Hundeshows und Tierwohl: VDH antwortet – warum viele Veranstalter schweigen
Inhalt
- Anfrage an Verbände und Show-Ausrichter: Wer trägt Verantwortung?
- VDH-Stellungnahme: Rassehundeausstellung ist keine Zuchtsteuerung
- Tierwohl bei Hundeshows: Kontrollen, Tierärzte und klare Regeln
- Marktanteil, Einfluss und öffentliche Wahrnehmung
- Hundeshow-Ausrichter und internationale Verbände: Keine Stellungnahme
Anfrage an Verbände und Show-Ausrichter: Wer trägt Verantwortung?
Wir haben Fragen gestellt.
Sachlich. Konkrete Fragen zu Hundeshows und Tierwohl, Bewertungspraxis, Rassestandards und zur Verantwortung von Hundeshows im Spannungsfeld zwischen Freizeitveranstaltung und Zuchtwirkung.
Angeschrieben wurden nationale und internationale Verbände sowie Ausrichter von Rassehundeausstellungen.
Geantwortet hat, Stand jetzt, der Verband für das Deutsche Hundewesen.
Die Stellungnahme erfolgte durch den Geschäftsführer Herrn Bartscherer.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Antwort selbst, sondern auch der Weg dorthin:
Herr Bartscherer nahm vor der Beantwortung der Fragen zusätzlich telefonisch Kontakt mit uns auf und führte das Gespräch offen, transparent und sachlich. Diese Bereitschaft zum Dialog ist ausdrücklich zu würdigen.
VDH-Stellungnahme: Rassehundeausstellung ist keine Zuchtsteuerung
Rassehundeausstellungen seien in erster Linie Freizeitveranstaltungen – Wettbewerbe, in denen Hunde präsentiert werden.
Herr Bartscherer betont die klare Trennung zwischen Ausstellung und Zuchtzulassung. Nur ein kleiner Teil der ausgestellten Hunde gehe tatsächlich in die Zucht. Zur Einordnung nennt der Verband Zahlen:
Rund 30.000 Hunde würden jährlich im VDH ausgestellt, während insgesamt etwa 800.000 Hunde pro Jahr verkauft würden.
Aus Sicht des Verbandes hätten Hundeshows daher nur einen begrenzten Einfluss auf Kaufentscheidungen. Diese Argumentation grenzt die Rolle der Ausstellung klar vom Gesamtmarkt der Hundezucht ab.
Tierwohl bei Hundeshows: Kontrollen, Tierärzte und klare Regeln
Im Hinblick auf das Tierwohl bei Rassehundeausstellungen beschreibt der VDH konkrete Massnahmen:
- Sechs bis sieben Tierärzte bei grossen Veranstaltungen
- Eingangskontrollen und stichprobenartige Untersuchungen
- Ringkontrollen während der Bewertung
- Ausschluss von Hunden mit tierschutzrelevanten Merkmalen
Kupierte Ohren oder Ruten werden auf deutschen VDH-Ausstellungen nicht zugelassen – mit Ausnahme gesetzlich erlaubter jagdlicher Eingriffe.
Auch bestimmte Halsbänder wie zum Beispiel Stachelhalsbänder und Leinen ohne Zugstop sind untersagt, betont Bartscherer ausdrücklich.
Richter werden regelmässig geschult, wissenschaftliche Beratung erfolgt über einen Beirat, neue Erkenntnisse fliessen laut Verband kontinuierlich in Regelwerk und Bewertungspraxis ein. Somit unterliegen die Shows einer Dynamik, basierend auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Die Position des VDH ist eindeutig formuliert:
Das Tierwohl steht im Vordergrund der Veranstaltung.
Marktanteil, Einfluss und öffentliche Wahrnehmung
Ein weiterer Aspekt betrifft die Marktstruktur. Der VDH spricht von einem Marktanteil von lediglich etwa 20 Prozent im Bereich der Rassehunde.
Ein Grossteil der Hunde werde ausserhalb des Verbandes gezüchtet. Damit relativiert der Verband seine strukturelle Einflussgrösse auf den Gesamtmarkt – ein Punkt, der in der Debatte um Hundeshows, Rassestandards und mögliche Fehlentwicklungen oft wenig Beachtung findet.
Hundeshow-Ausrichter und internationale Verbände: Keine Stellungnahme
Neben dem VDH wurden weitere nationale und internationale Organisationen sowie Ausrichter von Hundeshows angeschrieben.
Bis zur Veröffentlichung dieses Artikels liegt von keiner dieser Stellen eine Stellungnahme vor.
Dabei ging es nicht um pauschale Vorwürfe, sondern um konkrete Fragen zur praktischen Umsetzung:
- Welche Massnahmen setzen Veranstalter ein, wenn Hunde im Ring sichtbare gesundheitliche Einschränkungen zeigen – etwa Atemprobleme oder eingeschränkte Bewegungsabläufe?
- Gibt es Eingriffsmöglichkeiten, wenn Richter Hunde mit stark überzeichneten körperlichen Merkmalen prämieren?
- Wie werden Hilfsmittel im Ring kontrolliert – etwa Vorführtechnik oder Halsbänder?
- Welche Haltung vertreten internationale Ausrichter zu kupierten Ohren oder Ruten bei grenzüberschreitenden Shows?
- Sehen sich Veranstalter als neutrale Plattform – oder tragen sie Verantwortung für Zuchtentwicklungen, die durch Titel und Sichtbarkeit verstärkt werden?
Das sind keine Randfragen. Sie betreffen den Kern dessen, was eine Hundeshow öffentlich darstellt.
Gerade weil Shows Titel vergeben und damit Sichtbarkeit erzeugen, sind diese Punkte für Züchter, Halter und Öffentlichkeit relevant.
Der VDH – vertreten durch Herrn Bartscherer – hat sich dieser Transparenz gestellt.
Andere bislang nicht.
Die Einladung zur Stellungnahme bleibt bestehen.