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Was sehen Hunde im Dunkeln? – Ein Blick auf die Nachtsicht unserer Vierbeiner

Hunde sehen bei rund fünfmal schwächerem Licht als Menschen. Das Tapetum lucidum gibt dem Licht eine zweite Chance auf der Netzhaut.

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Was sehen Hunde im Dunkeln? – Ein Blick auf die Nachtsicht unserer Vierbeiner
Inhalt
  1. Warum sehen Hunde nachts besser als Menschen?
  2. Was ist das Tapetum Lucidum beim Hund?
  3. Sehen Hunde nachts genauso gut wie Katzen?
  4. Welche Farben erkennen Hunde im Dunkeln?
  5. Wie gehst du sicher mit dem Hund im Dunkeln Gassi?
  6. Woran erkennst du Sehprobleme beim Hund?

Dein Hund bleibt stehen und fixiert etwas im Gebüsch – du siehst nur Schatten. Diese Situation kennst du vom Abendspaziergang. Während du nach der Taschenlampe greifst, hat dein Hund längst erkannt, ob dort eine Katze, ein Igel oder nur ein Plastikbeutel im Wind hängt.

Warum sehen Hunde nachts besser als Menschen?

Die Netzhaut des Hundes ist stäbchendominiert: In der Netzhautmitte sitzen rund 500 000 Stäbchen pro Quadratmillimeter, etwa dreimal so dicht wie beim Menschen. Wie wenig Licht ein Hund braucht, ist nicht in Lux gemessen. Belegt ist das Verhältnis: Er kommt mit etwa einem Fünftel der Lichtmenge aus, die du brauchst.

Die grösseren Pupillen sammeln zusätzlich mehr Licht. Grosse Hunde öffnen die Pupille auf bis zu 11 Millimeter, der Mensch auf rund 8 – ein spürbarer, aber kein dramatischer Vorsprung.

Was ist das Tapetum Lucidum beim Hund?

Das Tapetum Lucidum ist eine reflektierende Schicht hinter der Netzhaut, die wie ein Spiegel funktioniert. Sie gibt jedem Lichtteilchen eine zweite Chance auf die Sinneszellen. Deshalb leuchten Hundeaugen im Scheinwerferlicht grün oder blau. Wie stark der Gewinn beim Hund ausfällt, ist nicht beziffert, bezahlt wird er mit Schärfe: Das zurückgeworfene Licht streut und macht das Bild unschärfer.

Nicht alle Hunde haben diese Schicht. Bei blauäugigen Hunden und Merles fehlt das Tapetum oft ganz. Eine messbare Sehschwäche in der Nacht ist daraus bisher nicht belegt.

Sehen Hunde nachts genauso gut wie Katzen?

Nein. Katzen sind die Nachtsicht-Champions und übertreffen Hunde deutlich. Ihre Schwelle liegt etwa siebenmal tiefer als die menschliche, die des Hundes rund fünfmal. Absolute Lux-Werte gibt die Forschung für beide Arten nicht her.

Hunde sind aber perfekte Dämmerungsjäger. In der Zeit zwischen Tag und Nacht, wenn weder Menschen noch Katzen optimal sehen, haben sie ihren grössten Vorteil.

Welche Farben erkennen Hunde im Dunkeln?

Bei Nacht spielt Farbe kaum eine Rolle – weder für dich noch für deinen Hund. Alle Säugetiere sehen im Dunkeln praktisch in Graustufen, weil nur die Stäbchen aktiv sind.

Aber: Hunde unterscheiden auch bei Tageslicht Rot und Grün schlecht. Was für dich ein roter Ball auf grünem Gras ist, erscheint deinem Hund als gelblicher Gegenstand auf gelblichem Untergrund. Bei Dunkelheit verschwindet dieser Nachteil.

Wie gehst du sicher mit dem Hund im Dunkeln Gassi?

Auch wenn dein Hund besser sieht als du – unfehlbar ist er nicht. Drei Massnahmen reduzieren das Risiko erheblich.

Reflektierende Ausrüstung für beide: Ein beleuchtetes Halsband holt euch aus der Dunkelheit heraus. Belastbare Zahlen gibt es nur für Menschen: Reflektierende Kleidung wird ab über 200 Metern erkannt, dunkle erst zwischen 17 und 50 Metern. Du benötigst eine Warnweste oder Stirnlampe – nicht für deinen Hund, sondern damit Radfahrer und Jogger euch rechtzeitig bemerken.

Kurze Leine in kritischen Bereichen: Dein Hund sieht zwar das Kaninchen im Gebüsch, aber nicht das Auto hinter der Kurve. In Strassennähe und an Gewässern gehört er an die kurze Leine – so kurz, dass du ihn in einem Schritt zurückholen kannst. Eine gesetzliche Längenvorgabe gibt es in der Schweiz nicht.

Stirnlampe mit rotem Licht: Weisses LED-Licht blendet euch beide. Bis das menschliche Auge wieder voll dunkeladaptiert ist, vergehen 20 bis 30 Minuten. Rotes Licht schont die Dunkeladaption und reicht zur Orientierung. Für den Hund ist das nicht eigens untersucht, seine Stäbchen arbeiten aber im gleichen Wellenlängenbereich.

Woran erkennst du Sehprobleme beim Hund?

Läuft dein Hund plötzlich vorsichtiger als früher oder bleibt öfter stehen? Das kann ein Hinweis auf nachlassende Sehkraft sein. Besonders ältere Hunde entwickeln grauen Star. Die Progressive Retinaatrophie ist dagegen erblich und zeigt sich meist schon ab drei bis fünf Jahren.

Ein einfacher Test: Wirf einen Ball bei Dämmerung. Gesunde Hunde verfolgen ihn mit den Augen, bevor er landet. Hunde mit Sehproblemen orientieren sich stärker am Geräusch als am Sichtreiz.

Benötigen Hunde nachts eine Beleuchtung?

In vertrauter Umgebung nicht. Blinde Hunde navigieren zu Hause problemlos über ihr Gedächtnis und andere Sinne. Eine schwache Nachtbeleuchtung kann aber helfen, wenn du die Möbel umgestellt hast.

Können Hunde wirklich nachtblind werden?

Ja, durch Erbkrankheiten wie Progressive Retinaatrophie. Betroffen sind vor allem Pudel, Labrador, Golden Retriever und Cocker Spaniel. Die Hunde sehen zuerst bei Dämmerung schlechter, später auch am Tag.

Warum haben manche Hunde rote Augen auf Fotos?

Rote Augen entstehen dort, wo das Tapetum fehlt. Dann trifft das Blitzlicht direkt auf die gut durchblutete Aderhaut dahinter und wird rot zurückgeworfen. Bei blauäugigen Hunden und Huskys ist das der Normalfall.

Quellen
  1. Mowat FM et al. 2008: Photoreceptor topography of the canine retina (Mol Vis 14:2518)
  2. University of Wisconsin-Madison: How well do dogs see at night? (Paul Miller)
  3. Mills EP et al. 2022: Pupillometrie beim Hund, 126 Augen (Front Vet Sci)
  4. ACVO: Why do my dog's eyes shine at night? (Tapetum, Aderhaut, blaue Augen)
  5. Webvision: Light and Dark Adaptation (NCBI Bookshelf NBK11525)
  6. Uebersicht prcd-PRA: betroffene Rassen und Traegerraten (PMC10665785)