Haltung & Alltag

Wirtschaftsfaktor Hund: Neue Zahlen zeigen Milliardenumsätze

4 Min Lesezeit
Wirtschaftsfaktor Hund: Neue Zahlen zeigen Milliardenumsätze
Inhalt
  1. Heimtierbedarf: Futter und Zubehör für Hunde
  2. Dienstleistungen: Schulen, Pensionen, Salons
  3. Tiergesundheit: Tierärzte und Versicherungen
  4. Hundezucht und Vereine
  5. Medien rund um Hunde: Bücher, Zeitschriften
  6. Ein Milliardenmarkt mit stabilem Wachstum

2024 hat die Hundehaltung in Deutschland die Marke von 6 Milliarden Euro Jahresumsatz geknackt – gerechnet vom Futternapf über den Tierarzt bis zum Grooming-Termin. Die Zahlen für 2023 und 2024 zeigen, wie sich dieser Markt zusammensetzt und wo er gerade ins Stocken gerät.

Heimtierbedarf: Futter und Zubehör für Hunde

Zahlen 2019

Zum Vergleich: 2019 lagen die Umsätze im Heimtierbedarf für Hunde bei rund 2,538 Milliarden Euro. Etwa 1,5 Milliarden davon entfielen auf Hundefutter – Feucht- und Trockenfutter sowie Snacks –, gut 1 Milliarde auf Zubehör wie Leinen, Näpfe oder Spielzeug. Der Online-Handel steuerte bereits damals rund 705 Millionen Euro bei [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

2023 setzte der stationäre Handel mit Hundefutter rund 1,9 Milliarden Euro um – aufgeteilt in 677 Millionen Euro für Feuchtfutter und etwa 1,223 Milliarden Euro für Trockenfutter und Snacks zusammen. Hundezubehör kam auf rund 230 Millionen Euro. Rechnet man den Online-Handel mit geschätzten 500 Millionen Euro dazu, ergibt sich ein Gesamtumsatz von 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro.

2024 gab der Futtermarkt leicht nach: 1,8 Milliarden Euro im stationären Handel, wovon 593 Millionen auf Feuchtfutter, 414 Millionen auf Trockenfutter und 752 Millionen auf Snacks entfielen. Zubehör rutschte auf 214 Millionen Euro. Inklusive Online kommt man auf 2,5 bis 2,7 Milliarden Euro Gesamtumsatz [Quellen: IVH/ZZF, Der deutsche Heimtiermarkt 2024].

Entwicklung und Hintergründe

Von 2019 bis 2023 lief der Markt kontinuierlich aufwärts – mehr Hunde (von 10,1 auf 10,5 Millionen), mehr Premiumfutter, mehr Ausgabebereitschaft. 2024 hat die Inflation dann spürbar gebremst: Zubehör wird seltener neu gekauft, bei Snacks hingegen greifen Halter weiter zu. Bemerkenswert: Der Online-Handel legte 2024 um 14,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu – ein klares Signal, wohin die Kaufentscheidungen wandern [Quelle: IVH/ZZF].

Dienstleistungen: Schulen, Pensionen, Salons

Zahlen 2019

2019 erwirtschafteten Hundeschulen, -pensionen, -salons, Gassi-Services und ähnliche Angebote zusammen 952,3 Millionen Euro. Hundetagesstätten und Salons verzeichneten dabei besonders starkes Wachstum [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

Für 2023 schätzt man den Umsatz auf 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro. Treiber waren die wachsende Stadthundehaltung und der Homeoffice-Boom, der paradoxerweise mehr Bedarf an professioneller Betreuung und Training schuf – wer den ganzen Tag zuhause ist, merkt erst recht, dass der Hund Beschäftigung braucht. 2024 stabilisierte sich der Markt bei rund 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro.

Entwicklung und Hintergründe

Bis 2023 liefen die Dienstleistungsumsätze mit der Urbanisierung mit: Mehr Menschen in Städten, weniger Zeit, mehr Bereitschaft, für Betreuung zu zahlen. 2024 zog wirtschaftliche Vorsicht die Handbremse. Dennoch stützt die Tatsache, dass gut 21 Prozent aller Haushalte in Deutschland einen Hund halten, den Markt strukturell – dieser Anteil geht nicht einfach weg.

Tiergesundheit: Tierärzte und Versicherungen

Zahlen 2019

2019 lagen die Umsätze in der Tiergesundheit – Tierarztbesuche, Medikamente, Versicherungen – für Hunde bei rund 1,212 Milliarden Euro [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

2023 kletterte der Umsatz auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro. Wesentlicher Grund: Die Gebührenordnung für Tierärzte (GoT) wurde 2022 angepasst, was die Tierarztkosten um durchschnittlich 27,2 Prozent gegenüber 2022 trieb – das schlägt sich direkt in den Branchenzahlen nieder. 2024 liegt der Bereich bei 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro; die stabile Hundepopulation und die wachsende Beliebtheit von Tierversicherungen halten das Niveau [Quelle: Statistisches Bundesamt].

Entwicklung und Hintergründe

Tiergesundheit ist der Bereich, der am konstantesten wächst – und das aus zwei Richtungen gleichzeitig: höhere Preise durch die GoT-Reform und eine veränderte Haltung vieler Hundebesitzer, die immer öfter in Vorsorge und Behandlung investieren. Dazu kommt der Trend zu Kranken- und OP-Versicherungen für Hunde, der in der Schweiz und Österreich schon länger läuft und in Deutschland Fahrt aufnimmt.

Hundezucht und Vereine

Zahlen 2019

Hundezucht, Vereine und Hundeschauen zusammen erwirtschafteten 2019 rund 390 Millionen Euro [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

Für 2023 und 2024 werden 400 bis 450 Millionen Euro geschätzt – gestützt auf eine stabile Hundepopulation von rund 10,5 Millionen Tieren und eine moderate Inflation, die diesen Bereich weniger hart trifft als den Einzelhandel [Quelle: Eigene Schätzung basierend auf IVH-Daten].

Entwicklung und Hintergründe

Vereinsaktivitäten haben eine treue Anhängerschaft; die Zahlen spiegeln das wider. Rassehunde sind nach wie vor gefragt, und Hundesport wächst als Freizeitaktivität – das hält die Umsätze stabil, ohne große Sprünge zu erzeugen.

Medien rund um Hunde: Bücher, Zeitschriften

Zahlen 2019

2019 standen Bücher und Zeitschriften rund um den Hund für etwa 70 Millionen Euro Umsatz. Schon das war ein Rückgang gegenüber 2014 (damals noch 79 Millionen Euro) – die Verschiebung zu digitalen Inhalten lief längst [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

2023 und 2024 dürften es noch 60 bis 65 Millionen Euro sein. Blogs, YouTube-Kanäle und Instagram-Accounts liefern kostenlos, was früher im Heft stand – dagegen kommt gedrucktes Papier schwer an.

Entwicklung und Hintergründe

Der Rückgang ist keine Überraschung, er setzt sich konsequent fort. Was bleibt, ist eine Nische: spezialisierte Trainingsbücher, Rassestandards, Fachmagazine für ernsthafte Hundesportler. Der Gelegenheitskäufer kauft heute nicht mehr am Kiosk, er öffnet eine App.

Ein Milliardenmarkt mit stabilem Wachstum

Von 5,162 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf schätzungsweise 5,66 bis 6,22 Milliarden Euro im Jahr 2024 – der Hund als Wirtschaftsfaktor ist kein Nischenthema mehr. Tiergesundheit und Dienstleistungen zeigen das klarste Wachstum. Heimtierbedarf und Medien kämpfen mit Inflation beziehungsweise Digitalisierung. Was den Markt insgesamt trägt: mehr Hundehalter, mehr Stadtbewohner mit Hund – und eine gesellschaftliche Haltung, in der das Tier längst zur Familie gehört.