Was die FCI ist und was sie entscheidet
Die FCI ist kein Zuchtverein, sondern ein Verband von Verbänden. Ihre Mitglieder sind die nationalen Dachorganisationen einzelner Länder, für Deutschland der VDH, für die Schweiz die SKG, für Österreich der ÖKV. Ein Hund wird nie bei der FCI selbst eingetragen, sondern immer beim nationalen Verband. Die FCI sorgt dafür, dass diese Eintragungen und die dazugehörigen Ahnentafeln über Ländergrenzen hinweg gegenseitig anerkannt werden.
Drei Dinge legt sie fest: welche Rasse anerkannt wird, wie deren Standard lautet und in welche Gruppe sie gehört. Der Standard beschreibt Bau, Fell, Bewegung und Wesen einer Rasse und stammt immer aus dem Ursprungsland. Die FCI übersetzt ihn und erklärt ihn für verbindlich. Neue Rassen durchlaufen zuerst eine provisorische Anerkennung, bevor sie endgültig aufgenommen werden. Jeder Standard trägt eine Nummer, die dir auf jedem Rasseprofil wieder begegnet.
Gegründet wurde die FCI am 22. Mai 1911 von Verbänden aus fünf Ländern: Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich und den Niederlanden. Während des Ersten Weltkriegs stellte sie ihre Tätigkeit ein und wurde 1921 neu gegründet. Nachzulesen ist das in der Verbandsgeschichte der FCI.
Die zehn FCI-Gruppen im Überblick
Die zehn Gruppen sind nach Aufgabenfeldern sortiert, nicht nach Rang. Gruppe 1 steht nicht über Gruppe 10, und eine hohe Nummer bedeutet weder selten noch anspruchsvoll. Innerhalb jeder Gruppe gibt es zusätzlich Sektionen, die feiner nach Typ und Herkunft trennen.
- FCI Gruppe 1: Hütehunde und Treibhunde – 46 Rassen. Zusammengehalten durch die Arbeit am Vieh: zusammentreiben, lenken, beisammenhalten. Hier stehen Border Collie, Deutscher Schäferhund und Australian Shepherd.
- FCI Gruppe 2: Pinscher, Schnauzer, Molosser und Sennenhunde – 57 Rassen. Die grösste und zugleich uneinheitlichste Gruppe: Wach-, Schutz- und Hofhunde vom kompakten Zwergpinscher bis zum Bernhardiner. Bekannt sind Rottweiler, Boxer und Berner Sennenhund.
- FCI Gruppe 3: Terrier – 35 Rassen. Gezüchtet für die Jagd auf Wild im Bau, entsprechend selbstständig und durchsetzungsfähig. Dazu zählen Jack Russell Terrier, Yorkshire Terrier und West Highland White Terrier.
- FCI Gruppe 4: Dachshunde – 2 Rassen. Die kleinste Gruppe von allen und die einzige, die sich um einen einzigen Hund dreht: den Dackel, gezüchtet in drei Grössen und drei Haararten.
- FCI Gruppe 5: Spitze und Hunde vom Urtyp – 41 Rassen. Ursprungsnahe Typen mit Stehohren und Ringelrute, dazu die nordischen Schlittenhunde. Beispiele sind Siberian Husky, Akita, Chow Chow und Deutscher Spitz.
- FCI Gruppe 6: Laufhunde und Schweisshunde – 45 Rassen. Jagdhunde, die mit der Nase arbeiten, laut auf der Spur oder still auf der Fährte verletzten Wilds. Bekannt sind Beagle, Basset Hound, Dalmatiner und Rhodesian Ridgeback.
- FCI Gruppe 7: Vorstehhunde – 25 Rassen. Hunde, die Wild aufspüren und es durch reglose Körperhaltung anzeigen, statt es zu hetzen. Dazu gehören Weimaraner, Deutsch Kurzhaar, Irish Setter und Pointer.
- FCI Gruppe 8: Apportier-, Stöber- und Wasserhunde – 21 Rassen. Spezialisten für die Arbeit nach dem Schuss: Wild aus dichtem Bewuchs herausstöbern, apportieren, auch aus dem Wasser. Hier stehen Labrador Retriever, Golden Retriever und Cocker Spaniel.
- FCI Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde – 30 Rassen. Die einzige Gruppe, die nicht über eine Arbeitsaufgabe definiert ist, sondern über die Rolle als Begleiter. Dazu zählen Chihuahua, Mops, Malteser, Französische Bulldogge und Pudel.
- FCI Gruppe 10: Windhunde – 13 Rassen. Hunde, die auf Sicht jagen und über Jahrhunderte auf Geschwindigkeit gezüchtet wurden. Greyhound, Whippet, Afghanischer Windhund und Saluki gehören dazu.
Was die Gruppe über einen Hund verrät und was nicht
Die FCI-Gruppe sagt dir, wofür die Vorfahren eines Hundes gezüchtet wurden. Sie sagt dir nicht, ob dieser Hund zu dir passt.
Der Abstand innerhalb einer Gruppe ist grösser, als die Ordnung vermuten lässt. In Gruppe 2 stehen Rottweiler und Berner Sennenhund nebeneinander, zwei Hunde, deren Alltag mit einem Halter kaum unterschiedlicher verlaufen könnte. Gruppe 9 führt Chihuahua und Pudel in derselben Kategorie. Wer aus der Gruppennummer auf Wesen, Erziehbarkeit oder Familientauglichkeit schliesst, schliesst von der Zuchtgeschichte auf ein einzelnes Tier. Dazwischen liegen Generationen von Zuchtentscheidungen, die Trennung in Arbeits- und Showlinien und ein Hund mit eigener Prägung.
Was die Gruppe liefert, ist ein Hinweis auf Bedürfnisse. Ein Hund aus einer Hütehundlinie bringt in aller Regel den Antrieb mit, sich zu bewegen und mitzudenken. Ein Laufhund folgt einer Fährte auch dann noch, wenn du rufst. Ein Windhund braucht Auslauf hinter einem Zaun, weil sein Sichtjagdtrieb kein Erziehungsproblem ist, sondern seine Bauart. Solche Veranlagungen verschwinden nicht, nur weil ein Hund im Reihenhaus lebt. Sie sind ein Ausgangspunkt für die Frage, wie viel Auslastung realistisch nötig ist, und kein Charakterurteil über den einzelnen Hund.
Für die Auswahl eines Hundes taugt die Gruppe deshalb nicht. Wer sich vornimmt, einen Hund aus Gruppe 1 zu holen, hat noch keine der Fragen beantwortet, die zählen: wie viel Zeit täglich zur Verfügung steht, wie das Wohnumfeld aussieht, wer den Hund im Krankheitsfall betreut, was er über sein ganzes Leben kostet. Hunde landen nicht im Tierheim, weil ihre Halter die falsche FCI-Gruppe gewählt haben. Sie landen dort, weil zwischen dem Bedarf des Hundes und dem Alltag der Menschen eine Lücke klafft, die vor dem Kauf niemand ausgerechnet hat.
Von der Gruppe zur einzelnen Rasse
Zwei Wege führen von hier zur konkreten Rasse. Kennst du die Gruppe, ist die jeweilige Gruppenseite der kürzeste: Dort stehen alle Rassen der Gruppe mit Profil, Haltungsrealität und den gesundheitlichen Themen, die in dieser Zuchtlinie gehäuft auftreten. Kennst du die Gruppe nicht, was der Normalfall ist, führt der Weg über das Rasseverzeichnis. Es enthält 378 Rassen und lässt sich nach Eignung, Grösse, Aktivitätslevel, Pflegeaufwand und Fellart filtern. Auf jedem Rasseprofil stehen FCI-Gruppe, Sektion und Standard-Nummer im Steckbrief.
Beim Zählen fällt ein Detail auf: Die zehn Gruppenseiten führen zusammen 315 Rassen, das Verzeichnis 378. Nicht jede Rasse, die als Rasse gilt und als Rasse verkauft wird, sitzt also in einer FCI-Gruppe. Labradoodle und Goldendoodle etwa sind Kreuzungen ohne FCI-Anerkennung. Wer einen solchen Hund kauft, kauft ihn ohne anerkannten Standard und ohne die Zuchtordnung, die an einem Standard hängt. Der einzelne Hund ist deswegen kein schlechterer Hund. Dir fehlt nur der Massstab, an dem sich eine Zucht messen lassen muss, und damit ein Prüfstein beim Züchterbesuch.
Häufig gestellte Fragen
Wofür steht die Abkürzung FCI?
FCI steht für Fédération Cynologique Internationale, den weltweiten Dachverband der nationalen Hundezuchtverbände. Die FCI erkennt Hunderassen an, gibt deren Rassestandards heraus und teilt sie in zehn Gruppen ein. Eingetragen werden Hunde nicht bei der FCI selbst, sondern beim jeweiligen nationalen Verband, in der Schweiz bei der SKG, in Deutschland beim VDH, in Österreich beim ÖKV.
Wie viele FCI-Gruppen gibt es?
Es gibt zehn FCI-Gruppen, nummeriert von 1 bis 10. Jede fasst Rassen mit gemeinsamer Herkunft oder gemeinsamer ursprünglicher Aufgabe zusammen, von den Hütehunden in Gruppe 1 bis zu den Windhunden in Gruppe 10. Die Reihenfolge ist eine Ordnungsnummer und keine Wertung. Wie viele Rassen in einer Gruppe stehen, ist sehr unterschiedlich: Gruppe 2 ist mit 57 Rassen die grösste, Gruppe 4 mit dem Dackel die kleinste. Unterhalb der Gruppen gibt es Sektionen, die feiner nach Typ und Herkunftsregion trennen.
In welcher FCI-Gruppe ist meine Rasse?
Am schnellsten findest du das über das Rasseverzeichnis: Rasse aufrufen, die FCI-Gruppe steht mit Sektion und Standard-Nummer im Steckbrief. Wenn du nur ungefähr weisst, wohin dein Hund gehört, hilft die ursprüngliche Aufgabe als Faustregel. Hunde, die am Vieh gearbeitet haben, stehen in Gruppe 1, Wach- und Schutzhunde sowie die schweren Molosser in Gruppe 2, Erdjäger in Gruppe 3, jagende Nasenhunde in Gruppe 6, kleine Begleithunde ohne Arbeitsauftrag in Gruppe 9. Bei Mischlingen führt die Frage ins Leere. Ein Mischling gehört keiner FCI-Gruppe an, auch dann nicht, wenn beide Elternteile Rassehunde mit Papieren waren.
Sind FCI-Papiere ein Gütesiegel für den Züchter?
Nein. Eine Ahnentafel dokumentiert die Abstammung eines Welpen über mehrere Generationen und belegt, dass die Elterntiere im Zuchtbuch eines nationalen Verbandes eingetragen sind. Über die Bedingungen, unter denen dieser Welpe aufgewachsen ist, sagt sie unmittelbar nichts: nicht über den Gesundheitszustand der Mutter, nicht über die Zahl der Würfe, nicht darüber, ob die Welpen in einer Wohnung oder in einem Verschlag gross geworden sind. Verbände knüpfen die Zuchtzulassung durchaus an Auflagen, und ein Zuchtbuch ist erheblich mehr als nichts. Den Besuch beim Züchter ersetzen Papiere trotzdem nicht. Verlange, die Mutter gemeinsam mit dem Wurf zu sehen, in den Räumen, in denen die Welpen leben. Wird dir das verweigert, kauf dort nicht.
Was heisst es, wenn eine Rasse nicht FCI-anerkannt ist?
Es heisst zunächst nur, dass für diese Rasse kein von der FCI verabschiedeter Standard existiert und dass sie in keiner der zehn Gruppen geführt wird. Manche Rassen sind provisorisch anerkannt und auf dem Weg zur endgültigen Aufnahme. Andere werden von anderen Dachverbänden geführt, etwa vom amerikanischen oder britischen Kennel Club, ohne dass die FCI sie übernommen hätte. Ein dritter Teil sind Kreuzungen, die als Rasse vermarktet werden, ohne je eine gewesen zu sein. Für dich als Käufer bedeutet fehlende Anerkennung vor allem eines: Es gibt keinen verbindlichen Standard, an dem sich ein Züchter messen lassen muss, und keine übergeordnete Zuchtordnung, auf die du dich berufen kannst.
Was ist der Unterschied zwischen Gruppe und Sektion?
Die Gruppe ist die oberste Ebene, die Sektion die Unterteilung darin. Gruppe 1 zerfällt in Schäferhunde und Treibhunde, Gruppe 2 in Pinscher und Schnauzer, Molossoide und Schweizer Sennenhunde, Gruppe 10 in langhaarige, rauhaarige und kurzhaarige Windhunde. Die Sektion sagt oft mehr über einen Hund aus als die Gruppennummer, weil sie näher an der konkreten Arbeit liegt. Auf jeder Gruppenseite sind die Sektionen einzeln aufgeführt.