Leben mit Gebrauchshund im Rollstuhl – Alltag, Training und der Weg in den Hundesport
Inhalt
Matthias Wagner lebt als Rollstuhlfahrer mit einem leistungsbereiten Gebrauchshund. In seiner neuen Kolumne auf rundum.dog schreibt er über Hundehaltung, Verantwortung, Training und die Realität von Behinderung – ehrlich, direkt und ohne Romantisierung.
Carl ist kein Symbol und kein Therapiehund. Er ist ein Gebrauchshund. Und damit ein echter Partner im Alltag und im Training.
Alltag mit Hund und Behinderung
Ich lebe mit mehreren chronischen Erkrankungen, darunter Polyneuropathie und Morbus Addison, und bin oberschenkelamputiert. Behinderung ist für mich kein Etikett, sondern Teil des Alltags. Entscheidend ist der Umgang damit.
Über Jahre habe ich Leistungssport betrieben. 2018, drei Jahre nach meiner Amputation, stellte ich im Stand-up-Paddling einen Weltrekord auf. Ultra-Distance, mentale Belastbarkeit und Struktur gehörten dazu. Auch MMA war Teil meines sportlichen Weges.
Seit 2023 sitze ich dauerhaft im Rollstuhl. Drei Monate später erreichte ich den dritten Platz bei den WCMX Germany Open – einem Wettbewerb, der Technik, Präzision und mentale Stärke verlangt.
Carl – Gebrauchshund, Alltagspartner und Trainingskollege
Carl, ein Holländischer Schäferhund, ist klar im Kopf, sensibel in der Wahrnehmung und belastbar in der Arbeit. Er ist kein Assistenzhund im rechtlichen Sinne, übernimmt im Alltag aber Aufgaben, die für meine Selbstständigkeit entscheidend sind: Gegenstände aufnehmen, Situationen sichern, Orientierung geben, Präsenz zeigen.
Diese Zusammenarbeit ist das Ergebnis von Training, Klarheit und gegenseitiger Verlässlichkeit.
Unser Ziel: Hundesport und der Weg ins Mondioring
Parallel zum Alltag trainieren wir im Hundesport. Unser Ziel ist der Mondioring – ein kombinierter, anspruchsvoller Hundesport: Unterordnung, Umweltstabilität, Belastbarkeit, Entscheidungsfähigkeit und Alltagstauglichkeit greifen ineinander.
Dieses Spannungsfeld zwischen Assistenz im Alltag und leistungsorientiertem Hundesport prägt unsere Arbeit. Dabei stoßen wir auf menschliche Widerstände, Unverständnis und teils unbewusste Diskriminierung von Menschen mit Behinderung im Hundesport. Hinzu kommen technische Hürden, die überwunden werden müssen, um überhaupt aktiv trainieren zu können.
Hundetraining im Rollstuhl – ein anderes System
Einen Hund vom Rollstuhl aus zu führen bedeutet nicht weniger Anspruch. Andere Winkel, andere Distanzen, andere Signale. Der Hund muss nicht nur den Menschen lesen, sondern auch den Rollstuhl: Räder, Tempo, Raum. Fehler werden schneller sichtbar – Fortschritte ebenso.
Warum ich hier schreibe
Viele Menschen fragen sich, ob leistungsorientierte Hundehaltung, echter Hundesport und Behinderung vereinbar sind. Ja, sind sie. Aber nicht ohne Struktur, Verantwortung und Arbeit.
Neben meiner journalistischen Tätigkeit bin ich Autor von Ein fast normaler Mord und Mein Papa, der Cyborg. Beide Bücher greifen Themen auf, die auch hier eine Rolle spielen: Verantwortung, Körper, Grenzen und Haltung.
Mehr Einblicke auf Social Media
Alltag, Training und echte Situationen zeigen Carl und ich auch auf Social Media:
Instagram und TikTok
Ausblick
In dieser Kolumne geht es um Hundehaltung im Rollstuhl, um Training, Fehler, Lernprozesse und Hundesport aus einer Perspektive, die selten gezeigt wird. Nicht weichgespült. Nicht belehrend. Aber ehrlich.