Wiki · Gesundheit & Pflege

Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome (BOAS)

Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome (BOAS) ist eine Gruppe von Atemwegserkrankungen, die bei Hunderassen mit kurzen Köpfen und flachen Gesichtern vorkommen und die Luftzufuhr behindern.

5 Min Lesezeit
Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome (BOAS)
Inhalt
  1. Was ist BOAS?
  2. Symptome von BOAS
  3. Diagnose
  4. Behandlung und Management
  5. Wann ist eine Operation sinnvoll?
  6. Was können Halter im Alltag beachten?

Das Brachycephalic Obstructive Airway Syndrome (BOAS) ist eine Gruppe von Atemwegserkrankungen, die bei Hunderassen mit kurzen Köpfen und flachen Gesichtern (brachycephale Rassen) vorkommen.

Diese anatomischen Merkmale können zu erheblichen gesundheitlichen Problemen führen, da die verkürzten Schädel und die Überfüllung der Atemwegsstrukturen die Luftzufuhr behindern.

Was ist BOAS?

BOAS beschreibt eine Reihe von Atemwegsanomalien, die zusammenwirken und die Atemfunktion beeinträchtigen. Die häufigsten Anomalien bei Hunden mit BOAS umfassen:

  • Stenotische Nase: Verengte Nasenlöcher, die den Luftdurchfluss behindern.
  • Verlängerter Weicher Gaumen: Ein zu langer weicher Gaumen kann den Eingang zur Luftröhre teilweise blockieren.
  • Hypoplastische Trachea: Eine unterentwickelte Trachea, die zu eng ist und die Atmung erschwert.
  • Everted Laryngeal Saccules: Umgestülpte Kehlsäcke, die bei starkem Atmen in den Kehlkopf gezogen werden können und den Luftstrom blockieren.

Symptome von BOAS

Die Symptome von BOAS können je nach Schweregrad der Atemwegsobstruktion variieren, beinhalten jedoch typischerweise:

  • Lautes Atmen oder Schnarchen
  • Atemnot, insbesondere bei Anstrengung oder Erregung
  • Anstrengende und erschwerte Atmung (Dyspnoe)
  • Hecheln
  • Schluckauf oder Gurgeln
  • Kollaps nach Anstrengung
  • Hitzeintoleranz

Diagnose

Die Diagnose von BOAS basiert auf einer Kombination von klinischen Symptomen, Rassemerkmalen, körperlicher Untersuchung und manchmal weiterführenden Untersuchungen wie Röntgenaufnahmen, Computertomographie (CT) und eine Endoskopische Untersuchung der Atemwege.

Behandlung und Management

BOAS ist eine chronische Erkrankung, die nicht allein durch Medikamente behandelt werden kann. Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Atemwegsverengung, den individuellen anatomischen Veränderungen und möglichen Begleiterkrankungen.

Ziel ist es, die Atmung zu erleichtern, Überlastung und Überhitzung zu vermeiden und die Lebensqualität des Hundes zu verbessern.

Gewichtsmanagement und angepasste Bewegung

Ein gesundes Körpergewicht ist ein wichtiger Bestandteil des BOAS-Managements. Übergewicht kann die Atemarbeit zusätzlich erhöhen und die Belastbarkeit weiter einschränken. Bei übergewichtigen Hunden kann eine kontrollierte Gewichtsreduktion deshalb die Atmung und Belastbarkeit verbessern.

Bewegung bleibt grundsätzlich wichtig, sollte aber an die individuelle Belastbarkeit angepasst werden. Kurze, moderate Spaziergänge können besser geeignet sein als lange oder intensive Belastungen.

Entscheidend ist, dass der Hund nicht bis zur deutlichen Atemnot belastet wird. Starkes Hecheln, zunehmende Atemgeräusche, verlangsamtes Tempo, häufiges Stehenbleiben oder eine verlängerte Erholungszeit sind Hinweise darauf, dass die Belastung zu hoch war.

Besondere Vorsicht ist bei warmem und feuchtem Wetter erforderlich. Brachycephale Hunde können ihre Körpertemperatur durch Hecheln weniger effektiv regulieren und haben deshalb ein erhöhtes Risiko für Überhitzung und Hitzschlag. Spaziergänge sollten bei hohen Temperaturen auf die kühleren Tageszeiten verlegt werden. Auch intensive Bewegung, Stress und längere Aufenthalte in schlecht belüfteten oder aufgeheizten Räumen sollten vermieden werden.

Medikamente und Behandlung von Begleiterkrankungen

Medikamente können je nach Situation unterstützend eingesetzt werden. Bei akuter Atemnot kann eine tierärztliche Notfallbehandlung mit Sauerstoff, Kühlung und geeigneten Medikamenten erforderlich sein.

Medikamente können die zugrunde liegende anatomische Verengung jedoch nicht beseitigen. Eine dauerhafte medikamentöse Behandlung ersetzt deshalb bei einer ausgeprägten Atemwegsobstruktion keine geeignete chirurgische Therapie.

Bei BOAS treten ausserdem vergleichsweise häufig Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes auf. Dazu gehören beispielsweise Reflux, Regurgitation, Entzündungen der Speiseröhre oder ein Hiatushernie, bei der sich ein Teil des Magens durch die Öffnung im Zwerchfell in Richtung Brustraum verlagert. Solche Begleiterkrankungen sollten gezielt untersucht und behandelt werden. Je nach Befund können unter anderem kleinere und häufigere Mahlzeiten, Medikamente zur Verringerung der Magensäure oder zur Unterstützung der Magenentleerung eingesetzt werden.

Chirurgische Behandlung

Bei Hunden mit deutlichen Atemwegsproblemen kann eine Operation die wichtigste Behandlungsmöglichkeit sein. Ziel ist es, anatomische Engstellen zu beseitigen oder zu reduzieren und dadurch den Luftstrom zu verbessern.

Welche Eingriffe erforderlich sind, hängt von den individuellen Veränderungen ab. Häufig werden verengte Nasenöffnungen erweitert und ein verlängerter oder verdickter weicher Gaumen gekürzt beziehungsweise korrigiert. Bei manchen Hunden müssen zusätzlich weitere Bereiche des Rachens oder Kehlkopfes behandelt werden.

Eine Operation kann die Atmung und Belastbarkeit deutlich verbessern, ist aber keine Garantie dafür, dass sämtliche Beschwerden verschwinden. Bereits entstandene Veränderungen der Atemwege können dauerhaft bestehen bleiben.

Zudem bringt eine Operation an den Atemwegen brachycephaler Hunde besondere Narkose- und Nachsorgerisiken mit sich. Die Atemwege können nach dem Eingriff anschwellen, weshalb eine sorgfältige Überwachung in der unmittelbaren Erholungsphase wichtig ist.

Wann ist eine Operation sinnvoll?

Schnarchen oder andere Atemgeräusche sollten nicht als normale Eigenschaft einer brachycephalen Rasse abgetan werden. Ob eine Operation empfohlen wird, hängt also nicht allein davon ab, wie laut ein Hund atmet. Entscheidend sind unter anderem Atemarbeit, Belastbarkeit, Erholungszeit nach Bewegung, Hitzeempfindlichkeit und das Auftreten von Atemnot.

Eine frühzeitige Beurteilung kann sinnvoll sein, bevor sich sekundäre Veränderungen der Atemwege entwickeln. Durch den chronisch erhöhten Atemwiderstand können sich beispielsweise weitere Veränderungen im Bereich des Kehlkopfes entwickeln, die die Atemwege zusätzlich verengen.

Die Behandlung möglichst früh im Krankheitsverlauf kann deshalb dazu beitragen, eine weitere Verschlechterung zu begrenzen.

Was können Halter im Alltag beachten?

Auch nach einer ggf. erfolgten Operation bleibt ein angepasstes Management wichtig. Ein gesundes Körpergewicht, angemessene Bewegung und konsequenter Hitzeschutz gehören dauerhaft dazu. Auch Stress und Situationen, in denen der Hund stark hecheln muss, sollten möglichst vermieden werden.

Ein Brustgeschirr statt eines Halsbandes kann sinnvoll sein, weil so zusätzlicher Druck auf den Hals vermieden wird.

Bei einem Hund mit ausgeprägtem BOAS sollte ausserdem bekannt sein, welche Anzeichen auf eine beginnende Atemkrise hindeuten. Dazu gehören stark erschwerte Atmung, bläuliche oder graue Schleimhäute, ausgeprägte Schwäche oder eine ungewöhnlich lange Erholungszeit nach Belastung.

Eine akute Atemnot ist ein tierärztlicher Notfall. Der Hund sollte möglichst ruhig gehalten und aus der Hitze gebracht werden. Eine schnelle tierärztliche Versorgung ist erforderlich.

BOAS lässt sich nicht auf eine einzelne Behandlung reduzieren. Bei milden Fällen können konsequentes Gewichts-, Belastungs- und Hitzemanagement sowie die Behandlung von Begleiterkrankungen im Vordergrund stehen. Bei ausgeprägter Atemwegsobstruktion kann eine chirurgische Korrektur notwendig werden. Die langfristige Betreuung sollte sich immer am individuellen Krankheitsbild orientieren.