Ernährung

Was steckt hinter dem neuen Hundefutter-Trend „gently cooked“?

7 Min Lesezeit
Was steckt hinter dem neuen Hundefutter-Trend „gently cooked“?
Inhalt
  1. Was bedeutet „gently cooked“ eigentlich?
  2. Wie wird Gently-cooked-Hundefutter hergestellt?
  3. Wo liegt also der Unterschied zu herkömmlichem Nassfutter?
  4. Welche Auswirkung hat (schonendes) Garen auf Nährstoffe?
  5. FAQ zu „gently cooked“ bei Hundefutter

«Gently cooked» klingt nach einer neuen, besonders schonenden Art, Hunde zu füttern. Doch steckt hinter dem englischen Begriff tatsächlich eine neue Fütterungsmethode oder wird hier ein bekanntes Herstellungsverfahren einfach nur neu vermarktet? Schonend gegartes Hundefutter gibt es schliesslich nicht erst seit gestern. Wir erklären, was «Gently cooked» bedeutet, wie dieses Futter hergestellt wird und ob es hinsichtlich der ernährungsphysiologischen Qualität tatsächlich Vorteile gegenüber anderen Fütterungsformen bietet.

Was bedeutet „gently cooked“ eigentlich?

«Gently cooked» bedeutet wörtlich übersetzt «schonend gegart». Im Zusammenhang mit Hundefutter beschreibt der Begriff also eine Zubereitung, bei der die Zutaten durch Erhitzen gegart werden.

Häufig steht dabei Fleisch im Mittelpunkt. Je nach Rezeptur kommen weitere Zutaten wie Gemüse, Kohlenhydratquellen, Öle, Vitamine und Mineralstoffe hinzu.

Im Gegensatz zu manchen anderen Herstellungsverfahren soll die Erhitzung möglichst schonend erfolgen. Ziel ist es, die Zutaten zu garen und gleichzeitig ihre ernährungsphysiologischen Eigenschaften möglichst gut zu erhalten.

Allerdings ist «Gently cooked» kein einheitlich definiertes Herstellungsverfahren mit festgelegten Temperaturen und Garzeiten. Der Begriff allein verrät deshalb weder, wie das Futter genau verarbeitet wird, noch welche Nährstoffe nach der Zubereitung enthalten sind.

Wie wird Gently-cooked-Hundefutter hergestellt?

Hier liegt schon einer der Knackpunkte: Was genau «schonend gegart» bedeutet, lässt viel Interpretationsspielraum. Es gibt nämlich keine einheitlichen Vorgaben dazu, bei welchen Temperaturen oder wie lange das Futter gegart werden muss, damit es als «Gently cooked» bezeichnet werden darf. Schauen wir uns deshalb an, wie die Herstellung typischerweise abläuft und worauf es dabei ankommt.

Auswahl und Vorbereitung der Zutaten

Am Anfang stehen die Zutaten, aus denen das Futter bestehen soll. Häufig bilden Fleisch und Innereien die Grundlage. Je nach Rezeptur kommen Gemüse, Kohlenhydratquellen, Öle und weitere Zutaten hinzu. Alles  wird auf eine verarbeitungsgerechte Grösse zerkleinert und für die weitere Verarbeitung vorbereitet.

Je nach Rezeptur werden die Zutaten kombiniert. Das Mengenverhältnis muss am Ende so sein, dass es den Nährstoffbedarf des Hundes abdeckt (abhängig davon, ob es als Alleinfuttermittel gedacht ist und wie die konkreten Fütterungsempfehlungen aussehen).

Der Garprozess

Hier kommt der namensgebende Teil ins Spiel. Die Zutaten werden erhitzt, damit sie garen. Wie genau das geschieht, unterscheidet sich allerdings von Hersteller zu Hersteller. Entscheidend sind unter anderem die Temperatur und die Dauer des Garens. Beides beeinflusst, wie sich die Zutaten verändern und welche Nährstoffe am Ende erhalten bleiben.

Übrigens: Möglichst schonend zu garen ist nicht automatisch besser. Das Futter und all seine Bestandteile müssen auch hygienisch sicher sein. Die Wärmebehandlung muss deshalb zur Rezeptur und zum gesamten Herstellungsverfahren passen.

Haltbarmachung und Verpackung

Nach dem Herstellungsprozess geht es um die Haltbarkeit. Manche Produkte werden gekühlt oder tiefgekühlt angeboten, am häufigsten aber so, dass sie „ungeöffnet bei Raumtemperatur“ gelagert werden können (die klassischen Nassfutter-Dosen beispielsweise). Je nachdem sind dafür weitere Verarbeitungsschritte notwendig.

Wo liegt also der Unterschied zu herkömmlichem Nassfutter?

Bei klassischem Nassfutter in Dosen werden die Zutaten normalerweise zunächst vermischt und in die Verpackung gefüllt. Anschliessend wird das verschlossene Gebinde erhitzt, damit das Futter mikrobiologisch sicher und bei ungeöffneter Verpackung lange haltbar wird.

Gut zu wissen: Tatsächlich ist es möglich, dass sich gently-cooked-Futter überhaupt nicht von Nassfutter unterscheidet, das nicht mit diesem Begriff wirbt.

Denn die Krux ist: Viele Hersteller von „gently cooked“ Varianten werben damit, dass ihr Futter bereits vor dem Abfüllen auf besonders schonende Weise gegart wird. Wenn sie das konkret so bewerben, wird das vermutlich auch seine Richtigkeit haben. Jetzt kommt das grosse Aber: Das ist nicht automatisch auf sämtliche Hersteller und jegliche Futtersorten, die sich demselben Begriff bedienen, übertragbar.

Wichtig: Der Begriff „gently cooked“ legt weder den Zeitpunkt der Erhitzung noch das genutzte Herstellungsverfahren exakt fest.

Der Begriff «Gently cooked» allein sagt dir also weder, wie das Futter erhitzt wurde, noch ob dabei mehr Nährstoffe erhalten bleiben als bei einem anderen Futter. Dafür bräuchte es konkretere Angaben zum Herstellungsverfahren und zur Nährstoffzusammensetzung.

Welche Auswirkung hat (schonendes) Garen auf Nährstoffe?

Beim Garen verändern sich einige Bestandteile des Futters. In welcher Weise und wie stark diese Veränderungen ausfallen, hängt unter anderem von der Temperatur, der Dauer der Wärmebehandlung, dem Wassergehalt und den jeweiligen Zutaten ab.

  1. Proteine verändern durch Hitze ihre Struktur, was als Denaturierung bezeichnet wird. Das ist ein normaler Vorgang beim Kochen und trägt dazu bei, dass der Körper die Proteine leichter verdauen kann. Zu starke oder lange Hitzeeinwirkung verringert allerdings auch die Verfügbarkeit bestimmter Aminosäuren.
  2. Einige Vitamine sind hitzeempfindlich. Dazu gehören beispielsweise Vitamin B1 und Folsäure. Wie viel davon bei der Verarbeitung verloren geht, hängt unter anderem von Temperatur und Dauer der Erhitzung ab.
  3. Auch Mineralstoffe können beim Erhitzen in die Garflüssigkeit übergehen. Sie werden dadurch jedoch nicht einfach zerstört. Bleibt die Flüssigkeit am Ende im Futter enthalten, bleiben die darin enthaltenen Bestandteile weitgehend ebenso erhalten.
  4. Fett und andere Nährstoffe reagieren ebenfalls auf die Verarbeitung. Bei längerer oder intensiver Wärme- und Sauerstoffeinwirkung können Fette oxidieren.

Was bedeutet das für «Gently cooked»? Eine niedrigere Gartemperatur schützt bestimmte Nährstoffe besser. Sie ist aber immer noch kein Beweis dafür, dass im fertigen Futter insgesamt mehr Nährstoffe enthalten sind. Auch bei schonender Verarbeitung kommt es auf die Rezeptur, die Dauer der Erhitzung und die weitere Verarbeitung an.

Für die Beurteilung zählt deshalb nicht allein, wie das Futter gegart wurde. Entscheidend ist, ob das fertige Produkt alle benötigten Nährstoffe in ausreichender Menge und in geeigneter Form liefert.

FAQ zu „gently cooked“ bei Hundefutter

Gibt es eine maximale Gardauer, bis zu der Hundefutter als schonend gegart gilt?

Nein, es gibt keine maximale Gardauer, ab der Hundefutter nicht mehr als schonend gegart gelten darf. Wie lange das Futter erhitzt wird, hängt unter anderem von den Zutaten, der Temperatur und letztlich vom Hersteller ab.

Gibt es eine Höchsttemperatur für schonend gegartes Hundefutter?

Nein, auch eine allgemein verbindliche Höchsttemperatur gibt es nicht. Welche Temperaturen beim Garen zum Einsatz kommen, entscheidet der jeweilige Hersteller.

Ist «Gently cooked» Hundefutter besser als herkömmliches Hundefutter?

Nicht unbedingt. Auch herkömmliches Nassfutter wird gegart. Ob ein Futter besser ist, hängt vor allem von seiner Zusammensetzung und Qualität ab, nicht allein von der Art der Zubereitung.

Ist «Gently cooked» nur ein Marketingbegriff?

Der Begriff beschreibt schonendes Garen, ist aber nicht einheitlich definiert. Er kann also auf ein bestimmtes Herstellungsverfahren hinweisen, garantiert für sich allein jedoch keine besondere Qualität.

Welche Futterarten gibt es als «Gently cooked» Varianten?

Die Bezeichnung findet sich am häufigsten bei Nassfutter, als Alleinfuttermittel, Ergänzungsfutter und Snacks. Bei Trockenfutter ist es seltener, weil dieses i.d.R. durch Extrusion hergestellt und nicht gegart wird.

Ist «Gently cooked» Hundefutter ein Alleinfuttermittel?

Nicht automatisch. Ob ein Futter den täglichen Nährstoffbedarf eines Hundes vollständig deckt, erkennst du an der Kennzeichnung als Alleinfuttermittel. Ergänzungsfutter und Snacks sind dafür in der Regel nicht gedacht.

Muss «Gently cooked» Hundefutter gekühlt werden?

Das hängt vom Produkt ab. Manche Sorten müssen gekühlt oder tiefgekühlt werden, andere sind ungeöffnet bei Raumtemperatur haltbar. Beachte deshalb immer die Lagerungshinweise auf der Verpackung.

Kann ich «Gently cooked» Hundefutter selbst herstellen?

Ja, du kannst Futter für deinen Hund selbst garen. Damit es dauerhaft als Alleinfutter geeignet ist, muss die Rezeptur allerdings alle benötigten Nährstoffe in den richtigen Mengen enthalten. Bei regelmässiger selbst gekochter Fütterung empfiehlt sich deshalb eine fachlich abgestimmte Ration.

Ist «Gently cooked» dasselbe wie Fleischsaftgarung?

Nein, die Begriffe sind nicht gleichbedeutend. «Gently cooked» ist eine allgemeine Bezeichnung für schonendes Garen, während Fleischsaftgarung ein bestimmtes Herstellungsverfahren auf Basis von Fleischsaft beschreibt.