Haltung & Alltag

Wirtschaftsfaktor Hund: Neue Zahlen zeigen Milliardenumsätze

5 Min Lesezeit
Wirtschaftsfaktor Hund: Neue Zahlen zeigen Milliardenumsätze
Inhalt
  1. Heimtierbedarf: Futter und Zubehör für Hunde
  2. Dienstleistungen: Schulen, Pensionen, Salons
  3. Tiergesundheit: Tierärzte und Versicherungen
  4. Hundezucht und Vereine
  5. Medien rund um Hunde: Bücher, Zeitschriften
  6. Ein Milliardenmarkt mit stabilem Wachstum

2024 dürfte die Hundehaltung in Deutschland zwischen 5,7 und 6,2 Milliarden Euro Umsatz bewegt haben – gerechnet vom Futternapf über den Tierarzt bis zum Grooming-Termin. Eine amtliche oder verbandsseitige Zahl allein für Hunde gibt es für 2024 nicht; die Spanne ist eine Schätzung auf Basis der IVH/ZZF-Marktdaten. Die Zahlen für 2023 und 2024 zeigen, wie sich dieser Markt zusammensetzt und wo er gerade ins Stocken gerät.

Heimtierbedarf: Futter und Zubehör für Hunde

Zahlen 2019

Zum Vergleich: Für 2018 beziffert die Heimtierstudie von Renate Ohr den Heimtierbedarf für Hunde auf 2,538 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 2,2 Milliarden auf Futter (1,45 Milliarden im stationären Handel) und 309 Millionen auf Zubehör wie Leinen, Näpfe oder Spielzeug. Der Online-Handel mit Hundeartikeln lag bei rund 392 Millionen Euro; die häufig zitierten 705 Millionen betreffen den gesamten Heimtier-Onlinehandel [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr, Bezugsjahr 2018].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

2023 setzte der stationäre Handel mit Hundefutter knapp 2 Milliarden Euro um – 677 Millionen Euro Feuchtfutter, 748 Millionen Snacks und 547 Millionen Trockenfutter. Hundezubehör kam auf 225 Millionen Euro. Rechnet man den Online-Handel mit geschätzten 500 Millionen Euro dazu, ergibt sich ein Gesamtumsatz von 2,6 bis 2,8 Milliarden Euro.

2024 gab der Futtermarkt leicht nach: 1,8 Milliarden Euro im stationären Handel, wovon 593 Millionen auf Feuchtfutter, 414 Millionen auf Trockenfutter und 752 Millionen auf Snacks entfielen. Zubehör rutschte auf 214 Millionen Euro. Inklusive Online kommt man auf 2,5 bis 2,7 Milliarden Euro Gesamtumsatz [Quellen: IVH/ZZF, Der deutsche Heimtiermarkt 2024].

Entwicklung und Hintergründe

Von 2019 bis 2023 lief der Markt aufwärts – mehr Hunde (von 10,1 auf 10,5 Millionen), mehr Premiumfutter, mehr Ausgabebereitschaft. Seit 2023 steht der Bestand allerdings still. 2024 hat die Inflation dann spürbar gebremst: Zubehör wird seltener neu gekauft, bei Snacks hingegen greifen Halter weiter zu. Bemerkenswert: Der gesamte Heimtier-Onlinehandel legte 2024 um 14,9 Prozent auf rund 1,5 Milliarden Euro zu – ein Hundeanteil wird darin nicht ausgewiesen, das Signal, wohin die Kaufentscheidungen wandern, ist aber deutlich [Quelle: IVH/ZZF].

Dienstleistungen: Schulen, Pensionen, Salons

Zahlen 2019

Für 2018 weist die Heimtierstudie die weiteren Geschäftsfelder rund um den Hund – Zucht, Betreuung, Bestattung, Hundeschulen, Tierfriseure – mit zusammen 820 Millionen Euro aus. Hundetagesstätten und Salons verzeichneten dabei besonders starkes Wachstum [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr, Bezugsjahr 2018].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

Für 2023 schätzt man den Umsatz auf 1,1 bis 1,3 Milliarden Euro. Treiber waren die wachsende Stadthundehaltung und der Homeoffice-Boom, der paradoxerweise mehr Bedarf an professioneller Betreuung und Training schuf – wer den ganzen Tag zuhause ist, merkt erst recht, dass der Hund Beschäftigung braucht. 2024 stabilisierte sich der Markt bei rund 1,1 bis 1,2 Milliarden Euro.

Entwicklung und Hintergründe

Bis 2023 liefen die Dienstleistungsumsätze mit der Urbanisierung mit: Mehr Menschen in Städten, weniger Zeit, mehr Bereitschaft, für Betreuung zu zahlen. 2024 zog wirtschaftliche Vorsicht die Handbremse. Dennoch stützt die Tatsache, dass gut 21 Prozent aller Haushalte in Deutschland einen Hund halten, den Markt strukturell – dieser Anteil geht nicht einfach weg.

Tiergesundheit: Tierärzte und Versicherungen

Zahlen 2019

Für 2018 lagen die Umsätze in der Tiergesundheit – Tierarztbesuche, Medikamente, Physiotherapie – für Hunde bei rund 1,212 Milliarden Euro; Versicherungen führt die Studie mit weiteren 615 Millionen gesondert [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr, Bezugsjahr 2018].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

2023 kletterte der Umsatz auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro. Wesentlicher Grund: Die neue Gebührenordnung für Tierärzte gilt seit dem 22. November 2022. Ihre Wirkung ist messbar – im August 2023 lagen die Preise für tierärztliche Dienstleistungen laut Statistischem Bundesamt um 27,2 Prozent über dem Vorjahresmonat. 2024 liegt der Bereich bei 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro; die stabile Hundepopulation und die wachsende Beliebtheit von Tierversicherungen halten das Niveau [Quelle: Statistisches Bundesamt].

Entwicklung und Hintergründe

Tiergesundheit ist der Bereich, der am konstantesten wächst – und das aus zwei Richtungen gleichzeitig: höhere Preise durch die GoT-Reform und eine veränderte Haltung vieler Hundebesitzer, die immer öfter in Vorsorge und Behandlung investieren. Dazu kommt der Trend zu Kranken- und OP-Versicherungen für Hunde, der in der Schweiz und Österreich schon länger läuft und in Deutschland Fahrt aufnimmt.

Hundezucht und Vereine

Zahlen 2019

Hundezucht, Vereine und Hundeschauen zusammen erwirtschafteten 2018 rund 390 Millionen Euro [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr, Bezugsjahr 2018].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

Für 2023 und 2024 werden 400 bis 450 Millionen Euro geschätzt – gestützt auf eine stabile Hundepopulation von rund 10,5 Millionen Tieren und eine moderate Inflation, die diesen Bereich weniger hart trifft als den Einzelhandel [Quelle: Eigene Schätzung basierend auf IVH-Daten].

Entwicklung und Hintergründe

Vereinsaktivitäten haben eine treue Anhängerschaft; die Zahlen spiegeln das wider. Rassehunde sind nach wie vor gefragt, und Hundesport wächst als Freizeitaktivität – das hält die Umsätze stabil, ohne grosse Sprünge zu erzeugen.

Medien rund um Hunde: Bücher, Zeitschriften

Zahlen 2019

2018 standen Bücher, Zeitschriften und Bühnenprogramme rund um den Hund für etwa 70 Millionen Euro Umsatz – die Verschiebung zu digitalen Inhalten lief längst [Quelle: Heimtierstudie 2019, Renate Ohr, Bezugsjahr 2018].

Aktuelle Zahlen 2023/2024

2023 und 2024 dürften es noch 60 bis 65 Millionen Euro sein. Blogs, YouTube-Kanäle und Instagram-Accounts liefern kostenlos, was früher im Heft stand – dagegen kommt gedrucktes Papier schwer an.

Entwicklung und Hintergründe

Der Rückgang ist keine Überraschung, er setzt sich konsequent fort. Was bleibt, ist eine Nische: spezialisierte Trainingsbücher, Rassestandards, Fachmagazine für ernsthafte Hundesportler. Der Gelegenheitskäufer kauft heute nicht mehr am Kiosk, er öffnet eine App.

Ein Milliardenmarkt mit stabilem Wachstum

Die Heimtierstudie rechnet der Hundehaltung für 2018 rund 5,6 Milliarden Euro zu – Futter und Zubehör 2,54 Milliarden, Tiergesundheit 1,21 Milliarden, Versicherungen 615 Millionen, weitere Geschäftsfelder 820 Millionen sowie 420 Millionen für Tierheime und Hundesteuer. Für 2024 liegt die Schätzung bei 5,7 bis 6,2 Milliarden Euro – der Hund als Wirtschaftsfaktor ist kein Nischenthema mehr. Tiergesundheit und Dienstleistungen zeigen das klarste Wachstum. Heimtierbedarf und Medien kämpfen mit Inflation beziehungsweise Digitalisierung. Was den Markt insgesamt trägt: mehr Hundehalter, mehr Stadtbewohner mit Hund – und eine gesellschaftliche Haltung, in der das Tier längst zur Familie gehört.

Quellen
  1. Ohr, R. (2019): Heimtierstudie 2019, Universitaet Göttingen (Bezugsjahr 2018)
  2. ZZF/IVH: Der deutsche Heimtiermarkt 2024
  3. Statistisches Bundesamt: Zahl der Woche vom 4. Oktober 2023 – tierärztliche Dienstleistungen