Hinter jedem Ruf steckt ein Individuum – und eine Menge Kontext. Kein Hund ist «nervig» per se. Er ist so, wie er ist. Und manchmal passt er einfach perfekt zu den Menschen, die ihn trotz allem wählen.