Tierschutz

Noch immer leiden zu viele Tiere – Qualzucht bei Hunden

Französische Bulldoggen kosten bis zu 4500 Franken – dann kommen die OP-Kosten. In der Schweiz wird jede zweite Bulldogge operiert, damit sie wieder atmen kann.

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Noch immer leiden zu viele Tiere – Qualzucht bei Hunden
Inhalt
  1. Warum werden 50 Prozent der französischen Bulldoggen operiert?
  2. Woran erkenne ich Qualzucht vor dem Kauf?
  3. Welche Alternativen gibt es zu extremen Zuchtformen?
  4. Was ändert sich rechtlich bei der Qualzucht?

Du stehst vor einem French-Bulldog-Welpen und dein Herz schmilzt. Der Preis von 4500 Franken tut weh, aber die grossen Augen und das süsse Schnarchen sind unwiderstehlich. Was viele Käufer nicht wissen: Die 4500 Franken sind erst der Anfang.

Warum werden 50 Prozent der französischen Bulldoggen operiert?

Die Zahlen aus der Schweiz sind ernüchternd: Jede zweite französische Bulldogge benötigt eine Operation, damit sie wieder normal atmen kann. Das Problem liegt in der extremen Zucht auf immer flachere Gesichter.

Die Atemwege verengen sich dabei so stark, dass selbst einfache Spaziergänge zur Qual werden. Du merkst es am permanenten Röcheln, an der bläulichen Zunge nach kurzen Gehstrecken und daran, dass dein Hund nachts kaum zur Ruhe kommt.

Eine Atemwegskorrektur kostet zwischen 2000 und 4000 Franken. Oft kommen Lidkorrekturen dazu (800–1500 Franken), Hautfalten-OPs und bei weiblichen Tieren meist ein Kaiserschnitt, weil die Welpen durch das Becken nicht mehr passen.

Woran erkenne ich Qualzucht vor dem Kauf?

Der wichtigste Test funktioniert so: Lass den Welpen oder seine Elterntiere 10 Minuten zügig laufen. Röchelt der Hund dabei stark oder wird die Zunge blau, ist das ein Alarmzeichen.

Seriöse Züchter zeigen dir beide Elterntiere bei normaler Belastung. Sie können Gesundheitszeugnisse vorweisen und sprechen offen über mögliche Risiken. Vorsicht bei Züchtern, die nur Fotos zeigen oder Ausreden für fehlende Elterntiere haben.

Die Nase des Welpen sollte sichtbar hervorstehen – auch wenn das „weniger süss“ aussieht. Extrem flache Gesichter sind ein Hinweis auf bewusste Qualzucht.

Welche Alternativen gibt es zu extremen Zuchtformen?

Auch bei französischen Bulldoggen finden sich Züchter, die bewusst auf gesündere Linien setzen. Solche „alten Linien“ haben längere Nasen und können normal atmen. Sie sind seltener und teurer, aber die Folgekosten entfallen.

Eine andere Option sind Retro-Möpse oder Olde English Bulldogs. Beide Rassen wurden gezielt rückgezüchtet, um die Gesundheitsprobleme zu reduzieren. Der Charakter bleibt erhalten – die Atemwege funktionieren wieder.

Was ändert sich rechtlich bei der Qualzucht?

Seit 2015 gilt in der Schweiz: Hunde mit starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen dürfen nicht zur Zucht verwendet werden. Das Problem liegt in der Kontrolle – sie findet meist nur einmal statt, und Atemprobleme entwickeln sich oft erst mit zwei bis drei Jahren.

Tierärzte fordern regelmässige Nachkontrollen und schärfere Kriterien. Einige Versicherungen weigern sich bereits, typische Qualzucht-Operationen zu übernehmen.

Wie teuer wird eine französische Bulldogge wirklich?

Welpe: 4500 Franken, Atemwegskorrektur: 3000 Franken, Lidkorrektur: 1200 Franken, Kaiserschnitt: 1800 Franken. Die Gesamtkosten können schnell 10 000 Franken übersteigen.

Ab welchem Alter zeigen sich Atemprobleme?

Die meisten Probleme werden zwischen eineinhalb und drei Jahren sichtbar. Welpen kompensieren oft noch, doch mit zunehmendem Gewicht und Alter wird die Atemnot deutlicher.

Kann ich eine Qualzucht-Diagnose beim Züchter reklamieren?

Rechtlich ist das schwierig, da sich die Probleme meist erst nach Monaten zeigen. Seriöse Züchter bieten aber freiwillig Unterstützung bei genetisch bedingten Gesundheitsproblemen an.