Wiki · Gesundheit & Pflege

Stomatitis

4 Min Lesezeit
Stomatitis Bild: Wikimedia Commons – Stomatitis.jpg von https://www.scientificanimations.com/ · CC BY-SA 4.0
Definition

Stomatitis bezeichnet eine EntzĂŒndung der SchleimhĂ€ute in der Maulhöhle, die mit Rötungen, Schwellungen, Schmerzen, Schleimhautulzerationen, vermehrtem Speichelfluss und Fressproblemen einhergehen kann.

Inhalt
  1. Was ist Stomatitis?
  2. Ursachen
  3. Symptome
  4. Diagnose
  5. Behandlung
  6. Prognose und Verlauf

Stomatitis bezeichnet eine EntzĂŒndung der SchleimhĂ€ute in der Maulhöhle. Bei Hunden kann sie unterschiedliche Ursachen haben und mit Rötungen, Schwellungen, Schmerzen, Schleimhautulzerationen, vermehrtem Speichelfluss und Fressproblemen einhergehen.

Eine besondere Form ist die canine chronisch-ulzerative Stomatitis (CCUS), bei der eine fehlgeleitete EntzĂŒndungsreaktion auf Zahnbelag eine wichtige Rolle spielt.

Was ist Stomatitis?

Unter Stomatitis wird eine EntzĂŒndung der Schleimhaut der Maulhöhle verstanden. In der tiermedizinischen Fachliteratur wird der Begriff insbesondere fĂŒr eine weiter verbreitete EntzĂŒndung verwendet, die ĂŒber eine reine ZahnfleischentzĂŒndung (Gingivitis) oder Parodontitis hinausgeht.

Stomatitis kann verschiedene Bereiche der Maulhöhle betreffen und sowohl mit Rötungen und Schwellungen als auch mit Erosionen oder schmerzhaften GeschwĂŒren einhergehen. Je nach Ursache kann sie akut oder chronisch verlaufen.

Eine wichtige Erkrankung beim Hund ist die canine chronisch-ulzerative Stomatitis (CCUS). Sie ist durch schmerzhafte EntzĂŒndungen und GeschwĂŒre der Maulschleimhaut gekennzeichnet. HĂ€ufig entstehen die VerĂ€nderungen dort, wo die Schleimhaut an die OberflĂ€chen bestimmter ZĂ€hne anliegt. Diese sogenannten Kontaktulzera werden auch als „Kissing Lesions“ bezeichnet.

Ursachen

Stomatitis kann durch unterschiedliche lokale oder systemische Faktoren ausgelöst oder begĂŒnstigt werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Zahnbelag und Parodontitis
  • immunvermittelte EntzĂŒndungsreaktionen
  • bakterielle, virale oder selten auch Pilzinfektionen
  • Verletzungen und Fremdkörper
  • chemische Reize und VerĂ€tzungen
  • Verbrennungen, beispielsweise durch elektrischen Strom
  • Stoffwechselerkrankungen
  • bestimmte Medikamente oder eine Immunsuppression
  • Tumorerkrankungen

Bei der caninen chronisch-ulzerativen Stomatitis wird eine immunvermittelte Fehlregulation der EntzĂŒndungsreaktion auf Zahnbelag als wichtiger Mechanismus angesehen. Dabei handelt es sich nach heutigem Kenntnisstand nicht um eine klassische Autoimmunerkrankung. Autoantikörper, wie sie fĂŒr bestimmte Autoimmunerkrankungen typisch sind, werden bei CCUS nicht regelmĂ€ssig nachgewiesen.

Eine Pilzstomatitis durch Candida albicans ist bei Hunden dagegen selten und tritt vor allem in Verbindung mit anderen Erkrankungen, einer lÀngerfristigen Antibiotikabehandlung oder einer geschwÀchten Immunabwehr auf.

Symptome

Die Beschwerden hĂ€ngen von Ursache und Ausmass der EntzĂŒndung ab. Typische Anzeichen sind:

  • gerötete oder geschwollene Maulschleimhaut
  • schmerzhafte SchleimhautverĂ€nderungen oder GeschwĂŒre
  • starker Speichelfluss
  • blutbeimengter Speichel
  • Mundgeruch
  • Schwierigkeiten beim Aufnehmen und Kauen von Futter
  • Abwehr oder Schmerzen bei der Untersuchung des Mauls
  • verminderte Futteraufnahme bis hin zur Futterverweigerung
  • Gewichtsverlust bei lĂ€nger anhaltenden oder schweren VerlĂ€ufen

Bei der caninen chronisch-ulzerativen Stomatitis treten hĂ€ufig ausgeprĂ€gte ZahnfleischentzĂŒndungen, ZahnfleischrĂŒckgang und schmerzhafte GeschwĂŒre an den KontaktflĂ€chen zwischen Schleimhaut und ZĂ€hnen auf. Besonders hĂ€ufig sind die Schleimhaut an der Innenseite der Oberlippe und der Wangen im Bereich der oberen EckzĂ€hne und der grossen BackenzĂ€hne betroffen.

Diagnose

Die Diagnose beginnt mit einer grĂŒndlichen Untersuchung der Maulhöhle. Dabei werden ZĂ€hne, Zahnfleisch, Zunge und ĂŒbrige SchleimhĂ€ute beurteilt.

Da Ă€hnliche VerĂ€nderungen auch bei anderen Erkrankungen auftreten können, mĂŒssen je nach Befund weitere Ursachen ausgeschlossen werden. Dazu können Blutuntersuchungen, bildgebende Untersuchungen und eine Gewebeprobe (Biopsie) gehören.

Eine Biopsie kann insbesondere bei ausgeprÀgten oder unklaren SchleimhautverÀnderungen sinnvoll sein, um beispielsweise immunvermittelte Erkrankungen, bestimmte Infektionen oder Tumorerkrankungen voneinander abzugrenzen.

Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. GrundsĂ€tzlich stehen die Kontrolle der EntzĂŒndung, die Linderung der Schmerzen und die Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung im Vordergrund.

Bei der caninen chronisch-ulzerativen Stomatitis ist eine konsequente Kontrolle von Zahnbelag besonders wichtig. Dazu gehören eine professionelle Zahnreinigung und, abhÀngig vom Zustand der ZÀhne und des Zahnhalteapparats, die Entfernung erkrankter ZÀhne. Auch eine regelmÀssige Zahnpflege zu Hause kann Bestandteil der Behandlung sein.

Bei ausgeprĂ€gten Kontaktulzera können auch ZĂ€hne entfernt werden, deren OberflĂ€chen die betroffene Schleimhaut stĂ€ndig reizen. Eine Zahnextraktion fĂŒhrt jedoch nicht in jedem Fall zu einer vollstĂ€ndigen Heilung, da sich Zahnbelag auch auf anderen OberflĂ€chen der Maulhöhle bildet und die EntzĂŒndungsreaktion weiterhin auslösen kann.

ZusÀtzlich können je nach Erkrankung und Befund eingesetzt werden:

  • schmerzlindernde Medikamente
  • entzĂŒndungshemmende oder immunmodulierende Medikamente
  • lokal anzuwendende antiseptische PrĂ€parate, beispielsweise Chlorhexidin
  • Antibiotika bei entsprechender bakterieller Beteiligung oder Indikation
  • spezielle Behandlungen bei Pilz- oder anderen Infektionen

Antibiotika sind daher nicht grundsĂ€tzlich bei jeder Stomatitis erforderlich. Auch Amoxicillin-ClavulansĂ€ure kann nicht pauschal als „Goldstandard“ fĂŒr Stomatitis bezeichnet werden. Die Auswahl einer antimikrobiellen Behandlung richtet sich nach Ursache, Befund und klinischer Situation.

Bei schweren chronischen VerlĂ€ufen der CCUS können immunmodulierende Therapien erforderlich sein. Die Behandlung kann sich ĂŒber lĂ€ngere Zeit erstrecken und muss individuell angepasst werden.

Prognose und Verlauf

Der Verlauf hĂ€ngt wesentlich von der Ursache und vom Schweregrad ab. Akute EntzĂŒndungen können nach Beseitigung des auslösenden Faktors wieder abheilen. Chronische oder immunvermittelte Formen können dagegen ĂŒber lĂ€ngere Zeit bestehen bleiben und RĂŒckfĂ€lle zeigen.

Bei CCUS lĂ€sst sich die EntzĂŒndung durch konsequente Plaquekontrolle und gegebenenfalls Zahnextraktionen bei einem Teil der betroffenen Hunde deutlich reduzieren. Eine vollstĂ€ndige Heilung ist jedoch nicht in jedem Fall möglich. Auch nach umfangreichen Zahnextraktionen können weiterhin SchleimhautverĂ€nderungen auftreten.

Eine allgemeingĂŒltige Heilungsdauer oder RĂŒckfallquote lĂ€sst sich deshalb nicht angeben. Sie hĂ€ngt unter anderem von der zugrunde liegenden Erkrankung, dem Ausmass der SchleimhautverĂ€nderungen und dem Ansprechen auf die Behandlung ab.