Gesundheit & Pflege

Otitis bei Hunden: Ursachen, Symptome und Behandlungsoptionen

Kratzt sich dein Hund ständig am Ohr und riecht unangenehm? Das sind die ersten Anzeichen einer Otitis – einer Ohrentzündung, die bei etwa 15% aller Hunde auftritt.

4 Min Lesezeit
Otitis bei Hunden: Ursachen, Symptome und Behandlungsoptionen
Inhalt
  1. Was löst eine Ohrentzündung beim Hund aus?
  2. Woran erkenne ich eine Otitis bei meinem Hund?
  3. Wie läuft die Behandlung einer Otitis ab?
  4. Wie lange dauert die Heilung einer Ohrentzündung?

Dein Hund kratzt sich pausenlos am Ohr, schüttelt den Kopf – und wenn du dich runterbückst, steigt dir ein übler Geruch entgegen? Dann kennst du dieses flaue Bauchgefühl: Das ist keine Kleinigkeit. Wahrscheinlich steckst du mitten in einer Otitis, also einer Ohrentzündung. Die ist bei Hunden weit häufiger, als viele denken – schätzungsweise 15 % aller Hunde machen das mindestens einmal durch.

Otitis ist der Fachbegriff für eine Ohrentzündung. Meistens erwischt sie das äussere Ohr (Otitis externa), kann aber auch ins Mittel- oder Innenohr wandern – und da wird’s dann wirklich unangenehm. Was Hunde besonders anfällig macht: Ihr Gehörgang ist L-förmig, nicht gerade. Feuchtigkeit und Dreck sammeln sich darin wie in einer kleinen Senke. Menschen haben’s da anatomiemässig besser.

Was löst eine Ohrentzündung beim Hund aus?

Die häufigsten Übeltäter sind Bakterien und Hefepilze. Warme, feuchte Ohren sind für sie ein Paradies – besonders bei Rassen mit langen Hängeohren wie Cocker Spaniel oder Basset Hound, wo kaum Luft zirkuliert.

Allergien spielen eine grössere Rolle, als viele Hundehalter ahnen. Ein Hund mit Futtermittelunverträglichkeit produziert mehr Ohrenschmalz, das wiederum Bakterien Nahrung bietet. Eine Spirale, die sich ohne gezielte Behandlung immer weiterdreht.

Fremdkörper landen übrigens erstaunlich oft im Hundeohr: Grashalme beim Spaziergang durch hohes Gras, Sandkörner am Strand, gelegentlich sogar kleine Ästchen. Einmal drin, reizen sie die Schleimhaut und schaffen Einfallstore für Keime.

Ohrmilben wiederum befallen vor allem Welpen und junge Hunde. Ihr Erkennungszeichen: dunkle, krümelige Ablagerungen im Ohr – manche beschreiben es als Kaffeesatz. Wer das einmal gesehen hat, vergisst es nicht.

Woran erkenne ich eine Otitis bei meinem Hund?

Meist fällt zuerst das intensive Kratzen auf. Manche Hunde kratzen so heftig, dass sie sich wundschaben – das geht schneller, als man denkt.

Dazu kommt der Geruch. Ein süsslich-fauliger, penetranter Gestank entwickelt sich oft schon innerhalb der ersten 24 Stunden. Hefepilzinfektionen riechen typisch hefig, bakterielle Entzündungen eher fischig-ranzig. Ein kleiner, aber nützlicher Unterschied, um zu ahnen, womit man es zu tun hat.

Das betroffene Ohr rötet sich und schwillt an. Im fortgeschrittenen Stadium tritt Ausfluss auf – gelblich, bräunlich oder sogar grünlich, was auf eine eitrige Entzündung hinweist.

Viele Hunde halten den Kopf schief zur erkrankten Seite. Das ist ihr Versuch, den Druck irgendwie zu mildern. Bei schweren Verläufen kann das Gleichgewicht merklich gestört sein – der Hund torkelt oder dreht sich im Kreis.

Wie läuft die Behandlung einer Otitis ab?

Der Tierarzt startet mit einer Zytologie: Er nimmt eine Ohrenschmalzprobe und schaut sie unters Mikroskop. Das dauert nur wenige Minuten und zeigt, ob Bakterien, Hefepilze oder Parasiten hinter der Entzündung stecken – denn die Behandlung ist je nach Erreger eine andere.

Bakterien? Antibiotische Ohrentropfen. Pilze? Antimykotika. Milben? Spezielle Milbenmittel. Die Behandlung läuft in der Regel 7 bis 14 Tage, bei hartnäckigen Fällen auch mehrere Wochen. Bitte nicht abbrechen, sobald es besser aussieht – das ist ein häufiger Fehler.

Nach 5 bis 7 Tagen ist ein Kontrolltermin sinnvoll, um zu prüfen, ob die Therapie anschlägt. Eine zweite Kontrolle 1 bis 2 Wochen nach Behandlungsende bestätigt dann, dass wirklich alles ausgeheilt ist.

Steckt eine Allergie dahinter, muss die gleichzeitig angegangen werden. Wer nur die Otitis behandelt, aber die Allergie ignoriert, sieht den Hund in ein paar Wochen wieder mit demselben Problem in der Praxis – das ist keine Seltenheit.

Wie lange dauert die Heilung einer Ohrentzündung?

Eine unkomplizierte Otitis externa klingt bei konsequenter Behandlung meist in 10 bis 14 Tagen ab. Die ersten 3 bis 5 Tage bringen oft schon spürbare Erleichterung.

Chronische Verläufe können 4 bis 6 Wochen Therapie brauchen. Geduld ist hier wirklich gefragt – wer zu früh aufhört, riskiert fast immer einen Rückfall.

Besteht der Verdacht auf eine Mittelohrentzündung, verlängert sich alles auf 6 bis 8 Wochen. Diese Form ist seltener, aber deutlich hartnäckiger.

Warum entwickelt mein Hund immer wieder eine Otitis?

Wiederkehrende Ohrentzündungen sind fast immer ein Hinweis auf eine unbehandelte Grundursache. Allergien stehen dabei ganz oben auf der Liste.

Kann ich die Ohren meines Hundes selbst reinigen?

Ja – aber bitte nur mit geeignetem Ohrreiniger aus der Tierarztpraxis. Wattestäbchen haben im Hundeohr nichts zu suchen. Die drücken Schmutz und Wachs nur noch tiefer in den Gehörgang.

Ist eine Otitis ansteckend für andere Hunde?

Ohrmilben ja, die sind ansteckend. Bakterielle Entzündungen hingegen in der Regel nicht. Trotzdem: Wer mehrere Hunde hält, lässt am besten alle untersuchen.

Wann muss ich sofort zum Tierarzt?

Bei starkem Kopfschütteln, Gleichgewichtsproblemen oder eitrigem Ausfluss nicht abwarten. Diese Symptome können auf eine Mittelohrentzündung hindeuten – und die duldet keinen Aufschub.

Können Hausmittel bei Otitis helfen?

Eher nicht. Essig, Öle oder selbst angesetzte Lösungen reizen das ohnehin schon entzündete Gewebe zusätzlich. Im Zweifelsfall verschlimmern sie die Situation, statt zu helfen.