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Menstruationszyklus

5 Min Lesezeit
Menstruationszyklus
Inhalt
  1. Was ist der Läufigkeitszyklus?
  2. Phasen des Läufigkeitszyklus
  3. Hormonelle Veränderungen während des Zyklus
  4. Unterschiede zur menschlichen Menstruation
  5. Anzeichen einer Läufigkeit
  6. Umgang mit einer läufigen Hündin
  7. Läufigkeit und Kastration

Hunde haben keinen Menstruationszyklus wie wir Menschen – sie durchlaufen stattdessen einen Läufigkeitszyklus, der in der Fachliteratur auch Östruszyklus heisst. Während der Läufigkeit – im Volksmund oft „Hitze“ oder „Brunst“ genannt – ist die Hündin fruchtbar und kann trächtig werden. Der entscheidende Unterschied zur menschlichen Menstruation: Der Zyklus läuft nicht monatlich ab, sondern in deutlich längeren Abständen, und die hormonellen Abläufe dahinter sind grundlegend anders.

Was ist der Läufigkeitszyklus?

Der Läufigkeitszyklus steuert das gesamte Fortpflanzungsgeschehen der Hündin. Er setzt ein, sobald sie geschlechtsreif wird – bei den meisten Hündinnen irgendwann zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat. Kleine Rassen sind oft früh dran, grosse Rassen lassen sich Zeit: Bei einem Irischen Wolfshund oder einer Deutschen Dogge kann die erste Läufigkeit durchaus erst mit 18 bis 24 Monaten auftreten. Danach wiederholt sich der Zyklus im Schnitt alle sechs Monate – wobei Rasse und individuelle Veranlagung erheblich variieren können.

Phasen des Läufigkeitszyklus

Der Zyklus gliedert sich in vier aufeinanderfolgende Phasen, die fliessend ineinander übergehen:

Proöstrus

Der Proöstrus eröffnet den Zyklus und dauert typischerweise 7 bis 10 Tage. Der Körper der Hündin bereitet sich auf die Fortpflanzung vor – noch ist sie aber nicht paarungsbereit.

  • Erstes sichtbares Zeichen ist meist ein blutiger Vaginalausfluss.
  • Die Vulva schwillt spürbar an.
  • Rüden werden auf die Hündin aufmerksam und folgen ihr; sie selbst lässt das Decken jedoch noch nicht zu.
  • Viele Hündinnen wirken in dieser Phase unruhiger und urinieren häufiger als sonst.

Östrus

Im Östrus ist die Hündin fruchtbar und deckbereit. Diese Phase kann 5 bis 14 Tage andauern; in diesem Fenster findet der Eisprung statt. Das Verhalten ändert sich deutlich – sowohl bei der Hündin als auch bei Rüden in der Nähe.

  • Der Vaginalausfluss wird heller und wässriger.
  • Die Hündin akzeptiert jetzt das Decken durch den Rüden.
  • Oft sucht sie aktiv Kontakt zu Rüden und zeigt ein deutlich verändertes, aufmerksameres Verhalten.

Metöstrus (Diöstrus)

Nach dem Östrus folgt der Metöstrus (auch Diöstrus genannt), der rund 60 bis 90 Tage dauert. Der Körper der Hündin schaltet nun in einen anderen Modus: Entweder trägt er eine Trächtigkeit aus, oder er kehrt – ohne Befruchtung – in den Normalzustand zurück.

  • Der Ausfluss hört auf, die Schwellung der Vulva klingt ab.
  • Rüden interessieren sich nicht mehr für die Hündin; sie selbst zeigt keinerlei Paarungsbereitschaft.
  • Bei eingetretener Trächtigkeit entwickelt sich der Fötus nun in der Gebärmutter.

Anöstrus

Der Anöstrus ist die Ruhephase – eine Art hormoneller Winterschlaf, in dem keine Fortpflanzungsaktivität stattfindet. Sie dauert ungefähr 4 bis 6 Monate, bevor der Zyklus von vorne beginnt.

  • Äusserlich sind keinerlei Zeichen von Läufigkeit erkennbar.
  • Die Hündin erholt sich und ihr Körper bereitet sich still auf den nächsten Zyklus vor.

Hormonelle Veränderungen während des Zyklus

Hinter den sichtbaren Phasen steckt ein präzises hormonelles Zusammenspiel:

  • Östrogen: Der Östrogenspiegel steigt im Proöstrus an und erreicht seinen Höhepunkt kurz vor dem Östrus – das ist das Signal für die einsetzende Fruchtbarkeit.
  • Luteinisierendes Hormon (LH): Ein plötzlicher LH-Anstieg löst den Eisprung aus, der im Östrus stattfindet.
  • Progesteron: Dieses Hormon dominiert den Metöstrus – unabhängig davon, ob eine Befruchtung stattgefunden hat. Es bereitet die Gebärmutter auf die mögliche Aufnahme von Embryonen vor.

Unterschiede zur menschlichen Menstruation

Die Unterschiede zum menschlichen Menstruationszyklus sind grösser, als viele auf den ersten Blick vermuten:

  • Blutiger Ausfluss: Beim Menschen tritt Blutung während der Menstruation auf, weil die Gebärmutterschleimhaut abgestossen wird. Bei der Hündin erscheint der blutige Ausfluss im Proöstrus – also vor der eigentlichen Fruchtbarkeitsphase – und kündigt an, dass die Läufigkeit bevorsteht.
  • Zyklusfrequenz: Der menschliche Zyklus kehrt alle rund 28 Tage wieder; der Läufigkeitszyklus der Hündin tritt nur etwa alle 6 bis 12 Monate auf.
  • Fruchtbarkeit: Frauen können innerhalb eines bestimmten Zeitfensters ihres Zyklus schwanger werden. Bei der Hündin ist dieses Fenster auf den Östrus begrenzt – ein Zeitraum von oft nur wenigen Tagen.

Anzeichen einer Läufigkeit

Wer seine Hündin gut kennt, bemerkt die Läufigkeit meistens früh. Typische Signale sind:

  • Blutiger Ausfluss: Das erste sichtbare Zeichen, das im Proöstrus auftritt.
  • Geschwollene Vulva: Die Schwellung ist oft schon auf den ersten Blick erkennbar.
  • Verändertes Verhalten: Viele Hündinnen werden unruhiger, urinieren öfter und zeigen sprunghaft mehr Interesse an Rüden.
  • Paarungsbereitschaft: Im Östrus legt die Hündin den Schwanz aktiv zur Seite – ein klares Signal an Rüden, dass sie deckbereit ist.

Umgang mit einer läufigen Hündin

Eine läufige Hündin braucht etwas mehr Aufmerksamkeit und Begleitung als sonst. Wer ungewollte Trächtigkeiten vermeiden möchte, sollte folgendes im Blick haben:

  • Überwachung: Hündinnen sollten in dieser Zeit engmaschig beaufsichtigt werden – unbeaufsichtigte Begegnungen mit Rüden können schnell zu ungewollten Paarungen führen.
  • Hygiene: Bei starkem Ausfluss können spezielle Hundeschutzhosen praktisch sein, damit es zu Hause keine Flecken gibt.
  • Sicherheit beim Spaziergang: Immer an der Leine gehen – Rüden reagieren auf den Geruch einer läufigen Hündin extrem sensibel und können von weitem angelockt werden.

Läufigkeit und Kastration

Wer den Läufigkeitszyklus dauerhaft unterbinden möchte, kann eine Kastration (Entfernung der Eierstöcke) in Betracht ziehen. Dieser Eingriff beseitigt nicht nur unerwünschte Trächtigkeiten, sondern kann auch das Risiko bestimmter Erkrankungen – etwa Gebärmutterentzündungen (Pyometra) oder Mammatumoren – deutlich senken. Viele Tierärzte empfehlen die Kastration vor der ersten Läufigkeit; sie ist aber auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich und sinnvoll.