Gesundheit & Pflege

Grannen – eine Gefahr für Hunde

Grannen sind steife Pflanzenborsten mit Widerhaken, die sich bei jeder Bewegung tiefer ins Hundefell arbeiten und bis zu den Organen wandern können.

4 Min Lesezeit
Grannen – eine Gefahr für Hunde
Inhalt
  1. Was sind Grannen und warum sind sie für Hunde gefährlich?
  2. Wo verstecken sich Grannen am Hund?
  3. Wie erkenne ich eine Granne beim Hund?
  4. Kann ich Grannen selbst entfernen?
  5. Wann muss ich zum Tierarzt?
  6. Wie beuge ich Grannen-Unfällen vor?

Was sind Grannen und warum sind sie für Hunde gefährlich?

Grannen sind steife Pflanzenborsten mit winzigen Widerhaken, die nur in eine Richtung zeigen: nach vorn. Du findest sie an Gräsern wie Mäusegerste, Foxtail oder an Getreide wie Roggen und Weizen. Die Widerhaken funktionieren wie ein Reuseneffekt – einmal im Fell verfangen, arbeitet sich die Granne bei jeder Bewegung deines Hundes tiefer ins Gewebe.

Das macht sie so gefährlich: Sie durchstechen die Haut und wandern weiter. Eine Granne, die zwischen den Zehen eindringt, kann bis zum Ellenbogen hochwandern. Eine eingeatmete Granne bahnt sich ihren Weg durch die Lunge bis zur Brustwand.

Grannen-Saison ist von Mai bis September, mit Hochrisiko von Juni bis August. In dieser Zeit solltest du besonders wachsam sein.

Wo verstecken sich Grannen am Hund?

Grannen haben Lieblingsstellen am Hundekörper. Sie sammeln sich dort, wo das Fell dicht ist oder wo natürliche Öffnungen sind.

Zwischen den Zehen: Der häufigste Ort. Hier ist die Haut dünn und die Granne dringt leicht ein. Du erkennst es daran, dass dein Hund plötzlich anfängt zu hinken oder obsessiv an der Pfote leckt.

In den Ohren: Besonders bei Hunden mit hängenden Ohren. Die Granne wandert vom Ohreingang zum Trommelfell. Dein Hund kratzt sich heftig oder hält den Kopf schief.

In der Nase: Eingeatmete Grannen lösen anfallartige Niesattacken aus. Manchmal siehst du Blut aus dem Nasenloch.

Im Fell: Vor allem bei langhaarigen Hunden verfangen sich Grannen im dichten Unterfell von Bauch, Beinen und Achseln.

Wie erkenne ich eine Granne beim Hund?

Die Symptome hängen davon ab, wo die Granne sitzt. Meistens zeigt dein Hund plötzliche, lokalisierte Beschwerden.

Pfote: Hinken auf drei Beinen, obsessives Lecken zwischen den Zehen, sichtbares Loch in der Haut oder eitriger Ausfluss.

Ohr: Kopfschütteln, schiefe Kopfhaltung, übler Geruch aus dem Ohr oder Kratzen bis zum Blutig-Kratzen.

Nase: Explosive Niesanfälle, die nicht aufhören, einseitiger Nasenausfluss oder Nasenbluten.

Auge: Tränenfluss, zwanghaftes Blinzeln, Reiben am Auge oder Lichtscheu.

Atemwege: Plötzlicher, trockener Husten oder pfeifende Atemgeräusche.

Diese Symptome entwickeln sich meist innerhalb von Stunden nach dem Spaziergang in grannen-gefährdetem Gebiet.

Kann ich Grannen selbst entfernen?

Ja, aber nur wenn du die Granne komplett siehst und sie noch nicht in die Haut eingedrungen ist.

Mit einer Pinzette greifst du die Granne so nah wie möglich an der Haut und ziehst sie gerade heraus – niemals drehen oder abbrechen. Desinfiziere die Stelle danach.

Nicht selbst entfernen solltest du Grannen:

• Die bereits in der Haut verschwunden sind
• Aus Ohren, Nase oder Augen
• Bei denen du nur noch ein kleines Stück siehst
• Die abgebrochen sind

Ein Entfernungsversuch kann die Granne tiefer ins Gewebe drücken. Dann wird aus einem 10-Minuten-Eingriff beim Tierarzt eine aufwändige Operation.

Wann muss ich zum Tierarzt?

Sofort, wenn die Granne nicht oberflächlich im Fell hängt oder wenn dein Hund die typischen Symptome zeigt, du aber keine Granne findest.

Grannen wandern schnell weiter. Was am Morgen zwischen den Zehen war, sitzt am Abend vielleicht schon im Gewebe der Pfote. Der Tierarzt kann mit speziellen Instrumenten auch tief sitzende Grannen lokalisieren und entfernen.

Bei Grannen in Körperöffnungen ist immer der Tierarzt gefragt. Eine Granne im Ohr kann das Trommelfell durchstoßen, eine in der Nase kann bis ins Gehirn wandern.

Wie beuge ich Grannen-Unfällen vor?

Komplette Vermeidung ist von Mai bis September schwierig, aber du kannst das Risiko stark senken.

Fell vorbereiten: Halte das Fell zwischen den Zehen kurz – ein 3mm-Scheraufsatz reicht. Auch die Unterwolle an Bauch und Beinen sollte nicht zu dicht sein.

Routen anpassen: Meide von Juni bis August hohe Wiesen und Feldränder. Bleibe auf befestigten Wegen oder kurz gemähten Bereichen.

Nach dem Spaziergang: Kontrolliere systematisch Pfoten (auch zwischen den Zehen), Ohren, Bauch und Beine. Bürste das Fell gegen den Strich aus.

Bei langhaarigen Hunden: Trage in der Grannen-Saison einen Body oder Pfotenschuhe für besonders gefährdete Bereiche.

Diese Kontrollen sollten zur Routine werden – wie das Ableinen nach dem Spaziergang.

Welche Gräser sind besonders gefährlich?

Mäusegerste ist der Klassiker unter den Grannen-Gräsern. Du erkennst sie an den langen, borstenartigen Ähren, die im Juni und Juli besonders aggressiv werden.

Können Grannen von selbst wieder herauskommen?

Nein. Die Widerhaken sorgen dafür, dass Grannen nur tiefer ins Gewebe wandern, niemals nach außen. Ohne Entfernung können sie Abszesse, Fisteln oder innere Verletzungen verursachen.

Wie teuer ist die Grannen-Entfernung beim Tierarzt?

Eine oberflächliche Entfernung kostet zwischen 50-150 Euro. Ist die Granne tief gewandert oder muss operativ entfernt werden, können Kosten von 300-800 Euro entstehen.

Sind manche Hunderassen anfälliger für Grannen?

Ja. Langhaarige Rassen wie Golden Retriever oder Berner Sennenhunde sammeln mehr Grannen im Fell. Hunde mit hängenden Ohren wie Cocker Spaniel haben ein höheres Risiko für Ohren-Grannen.

Was passiert, wenn eine Granne übersehen wird?

Grannen können monatelang im Körper wandern und dabei Infektionen, Abszesse oder Organschäden verursachen. In extremen Fällen führen sie zu lebensbedrohlichen Zuständen wie Lungenkollaps oder Hirnhautentzündung.