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Buchempfehlung: Calming Signals – Die Beschwichtigungssignale der Hunde

Ehrliche Bewertung von Turid Rugaas' Klassiker über Hundebeschwichtigung. Mit konkreten Anwendungstipps und klarer Einschätzung, für wen das Buch funktioniert.

3 Min Lesezeit
Buchempfehlung: Calming Signals – Die Beschwichtigungssignale der Hunde
Inhalt
  1. Was macht Rugaas‘ Ansatz anders als andere Hundebücher?
  2. Welche Signale erkennst du nach der Lektüre sofort?
  3. Für wen ist dieses Buch definitiv nicht geeignet?
  4. Wie wendest du die Erkenntnisse im Alltag an?

Du siehst deinen Hund gähnen, obwohl er nicht müde ist. Er wendet den Kopf ab, wenn du ihn ansiehst. Leckt sich die Lefzen, ohne gefressen zu haben. Turid Rugaas‘ „Calming Signals“ erklärt, warum das alles andere als zufällig ist.

Was macht Rugaas‘ Ansatz anders als andere Hundebücher?

Rugaas katalogisiert 27 Beschwichtigungssignale systematisch – von offensichtlichen wie dem Wegdrehen bis zu subtilen wie dem kurzen Blinzeln. Das Besondere: Sie dokumentiert diese Signale nicht nur, sondern zeigt, wie du sie selbst einsetzen kannst.

Ein Beispiel aus dem Buch: Dein Hund starrt einen anderen Hund an. Rugaas empfiehlt, einen Bogen zu gehen – nicht weil du Angst haben solltest, sondern weil du damit das Signal „Ich bin keine Bedrohung“ sendest. Der andere Hund entspannt sich, die Situation entschärft sich.

Was fehlt: Rugaas geht kaum auf individuelle Unterschiede zwischen Hunderassen ein. Ein Husky kommuniziert anders als ein Mops – solche Nuancen bleiben im Buch unterbelichtet.

Welche Signale erkennst du nach der Lektüre sofort?

Das Buch macht drei Signale besonders greifbar: Gähnen bei Stress (nicht bei Müdigkeit), Lippenlecken ohne Futter in Sicht und das Abwenden des Kopfes bei direktem Blickkontakt. Nach der Lektüre wirst du diese täglich bei deinem Hund erkennen.

Rugaas zeigt, wie du selbst beschwichtigen kannst: langsame Bewegungen, seitliche Annäherung statt frontal, und den Blick nicht starr auf den Hund richten. Klingt simpel – wirkt im Alltag aber erstaunlich zuverlässig.

Ein Praxis-Tipp aus dem Buch: Wenn dein Hund in einer angespannten Situation gähnt, gähne zurück. Das bestätigt ihm, dass du seine Kommunikation verstehst und ebenfalls entspannen möchtest.

Für wen ist dieses Buch definitiv nicht geeignet?

Rugaas‘ Ansatz funktioniert nicht bei Hunden mit massiven Verhaltensproblemen oder Traumata. Wer einen reaktiven Hund hat, der bei jedem Trigger explodiert, benötigt zunächst professionelle Verhaltenstherapie.

Halter sehr junger Welpen werden enttäuscht sein. Welpen unter vier Monaten zeigen noch nicht das volle Spektrum der Beschwichtigungssignale – das Buch wird erst später nützlich.

Die grösste Schwäche: Rugaas unterschätzt die kommunikativen Unterschiede zwischen Hunden verschiedener Herkunft. Ein Strassenhund aus dem Süden kommuniziert anders als ein Zucht-Retriever aus Deutschland. Eine solche Differenzierung fehlt im Buch.

Wie wendest du die Erkenntnisse im Alltag an?

Beginne mit dem einfachsten Signal: Gähnen. Beobachte eine Woche lang, wann dein Hund gähnt. Du wirst merken – oft ist es nicht Müdigkeit, sondern ein Deeskalationsversuch in angespannten Momenten.

Rugaas empfiehlt, selbst langsamer zu werden, wenn der Hund Beschwichtigungssignale zeigt. Nicht ignorieren, nicht korrigieren – einfach das Tempo rausnehmen. Das hat im Praxistest funktioniert.

Der zentrale Rat aus dem Buch: Hör auf, deinen Hund zu „korrigieren“, wenn er beschwichtigt. Ein Hund, der gähnt oder wegschaut, versucht bereits zu kooperieren. Weitere Einwirkung macht alles schlimmer.

Ist das Buch sein Geld wert?

Ja, wenn du bereit bist, deine Beobachtungsgabe zu schärfen. Nein, wenn du schnelle Lösungen für Verhaltensprobleme suchst.

Gibt es bessere Alternativen?

Patricia McConnells „Das andere Ende der Leine“ deckt ähnliche Themen ab, aber mit mehr wissenschaftlichem Hintergrund. Rugaas bleibt oberflächlicher, ist aber praktischer umsetzbar.

Wie lange dauert es, bis du Erfolge siehst?

Die ersten Signale erkennst du nach wenigen Tagen bewusster Beobachtung. Bis du selbst beschwichtigend kommunizierst und dein Hund darauf reagiert, vergehen meist einige Wochen.