Gesundheit & Pflege

BOAS Operationen: Diese chirurgischen Eingriffe gibt es für brachyzephale Hunde

6 Min Lesezeit
BOAS Operationen: Diese chirurgischen Eingriffe gibt es für brachyzephale Hunde
Inhalt
  1. Vorwort: Wie entsteht BOAS?
  2. BOAS Operation: Rhinoplastik (Erweiterung der Nasenlöcher)
  3. BOAS Operation: Palatoplastik (Kürzung des Gaumensegels)
  4. BOAS Operation: Laser-assistierte Turbinektomie (Reduktion der Nasenmuscheln)
  5. BOAS Operation: Tonsillektomie (Entfernung der Mandeln)
  6. BOAS Operation: Glossopalatoplastik (Gewebereduktion am Zungengrund)
  7. BOAS Operation: Larynx- & Tracheal-Plastiken & Stabilisierung (Kehlkopf & Luftröhre)
  8. BOAS Operation: Ventriculectomie (Gewebereduktion der Stimmtaschen)

Kurzköpfige Hunde- und Katzenrassen haben es nicht leicht – Atemprobleme gehören bei ihnen oft zum Alltag, direkt eingezüchtet durch den Wunsch nach immer flacheren Schnauzen. Das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom, kurz BOAS, kann die Lebensqualität eines Tieres erheblich einschränken. Chirurgische Eingriffe – sogenannte BOAS-Operationen – sollen Engstellen beseitigen und den Atemwiderstand senken. Welche es gibt, wann sie sinnvoll sind und worauf Tierhalter achten sollten: hier ein Überblick.

Vorwort: Wie entsteht BOAS?

Das brachyzephale obstruktive Atemwegssyndrom (BOAS) entsteht, weil die inneren Strukturen des Kopfes – Nasenlöcher, Gaumensegel, Zunge – schlicht zu gross für den verkürzten Schädel sind. Das Ergebnis: verengte Atemwege, erhöhter Widerstand beim Atmen, und Tiere, die schnarchen, röcheln, würgen oder bei geringster Belastung aus der Puste kommen.

Wie kam es dazu? Seit Jahrzehnten züchten Liebhaber von Möpsen, Französischen Bulldoggen oder Englischen Bulldoggen gezielt auf das sogenannte „Kindchenschema“: kurze Schnauze, runde Augen, flaches Gesicht. Merkmale, die viele Menschen schlicht niedlich finden. Das Problem: Durch diese Zuchtwahl entstehen anatomische Missverhältnisse. Nase, Nasenmuscheln, Gaumensegel, Zunge, Kehlkopf und Luftröhre sind für einen normalen Schädelaufbau ausgelegt – nicht für einen, der auf Knopfdruck verkürzt wurde.

Leider ändert sich daran wenig, solange die Nachfrage bleibt. Menschen kaufen, was niedlich wirkt – auch wenn es für das Tier gesundheitliche Konsequenzen hat.

Kampagnen wie „Frei Schnauze“ oder das Qualzucht-Evidenz-Netzwerk (QUEN) leisten wichtige Aufklärungsarbeit. Die Beliebtheit dieser Rassen bleibt dennoch ungebrochen hoch.

Für die betroffenen Tiere bedeutet das: Atemprobleme, Hitzeempfindlichkeit und weitere Folgeerscheinungen sind oft von Geburt an da. Genau deshalb werden früher oder später bei vielen chirurgische Eingriffe zum Thema.

BOAS Operation: Rhinoplastik (Erweiterung der Nasenlöcher)

Viele kurzköpfige Hunde haben so enge Nasenlöcher, dass schlicht zu wenig Luft durchkommt. Die Rhinoplastik formt den knorpeligen Teil der Nasenlöcher neu – das Ziel: mehr Öffnung, mehr Luft.

Empfohlen wird der Eingriff, wenn die Nasenlöcher deutlich verengt sind und das Tier bereits Atemgeräusche, Überhitzung beim Hecheln oder Schwierigkeiten bei Belastung zeigt.

Ablauf: Kleine Schnitte im Bereich der Nasenlöcher erlauben es dem Chirurgen, den Knorpel zu modellieren und die Öffnung zu vergrössern. Gearbeitet wird entweder konventionell mit dem Skalpell oder schonender mit dem Laser. Letzteres reduziert Blutungen, mindert Schwellungen und verkürzt die Heilungszeit spürbar. Nach dem Eingriff werden die Nasenlöcher regelmässig kontrolliert, bis alles verheilt ist.

Schweregrad & Risiken: Verglichen mit anderen BOAS-Eingriffen ist die Rhinoplastik eher auf der milden Seite. Leichte Schwellungen oder Nachblutungen können vorkommen, eine engmaschige Nachsorge ist trotzdem nötig.

BOAS Operation: Palatoplastik (Kürzung des Gaumensegels)

Das Gaumensegel – weiches Gewebe im Rachen – lässt beim Atmen normalerweise genug Luft passieren. Bei brachyzephalen Tieren ist es häufig zu lang oder zu wulstig, blockiert den Atemweg und macht jeden Atemzug zur kleinen Anstrengung. Die Palatoplastik entfernt dieses überschüssige Gewebe.

Sinnvoll ist sie, wenn das Tier trotz erweiterter Nasenlöcher weiterhin röchelt, würgt oder schnell an seine Belastungsgrenze stösst.

Ablauf: Das überschüssige Gaumensegel wird chirurgisch abgetragen, das verbleibende Gewebe so geformt, dass die Atemwege frei bleiben. Laserchirurgie kann die Blutung reduzieren und die Heilung beschleunigen. Danach wird der Rachenbereich überwacht, bis Schwellungen abgeklungen und der Luftfluss stabil sind.

Schweregrad & Risiken: Aufwendiger als die Rhinoplastik – und mit einem höheren Narkoserisiko verbunden. Schwellungen, Infektionen oder vorübergehende Schluckprobleme können im Nachgang auftreten.

BOAS Operation: Laser-assistierte Turbinektomie (Reduktion der Nasenmuscheln)

Die Nasenmuscheln – knorpelige Strukturen innerhalb der Nasengänge – filtern und befeuchten die Atemluft. Bei Kurzköpfen sind sie oft zu gross oder ungünstig geformt, blockieren den Luftstrom und erschweren so die Atmung weiter. Die Laser-assistierte Turbinektomie verkleinert dieses Gewebe gezielt.

Kommt ein Tier trotz Rhinoplastik weiterhin nicht richtig Luft, oder sind die Nasenmuscheln zusätzlich verengt, kann dieser Eingriff einen echten Unterschied machen.

Ablauf: Mit dem Laser wird das Gewebe der Nasenmuscheln Schritt für Schritt reduziert. Die Technik hält Blutungen gering und mindert postoperative Schwellungen. In der Regel bleiben die Tiere noch einige Stunden nach dem Eingriff zur Überwachung in der Klinik, um sicherzugehen, dass der Luftstrom ungehindert bleibt.

Schweregrad & Risiken: Ein mittelschwerer Eingriff. Schwellungen, Nachblutungen oder vorübergehende Atembeschwerden sind mögliche Risiken.

BOAS Operation: Tonsillektomie (Entfernung der Mandeln)

Die Tonsillen – also die Mandeln – sind lymphatisches Gewebe im Rachenraum, das zur Immunabwehr gehört. Bei brachyzephalen Hunden können sie vergrössert sein und die ohnehin engen Atemwege zusätzlich einengen. Die Tonsillektomie entfernt dieses Gewebe, damit die Luft freier passieren kann.

Angezeigt ist der Eingriff, wenn Tiere trotz bereits erfolgter Eingriffe wie Rhinoplastik oder Palatoplastik weiterhin würgen, röcheln oder mit Schleimproduktion kämpfen – oder wenn die Mandeln so stark vergrössert sind, dass sie die Atmung spürbar behindern.

Ablauf: Die Tonsillen werden unter Narkose chirurgisch entfernt. Laserchirurgie minimiert dabei Blutungen und erleichtert die Heilung. Nach der OP wird der Rachen auf Schwellungen, Nachblutungen und eine normale Atemfunktion hin beobachtet.

Schweregrad & Risiken: Ein moderater Eingriff – wobei das Narkoserisiko bei brachyzephalen Tieren grundsätzlich erhöht bleibt. Nachblutungen, Schwellungen und vorübergehende Schluckprobleme können vorkommen.

BOAS Operation: Glossopalatoplastik (Gewebereduktion am Zungengrund)

Der Zungengrund liegt ganz hinten im Rachen. Bei manchen Kurzköpfen ist die Zunge schlicht zu gross für die engen Platzverhältnisse – und blockiert damit die Atemwege noch weiter. Eine gezielte Reduktion dieses Bereichs kann die Atmung deutlich erleichtern.

Erwogen wird sie, wenn Tiere trotz Rhinoplastik, Palatoplastik oder Tonsillektomie weiterhin Atembeschwerden haben – besonders beim Schlafen, beim Hecheln oder bei Hitze.

Ablauf: Überschüssiges Gewebe am Zungengrund wird chirurgisch entfernt oder reduziert. Dabei zählt Präzision, denn Funktion und Sensibilität der Zunge müssen erhalten bleiben. Der Laser minimiert Blutungen und postoperative Schwellungen. Eine sorgfältige Nachbeobachtung ist unerlässlich, um freie Atemwege sicherzustellen.

Schweregrad & Risiken: Ein anspruchsvoller Eingriff mit mittlerem bis hohem Risiko. Schwellungen können die Atmung kurzfristig beeinträchtigen, intensive Beobachtung nach der OP ist Pflicht.

BOAS Operation: Larynx- & Tracheal-Plastiken & Stabilisierung (Kehlkopf & Luftröhre)

Bei manchen brachyzephalen Hunden kollabieren Kehlkopf (Larynx) oder Luftröhre (Trachea) – die Strukturen fallen teilweise in sich zusammen und verengen die Atemwege erheblich. Chirurgische Techniken stabilisieren diese Bereiche oder setzen einen Stent ein, damit die Luft wieder ungehindert strömen kann.

Dieser Eingriff kommt bei fortgeschrittenem BOAS oder schwerer Atemnot in Frage, wenn andere Massnahmen nicht mehr ausreichen. Vor allem Tiere mit bereits kollabierten Atemwegen profitieren von einer solchen Stabilisierung.

Ablauf: Je nach Befund wird der Kehlkopf durch Nahttechniken stabilisiert oder ein Stent in die Luftröhre eingesetzt. Diese Operation gehört in erfahrene Hände – die Atemwege sind extrem empfindlich. Die postoperative Überwachung auf Schwellungen, Atemnot und Narkosekomplikationen ist zwingend.

Schweregrad & Risiken: Einer der anspruchsvollsten Eingriffe im Kontext von BOAS – mit entsprechend hohem Risiko. Die Narkose selbst ist für kurzköpfige Hunde kritisch, postoperative Atemnot eine reale Möglichkeit.

BOAS Operation: Ventriculectomie (Gewebereduktion der Stimmtaschen)

Die Stimmtaschen sind kleine, sackartige Strukturen am Kehlkopf, die bei der Stimmbildung eine Rolle spielen. Bei manchen brachyzephalen Hunden sind sie geschwollen oder ausgestülpt – das behindert den Luftstrom und verstärkt Atemgeräusche. Die Resektion entfernt überschüssiges Gewebe und verbessert die Atemwege.

Wenn dieses Gewebe die Luftpassage einschränkt und andere Eingriffe keine ausreichende Erleichterung gebracht haben, kann die Stimmtaschen-Resektion eine sinnvolle Ergänzung sein.

Ablauf: Das überschüssige Gewebe wird unter Narkose entfernt – in aller Regel per Laser, um Blutungen zu minimieren. Danach wird die Atmung überwacht, bis Schwellungen abgeklungen und der Luftfluss wieder stabil ist.

Schweregrad & Risiken: Ein moderater Eingriff. Schwellungen, Infektionen oder vorübergehende Stimmveränderungen können auftreten.

Quellen
  1. Wallace ML et al. (2024): Surgical management of brachycephalic obstructive airway syndrome: An update on options and outcomes. Veterinary Surgery. Wiley/ACVS.
  2. Oechtering GU et al. (2016): A Novel Approach to Brachycephalic Syndrome. 2. Laser-Assisted Turbinectomy (LATE). Veterinary Surgery 45(2):173-181. PMID 26790634.
  3. Oechtering GU et al. (2017): A novel approach to brachycephalic syndrome. 3. Isolated LATE of caudal aberrant turbinates (CAT LATE). PMID 28052420.
  4. Fasanella FJ et al. (2023): Complications and outcome following staphylectomy and folded flap palatoplasty in dogs with BOAS. PubMed PMID 37431947.
  5. JAVMA (2022): Complications, prognostic factors, and outcomes for BOAS dogs – H-pharyngoplasty and ala-vestibuloplasty: 423 cases (2011–2017). AVMA Journals.
  6. PMC9673814 (2022): Brachycephalic obstructive airway syndrome: much more than a surgical problem. BMC/PMC.
  7. Frontiers in Veterinary Science (2025): Prevalence and severity of laryngeal collapse in dogs undergoing BOAS surgery: 80 dogs (2018–2022).
  8. American College of Veterinary Surgeons (ACVS): Brachycephalic Syndrome – Fachverbands-Leitlinie.
  9. Today's Veterinary Practice: Corrective Surgery – Dogs with Brachycephalic Airway Syndrome.
  10. Wallace et al. (2024) – PubMed: Surgical management of BOAS. PMID 38952039.