Stosswellentherapie
Die Stosswellentherapie ist ein nicht invasives Behandlungsverfahren, bei dem hochenergetische Schallwellen eingesetzt werden, um Heilungsprozesse bei bestimmten Erkrankungen des Bewegungsapparates des Hundes zu unterstützen.
Inhalt
Viele Hunde entwickeln im Laufe ihres Lebens Probleme am Bewegungsapparat. Arthrose, Sehnenverletzungen oder chronische Lahmheiten verursachen Schmerzen und schränken die Lebensqualität ein. Neben Medikamenten, Operationen und Physiotherapie kommt zunehmend auch die Stosswellentherapie zum Einsatz. Sie soll die körpereigenen Heilungsprozesse anregen und Schmerzen reduzieren, ohne dass ein chirurgischer Eingriff erforderlich ist.
Was ist Stosswellentherapie?
Die Stosswellentherapie ist ein physikalisches Therapieverfahren, das ursprünglich in der Humanmedizin entwickelt wurde. Bekannt wurde es zunächst durch die Behandlung von Nierensteinen. Heute wird die Technik sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin bei verschiedenen Erkrankungen des Bewegungsapparates eingesetzt.
Während der Behandlung erzeugt ein spezielles Gerät kurze, energiereiche Schallwellen. Diese werden gezielt auf die betroffene Körperregion übertragen. Anders als häufig angenommen handelt es sich dabei weder um Strom noch um Laser oder Röntgenstrahlen. Die Therapie arbeitet ausschliesslich mit mechanischen Schallwellen.
In der Tiermedizin kommen hauptsächlich zwei Verfahren zum Einsatz:
Fokussierte Stosswellen, die ihre höchste Energie in einer genau definierten Gewebetiefe entfalten.
Radiale Stosswellen, die ihre Energie eher oberflächlich und fächerförmig abgeben.
Welches Verfahren gewählt wird, richtet sich nach der Erkrankung und dem zu behandelnden Gewebe.
Funktionsweise und Ablauf einer Stosswellentherapie
Die Schallwellen erzeugen im Gewebe einen kontrollierten mechanischen Reiz. Dieser soll verschiedene biologische Prozesse anregen, die an der Heilung beteiligt sind.
Zu den vermuteten Wirkmechanismen gehören:
- Verbesserung der lokalen Durchblutung
- Anregung des Zellstoffwechsels
- Förderung der Neubildung kleiner Blutgefässe
- Aktivierung von Heilungsprozessen in Sehnen, Bändern und Knochen
- Schmerzlinderung durch Veränderungen der Schmerzsignalübertragung
Die genauen biologischen Mechanismen werden weiterhin wissenschaftlich untersucht. Für einige orthopädische Erkrankungen liegen gute Hinweise auf einen therapeutischen Nutzen vor. Für andere Anwendungsgebiete ist die Studienlage derzeit noch begrenzt oder uneinheitlich.
Behandlungsablauf
Vor Beginn erfolgt eine orthopädische Untersuchung, um die betroffene Körperregion möglichst genau zu lokalisieren.
Je nach Körperstelle wird das Fell des Hundes teilweise geschoren, damit die Schallwellen optimal übertragen werden können. Anschliessend wird Kontaktgel aufgetragen und das Behandlungsgerät auf die betroffene Region aufgesetzt.
Eine einzelne Sitzung dauert meist nur wenige Minuten. Je nach Erkrankung werden häufig mehrere Behandlungen im Abstand von einigen Tagen oder Wochen durchgeführt.
Ob eine Sedation notwendig ist, hängt vom Hund und der behandelten Körperregion ab. Viele Hunde tolerieren die Therapie gut, während empfindliche oder schmerzhafte Bereiche eine leichte Sedation sinnvoll machen können.
Wann wird Stosswellentherapie beim Hund eingesetzt?
Die Stosswellentherapie kommt vor allem bei Erkrankungen des Bewegungsapparates zum Einsatz. Sie wird häufig ergänzend zu anderen Behandlungen wie Physiotherapie, Gewichtsmanagement oder Schmerztherapie eingesetzt.
Erkrankungen von Sehnen und Bändern
Sehnen und Bänder heilen aufgrund ihrer vergleichsweise geringen Durchblutung langsam. Die Stosswellentherapie soll die Regeneration unterstützen und kann unter anderem eingesetzt werden bei:
- Sehnenentzzündungen
- Sehnenverletzungen
- Überlastungsschäden
- Bandverletzungen
Gelenkerkrankungen
Bei chronischen Gelenkerkrankungen steht vor allem die Schmerzlinderung und Verbesserung der Beweglichkeit im Vordergrund. Mögliche Einsatzgebiete sind:
- Arthrose
- Chronische Gelenkschmerzen
- Degenerative Veränderungen der Gelenke
Die Therapie kann Beschwerden lindern, beseitigt jedoch nicht die eigentliche Ursache einer Gelenkerkrankung.
Knochenheilung
In bestimmten Fällen wird die Stosswellentherapie eingesetzt, wenn Knochenbrüche verzögert heilen oder die Knochenregeneration unterstützt werden soll.
Ob eine Behandlung sinnvoll ist, muss individuell tierärztlich beurteilt werden.
Muskel- und Faszienbeschwerden
Auch chronische Muskelverspannungen oder schmerzhafte Triggerpunkte können zu den Anwendungsgebieten gehören. Ziel ist es, verspannte Strukturen zu lockern und Schmerzen zu reduzieren.
Nicht jede Erkrankung eignet sich für eine Stosswellentherapie. Welche Behandlung infrage kommt, entscheidet immer der behandelnde Tierarzt nach einer gründlichen Untersuchung.
Vorteile, Risiken, Nebenwirkungen
Die Stosswellentherapie bietet verschiedene Vorteile:
- Sie ist ein nicht-invasiver Eingriff, es ist also keine Operation erforderlich
- Ambulante Durchführung
- Kurze Behandlungsdauer
- Geringe Belastung für den Hund
- Häufig gute Kombination mit Physiotherapie
- Kann je nach Erkrankung den Bedarf an Schmerzmitteln reduzieren
- Unterstützt körpereigene Heilungsprozesse
Der Behandlungserfolg ist jedoch individuell unterschiedlich und hängt von der jeweiligen Erkrankung sowie weiteren Faktoren ab.
Die Stosswellentherapie gilt insgesamt als gut verträglich. Wie bei jeder medizinischen Behandlung können jedoch Nebenwirkungen auftreten.
Möglich sind unter anderem:
- vorübergehende Schmerzen während oder nach der Behandlung
- leichte Schwellungen
- Rötungen der Haut
- kleine Blutergüsse
Diese Beschwerden verschwinden meist innerhalb kurzer Zeit wieder.
Nicht angewendet werden sollte die Therapie:
- im Bereich von Tumoren
- bei offenen Wunden
- über aktiven Wachstumsfugen junger Hunde
- bei bestimmten Gerinnungsstörungen
- in Situationen, in denen der behandelnde Tierarzt Gegenanzeigen feststellt
Für welche Hunde eignet sich Stosswellentherapie?
Grundsätzlich kann die Stosswellentherapie für Hunde unterschiedlichen Alters infrage kommen, sofern eine geeignete Indikation vorliegt.
Besonders häufig wird sie eingesetzt bei:
- Älteren Hunden mit Arthrose
- Sport- und Gebrauchshunden
- Hunden mit Sehnen- oder Bandverletzungen
- Hunden während der Rehabilitation nach orthopädischen Erkrankungen oder Operationen
- Hunden mit chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates
Ob die Therapie geeignet ist, entscheidet stets der behandelnde Tierarzt auf Grundlage der Diagnose und der individuellen Situation des Hundes.
Wie gut die Stosswellentherapie wirkt, lässt sich nicht pauschal vorhersagen. Der Behandlungserfolg hängt unter anderem von der zugrundeliegenden Erkrankung, deren Stadium sowie Alter und Allgemeinzustand des behandelten Hundes ab.
Die Stosswellentherapie ersetzt weder notwendige Operationen noch andere medizinische Massnahmen. Sie ist vielmehr ein Baustein innerhalb eines individuell abgestimmten Behandlungskonzepts.
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