Training & Erziehung

Körpersprache von Hunden lesen –

2 Min Lesezeit
Körpersprache von Hunden lesen –
Inhalt
  1. Was sind Calming Signals?
  2. Wann zeigen Hunde Beschwichtigungssignale?
  3. Die häufigsten Beschwichtigungssignale
  4. Weitere Signale in Körperhaltung und Mimik
  5. Beobachtungsfähigkeit trainieren
  6. Beschwichtigungssignale im Training berücksichtigen

Hunde kommunizieren permanent über Körpersprache. Die norwegische Hundetrainerin Turid Rugaas hat über 30 sogenannte Calming Signals dokumentiert – Beschwichtigungssignale, mit denen Hunde Stress abbauen und Konflikte entschärfen. Wer diese Signale lesen kann, erkennt rechtzeitig, wann eine Situation zu kippen droht.

Was sind Calming Signals?

Calming Signals (Beschwichtigungssignale) sind Verhaltensweisen, mit denen Hunde Spannungen abbauen – gegenüber anderen Hunden, Menschen oder sich selbst. Sie dienen der Deeskalation, nicht der Unterwerfung. Ein Hund, der Calming Signals zeigt, kommuniziert: „Ich bin keine Bedrohung.“ Alle Hunde setzen sie ein – unabhängig von Rasse oder Alter.

Wann zeigen Hunde Beschwichtigungssignale?

Beschwichtigungssignale treten in spannungsgeladenen Situationen auf: wenn ein anderer Hund droht, wenn ein Mensch laut wird, wenn der Hund selbst nervös ist. Ein Welpe zeigt sie, wenn ein grosser Hund ihn beeindruckt. Ein erwachsener Hund nutzt sie, wenn eine Hundebegegnung zu eskalieren droht. Die Signale wirken präventiv – der Hund versucht aktiv, Probleme zu vermeiden, lange bevor Aggression entsteht.

Die häufigsten Beschwichtigungssignale

Nasen- oder Lippen-Lecken: Der Hund leckt sich blitzschnell die Schnauze, manchmal auch die Nase. Dieses Signal zeigt Stressabbau, keinen Hunger.

Augenkontakt vermeiden oder wegschauen: Der Hund dreht seinen Kopf ab oder bricht den Blickkontakt. Das signalisiert: „Du bist mir nicht böse, ich schaue weg.“

Gähnen: Ausgeprägtes, für andere sichtbares Gähnen zeigt Anspannung, nicht Müdigkeit.

Schnüffeln: Der Hund fixiert plötzlich den Boden, als ob er dort etwas gefunden hätte. Das lenkt seine Aufmerksamkeit ab und signalisiert Entspannung.

Weitere Signale in Körperhaltung und Mimik

Ohr-Positionen: Ohren nach hinten oder zur Seite signalisieren Nervosität. Aufgerichtete Ohren stehen für Aufmerksamkeit oder Dominanz.

Ruten-Haltung: Eine eingezogene Rute zeigt Angst oder Unsicherheit. Eine nach vorne aufgerichtete, steife Rute signalisiert Dominanz oder Aggression – eine lockere, pendelnde Rute in mittlerer Höhe hingegen Ruhe.

Körper-Krümmung: Ein Hund, der seinen Körper krümmt, sich kleiner macht oder sich hinlegt, kommuniziert: „Ich bin harmlos.“

Schnelle oder flache Atmung: Hecheln ohne körperliche Anstrengung ist ein klares Stress-Zeichen.

Beobachtungsfähigkeit trainieren

Achte bei jeder Hundebegegnung gezielt auf Ohr- und Rutenhaltung. Ist der Hund angespannt oder entspannt? Schaue dir Videos von Hundebegegnungen an und pausiere bei sichtbaren Beschwichtigungssignalen. Beobachte deinen eigenen Hund: Wann leckt er sich die Schnauze? In stressigen Momenten? Nach Konfrontationen?

Wenn du Beschwichtigungssignale erkennst, ist dein Hund bereits nervös. Stoppe in diesem Moment die Trainingssitzung oder vergrössere die Distanz.

Beschwichtigungssignale im Training berücksichtigen

Wer Beschwichtigungssignale ignoriert und weiter trainiert oder sich nähert, riskiert, dass der Hund zu stärkeren Signalen wie Schnappen oder Bellen greift. Beschwichtigungssignale sind das Frühwarnsystem, bevor eine Situation eskaliert. Wer sie rechtzeitig erkennt, kann anpassen – statt Konflikte aufzuschichten.