Die richtige Futtermenge für Hunde: Eine Studie sucht mithilfe von Aktivitätstrackern nach Antworten
Kurz gesagt
Die richtige Futtermenge hängt nicht allein vom Körpergewicht ab, sondern auch vom individuellen Energiebedarf und Bewegungsverhalten eines Hundes. Eine Studie mit 19 Hunden zeigt, dass Aktivitätsdaten helfen könnten, die Fütterung individueller anzupassen.
Inhalt
- Der Ansatz der Studie: Wie lässt sich der Energiebedarf eines Hundes genauer bestimmen?
- Wie ein Aktivitätstracker die Futtermenge berechnen soll
- Fester Fütterungsplan vs. Dynamische Fütterung
- Einfluss auf Gewicht und Körperkondition
- Individuelle Unterschiede und Schwankungen im Bewegungsverhalten
- Was bedeuten die Erkenntnisse für die Fütterung im Hundealltag?
Geprüft am 5. November 2026Redaktionell verantwortlich: Roger Klein
Wie viel Futter braucht ein Hund? Wer sich an Empfehlungen auf der Verpackung oder an gängigen Formeln orientiert, erhält nur einen Richtwert. Solche Richtwerte berücksichtigen zwar Gewicht, Alter und Aktivitätsniveau, bilden aber individuelle Unterschiede gar nicht oder nur begrenzt ab. Auch der Alltag eines Hundes verändert sich. Mal bewegt er sich mehr, mal weniger. Eine in diesem Jahr veröffentlichte Studie hat deshalb einen neuen Ansatz untersucht: Kann ein Aktivitätstracker dabei helfen, die Futtermenge individueller zu bestimmen und regelmässig an den tatsächlichen Bewegungsalltag anzupassen? Dafür begleiteten Forscher 19 erwachsene Hunde über zehn Wochen und verglichen zwei unterschiedliche Methoden zur Berechnung ihrer täglichen Futtermenge.
Der Ansatz der Studie: Wie lässt sich der Energiebedarf eines Hundes genauer bestimmen?
Wie viel Energie ein Hund täglich benötigt, lässt sich anhand verschiedener Faktoren abschätzen. Das Körpergewicht bildet dabei eine wichtige Grundlage. Hinzu kommen unter anderem Alter, Körperkondition, Gesundheitszustand und Aktivitätsniveau.
Doch solche Berechnungen liefern nur Richtwerte. Sie berücksichtigen nicht, wie viel sich ein einzelner Hund tatsächlich bewegt und ob/inwiefern sich sein Alltag verändert.
Genau hier setzte die Untersuchung an. Die Forscher wollten herausfinden, ob sich die Futtermenge mithilfe eines Aktivitätstrackers individueller bestimmen und regelmässig anpassen lässt. Statt den Energiebedarf einmalig anhand einer Einschätzung festzulegen, sollte ein technisches System die Bewegungsdaten der Hunde fortlaufend erfassen und in die Berechnung einbeziehen.
Dafür untersuchten sie 19 erwachsene Hunde über einen Zeitraum von zehn Wochen. Der Versuchsaufbau umfasste drei aufeinanderfolgende Phasen:
- Zunächst erfassten die Forscher Ausgangswerte.
- Anschliessend erhielten die Hunde vier Wochen lang eine feste Futtermenge, die auf einer menschlichen Einschätzung ihres Aktivitätsniveaus beruhte.
- In den letzten vier Wochen kam das dynamische Berechnungsverfahren zum Einsatz. Dabei floss die tatsächlich gemessene Aktivität regelmässig in die Festlegung der Futtermenge ein.
Der entscheidende Unterschied lag also nicht im Futter selbst, sondern in der Methode, mit der die tägliche Energiemenge bestimmt wurde. Während die Futterration in der ersten Vergleichsphase unverändert blieb, konnte das System sie in der zweiten Phase wöchentlich anpassen.
Zur vollständigen Studie: MDPI: Proof of Concept of a Dynamic Energy Prescription Protocol Integrating Wearable Activity Data in 19 Adult Dogs (Sacoor et al., 2026)
Wie ein Aktivitätstracker die Futtermenge berechnen soll
Für die dynamische Berechnung verwendeten die Forscher ein spezielles Wearable des Anbieters Maven Pet. Der Sensor wurde am Halsband der Hunde befestigt und erfasste ihre Bewegungen kontinuierlich. Dafür nutzte er einen dreiachsigen Beschleunigungssensor und ein Gyroskop, das Drehbewegungen registriert.
Eine Software ordnete die erfassten Bewegungen vier Aktivitätszuständen zu:
- Ruhe
- geringe Aktivität
- aktive Bewegung
- intensive bzw. aufgeregte Aktivität
Für die Berechnung der Futtermenge waren vor allem die beiden aktiveren Zustände entscheidend. Das System ermittelte wöchentlich, wie viel Zeit jeder Hund durchschnittlich täglich in diesen Kategorien verbrachte.
Zunächst berechnete das System anhand des Körpergewichts einen grundlegenden Energiebedarf. Anschliessend berücksichtigte es weitere individuelle Merkmale wie Körperkondition, Körpergrösse beziehungsweise Rasse, Lebensphase, Fortpflanzungsstatus und Gesundheitszustand. Erst danach flossen die gemessenen Aktivitätsdaten in die Berechnung ein.
Aus diesen Angaben leitete das System einen individuellen täglichen Energiebedarf in Kilokalorien ab und berechnete daraus die entsprechende Futterportion.
Dieser Vorgang wiederholte sich während der gesamten dynamischen Studienphase jede Woche. Veränderte sich das Bewegungsverhalten eines Hundes, konnte das System die empfohlene Energiemenge entsprechend anpassen.
Fester Fütterungsplan vs. Dynamische Fütterung
Einer der auffälligsten Unterschiede zeigte sich bei der tatsächlichen Futteraufnahme. Während der festen Fütterungsphase frassen nur 8 von 19 Hunden die vorgesehene Futtermenge ausreichend regelmässig. In der dynamischen Phase waren es 18 von 19 Hunden. Auch die durchschnittlich aufgenommene Futtermenge lag mit 99 Prozent deutlich näher an der berechneten Tagesration als zuvor mit 92 Prozent.
Die Hunde nahmen ihre zugeteilten Portionen während der dynamischen Phase also deutlich gleichmässiger auf. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die regelmässige Anpassung der Futtermenge besser zu den individuellen Bedürfnissen der Tiere passte. Wenn die Portionen näher am tatsächlichen Bedarf liegen, könnte das auch die Bereitschaft erhöhen, sie vollständig zu fressen.
Allerdings lässt sich daraus nicht ableiten, dass das System den Energiebedarf tatsächlich genauer berechnete. Eine vollständig gefressene Portion ist noch kein Beweis dafür, dass sie genau dem Kalorienbedarf eines Hundes entspricht. Die Untersuchung zeigt zunächst nur, dass die angepassten Futterportionen besser mit der tatsächlichen Futteraufnahme übereinstimmten.
Einfluss auf Gewicht und Körperkondition
Neben der Futteraufnahme untersuchten die Forscher, wie sich das Körpergewicht und der Ernährungszustand der Hunde entwickelten. Dazu erfassten sie regelmässig das Gewicht, den Body Condition Score (BCS) und den Muskelzustand. Zusätzlich schätzten sie den Körperfettanteil anhand von Körpermassen.
Während der ersten Vergleichsphase mit festem Fütterungsplan blieb das durchschnittliche Körpergewicht weitgehend stabil. In der anschliessenden dynamischen Phase sank das Durchschnittsgewicht von 24,2 auf 23,6 Kilogramm.
Auch der geschätzte Körperfettanteil verringerte sich während R2 von durchschnittlich 19,9 auf 18,3 Prozent. Der Muskelzustand blieb bei allen 19 Hunden unverändert. Die Gewichtsabnahme ging demnach nicht mit einer erkennbaren Verschlechterung der Muskelkondition einher.
Ein differenzierteres Bild zeigte die Beurteilung der Körperkondition anhand des BCS. (Siehe hierzu: Der Body Condition Score als Leitfaden für die Hundegesundheit) Bei zwölf der 19 Hunde blieb der BCS während der dynamischen Phase unverändert. Bei sechs Hunden sank er um einen Punkt. Zwei Hunde, deren Körperkondition zu Beginn oberhalb des Idealbereichs lag, bewegten sich dadurch in Richtung Idealgewicht.
Die Ergebnisse zeigen somit, dass sich Gewicht und geschätzter Körperfettanteil während der dynamischen Phase verringerten, während die Muskelkondition stabil blieb. Ob diese Veränderungen tatsächlich auf die wöchentliche Anpassung der Futtermenge zurückzuführen sind, lässt sich aus dem Versuchsaufbau allerdings nicht sicher ableiten. Die kurze Beobachtungsdauer erlaubt keine Aussagen über langfristige Auswirkungen.
Individuelle Unterschiede und Schwankungen im Bewegungsverhalten
Ein weiterer interessanter Befund betrifft das Bewegungsverhalten der Hunde. Die Aktivitätssensoren erfassten nicht nur, wie viel sich die Tiere insgesamt bewegten, sondern auch, wie lange sie sich täglich in den unterschiedlichen Aktivitätszuständen aufhielten.
Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Hunden. Manche Tiere verbrachten wesentlich mehr Zeit mit aktiver Bewegung als andere. Gleichzeitig schwankte die Aktivität auch innerhalb einzelner Hunde von Woche zu Woche.
Die Messungen verdeutlichen, dass sich das Bewegungsverhalten nicht durch eine einmalige Einschätzung zuverlässig beschreiben lässt. Ein Hund kann in einer Woche deutlich aktiver sein als in der nächsten. Auch Hunde mit ähnlichem Körpergewicht können ganz unterschiedliche Aktivitätsmuster aufweisen.
Für die individuelle Fütterungsplanung ist das durchaus relevant. Wird der Energiebedarf ausschliesslich anhand einer allgemeinen Aktivitätseinschätzung festgelegt, bleiben solche Schwankungen unberücksichtigt. Eine regelmässige Erfassung könnte zusätzliche Informationen liefern, um die Futtermenge bei Bedarf anzupassen.
Was bedeuten die Erkenntnisse für die Fütterung im Hundealltag?
Eine regelmässige Anpassung der Futtermenge an das individuelle Bewegungsverhalten könnte ein interessanter Ansatz sein. Für Hundehalter lässt sich auf jeden Fall eine wichtige Erkenntnis aus der Studie ableiten: Die Futtermenge sollte nicht allein vom Körpergewicht des Hundes oder den Fütterungsempfehlung auf der Futtermittelverpackung abhängen. Diese Angaben sind eine Orientierung und ersetzen nicht die (regelmässige) Beurteilung des eigenen Hundes.
Entscheidend ist, wie sich Gewicht und Körperkondition über die Zeit entwickeln. Nimmt ein Hund trotz gleichbleibender Futtermenge zu oder ab, kann das ein Hinweis darauf sein, dass die bisherige Ration nicht (mehr) zu seinem Energiebedarf passt.
Veränderungen im Alltag spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Ein Hund, der sich plötzlich weniger bewegt oder regelmässig längere Touren unternimmt, benötigt möglicherweise eine andere Futtermenge als zuvor.
Aktivitätstracker können dabei zusätzliche Informationen liefern. Sie erfassen Bewegungsmuster und machen Veränderungen sichtbar. Da sie den tatsächlichen Energieverbrauch nicht direkt messen, sollten ihre Angaben jedoch nicht ungeprüft als Grundlage für automatische Fütterungsentscheidungen dienen. Letztlich bleibt die regelmässige Kontrolle von Gewicht, Körperkondition und Muskelzustand entscheidend.
Die passende Futtermenge ist nicht einfach eine Zahl, die sich einmal berechnen und dauerhaft übernehmen lässt. Sie muss zum individuellen Hund und seinem tatsächlichen Alltag passen.
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