Augenlidentzündung (Blepharitis)
Blepharitis (Augenlidentzündung) ist eine meist chronisch verlaufende Entzündung der Augenlider, die an einem oder beiden Augen auftritt und Menschen wie Tiere betreffen kann.
Inhalt
Eine Blepharitis ist eine Entzündung der Augenlider, insbesondere des Lidrandes. Beim Hund kann sie ein oder beide Augen betreffen und sowohl akut als auch chronisch verlaufen.
Häufig ist sie die Folge einer zugrunde liegenden Haut- oder Augenerkrankung. Deshalb ist es wichtig, nicht nur die Entzündung selbst zu behandeln, sondern auch ihre Ursache zu suchen.
Anatomischer Hintergrund
Der Lidrand bildet den Übergang zwischen der äusseren Haut des Augenlids und der zum Auge hin liegenden Bindehaut. Hier befinden sich unter anderem die Haarfollikel der Wimpern sowie verschiedene Drüsen.
Besonders wichtig sind die Meibom-Drüsen. Sie produzieren einen Bestandteil des Tränenfilms und tragen dazu bei, dass der Tränenfilm nicht zu schnell verdunstet.
Eine Entzündung kann diese Strukturen beeinträchtigen. Umgekehrt können Erkrankungen der Haut, der Drüsen oder der Augenoberfläche eine Entzündung des Lidrandes begünstigen.
Formen der Blepharitis
Bei der Blepharitis wird unter anderem zwischen einer vorderen und einer hinteren Form unterschieden.
Bei der vorderen Blepharitis sind vor allem die Haut des Augenlids, der Lidrand und die Wimpern beziehungsweise deren Haarfollikel betroffen. Sie kann beispielsweise mit bakteriellen Infektionen oder Hauterkrankungen zusammenhängen.
Die hintere Blepharitis betrifft vor allem die Meibom-Drüsen. Sind diese verstopft oder funktionieren sie nicht normal, verändert sich die Zusammensetzung des Tränenfilms. Dadurch können wiederum Entzündungen des Lidrandes und Beschwerden an der Augenoberfläche entstehen.
Beim Hund ist diese Einteilung jedoch weniger relevant als die Suche nach der zugrunde liegenden Ursache. Blepharitis ist häufig kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern tritt zusammen mit anderen Haut- oder Augenerkrankungen auf.
Ursachen
Die möglichen Ursachen einer Blepharitis sind vielfältig. Bakterielle Infektionen können eine Rolle spielen, ebenso allergische oder andere entzündliche Hauterkrankungen.
Auch Parasiten wie Demodex-Milben kommen als Auslöser infrage. Eine Demodikose, also ein Befall mit Demodex-Milben, kann insbesondere an den Augenlidern zu Entzündungen führen.
Auch anatomische Veränderungen können den Lidrand reizen. Dazu gehören beispielsweise ein Entropium, bei dem sich das Augenlid nach innen rollt, oder ein Ektropium, bei dem sich das Lid nach aussen wendet. Fehlstellungen können dazu führen, dass Haare oder Haut ständig mit der Augenoberfläche in Kontakt kommen.
Weitere mögliche Auslöser sind Fremdkörper, Verletzungen und Reizungen durch die Umwelt. Bei manchen Hunden steht die Blepharitis zudem im Zusammenhang mit einer übergeordneten Hauterkrankung oder einer immunvermittelten Entzündung.
Symptome
Typische Anzeichen sind gerötete und geschwollene Augenlider. Am Lidrand können sich Schuppen, Krusten oder Sekret bilden. Manche Hunde reiben sich häufiger am Auge oder kneifen es zu. Auch vermehrter Tränenfluss und eine gerötete Bindehaut können auftreten.
Bei länger bestehender Entzündung können Haare am Lid ausfallen oder fehlgeleitet wachsen. Durch solche Veränderungen kann die Augenoberfläche zusätzlich gereizt werden.
Schmerzen, deutliche Lichtempfindlichkeit oder eine Trübung der Hornhaut sind dagegen Warnzeichen, bei denen zeitnah eine tierärztliche Untersuchung erforderlich ist.
Diagnose
Die Diagnose erfolgt zunächst anhand der Untersuchung des Auges und der Augenlider. Dabei beurteilt der Tierarzt unter anderem den Lidrand, die Haut, die Wimpern und die Augenoberfläche. Je nach Befund kommen weitere Untersuchungen hinzu.
Bei Verdacht auf eine bakterielle Infektion ist eine mikrobiologische Untersuchung sinnvoll. Bei Verdacht auf Parasiten können Haut- oder Haarproben untersucht werden. Auch die Suche nach einer zugrunde liegenden Hauterkrankung oder anatomischen Fehlstellung kann notwendig sein.
Da verschiedene Augenerkrankungen ähnliche Symptome verursachen können, sollte eine anhaltende oder schmerzhafte Entzündung nicht allein anhand äusserer Veränderungen beurteilt werden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache der Blepharitis. Eine einfache Lidrandpflege kann bei leichten Fällen unterstützend eingesetzt werden, reicht aber nicht aus, wenn beispielsweise eine Infektion, ein Parasitenbefall oder eine anatomische Fehlstellung vorliegt.
Verkrustungen und Sekret können vorsichtig mit einem für die Augen geeigneten, sauberen und lauwarmen Tuch entfernt werden. Welche Form der Lidrandpflege sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Befund ab. Hausmittel wie unverdünntes oder selbst verdünntes Shampoo sollten nicht in Augennähe angewendet werden, da sie die Augenoberfläche zusätzlich reizen können.
Bei einer bakteriellen Ursache können je nach Befund antibiotische Präparate eingesetzt werden. Ein Parasitenbefall erfordert eine entsprechende antiparasitäre Behandlung. Bei allergischen oder immunvermittelten Erkrankungen steht dagegen die Behandlung der zugrunde liegenden Entzündung im Vordergrund.
Kortisonhaltige Augenpräparate dürfen nicht ohne vorherige Untersuchung des Auges eingesetzt werden. Bei bestimmten Erkrankungen der Hornhaut können Kortikosteroide die Heilung beeinträchtigen oder Komplikationen verschlimmern. Ob ein solches Präparat geeignet ist, muss deshalb tierärztlich entschieden werden.
Liegt eine anatomische Fehlstellung wie ein Entropium vor, kann in schweren oder dauerhaft reizenden Fällen auch eine chirurgische Korrektur erforderlich sein.
Verlauf und Prognose
Die Prognose hängt wesentlich von der Ursache ab. Eine vorübergehende Blepharitis kann nach Behandlung des Auslösers vollständig abheilen. Besteht dagegen eine chronische Hauterkrankung, eine Störung der Meibom-Drüsen oder eine anatomische Fehlstellung, kann die Entzündung wiederkehren.
Blepharitis sollte deshalb nicht nur als lokales Problem des Augenlids betrachtet werden. Wiederkehrende oder schlecht heilende Entzündungen können ein Hinweis darauf sein, dass eine bisher nicht erkannte Grunderkrankung vorliegt.
Wann zum Tierarzt?
Eine leichte Rötung des Lidrandes kann zunächst beobachtet werden. Bei deutlicher Schwellung, Schmerzen, starkem Tränenfluss, ausgeprägtem Augenreiben oder einer Veränderung der Hornhaut sollte der Hund jedoch zeitnah tierärztlich untersucht werden.
Besonders dringend ist eine Untersuchung, wenn der Hund das Auge zukneift, die Hornhaut trüb erscheint oder sich die Beschwerden innerhalb kurzer Zeit deutlich verschlimmern. Hinter solchen Symptomen können auch Erkrankungen der Hornhaut oder andere schmerzhafte Augenerkrankungen stecken.
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