Schweisshunde (FCI 6/2): Bayerischer Gebirgsschweisshund & Co.

Zu den 3 Rassen

Was die Sektion zusammenhält

Drei Rassen stehen hier: der Hannoversche Schweisshund, der Bayerische Gebirgsschweisshund und die Alpenländische Dachsbracke. Alle drei arbeiten auf der kalten Fährte, also lange nach dem Schuss, und alle drei tun das an der Schweissriemen genannten langen Leine, angeschnallt am Führer.

Der Hannoversche Schweisshund ist der schwerste und älteste der drei. Er geht auf den mittelalterlichen Leithund zurück, mit dem vor der Jagd das Wild bestätigt wurde, und wurde im 19. Jahrhundert in Hannover systematisch weitergezüchtet. Sein Einsatzgebiet ist das schwere Wild im flacheren Revier.

Der Bayerische Gebirgsschweisshund entstand daraus. Für das Gebirge war der Hannoversche zu schwer und zu behäbig, also kreuzte man ihn mit leichten Gebirgsbracken. Das Ergebnis ist wendiger, ausdauernder in steilem Gelände und heute die meistgeführte Schweisshundrasse im Alpenraum.

Die Alpenländische Dachsbracke ist die kleinste und vielseitigste. Sie stammt aus Österreich, arbeitet niederläufig und wird neben der Nachsuche auch als Stöber- und Laufhund geführt. Ihre kurzen Läufe sind kein Schönheitsmerkmal, sondern Arbeitsprinzip: Der Kopf bleibt tief, die Nase nah an der Fährte.

Was Nachsuche wirklich verlangt

Eine Nachsuche beginnt oft Stunden nach dem Schuss, manchmal am Folgetag. Der Hund arbeitet dann eine Spur aus, die kaum noch Geruch trägt, über Wechsel anderer Tiere hinweg, durch Wasser, über Forststrassen, teils kilometerweit. Er muss dabei ruhig bleiben, langsam arbeiten und darf sich nicht durch frische, interessantere Fährten ablenken lassen.

Das ist eine Leistung, die man nicht antrainiert, sondern züchtet. Die Anlage dazu heisst Fährtenwille und Spurlaut, und sie wird über Leistungsprüfungen im Zuchtbuch dokumentiert. Ein Schweisshund ohne Arbeit hat diese Anlage trotzdem. Sie sucht sich dann ein anderes Ziel.

Genau das ist der Punkt, an dem diese Rassen im falschen Zuhause scheitern. Ein Bayerischer Gebirgsschweisshund im Reihenhaus ist nicht unglücklich, weil er zu wenig Auslauf hat, sondern weil er einen Beruf hat, den niemand ihm gibt. Er sucht dann selbst, verschwindet auf Fährten, ist über Kilometer nicht abrufbar und wirkt für seine Halter plötzlich wie ein anderer Hund.

Warum diese Hunde an Jäger vergeben werden

Die Zuchtvereine der drei Rassen geben Welpen in aller Regel nur an Personen mit Jagdschein und mit nachgewiesener Möglichkeit, den Hund in der Nachsuche zu führen. Manche verlangen zusätzlich die Anbindung an ein Revier oder an eine Nachsuchenstation.

Das wirkt streng und ist trotzdem der Grund, warum es diese Rassen in dieser Qualität noch gibt. Wo Leistungszucht durch Nachfrage nach Aussehen ersetzt wird, verschwindet die Anlage innerhalb weniger Generationen, und übrig bleibt ein Hund, der aussieht wie ein Schweisshund und keiner mehr ist. Bei mehreren früher jagdlich geführten Rassen ist genau das passiert.

Für Interessenten ohne Jagdschein heisst das: Es gibt hier keinen legalen Nebenweg. Wer online einen Bayerischen Gebirgsschweisshund «sofort verfügbar, ohne Nachweis» findet, findet keinen Zuchtverein, der eine Ausnahme macht, sondern einen Vermehrer oder einen Import ohne Papiere. Der Hund darin ist kein Schnäppchen, sondern das Ergebnis einer Zucht, die auf nichts geprüft hat.

Gesundheit und Haltung

Die drei Rassen gehören zu den robusteren Hunden, was direkt an der Zuchtauslese liegt: Ein Hund, der stundenlang in schwerem Gelände arbeiten muss, fällt bei Gelenkproblemen im Zuchtgeschehen auf, bevor jemand ein Röntgenbild braucht. Untersucht wird trotzdem, auf Hüftgelenksdysplasie und, je nach Verein, auf Ellenbogen.

Die Hängeohren aller drei Rassen brauchen regelmässige Kontrolle. Ein Ohr, das nach der Arbeit im nassen Unterholz nicht abtrocknet, entzündet sich. Bei der Alpenländischen Dachsbracke kommt die Rückenbelastung dazu, die alle niederläufigen Rassen mit langem Rücken betrifft: Treppen und Sprünge aus dem Auto sind in jungen Jahren zu vermeiden.

Im Haus sind diese Hunde ausgesprochen ruhig. Ein gearbeiteter Schweisshund liegt den grössten Teil des Tages, meldet wenig und drängt sich nicht auf. Dieser Eindruck täuscht viele Interessenten, die den Hund im Ruhezustand kennenlernen und den Arbeitszustand nie sehen.

Was du beim Kauf verlangst

Wende dich an den Zuchtverein der jeweiligen Rasse, nicht an ein Kleinanzeigenportal. Erwarte, dass man dir Fragen stellt: nach Jagdschein, Revier, Erfahrung mit der Nachsuche und danach, wer den Hund führt. Ein Züchter, der nicht fragt, wählt nicht aus.

Lass dir die Leistungsnachweise der Elterntiere zeigen, nicht nur die Ahnentafel, dazu die Auswertung der Hüftgelenke. Frag nach der Zahl der Nachsuchen, die Vater und Mutter tatsächlich geführt haben. Bei diesen Rassen ist der Arbeitsnachweis der Gesundheitsnachweis mit den meisten Aussagen.

Und wenn du nicht jagst: Nimm die Absage als das, was sie ist. Es gibt Rassen mit ähnlicher Ruhe im Haus, ähnlicher Nasenfreude und ohne diese Bindung an den jagdlichen Einsatz. Der Weg über einen Vermehrer, der keine Fragen stellt, endet meistens in einer Abgabe nach zwei Jahren.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich einen Bayerischen Gebirgsschweisshund halten, ohne zu jagen?

Die Zuchtvereine geben ihn dann nicht ab, und das aus gutem Grund. Die Rasse ist auf eine Arbeit selektiert, die sich durch Hundesport nicht ersetzen lässt: stundenlanges, konzentriertes Ausarbeiten kalter Fährten. Ohne diese Aufgabe sucht der Hund sich selbst eine, meist im Wald und ohne Rücksprache. Wer die Nasenarbeit reizvoll findet, ohne zu jagen, fährt mit einer Fährtenhundausbildung bei einer weniger spezialisierten Rasse deutlich besser.

Was ist der Unterschied zwischen Schweisshund und Laufhund?

Die Arbeitsweise. Ein Laufhund verfolgt frisches Wild laut jagend und in hohem Tempo, ein Schweisshund arbeitet eine alte, kalte Fährte langsam und angeleint aus. Deshalb stehen sie in der FCI-Systematik in zwei verschiedenen Sektionen derselben Gruppe. Die Alpenländische Dachsbracke beherrscht beides, was ihre Sonderstellung erklärt.

Wie alt werden diese Rassen, und wie gesund sind sie?

Zwölf bis vierzehn Jahre sind bei allen dreien üblich, und sie gelten als robust. Der Hauptgrund ist die Leistungszucht: Ein Hund, der schwere Arbeit im Gebirge leisten muss, wird nicht auf Merkmale gezüchtet, die ihn dabei behindern. Untersucht wird auf Hüftgelenksdysplasie. Die häufigsten Alltagsprobleme sind Ohrentzündungen durch den Behang und, bei der Dachsbracke, Rückenbeschwerden.

Sind Schweisshunde gute Familienhunde?

Im Haus ja, im Alltag nur mit der passenden Aufgabe. Sie sind ruhig, kinderverträglich und wenig aufdringlich, und sie bellen selten grundlos. Der Konflikt entsteht draussen: Sobald eine Fährte da ist, arbeiten sie, und die Bindung an den Menschen tritt dann zurück. Eine Familie mit Jagdbezug bekommt einen ausgesprochen angenehmen Hund, eine Familie ohne bekommt einen, der ständig unterbeschäftigt ist.

Warum bekommt man diese Welpen so schwer?

Weil die Zahl der Würfe klein und die Vergabe an Bedingungen geknüpft ist. Die Zuchtvereine steuern bewusst über den Bedarf an geprüften Nachsuchenführern, nicht über die Nachfrage. Wartezeiten von einem Jahr oder mehr sind normal. Ein Angebot ohne Wartezeit und ohne Nachfragen kommt nicht aus dieser Zucht, sondern daneben.