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Balto & Togo, Schlittenhunde die Geschichte schrieben

Die ungekürzte Geschichte von Balto und Togo: Warum Togo 264 Meilen durch Eis und Schnee lief, aber Balto berühmt wurde.

4 Min Lesezeit
Balto & Togo, Schlittenhunde die Geschichte schrieben
Inhalt
  1. Warum war die Diphtherie-Epidemie 1925 so tödlich?
  2. Welche Rolle spielte Togo wirklich bei der Serum-Staffel?
  3. Was machte Balto zum berühmteren der beiden Hunde?
  4. Welche Eigenschaften machen Siberian Huskies zu Ausdauerwundern?
  5. Wie veränderte die Serum-Staffel das Schlittenhundewesen?

Nome, Alaska, Januar 1925: Fünf Kinder sind bereits an Diphtherie gestorben. Das rettende Antitoxin liegt 674 Meilen entfernt in Nenana – und die einzige Chance, es zu holen, sind Hundeschlitten. Was folgt, gilt bis heute als die berühmteste Rettungsmission der Hundeschlittengeschichte.

Du kennst wahrscheinlich Balto. Aber kennst du auch die ganze Geschichte? Zwei Hunde wurden zu Helden, doch nur einer erhielt den Ruhm. Hier erfährst du, was wirklich passierte.

Warum war die Diphtherie-Epidemie 1925 so tödlich?

Die Diphtherie traf Nome mit voller Wucht. Die indigene Bevölkerung hatte keine natürliche Immunität – ihre Körper kannten diese europäische Krankheit nicht. Dr. Curtis Welch, der einzige Arzt der Stadt, sah hilflos zu, wie Kinder innerhalb von Stunden starben.

Das Problem: Das einzig verfügbare Antitoxin war bereits fünf Jahre alt und damit fast wirkungslos. Frisches Serum lagerte in Anchorage und Seattle – aber wie sollte es nach Nome kommen? Flugzeuge konnten bei −40 °C nicht starten. Schiffe waren im Eis eingefroren.

Blieb nur der Hundeschlitten. Normalerweise benötigte die Post 25 Tage für die Strecke von Nenana nach Nome. Die Kinder in Nome hatten keine 25 Tage.

Welche Rolle spielte Togo wirklich bei der Serum-Staffel?

Hier beginnt Togos wahre Geschichte – und sie übertrifft vieles, was das Kino je daraus gemacht hat. Leonard Seppala startete am 28. Januar 1925 mit seinem 12-jährigen Leithund Togo von Nome aus. Ihr Auftrag: dem entgegenkommenden Staffelläufer entgegenfahren und das Serum übernehmen.

Was niemand erwartete: Seppala fuhr 170 Meilen bis nach Shaktoolik – weit über den ursprünglichen Plan hinaus. Dann drehte er um und brachte das Serum zurück nach Golovin. Insgesamt 264 Meilen in drei Tagen, bei Temperaturen um −30 °C und Windgeschwindigkeiten von 65 km/h.

Das Gefährlichste kam auf der Norton Sound. Seppala entschied sich, über das zugefrorene Meer abzukürzen – 20 Meilen über dünnes Eis. Das Eis knackte bereits unter den Pfoten, aber Togo führte das Gespann sicher hinüber. Ein falscher Schritt hätte alle das Leben gekostet.

Was machte Balto zum berühmteren der beiden Hunde?

Gunnar Kaasen übernahm das Serum von Seppala in Golovin. Seine ursprüngliche Route: 53 Meilen bis Port Safety, wo Ed Rohn den letzten Abschnitt übernehmen sollte. Doch Kaasen fand Rohn schlafend vor – und entschied spontan, selbst bis Nome weiterzufahren.

Am 2. Februar um 5:30 Uhr erreichte Balto die Front Street von Nome. Die Journalisten warteten bereits. Kameras klickten, Schlagzeilen entstanden: „Balto rettet Nome!“ Der schwarze Siberian Husky wurde über Nacht berühmt.

Togo hingegen war bereits zu Hause bei Seppala. Keine Kameras, keine Schlagzeilen. Nur ein erschöpfter 12-jähriger Hund, der gerade die Leistung seines Lebens vollbracht hatte.

Welche Eigenschaften machen Siberian Huskies zu Ausdauerwundern?

Beide Hunde waren Siberian Huskies – aber was macht diese Rasse so aussergewöhnlich ausdauernd? Ihr Stoffwechsel kann zwischen Kohlenhydrat- und Fettverbrennung umschalten, während sie laufen. Das ermöglicht mehrtägige Läufe ohne Leistungsabfall.

Ihre Pfoten funktionieren wie natürliche Schneeschuhe: breite Zehen mit dichtem Fell zwischen den Ballen. Die Krallen greifen ins Eis wie Spikes. Bei −40 °C frieren ihre Pfoten nicht ein – die Durchblutung regelt sich automatisch.

Togo war sogar für Husky-Verhältnisse aussergewöhnlich. Mit 48 Pfund deutlich leichter als Balto (etwa 60 Pfund), besass er eine Ausdauer, die Seppala später als „unmöglich“ beschrieb. In seiner Karriere lief Togo schätzungsweise über 5.000 Meilen vor dem Schlitten.

Wie veränderte die Serum-Staffel das Schlittenhundewesen?

Die Serum-Staffel war der letzte grosse Einsatz von Arbeitshunden in Alaska. Nur drei Jahre später flog der Pilot Carl Ben Eielson erstmals Medikamente nach Nome. Das Zeitalter der Luftfracht begann – das der Schlittenhunde endete.

Ausgerechnet als Hundeschlitten als Transportmittel verschwanden, entdeckte Amerika sie als Sport. Der Iditarod Trail Sled Dog Race, seit 1973 jährlich gefahren, folgt der historischen Route der Serum-Staffel.

Moderne Schlittenhunde unterscheiden sich deutlich von Balto und Togo. Heutige Iditarod-Sieger wiegen oft nur 35–45 Pfund – leichter und schneller, aber weniger robust. Die Genetik der Serum-Helden lebt jedoch fort: Viele Zuchtlinien führen auf Togos und Seppalas Hunde zurück.

Wer kam als erster in Nome an?

Balto erreichte Nome als letzter Staffelläufer am 2. Februar 1925 um 5:30 Uhr morgens mit dem rettenden Serum.

Wie alt war Togo während der Serum-Staffel?

Togo war bereits 12 Jahre alt – für einen Schlittenhund fast Rentner-Alter. Seine Leistung war umso bemerkenswerter.

Welcher Hund lief die längste Strecke?

Togo mit 264 Meilen in drei Tagen. Balto lief die letzten 53 Meilen der insgesamt 674 Meilen langen Route.

Existieren heute noch Nachkommen der beiden Hunde?

Von Togo ja – Seppala züchtete mit ihm weiter. Balto wurde nach seiner Berühmtheit kastriert und konnte keine Nachkommen zeugen.

Wo kann man die präparierten Hunde heute sehen?

Balto steht im Cleveland Museum of Natural History, Togo im Iditarod Trail Sled Dog Race Museum in Wasilla, Alaska.