Training & Erziehung

Welpen beschäftigen: Wie viel und wie richtig?

11 Min Lesezeit
Welpen beschäftigen: Wie viel und wie richtig?
Inhalt
  1. (Warum) Brauchen Welpen überhaupt Beschäftigung?
  2. Wie viel sollte man Welpen beschäftigen?
  3. Ruhe: Fast noch wichtiger als Action
  4. Körperliche Beschäftigung im Welpenalter
  5. Geistige Beschäftigung im Welpenalter
  6. Diese Spiele eignen sich für Welpen
  7. Wie erkenne ich, dass mein Welpe überfordert ist?
  8. Wie verhalte ich mich, wenn mein Welpe ständig beschäftigt werden will?

Beim Welpen beschäftigen gilt nicht „Je mehr, desto besser“. Ein junger Hund braucht neben Spiel, Bewegung und kleinen Lernaufgaben vor allem viel Schlaf und Ruhe. Auch ein ganz normaler Alltag kann bereits eine spannende Beschäftigung sein. Gleichzeitig erlebt ein Welpe jeden Tag unzählige neue Eindrücke. Geräusche, Gerüche, Menschen, andere Hunde und die eigene Umgebung wollen erkundet und verarbeitet werden. Entscheidend ist also nicht, den Welpen möglichst lange auszulasten. Viel wichtiger ist die richtige Mischung aus Entdecken, Lernen, Spielen und Pausen.

(Warum) Brauchen Welpen überhaupt Beschäftigung?

Ein Welpe muss seine Umwelt erst kennenlernen. Neue Geräusche, Gerüche, Menschen, Tiere und Alltagssituationen liefern ständig neue Eindrücke. Gezielte Beschäftigung hilft dabei, diese Umwelt aktiv zu erkunden und erste Erfahrungen zu sammeln.

Auch kleine Lernaufgaben und gemeinsames Spielen haben ihren Platz im Welpenalltag. Der Welpe lernt dabei nicht nur bestimmte Signale, sondern sammelt auch Erfahrungen im Umgang mit seiner Umwelt und mit seinem Menschen. Gleichzeitig bietet passende Beschäftigung eine Möglichkeit, natürliche Bedürfnisse wie Erkunden, Schnüffeln und Spielen auszuleben.

Dabei geht es nicht darum, einen Welpen möglichst schnell möglichst viel beizubringen oder ihn ständig auszulasten. Gerade in den ersten Lebensmonaten gehört auch das Kennenlernen ganz alltäglicher Situationen zur Beschäftigung. Ein Spaziergang durch die Nachbarschaft, eine kurze Trainingseinheit oder das Erkunden einer neuen Umgebung sind bereits ausreichend spannend, wenn der Halter sie entsprechend gestaltet.

Wie viel sollte man Welpen beschäftigen?

Wichtig ist keine „Stoppuhr“, sondern der Welpe selbst. Eine feste Zeitangabe, wie lange ein Welpe täglich zu beschäftigen ist, gibt es nicht. Das hängt unter anderem vom genauen Alter, Entwicklungsstand, Charakter und individuellem Energielevel des Hundes ab.

Trotzdem gibt es ein paar gute Faustregeln: Mehrere kurze Beschäftigungsphasen sind für junge Hunde sinnvoller als eine lange Einheit. Ausreichend Zeit zum Ausruhen und Schlafen sind mindestens genauso wichtig wie die Beschäftigung selbst. Auch die Art der Beschäftigung spielt eine Rolle.

Eine aufregende Spielrunde beansprucht einen Welpen deutlich stärker als ruhiges Schnüffeln, Erkunden und Beobachten seiner Umgebung.

Plane also nicht einfach möglichst viele verschiedene Aktivitäten über den Tag, sondern achte zuerst einmal darauf, wie Dein Welpe auf die jeweilige Beschäftigung reagiert.

Ein Welpe, der nach einer bestimmten Aktivität müde wird, aber noch wichtiger: gut zur Ruhe findet, hat die passende „Dosis“ erlebt. Wird er hingegen noch aufgedrehter, unkonzentriert oder kommt nicht zur Ruhe, ist das ein Zeichen dafür, dass er überfordert wurde.

Ruhe: Fast noch wichtiger als Action

Junge Hunde brauchen besonders viel Schlaf und Erholung, weil sie körperlich und geistig noch mitten in der Entwicklung stecken. Ihre Umwelt liefert ständig neue Eindrücke, deshalb ist ein „ganz normaler Tag“ unter Umständen auch ohne spezielles Programm schon ziemlich anstrengend. Daher gehört Ruhe genauso zur Beschäftigung wie das Spielen und Lernen.

Plane bewusst Ruhephasen ein und lass Deinen Welpen schlafen, wenn er müde ist. Nach aufregenden Erlebnissen oder einer längeren Spiel- und Lernphase sind erholsame Pausen besonders wichtig.

Ein ruhiger Platz, an dem Dein Welpe ungestört schlafen kann, gehört unbedingt zum Alltag.

Dabei bedeutet nicht jede Unruhe, dass Dein Welpe noch mehr Beschäftigung braucht. Manche Welpen werden gerade dann besonders wild, wenn sie eigentlich müde sind (das ist in etwa so wie bei kleinen Kindern, die dann nörgelig werden und trotzdem in der „Ich will aber noch nicht ins Bett gehen!“-Trotzphase feststecken 😉 ).

Wenn aus dem kleinen Energiebündel plötzlich ein völlig aufgedrehter Hund wird, ist deshalb eine Ruhepause sinnvoller sein als direkt die nächste Spielrunde.

Körperliche Beschäftigung im Welpenalter

Welpen dürfen und sollen sich bewegen. Dabei kommt es aber weniger auf eine bestimmte Anzahl von Minuten an als auf die Art der körperlichen Aktivität.

Freies Spielen, Schnüffeln, Erkunden und kurze Spaziergänge sind etwas anderes als ein langer, gleichförmiger Lauf an der Leine.

Ungefähr seit den 70er Jahren kursiert eine seltsame Norm zur Ermittlung der geeigneten Gassi-Dauer für Hunde, die besagt, Welpen dürften pro Lebensmonat maximal 5 Minuten ausgeführt werden. Bei einem 4 Monate alten Welpen wäre also die Rede von einem 20-Minuten-Spaziergang. 20 Minuten gerechnet auf einen ganzen Tag? Das kann doch vorne und hinten nicht passen.

Um es direkt aufzulösen: Diese 5-Minuten-Regel ist veraltet und wurde darüber hinaus nie veterinärmedizinisch belegt. Hier haben wir diesen Mythos einmal explizit aufgelöst: Gassi-Dauer für Hunde und Welpen – Umstrittene Faustregel

Das bedeutet allerdings nicht, dass Welpen unbegrenzt belastet werden sollten. Dass ihre Knochen und Gelenke sich noch in der Entwicklung befinden, ist ein Argument, das sich nicht von der Hand weisen lässt. Vor allem lang andauernde oder intensive Belastungen können problematisch sein.

Entscheidend sind deshalb nicht nur das Alter des Welpen, sondern auch Grösse, Entwicklungsstand, körperliche Voraussetzungen und die konkrete Aktivität.

Diese Aktivitäten sind für Welpen noch nicht geeignet

  • längere Jogging- oder Laufstrecken mit dem Menschen (da zu stossreich und auf hartem Untergrund)
  • regelmässiges Springen aus grösseren Höhen; auch hohe oder wiederholte Sprünge, etwa im Agility
  • Spiele mit ständigem abruptem Stoppen und schnellen Richtungswechseln
  • andere intensive, gleichförmige Belastungen, bei denen der Welpe nicht selbst das Tempo bestimmen kann

Gerade bei grossen und sehr grossen Hunden ist besondere Vorsicht angebracht: Sie wachsen in kurzer Zeit sehr stark und bleiben gleichzeitig länger im Wachstum als kleine Hunde. Ihre Knochen und Gelenke sind deshalb über einen längeren Zeitraum in Entwicklung.

Wann ein Hund körperlich ausgereift ist, lässt sich deshalb nicht allein anhand des Alters bestimmen.

Was stattdessen sinnvoll ist

  • Freies Spiel: Lass Deinen Welpen in sicherer Umgebung selbst entscheiden, wann er rennt, spielt und eine Pause macht.
  • Kurze Spaziergänge: Erkundet gemeinsam die Umgebung, ohne aus jedem Spaziergang eine sportliche Leistung zu machen.
  • Abwechslungsreiche Untergründe: Wiese, Waldwege und andere geeignete weiche Untergründe bieten unterschiedliche Bewegungserfahrungen.
  • Pausen zulassen: Wird Dein Welpe müde oder möchte nicht mehr weiter, ist eine Pause angesagt.
  • Nichts erzwingen: Ein Welpe sollte nicht dazu gebracht werden, länger zu laufen, zu springen oder weiterzuspielen, als es ihm guttut.
  • Auf den einzelnen Hund achten: Alter, Rasse, Grösse, Körperbau und Entwicklungsstand machen einen Unterschied. Bei Unsicherheit oder besonderen körperlichen Voraussetzungen kann die Tierarztpraxis beraten.

Gerade beim Welpen beschäftigen solltest Du nicht versuchen, einfach eine bestimmte Bewegungsdauer abzuhaken. Gib Deinem Welpen Möglichkeiten, sich altersgerecht zu bewegen und beobachte dabei, wie er sich verhält.

Die Dauer ist nur ein Teil der Frage. Was Dein Welpe dabei tut und wie viel Einfluss er auf Tempo und Pausen hat, ist mindestens genauso wichtig.

Geistige Beschäftigung im Welpenalter

Welpen müssen nicht nur ihren Körper bewegen, sondern auch ihren Kopf benutzen. Gerade für einen jungen Hund ist es anstrengend, neue Dinge kennenzulernen, aufmerksam zu bleiben und kleine Aufgaben zu lösen. Geistige Beschäftigung kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung zur körperlichen Bewegung sein.

Du brauchst allerdings kein kompliziertes Beschäftigungsprogramm. Ein paar Schritte an lockerer Leine, ein einfaches Signal, die Suche nach einem Leckerli oder das Erkunden eines neuen Ortes sind bereits kleine Denksportaufgaben. Auch Schnüffeln ist eine Möglichkeit, die Umgebung aktiv zu erkunden und dabei geistig beschäftigt zu sein.

Wichtig ist auch hier die Dosierung. Eine kurze, positive Trainingseinheit reicht völlig aus.

Der Welpe soll neugierig bleiben und Freude am Lernen entwickeln, nicht möglichst viele Aufgaben in möglichst kurzer Zeit absolvieren. Nach einer konzentrierten Einheit darf deshalb wieder Pause sein.

Diese Spiele eignen sich für Welpen

Welpen spielen gern und lernen dabei ganz nebenbei. Dabei muss es nicht immer wild zugehen. Viele Spiele lassen sich so gestalten, dass Dein Welpe sich bewegt, seine Nase einsetzt, kleine Aufgaben löst oder gemeinsam mit Dir Spass hat.

Bei allen Spielen gilt: Der Welpe soll nicht dauerhaft aufgedreht werden. Kurze Spiele mit Pausen sind sinnvoller als eine lange Actionrunde. Und wenn Dein Welpe genug hat, darf das Spiel auch einfach beendet werden.

Zerrspiele: Ein weiches Zerrspielzeug kann ein tolles gemeinsames Spiel sein. Lass Deinen Welpen dabei selbst ziehen und halte die Bewegungen ruhig, ohne ihn hochzuheben oder ruckartig in verschiedene Richtungen zu bewegen.

Suchspiele: Verstecke ein paar Futterstücke oder ein Spielzeug an leicht erreichbaren Stellen und lass Deinen Welpen danach suchen. Mit zunehmender Erfahrung kannst Du die Verstecke etwas schwieriger machen. Ähnlich funktioniert die Leckerli-Suche: Verteile einige Futterstücke in deinem Garten, auf einer übersichtlichen Wiese oder in der Wohnung. Dein Welpe darf sie in seinem eigenen Tempo erschnüffeln.

Apportieren: Viele Welpen holen gerne ein Spielzeug zurück. Für junge Hunde reichen dabei kurze Distanzen völlig aus. Statt das Spielzeug weit zu werfen, kannst Du es zunächst einfach ein paar Schritte von Dir wegrollen.

Verstecken spielen: Geh in der Wohnung oder in einer sicheren Umgebung ein paar Schritte weg und rufe Deinen Welpen zu Dir. So wird ausserdem der Rückruf bereits spielerisch geübt.

Kleine Trainingseinheiten: „Sitz“, „Platz“, Name, Blickkontakt oder ein freiwilliges Herankommen lassen sich in kurze Spiele verpacken. Wenige Wiederholungen reichen völlig aus.

Hindernisse erkunden: Ein umgedrehter Karton, eine niedrige Stufe oder ein Tunnel kann zum Erkunden einladen. Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell darüber oder hindurchzukommen, sondern um eine freiwillige und ruhige Auseinandersetzung mit dem „Hindernis“.

Gemeinsam entdecken: Auch ein Spaziergang kann zum Spiel werden. Lass Deinen Welpen an geeigneten Stellen schnüffeln, verschiedene Untergründe kennenlernen und seine Umgebung in Ruhe erkunden.

In unseren passenden Artikeln findest du noch mehr Infos rund ums Welpenspiel

Wie erkenne ich, dass mein Welpe überfordert ist?

Nicht jeder überforderte Welpe wird einfach nur müde. Im Gegenteil: manche werden immer aktiver und scheinen sich gar nicht mehr zu beruhigen. Dieser Zustand wird allzu oft mit „überschüssiger Energie“ verwechselt.

Beobachte Deinen Welpen nicht nur danach, wie viel Energie er noch zu haben scheint. Gerade scheinbar unendlich viel Energie ist häufig ein Hinweis darauf, dass eigentlich eine Pause nötig wäre.

Achte besonders auf Signale wie:

  • Hektisches Verhalten: Dein Welpe läuft unruhig herum, wechselt ständig zwischen verschiedenen Aktivitäten oder findet nicht mehr ins eigentliche Spiel.
  • Zwicken und Beissen: Er schnappt nach deinen Händen, Kleidung oder Gegenständen um ihn herum.
  • Zu aufgedrehtes Spiel: Aus einem eben noch normalen Spiel wird plötzlich wildes Rasen, Anspringen oder unkontrolliertes Herumtoben.
  • Schlechte Konzentration: Signale, die normalerweise funktionieren, kommen einfach nicht mehr an.
  • Schwierigkeiten beim Einschlafen: Dein Welpe ist müde und findet trotzdem nicht in den Schlaf, steht immer wieder aus dem Körbchen auf oder dreht sich darin umher.
  • Anhaltende Unruhe: Er kommt immer wieder zu dir, fordert Aufmerksamkeit oder läuft einfach ziellos herum.
  • Ungewöhnliches Verhalten: Manche Welpen werden auch einfach „quengelig“ (z.B. Winseln und Fiepen) oder reagieren ungewohnt gereizt (Schnappen nach der Hand, Wegdrehen, Ducken, Verstecken…)

Wie verhalte ich mich, wenn mein Welpe ständig beschäftigt werden will?

Nicht jede Unruhe braucht eine neue Beschäftigung. Ein Welpe muss lernen, dass nicht auf jedes Fiepen, Herumlaufen oder Anstupsen sofort ein Spiel, eine Trainingseinheit oder ein neues Abenteuer folgt.

Ruhe gehört zum normalen Alltag und darf (und muss sogar) deshalb auch einfach stattfinden. Dein Welpe soll lernen, dass nicht ständig etwas passiert und dass es völlig in Ordnung ist, eine Weile nichts zu tun.

Das bedeutet nicht, dass Du seine Bedürfnisse ignorieren sollst. Hunger, Bewegungsdrang, Langeweile oder das Bedürfnis nach Nähe müssen natürlich berücksichtigt werden.

Aber nicht jede kurze Unruhe ist automatisch ein Zeichen dafür, dass sofort wieder Beschäftigung angesagt ist.

Schaffe deshalb bewusst Situationen, in denen Dein Welpe zur Ruhe kommen kann.

Nach einem Spaziergang oder einer kleinen Spieleinheit folgt beispielsweise eine ruhige Phase, in der Du selbst Deinen normalen Tätigkeiten nachgehst. Dein Welpe darf dabei beobachten, schlafen oder einfach in der Nähe liegen.

Gerade am Anfang fällt das  oftmals noch schwer. Manche Welpen müssen erst lernen, dass Ruhe nichts Langweiliges oder Negatives ist. Mit der Zeit wird es aber normaler, sodass nicht jede wache Minute mit einer Aktivität gefüllt wird.

Beim Welpen beschäftigen geht es nicht darum, möglichst viel Programm anzubieten. Ein guter Alltag besteht aus Aktivität und Ruhe, aus gemeinsamen Erlebnissen und ganz normalen, ereignislosen Phasen.

Auch das süsse Nichtstun will gelernt sein 😉 .